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Über dieses Buch

In diesem disziplinübergreifenden Fachbuch, welches die Brücke zwischen den Natur- und Sozialwissenschaften schlägt, werden sowohl die wissenschaftlichen Grundlagen der Renaturierungsökologie wie auch praktische Aspekte der Ökosystemrenaturierung umfassend dargestellt. Hierbei werden die Vielfalt der Landnutzungstypen mit einem Schwerpunkt auf Mitteleuropa herausgestellt und Fallbeispiele von praktischen Renaturierungsprojekten präsentiert. Das Fachbuch bietet sowohl für Studierende, die sich mit der Umwelt beschäftigen, für Wissenschaftler wie auch für Praktiker einen profunden und aktuellen, aber auch kritischen Überblick über den Stand des Wissens. Dieses Buch erschließt das breite Spektrum degradierter Ökosysteme der mitteleuropäischen Natur- und Kulturlandschaften. In weiteren Kapiteln wird auf marine Ökosysteme und deren Renaturierung sowie auf Entwicklungspotenziale, aber auch Grenzen der Renaturierung detaillierter eingegangen. Die ökologischen Grundlagen werden durch eine interdisziplinäre Perspektive unter Berücksichtigung der Umweltethik, Soziologie, Anthropologie und Ökonomie erweitert. Das Fachbuch bietet neben einer aktuellen Übersicht über die verschiedenen Bereiche und Tätigkeitsfelder der Renaturierungsökologie und Ökosystemrenaturierung eine wertvolle Grundlage für Studium, Wissenschaft und Praxis. Die Studierenden erhalten zudem eine Hilfestellung zur Literatursuche und kritischen Faktenanalyse und die Dozenten zu Lehrformen und interdisziplinären Diskussionsansätzen der Renaturierungsökologie.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Allgemeine Grundlagen

Frontmatter

Kapitel 1. Einführung in die Renaturierungsökologie

Zusammenfassung
Die Renaturierungsökologie ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld, welches auf den Konzepten und Grundlage der Ökologie aufbaut und sich sowohl in der Theorie wie auch der Praxis anderer Disziplinen der Natur- und Sozialwissenschaften bedient. Nach einem kurzen historischen Überblick über die Renaturierungsökologie bzw. Ökosystemrenaturierung werden wichtige ökologische Grundbegriffe und Schlüsselkonzepte sowie die Konzepte der Ökosystemleistungen und Ökosystemdegradation erläutert. Als Grundlage für dieses interdisziplinäre Fachbuch wird die Ökosystemrenaturierung definiert, um damit auch die zahlreichen Renaturierungsansätze für die mitteleuropäischen Öko- bzw. Landnutzungssysteme in einen umfassenden Rahmen einzubetten.
Stefan Zerbe

Kapitel 2. Welcher Lebensraum soll wiederhergestellt werden? Referenzökosysteme für die Renaturierung

Zusammenfassung
Für die Identifizierung des Renaturierungspotenzials, die Auswahl von geeigneten Renaturierungs- bzw. Managementmaßnahmen, die Abstimmung und ggf. Lösung von Nutzungskonflikten mit den Akteuren und die Finanzierung einer Ökosystemrenaturierung ist eine Zielbestimmung im Vorfeld einer Renaturierung unabdingbar. Die entsprechenden Referenzsysteme können in der ursprünglichen Naturlandschaft oder der historischen bzw. aktuellen Kulturlandschaft zu finden sein oder hypothetisch konstruiert werden.
Stefan Zerbe

Kapitel 3. Maßnahmen der Ökosystemrenaturierung

Zusammenfassung
Die Maßnahmen, die bei der Ökosystemrenaturierung eingesetzt werden, reichen von den bekannten, in Naturschutz sowie land- und forstwirtschaftlicher Nutzung eingesetzten oder im Rahmen der Ingenieurbiologie etablierten Maßnahmen bis hin zu spezifisch für die Renaturierung von Ökosystemen entwickelten Verfahren.Die Vielfalt dieser Renaturierungsmaßnahmen, die z. T. in verschiedenen Ökosystemen zur Anwendung kommen, wird im Überblick vorgestellt. Die Maßnahmen der Ökosystemrenaturierung reichen vom Nichtstun (passive Renaturierung) bis hin zu tiefgreifenden technischen Maßnahmen, die den fließenden Übergang zur Ingenieurbiologie darstellen.
Stefan Zerbe

