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03.05.2021 | Rentenversicherung | Nachricht | Onlineartikel

Rentenexperten fordern Reform bei Riester-Policen

Autor:
Bernhard Rudolf
2 Min. Lesedauer

Es herrschte Einigkeit unter den Experten der Diskussionsrunde des Deutschen Institut für Altersvorsorge zur Riester-Rente Ende April: Eine Reform der Riester-Rente nach der Absenkung des Höchstrechnungszinses von 0,90 auf 0,25 Prozent ab 1. Januar 2022 ist dringend notwendig.

Die Branche fordert schon seit langem eine Reform der Bedingungen für die staatlich geförderten Riester-Policen. Denn diese würden für Sparer und Versicherer sonst unattraktiv. Eingezahlte Eigenbeiträge und staatliche Zulagen müssen beim Riester-Modell zu 100 Prozent garantiert werden. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, bringt aber die Versicherer in die Bredouille.

Das Problem der 100-Prozent-Garantien machte Professor Jochen Ruß vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften deutlich. Je höher die Garantien in einem Produkt seien, umso geringer sei die Aktienquote. Mehr Garantien bedeuteten weniger Chancen auf Rendite, weniger Risiko im Aktienmarkt und mehr Sicherheit, die sich aber auf den nominalen Wert des erzielbaren Endbetrags bezieht. 

Mehr Garantien kosten die Kaufkraft

Heißt: Das Risiko des Kunden, Kaufkraft zu verlieren, also im Realwert des erzielbaren Endbetrags, steige aber mit mehr Garantien. Es gebe eine positive Korrelation zwischen Inflation und der Entwicklung im Aktienmarkt. Mehr Garantien erhöhten also das Risiko, dass die Inflation den Realwert des erzielbaren Endbetrags mindere.

Produkte mit 100-Prozent-Garantien ab 2022 nicht mehr darstellbar
Neben der Riester-Rente sei die Beerdigung auch für Beitragszusage mit Mindestleistung in der betrieblichen Altersversorgung eingeleitet und für Anbieter nicht mehr darstellbar, so Ruß. Damit würden zwei Produktgattungen der Altersvorsorge von der Bildfläche verschwinden. Jetzt müsse man von den 100-Prozent-Garantien runter.

Kritik an mangelndem Reformwillen

Sowohl Frank Breiting, Leiter Altersvorsorge, DWS Group, als auch Björn Deyer, Leiter Produktmanagement Vorsorge, Union Investment, stimmten der Analyse des Professors zu. Breiting kritisierte die Politik, dass man jetzt über vier Jahre auf eine diesbezügliche Reform der Riester-Rente warte. Und obwohl sie im Koalitionsvertrage stehe, sei nichts passiert. Es fehle der politische Wille. 

Auch Deyer bestätigte, dass wesentlich mehr Verträge verkauft werden könnten, wenn es die 100-Prozent-Garantien nicht gäbe. Zudem sei der Kundenservice in seinem Unternehmen zum großen Teil mit der Rückabwicklung von Zulagen belegt. Mit einer einfachen Umstellung der Prozesse, dass man erst prüfe und dann zahle, wäre das Problem schnell aus der Welt.

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