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08.01.2021 | Reporting | Im Fokus | Onlineartikel

Häufige Finanzberichte hemmen Innovationen

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3:30 Min. Lesedauer

Finanzberichte sind ein wesentliches Kommunikationselement von Unternehmen. Doch wenn sich Manager zu häufig auf die dort avisierten monetären Ziele konzentrieren, verlieren sie laut einer aktuellen Studie den Weitblick für langfristige Innovationen.

Wer mit innovativen Ideen neue Märkte und Kunden erobern will, braucht langfristiges Denken. Doch eine aktuelle Studie zeigt, dass Manager gezwungen sind, sich auf die Maximierung kursorischer Gewinne auf Kosten der Umsetzung einer langfristigen Strategie zu konzentrieren, wenn sie in häufigeren Abständen Finanzberichte veröffentlichen müssen. Zu diesem Ergebnis kommt Arthur Kraft, Dozent für Buchhaltung an der Cass, Business School, City University of London, im Report "Financial Reporting Frequency and Corporate Innovation". 

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Für die Studie wurden die Anzahl, der Wert sowie die Zitierungen von Patentanmeldungen bei US-Firmen im Zuge der Änderungen der finanziellen Regulierungsvorschriften der Securities and Exchange Commission (SEC) untersucht. Der Zeitrahmen reicht von der gesetzlichen geforderten jährlichen Berichterstattung im Jahr 1934 über die halbjährliche Berichterstattung im Jahr 1955 bis hin zur vierteljährlichen Berichterstattung im Jahr 1970.

Weniger Berichterstattung, mehr Innovation

Kraft fordert, die Häufigkeit der Unternehmensberichte zu lockern, um mehr Innovation und längerfristiges Denken zu ermöglichen. Ein "entspannterer Ansatz" bei den Berichterstattungsanforderungen gebe den Managern Raum, "sich weniger auf kurzfristige Erhöhungen zu konzentrieren, um die Aktionäre zu besänftigen, und mehr Spielraum, um die Ausgaben für wertvollere Projekte zu erhöhen".

Dieses Problem skizzieren auch Brigitte Eierle, Andreas Kreß und Florian Ther im Buch "Geschäftsmodelle in der digitalen Welt" auf Seite 418. Die Springer-Autoren schreiben, dass die Aussagefähigkeit der Finanzberichterstattung kapitalmarktorientierter Unternehmen durch die Digitalisierung und der damit steigenden Verschiebung von materiellen hin zu immateriellen Werttreibern zunehmend eingeschränkt werde. Als Grund für diese Entwicklung führe die Literatur insbesondere die mangelhafte Abbildung immaterieller Vermögenswerte nach den IFRS an. Die Autoren führen aus: 

Denn obwohl Investitionen in immaterielle Werte das Erfolgspotenzial von Unternehmen maßgeblich beeinflussen können, werden diese derzeit aufgrund der strengen Bilanzierungsvoraussetzungen der IFRS vielfach ergebnismindernd als Periodenaufwand erfasst. Dies hat zur Folge, dass durch Digitalisierungsinvestitionen hervorgerufene Wachstums- und Erfolgspotenziale oftmals nicht als langfristige Vermögenswerte in den Bilanzen kapitalmarktorientierter Unternehmen ausgewiesen werden."

Steigende finanzielle Anforderungen senken Zahl der Patente

Die Cass-Analyse stellte fest, dass Unternehmen, die den sich entwickelnden finanziellen Anforderungen unterworfen waren, und im genannten Zeitraum die Häufigkeit der Berichterstattung erhöhten, 

  • einen Rückgang von 1,87 Patenten pro Jahr, 
  • 19,58 weniger Nicht-Selbstzitierungen ihrer Patente 
  • sowie einen Verlust von Patentwerten im Wert von 1,76 Millionen Dollar vermeldeten.

"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl die Quantität als auch die Qualität des innovativen Outputs abnimmt, wenn Manager regelmäßiger unter die Lupe genommen werden", heißt es im Report. Dies könne zu Trägheit und einer Kultur des "Stillstands" führen, wenn Organisationen nicht bereit sind, zu investieren. "Eine Erhöhung der Häufigkeit der Berichterstattung kann die Transparenz erhöhen und externe Investitionsmöglichkeiten schaffen. Aktionäre und Finanzaufsichtsbehörden sollten jedoch die hemmenden Faktoren berücksichtigen, die dies für Manager und ihre Leistungsmotivationen haben kann", warnt Kraft. 

Mit Innovationen in der Krise wachsen

Auch wenn Manager rechtliche und ethische Verpflichtungen haben, ihren Aktionären gegenüber rechenschaftspflichtig zu sein, könnte eine übertriebene Sorgfalt in Form regelmäßiger Berichterstattung ein übervorsichtiges Vorgehen fördern, so Kraft. "Investitionen in Innovation sind zunächst teuer mit Forschungs-, Entwicklungs- und Implementierungskosten, aber sie sind notwendige Komponenten für ein Unternehmen, das wachsen will", sagt der Wirtschaftswissenschaftler mit Blick auf die Corona-Krise. Obwohl diese niemand habe vorhersehen können, sei es offensichtlich, dass diejenigen, die in der Lage waren, Geschäftsmodelle und Dienstleistungen an eine sozial entfernte Bevölkerung anzupassen, im Allgemeinen besser durch die Pandemie gekommen sind.

"Die Fähigkeit, sich an das anzupassen, was als neue Normalität aussehen könnte, wird Investitionen in Innovationen wie nie zuvor erfordern - und es ist wichtig, dass Manager die Lizenz dazu haben", fordert Kraft. Unternehmensinnovation habe erhebliche Vorteile für die Weltwirtschaft, und Manager sollten ermutigt werden, einen ganzheitlicheren Ansatz für die langfristige Planung zu verfolgen, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen zu verbessern.

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