Kapitel 4. Wiedereinführung von Pflanzen- und Tierarten

Zusammenfassung
Mit der Wiedereinführung von Tier- und Pflanzenarten soll einerseits eine im Zielgebiet bzw. auf einem Zielstandort vom Aussterben bedrohte Population unterstützt (reinforcement) oder eine durch anthropogene Eingriffe innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets verschwundene Pflanzen- oder Tierart zurückgeführt werden (reintroduction). Hier werden Beispiele der Wiedereinführung von Pflanzen- und Tierarten aus Mitteleuropa aufgeführt und der Erfolg dieser Maßnahmen kritisch reflektiert.
Stefan Zerbe

Kapitel 5. Zum Umgang mit nichteinheimischen Arten in der Ökosystemrenaturierung

Zusammenfassung
Das Vorkommen und die starke Ausbreitung von nichteinheimischen Pflanzen- und Tierarten (Neobiota) werden häufig als ein Problem für den Naturschutz und die Renaturierung angesehen. Der generelle Umgang mit den „fremden“ Arten wird kritisch beleuchtet und es werden Beispiele für deren Bekämpfung im Rahmen der Ökosystemrenaturierung angeführt. In einigen Fällen lassen sich nichteinheimische Pflanzenarten und deren Leistungen in die Ökosystemrenaturierung gewinnbringend einbinden.
Stefan Zerbe

Kapitel 6. Monitoring und Erfolgskontrolle

Zusammenfassung
Um im Rahmen einer Ökosystemrenaturierung zu ermitteln, ob die gesteckten Ziele durch die ergriffenen Maßnahmen erreicht worden sind, ist eine Erfolgskontrolle notwendig. Diese kann zu einem bestimmten Zeitpunkt einmalig oder durch ein Monitoring als ein wiederholt durchgeführtes Untersuchungsprogramm durchgeführt werden. Hierfür steht eine Vielzahl von ökologischen Indikatoren bzw. Parametern zur Verfügung. Für eine Erfolgskontrolle in der Ökosystemrenaturierung werden die entsprechenden Merkmale und die Parameter für die Operationalisierung genannt.
Stefan Zerbe

Renaturierung spezifischer Ökosysteme bzw. Nutzungstypen in Mitteleuropa mit den Alpen

Frontmatter

Kapitel 7. Wälder

Zusammenfassung
In Mitteleuropa steht weniger eine Vergrößerung der Waldfläche im Fokus der Renaturierung als vielmehr die Erhöhung bzw. Verbesserung der Multifunktionalität bzw. der Ökosystemleistungen bestehender Wälder. Waldgeschichte, Waldvegetation und Ökosystemleistungen der Wälder Mitteleuropas werden umrissen. Spezifische Strategien und Maßnahmen der Waldrenaturierung werden ebenso angesprochen wie einige Beispiele des naturnahen Waldumbaus vorgestellt. Ein Fokus wird hierbei auf die Umwandlung anthropogener Nadelholzforsten in naturnahe Laubmischwälder gelegt. Als Fallbeispiel wird die erfolgreiche Waldrenaturierung im Rheinischen Braunkohlerevier auf ehemals vom Braunkohletagebau betroffenen Standorten nach ca. 80 Jahren dokumentiert.
Stefan Zerbe

8. Moore

Zusammenfassung
Die hohe Bedeutung von Mooren für den Arten-, Biotop-, Landschafts- und Klimaschutz ist heute europaweit weitgehend anerkannt. Neben einem kurzen Abriss der Nutzungsgeschichte, der Vegetations- und Standortsvielfalt von Mooren Mitteleuropas, der Ökosystemleistungen und entsprechender nationaler und internationaler Moorschutzbestrebungen werden insbesondere die verschiedenen Strategien der Wiedervernässung als eine der wichtigsten Maßnahmen zur Renaturierung von Mooren erläutert. Langfristig problematisch bleibt die Phosphor- und Methandynamik wiedervernässter Moore. Die Vorstellung des Fallbeispiels Dosenmoor in Schleswig-Holstein rundet das Kapitel ab.
Stefan Zerbe

