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04.03.2021 | Rentenversicherung | Nachricht | Onlineartikel

Demographie und Corona erschweren Rentenfinanzierung

Autor:
Bernhard Rudolf
2:30 Min. Lesedauer

Die Deutschen werden immer älter und im Alter ärmer. Das belastet schon seit Jahren das Rentensystem. Nun kommen noch die Folgen der Corona-Krise hinzu. Hierfür braucht die Rentenpolitik zielführende Antworten, zeigt der MCC-Kongress Zukunftsmarkt Altersvorsorge.

Der wirtschaftliche Rückgang durch die Corona-Krise sei ein "veritabler Einbruch", erläuterte Bert Rürup, Präsident beim Handelsblatt Research Institute, bei der diesjährigen MCC-Veranstaltung Anfang März. Dieser werde auch Auswirkungen auf die gesetzliche Rentenversicherung haben. Der einstige Regierungsberater ist sich sicher, dass die Wirtschaft erst 2022 das Produktionsniveau von 2019 erreichen wird. Es werden infolge von Corona mittel- und langfristig 150 Milliarden Euro Bruttoinlandsprodukt fehlen, man werde auf Dauer mit einem niedrigeren Wachstumspfad leben müssen. 

Konkret heißt das: Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung sinken, auch wenn die vermehrte Kurzarbeit noch einen Teil der Einnahmen sichergestellt hat. Auf den Arbeitsmarkt seien die Auswirkungen bisher noch moderat. Allerdings warnte Rürup warnte jedoch vor einem Anstieg der langfristigen Arbeitslosigkeit.

Massiver Alterungsschub verschärft Rentenkrise

Ab dem Jahr 2025 sei durch die demografische Entwicklung ein massiver Alterungsschub in der Gesellschaft zu erwarten, so Rürup. So werde der Altenquotient (Anteil der 67-Jährigen zu den 20- bis 67-Jährigen) von gut 30 Prozent heute auf 50 Prozent im Jahr 2060 steigen. Im Vorjahr sei es durch die gute Lohnentwicklung 2019 zu deutlichen Rentenerhöhungen gekommen. 

Der Rückgang der Löhne 2020 führte bei den Renten nur zu einer Nullrunde, aber nicht zu Rentenkürzungen, da die Regierung 2009 den Nachhaltigkeitsfaktor in der gesetzlichen Rentenversicherung abgeschafft habe. Nach Ansicht von Rürup werde es hier zu einem Druck auf die Rentenbeiträge kommen. Auch die notwendigen Bundeszuschüsse zur gesetzlichen Rentenversicherung werden weiter steigen müssen. Diese beliefen sich 2019 auf 90 Milliarden Euro.

Reformen brachten dem Rentensystem keine Nachhaltigkeit

Seit 1957 habe es 60 Reformen in der gesetzlichen Rentenversicherung gegeben, erklärte Rürup. Davon gab es fünf so genannte Jahrhundertreformen. Keine Reform hielt länger als eineinhalb Legislaturperioden. In den Nullerjahren hatten die Reformen Nachhaltigkeitscharakter. Danach kam das wirtschaftlich goldene Zeitalter, die Nachhaltigkeit ging verloren. Es gab vielmehr Leistungsausweitungen, Reserven seien ausgeschüttet worden. Das System sei dadurch nicht nachhaltiger geworden.

Das Alter des so genannten Medianwählers in Deutschland, der die Bevölkerung in genau zwei gleich große Gruppen teilt, liege derzeit bei knapp 54 Jahren, erklärte der Präsident des Handelsblatt Research Institutes. Die Wähler in Deutschland werden also immer älter. Dies werde künftige Entscheidungen von Bundesregierungen in der Rentenpolitik beeinflussen, wenn es zum Beispiel um eine mögliche Erhöhung des Renteneintrittsalters ginge.

Problem: wachsende Altersarmut

Rürup prognostizierte darüber hinaus eine zunehmende Altersarmut vor allem in Ostdeutschland. Die so genannte Armutsrisikoquote, also die Quote der Personen, deren Einkommen unterhalb von 60 Prozent des Einkommensmedians liegt, werde im Osten auf 35,9 Prozent ab dem Jahr 2031 steigen (Vergleich West: 16,6 Prozent). Diese Entwicklung werde durch die Veränderung der Anzahl der Grundrentenempfänger bestätigt. 

Die Einführung der Grundrente sei dazu "keine sehr zielgenaue Antwort". Da werde man nachlegen müssen, so der Rentenexperte. Mehr Kapitaldeckung in der Rentenversicherung tue Not. Es sei - bis auf die Partei Die Linke - Konsens und völlig unstrittig, so Rürup, dass mischfinanzierte Systeme mit Umlage- und Kapitaldeckungssystem risikoresistenter seien.

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