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Über dieses Buch

Matthias Meier geht der Frage nach, ob das Versprechen der Moderne, die ja auch als soziale Bühne für individuelle Selbstentfaltung gelesen werden kann, gesellschaftsstrukturell einer realistischen Beobachtung entspringt. Er legt dar, dass sich die Uneinlösbarkeit dieses Versprechens auch aus der Struktur einer in toto nichtadressierbaren Gesellschaft selbst ergibt - ein Umstand, der bislang durch gesellschaftliche Semantiken kollektiver Identitätsformen invisibilisiert werden konnte. Zudem untersucht der Autor, welche Funktionen diese Formen in einem soziologischen Sinne erfüllen und in welchen Kontexten sie sich als besonders anschlussfähig generieren. Dabei gewinnen im Zuge der Auflösung bislang als voraussetzbar angesehener Ordnungsmuster Figuren kollektiver Identitäten als Kontingenzlimitierungsformen auch neue Aktualität.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

0. Einleitung

Zusammenfassung
Vor nunmehr mehr als 20 Jahren erfolgte (in Deutschland besonders prominent durch den Fall der Mauer), retrograd betrachtet, ein radikaler Einschnitt in die bis dato bekannte bzw. als bekannt vorausgesetzte und damit Ordnung versichernde Welt, durch den viele bis dahin als Unhinterfragbarkeiten angenommene soziale Orientierungen und Ordnungsstrukturen ihre Tragkraft verloren. Der Zusammenbruch des Kommunismus, das Auseinanderfallen des Sowjet-Imperiums und die Ost-Öffnung führten – nicht nur dort – zur Zersplitterung räumlicher Ordnungsstrukturen bis dahin geltender Staatsmuster geschlossener Räume, zu individuellen Möglichkeiten als auch Notwendigkeiten räumlicher Mobilität zunehmend weltgesellschaftlichen Ausmaßes sowie neuen (gerade auch konflikthaften) Grenzziehungen.
Matthias Meier

Die semantische Koinzidenz von Struktur und Semantik der Gesellschaft: Kollektivität als Problemformel des Politischen

Frontmatter

1. Politik – die Einheitsperspektive der Gesellschaft?

Zusammenfassung
„Wo Menschen es mit Menschen zu tun haben, da treffen wir auf Politik.“ Dieser – dem politikwissenschaftlichen common sense entsprechenden – Auffassung zufolge ist Politik ein – wenn nicht der – elementare Bereich menschlichen Zusammenlebens; mithin der Gesellschaft. Gesellschaft – an dieser Stelle mit Simmel klassisch (aber ohne funktionalen Aussagegehalt) – als Prozess menschlichen Zusammenlebens skizziert, denn „fortwährend knüpft sich und löst sich und knüpft sich von neuem die Vergesellschaftung unter den Menschen, ein ewiges Fließen und Pulsieren, das die Individuen verkettet“; Verkettungen, die als Bewegungsstil individueller Selbstentfaltung im Kontext anderer Selbstentfaltungen [vgl. FN17] eben durch Politik strukturiert werden würden, würde auf die Frage nach Politik zur Antwort der Notwendigkeit von und Frage der Gestaltung evolutionären menschlichen Zusammenlebens führen.
Matthias Meier

Funktionen von Kollektivsemantiken als Selbstbeschreibungskategorien

Frontmatter

2. „Kollektive Identitäten“ als moderne Einheitsimaginationen

Zusammenfassung
In der stratifizierten Gesellschaft waren deren Mitglieder qua Geburt fest und eindeutig in den jeweiligen gesellschaftlichen Stand „eingeschlossen und aufgehoben“ [vgl. Kap. 1.3], so dass jeder „seine Identität als personale Ganzheit in die Kommunikation der Gruppen, in denen er lebte, „einbringen“ konnte, eben weil sie Zugehörigkeiten und nicht Einzigartigkeiten unterstrich.“ Aus psychischer Systemreferenz ergab sich aus dieser gesellschaftlichen „Totalkonditionierung“ eine verlässliche und unveränderliche Statuszuweisung als kollektive Identität; „Identität ist nicht wählbar.“ Je weiter sich nun die Umstellung auf funktionale Differenzierung vollzog, desto weniger konnte diese Totalkonditionierung greifen, wurde die bis dato gegebene Möglichkeit, sich durch die Normalzumutung determinierter und schichtabhängiger Interaktionsmuster als ganzer Mensch kommunikativ sozial ansprechbar zu generieren, zunehmend unmöglich; „muss die Beteiligung des einzelnen an der Gesellschaft in andere Formen gebracht werden; denn Personen bzw.
Matthias Meier

Die Struktur der Gesellschaft: Operative Unkoordinierbarkeit struktureller Desintegrativität

Frontmatter

3. Perspektiven der Gesellschaftsstruktur der Weltgesellschaft

Zusammenfassung
Die umseitige Klage Bourdieus scheint heute zum basso continuo gesellschaftlicher Fremdbeschreibungen des politischen Systems zu gehören: Die Politik hat sich in sich selbst zurückgezogen, ist nicht mehr in der Lage oder Willens, ihrem Auftrage nachzukommen und den Erwartungen ihres konstitutiven Fundaments, ihrer Wähler, deren „um Selbsterhaltung und Selbstentfaltung bemühten Impulse und Bewegungen“ [vgl. FN17], die aus der Beobachtung gesellschaftlichen Geschehens und der daraus resultierenden Konstruktion von Problemlagen als beobachtbare und beobachtete Ungleichheiten gesellschaftsstruktureller Adressierungen und/oder der Selbstzurechnung zu bestimmten kollektivitätsorientierten Perspektiven und/oder individuellen Ansprüchen resultieren, zu entsprechen.
Matthias Meier

4. Schluss

Zusammenfassung
Gesellschaft als Konvolut autologischer Reproduktion divergent selbstkonstitutiver Ordnungen weltgesellschaftlicher Anschlussfähigkeit koinzidiert weder sachlich, zeitlich noch sozial die Verifizierung einer teleologisierbaren Einheitsimagination (Gesellschaft als …) durch Engführung auf eine repräsentable Unterscheidung, vielmehr zeigt sich deren Kohärenz wie Kontinuität in der Disparität und Inkommensurabilität ihrer Funktionen und Kontexte. Durch die Eigenrationalität dieser Partiallogiken, die sich heute auch nicht mehr auf erwartbar teilsystemspezifische Realitäten beschränken, sondern sich sinnlogisch weiter unerwartbarer ausdifferenzieren und deren in den Virtualitäten und Netzwerken der Weltgesellschaft offensichtlicher und unversöhnlicher zu Tage tretenden Visibilität findet nun auch semantisch das „Projekt der Moderne“ sein Ende.
Matthias Meier

Backmatter

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