9. Subalpines und alpines Grasland

Zusammenfassung
Die Hochlagen der Gebirge Mitteuropas sind gekennzeichnet durch extreme Standortbedingungen. Dies stellt eine Renaturierung der Gebirgsökosysteme vor besondere Herausforderungen, zumal, neben der bereits Jahrhunderte lang betriebenen Berglandwirtschaft,insbesondere derWinter- und Sommertourismus stetig in immer höhere und abgelegenere Hochgebirgsregionen vorgedrungen ist, mit der Folge von Degradation und Zerstörung der empfindlichen alpinen Graslandökosysteme. Mit einem Schwerpunkt auf die Alpen werden die Probleme und praktischen Möglichkeiten der Ökosystemrenaturierung erörtert. Für die Wiederbegrünung von Hängen kommen z. T. Maßnahmen zum Einsatz, die sich in der Ingenieurbiologie bewährt haben, unter Einsatz von standortgerechtem Saatgut. Als Fallbeispiel wird die Wiederbelebung der Weidewirtschaft in den Berglagen der Steiermark dargestellt.
Stefan Zerbe

10. Fließgewässer

Zusammenfassung
Die meisten Fließgewässer in Mitteleuropa haben ihre natürliche Dynamik und dietypischen Lebensräume ihrer Auen aufgrund anthropogener Eingriffe verloren. Dennoch wird seit Jahrzehnten versucht, zumindest abschnittsweise naturnahe Verhältnisse wiederherzustellen, heute stark beeinflusst durch die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Hier werden sowohl die Maßnahmen zur Wiederherstellung der Morphodynamik von Flüssen wie auch der Ökosystemleistungen von Auenlebensräumen vorgestellt. Zur Einschätzung des Renaturierungserfolgs steht ein umfangreiches Repertoire an Bewertungsverfahren für Fließgewässer zur Verfügung, die z. T. auch auf andere Ökosystemtypen übertragen werden können. Eine Deichrückverlegung an der Mittelelbe wird als Fallbeispiel zur Wiederherstellung eines naturnahen Flussabschnitts und des nachfolgenden Monitorings dargestellt.
Stefan Zerbe

11. Natürliche und anthropogene Stillgewässer

Zusammenfassung
Mitteleuropa ist, auch bedingt durch die eiszeitliche Überformung, in vielen Regionen natürlicherweise sehr seenreich. Hinzu kommt eine Vielzahl künstlicher Seen. Eine der Hauptbelastungen der Seenökosysteme ist heute die Schad- bzw. Nährstofffracht. Renaturierungsmaßnahmen sind deshalb sehr häufig damit verbunden, die hohe Nährstoffkonzentration (insbesondere Phosphor) sowohl im Wasserkörper als auch im Sediment zu senken und damit die naturnahen wasserchemischen Bedingungen bzw. Lebensgemeinschaften im und am Wasser wiederherzustellen. Ebenso wie die Renaturierung von Fließgewässern muss auch das Seenmanagement räumlich übergreifend, d. h. für das gesamte Einzugsgebiet realisiert werden. Viele Projekte der Seenrenaturierung, die mit einem hohen technologischen und finanziellen Aufwand durchgeführt werden, zeigen allerdings langfristig kaum den erwarteten Erfolg. Als Fallbeispiel für eine Seenrenaturierung wird das urbane Gewässer Tegeler See in Berlin vorgestellt.
Stefan Zerbe

12. Von Salz beeinflusste Ökosysteme und Nutzungstypen

Zusammenfassung
Nicht zuletzt der Klimawandel und der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels haben die Küstenlebensräume auf die Agenda der internationalen Umweltpolitik gebracht. In Europa sind bisher zahlreiche Projekte zur Renaturierung von Salzgrasland an den Küsten durchgeführt worden, welche hier kritisch reflektiert werden. Es scheint, dass naturnahes Salzgrasland der Küsten bereits nach wenigen Jahren der Renaturierungsmaßnahmen, wie z. B. dem Rückbau von Deichen, wiederhergestellt werden kann. Der Deichrückbau auf der Nordseeinsel Langeoog wird als Fallbeispiel vorgestellt. Zudem werden Binnensalzstellen und deren Management behandelt.
Stefan Zerbe

13. Marine Lebensräume in Nord- und Ostsee

Zusammenfassung
Die zunehmende Diskussion um die globale Problematik des Eintrags von Plastik bzw. Mikroplastik in die Meeresökosysteme zeigt, dass eine Verbesserung des ökologischen Zustands mariner Ökosysteme dringend geboten ist. Die europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie ist Ausdruck eines internationalen umweltpolitischen Willens, sich dieser globalen Umweltproblematik aktiv anzunehmen. Am Beispiel von Nord- und Ostsee wird die Bedeutung der Meeresökosysteme für den Menschen dargestellt, deren Umweltbelastungen hervorgehoben und eine räumlich übergreifende Strategie der Renaturierung von Meeresökosystemen vorgestellt. Einige lokal-regionale Beispiele von Renaturierungsmaßnahmen in den marinen Ökosystemen bzw. im Küstenbereich werden besprochen.
Stefan Zerbe

14. Heiden im Tief- und Bergland

Zusammenfassung
Als durch eine traditionelle Landnutzung der vergangenen Jahrhunderte entstandene Ökosysteme haben Tieflands- und Bergheiden in Mittel- und Westeuropa heute einen hohen Naturschutzwert und tragen lokal-regional positiv zur Regionalentwicklung bei. Ökologie und Nutzungsgeschichte werden beleuchtet, ebenso wie die Ökosystemleistungen und nationale und internationale Schutz- und Renaturierungsprogramme. Die traditionellen Methoden, ergänzt und modifiziert durch moderne Verfahren eines Heidemanagement bzw. der Renaturierung von Heiden werden vorgestellt, kritisch diskutiert und mit Beispielen v.a. aus Deutschland, den Niederlanden und England veranschaulicht. Als Fallbeispiel wird die Renaturierung einer Bergheide im Hochsauerland besprochen.
Stefan Zerbe

15. Wiesen und Weiden mesophiler, feuchter und kalkhaltiger Standorte

Zusammenfassung
Grünland gehört zu einem der wichtigsten Bestandteile der mitteleuropäischen Kulturlandschaften. Insbesondere extensiv bewirtschaftetes, mäßig oder nicht gedüngtes Grünland auf trockenen, kalkhaltigen, sauren oder frischen bis feuchten Standorten weist eine hohe Artenvielfalt auf. Nutzungsgeschichte, Ökologie und Vegetationsvielfalt werden kurz vorgestellt, die Leistungen des Grünlandes für den Menschen umrissen und regionale, nationale und internationale Initiativen zu deren Schutz und Renaturierung erörtert. Die vielfältigen Maßnahmen zur Wiederherstellung artenreichen Grünlandes, verbunden mit der Beeinflussung der abiotischen und biotischen Standortfaktoren, werden dargestellt und kritisch reflektiert. Als Fallbeispiel, welches sowohl die ökologischen als auch die sozioökonomischen Aspekte der Grünlandrenaturierung berücksichtigt, wird ein Projekt aus dem Biosphärenreservat Rhön vorgestellt.
Stefan Zerbe

16. Sandmager- bzw. Sandtrockenrasen der Küsten und des Binnenlandes

Zusammenfassung
Sandtrocken- und -magerrasen treten an den Küsten und im Binnenland auf. Neben den natürlicherweise auftretenden Sukzessionsstadien nach einer Störung sind es v. a. traditionelle Landnutzungsformen, die häufig ein vielfältiges Mosaik an Vegetationsstrukturen geschaffen haben. Die extremen Standortbedingungen der frühen Sukzessionsstadien auf sandigen Standorten werden erläutert und deren Bedeutung insbesondere für den Arten- und Biotopschutz hervorgehoben. Neben den für die Wiederherstellung artenreichen Grünlands üblichen Verfahren werden anhand von Beispielen aus der Renaturierungspraxis und experimenteller Ansätze der Renaturierungsökologie spezifische Verfahren auf Sandtrocken- bzw. -magerrasen besprochen. Als Fallbeispiel wird der ehemalige Truppenübungsplatz Döberitz vorgestellt, auf welchem mit einem flexiblen Management, auch unter Einsatz von Megaherbivoren, eine strukturreiche Landschaft mit unterschiedlichsten Sukzessionsstadien wiederhergestellt bzw. erhalten wird.
Stefan Zerbe

17. Äcker

Zusammenfassung
Die Äcker in Mitteleuropa beherbergten vor der Einführung der Mineraldüngung und der großflächigen Nutzung synthetischer Pestizide eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten, die die unterschiedlichen Standorte neben den eigentlichen Kulturpflanzen besiedelten. Einst fanden sich zahlreiche typische Pflanzengesellschaften auf den Äckern, differenziert in Abhängigkeit von den Bodenbedingungen und der Bewirtschaftung bzw. den Kulturpflanzen. Hier werden Initiativen vorgestellt, diese vielfältige Ackerbegleitflora wiederherzustellen, nicht nur aus Gründen des Arten- und Biotopschutzes, sondern auch zum genetischen Ressourcenschutz und zum Schutz traditioneller Kulturlandschaften. Mit Förderprogrammen wird der Arten- und Biotop- sowie der Ressourcenschutz auf Äckern gefördert, wie das vorgestellte Beispiel der Renaturierung artenreicher Äcker in NO-Deutschland zeigt.
Stefan Zerbe

18. Traditionelle Agroforstsysteme

Zusammenfassung
Traditionelle Agroforstsysteme waren in Mitteleuropa einst weit verbreitet und stellen heute meist nur noch historische Kulturlandschaftselemente dar. Hierzu gehören beispielsweise Streuobstwiesen, Baumwiesen und die Lärchenwiesen der Alpen. Die Agroforstsysteme erbringen vielfältige Leistungen für den Menschen, neben der Bereitstellung von land- und forstwirtschaftlichen Produkten und der Regulation (z. B. Kohlenstoffspeicherung) insbesondere auch kulturelle Ökosystemleistungen. Eine Renaturierung von Agroforstsystemen kann insbesondere auch zur Bewahrung von genetischen Ressourcen der zahlreichen Obstsorten beitragen, was durch Förderprogramme unterstützt wird. Ein Fallbeispiel aus Baden-Württemberg belegt, wie die Revitalisierung von Streuobstwiesen nicht nur für den Arten- und Biotopschutz, sondern auch für die Regionalentwicklung von hoher Bedeutung ist.
Stefan Zerbe

19. Städtische Ökosysteme

Zusammenfassung
Mit dem weltweit zunehmenden Bevölkerungsanteil in Städten kommt den urbanen Ökosystemen eine hohe Bedeutung als Lebensraum für den Menschen zu. Die ökologischen Besonderheiten und Leistungen städtischer Ökosysteme, letztere auch im Hinblick auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen in den Städten bzw. Stadtlandschaften, werden dargestellt. Ökosystemrenaturierung in Städten zur Wiederherstellung der Stadtnatur und deren Leistungen wird hier weit gefasst und die zahlreichen Initiativen werden vorgestellt. Prinzipiell kommen bei vielen Ökosystemtypen (z. B. Grünland, Stadtwälder) im Stadtbereich die gleichen Maßnahmen zur Anwendung wie außerhalb der Städte. Als ein aufgrund der besonderen historischen Entwicklung Berlins zwar einerseits einzigartiges, aber prinzipiell in vielerlei Hinsicht andererseits auch übertragbares Beispiel einer passiven sowie aktiven Renaturierung städtischer Ökosysteme wird der Naturpark Schöneberger Südgelände dokumentiert.
Stefan Zerbe

20. Berg- bzw. Tagebaustandorte und Deponien

Zusammenfassung
Während sich kleinflächige Abbaustellen von Bodenmineralien häufig passiv, d.h. ohne größere Einflussnahme renaturieren lassen, kommen bei den großflächigen Braunkohletagebau-Folgelandschaften sowie den Bergbau- und Abfalldeponien unterschiedliche Maßnahmen zum Einsatz, um einerseits artenreiche Lebensräume und andererseits Nutzungssystem für Land- und Forstwirtschaft sowie die Naherholung und den Tourismus (Rekultivierung) wiederherzustellen. Dies wird für die Tagebauflächen Mitteleuropas vorgestellt, wobei auf mehrere Jahrzehnte lange Erfahrungen zugegriffen werden kann. Herausforderungen für die Ökosystemrenaturierung stellen hierbei die häufig extremen, in der Naturlandschaft solcherart nicht auftretenden Standortbedingungen dar. Als Fallbeispiel werden die aufgelassenen Kreidebrüche auf der nordostdeutschen Insel Rügen vorgestellt.
Stefan Zerbe

Renaturierung im Spannungsfeld von Mensch und Umwelt: Sozial- bzw. humanwissenschaftliche Aspekte

Frontmatter

21. Gründe und Motivationen für eine Ökosystemrenaturierung

Zusammenfassung
Die Gründe bzw. Motivationen für eine Ökosystemrenaturierung werden in vier Kategorien differenziert, d. h. (1) umweltwissenschaftliche, ökologische bzw. naturschutzfachliche Fakten, (2) ökonomische bzw. umweltökonomische Kosten-Nutzen-Kalkulationen, (3) nationale Gesetzgebungen und internationale Verpflichtungen bzw. Vereinbarungen und (4) umweltethische, religiöse und emotionale Begründungen. Die Begründungsebenen überlagern sich vielfach. Es wird dargestellt, wie diese Begründungskategorien direkt oder indirekt für die Ökosystemrenaturierung herangezogen bzw. für die Planung und Umsetzung praktischer Renaturierungsvorhaben nutzbar gemacht werden können.
Stefan Zerbe

22. Akteure und ihre Rolle in der Ökosystemrenaturierung: Konfliktlösung und Akzeptanz durch Partizipation

Zusammenfassung
Neben den ökologischen und ökonomischen Grundlagen eines jeden Renaturierungsvorhabens ist die Kenntnis der Akteure bzw. Stakeholder unerlässlich. Diese werden im Rahmen einer Akteursanalyse identifiziert. Die Kategorien von Akteuren umfassen die lokal-regionale, nationale und internationale Ebene; zudem werden individuelle und korporative Akteure unterschieden. Voraussetzung sowohl für die Umsetzung eines Renaturierungsvorhabens als auch die dauerhafte Sicherung der Renaturierungsziele ist die Akzeptanz. Empfehlungen zur Konfliktminderung und Verbesserung der Akzeptanzbei Renaturierungsprojekten werden vorgestellt. Transdisziplinäre Ansätze in Forschung und Praxis können hierbei zielführend sein.
Stefan Zerbe

23. Ökonomische Aspekte der Renaturierung: Kosten und Nutzen

Zusammenfassung
Kosten-Nutzen-Analysen spielen nicht nur für die Landnutzung und generell für den Natur- und Umweltschutz auf betriebs- wie auch volkswirtschaftlicher Ebene eine Rolle, sondern werden im Rahmen einer Renaturierungsökonomie immer wichtiger. Methoden zur Erfassung von Kosten und Nutzen der Ökosystemrenaturierung werden kurz umrissen, die Faktoren genannt, welche die Kosten und den Nutzen einer Renaturierung beeinflussen und Finanzierungsquellen für Renaturierungsprojekte identifiziert. Mit den Beispielen Grünland- und Heiderenaturierung, Weidemanagement, Renaturierung zum Klimaschutz und den Kosten und dem Nutzen der Bestäuber Bienen in der Landwirtschaft werden konkrete Renaturierungskosten quantifiziert. Zudem wird mit zwei Beispielen erläutert, wie sich Kosten einer degradierenden Landnutzung und nachfolgender Renaturierung vermeiden lassen, wenn eine langfristige und umfassende Kosten-Nutzen-Analyse im Vorfeld von Landnutzungsänderungen durchgeführt worden wäre.
Stefan Zerbe

24. Normen und Werte in der Ökosystemrenaturierung

Zusammenfassung
Während die Renaturierungsökologie als wissenschaftliche Teildisziplin der Ökologie Daten und Fakten qualitativ und quantitativ generiert und analysiert und damit der Praxis wertfreie Entscheidungsgrundlagen an die Hand gibt, muss bei der konkreten Ökosystemrenaturierung bewertet bzw. eine Entscheidung zwischen verschiedenen Optionen getroffen werden. Neben den naturwissenschaftlichen Sachverhalten müssen demnach humanwissenschaftliche Aspekte in eine praktische Ökosystemrenaturierung miteinbezogen werden. Hier werden die Umweltethik und deren Implikationen für die Ökosystemrenaturierung, die Renaturierung im Dienste einer starken Nachhaltigkeit, die Umweltanthropologie, traditionelles ökologisches Wissen und die Ökosystemrenaturierung als tätige Verantwortung für die Schöpfung kritische reflektiert. Abschließend werden einige Maßnahmen der praktischen Ökosystemrenaturierung, wie z. B. der Pestizideinsatz, auf den ethischen Prüfstand gestellt.
Stefan Zerbe

Synthese

Frontmatter

25. Zusammenfassende Überlegungen und Ausblick

Zusammenfassung
In einer abschließenden Synthese werden die limitierenden Faktoren einer Ökosystemrenaturierung aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Perspektive, die Zeitdauer einer Renaturierung, der nach wie vor hohe Nährstoffeintrag in die Ökosysteme Mitteleuropas, die natürliche Dynamik von Ökosystemen und der Einfluss von Trends im Umwelt- und Naturschutz bzw. der Landnutzung als Problemfelder der Ökosystemrenaturierung kurz reflektiert. Die große Bedeutung des Wissenstransfers in die Renaturierungs- und Naturschutzpraxis wird hervorgehoben.
Stefan Zerbe

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