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KI soll der Finanzberichterstattung Beine machen

  • 02.07.2024
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KI soll die Prozesse in den Finanzabteilungen verbessern und zugleich die Arbeit der Wirtschaftsprüfer optimieren. Dadurch erhoffen sich viele Unternehmen, Chancen und Risiken schneller zu ermitteln. Doch am Ende bürgt der Mensch für Qualität und Sicherheit. 

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Finanzberichterstattung. Doch nicht alle Branchen und Unternehmensgrößen gehen bei der Implementierung gleich schnell voran.


Rund drei Viertel der Unternehmen (73 Prozent) nutzen bereits oder testen zumindest auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Technologien in der Finanzberichterstattung. In knapp drei Jahren planen nahezu alle Unternehmen (99 Prozent) den Einsatz entsprechender Tools. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter rund 1.800 Finanzexperten aus sechs Branchen und zehn Ländern - darunter Frankreich, Großbritannien, die USA , Australien und Japan. In Deutschland beteiligten sich 300 Unternehmen. 

Knapp zehn Prozent des gesamten IT-Budgets fließt der Studie zufolge bereits in den Ausbau intelligenter Systeme. "KI in der Finanzberichterstattung ist inzwischen als strategische Technologie in den Unternehmen angekommen. Diese Entwicklung wird rasant fortschreiten", erläutert Sebastian Stöckle, KPMG-Partner im Bereich Audit. 

Chancen und Risiken mit KI besser einschätzen

Der Einsatz der Technologie soll dabei helfen, Trends und mögliche Auswirkungen auf das Geschäft besser vorhersagen zu können: 60 Prozent der Unternehmen hoffen, mögliche Risiken in Echtzeit zu erkennen. 57 Prozent rechnen mit besseren datengestützten Entscheidungen und einer höheren Datengenauigkeit. 

Dabei ist die Telekommunikations- und Tech-Branche mit 41 Prozent am fortschrittlichsten, was die Implementierung von KI beim Financial Reporting betrifft. Unternehmen aus dem Energie-, Ressourcen- und Chemie-Sektor liegen bei 35 Prozent, Firmen aus der Gesundheitswirtschaft und dem Life-Sciences-Bereich bei 31 Prozent. Die rote Laterne halten die Konsumgüter- und Handelsunternehmen mit 26 Prozent. Dass grundsätzlich große und börsennotierte Unternehmen den kleineren, in Familienhand befindlichen Betrieben einen Schritt voraus sind, liegt laut Studie am hohen öffentlichen Interesse an den Konzernen. 

Größte Hürden: Sicherheit, Fachwissen und Finanzierung

Die größten Hürden für den Einsatz von intelligenten Systemen und Tools sind Datenschutz und -sicherheit (59 Prozent), fehlendes Know-how und qualifizierte Mitarbeiter (56 Prozent), Finanzierungsprobleme (49 Prozent) und die Regulierung (42 Prozent). Insgesamt fürchten die Unternehmen das Risiko des vom Menschen unüberwachten Einsatzes von Algorithmen und hegen zudem Bedenken, was die Genauigkeit der Ergebnisse angeht (54 Prozent).  

An dieser Stelle sehen die Unternehmen ihre Wirtschaftsprüfer in der Pflicht: 64 Prozent erwarten, dass diese den Einsatz von KI bei ihren Mandanten evaluieren und die Qualität der Ergebnisse prüfen und testieren. Die Technologie soll auch bei den prüfenden Unternehmen selbst

  • zu einer verbesserten Effizienz und Genauigkeit führen, 
  • stärker für prädiktative Verfahren eingesetzt werden und 
  • dazu beitragen, große Datenmengen zu analysieren und Erkenntnisse zu gewinnen, die für menschliche Prüfer möglicherweise nicht erkennbar sind. 

Budgets für Automatisierung und API-Technologie

Auch will laut der im Juni veröffentlichten Confirmation Studie des Beratungshauses Thomson Reuters fast ein Fünftel (19 Prozent) der Gesellschaften bis Ende 2024 in Automatisierung und API-Technologie investieren. Weitere 20 Prozent planen entsprechende Projekte in den kommenden drei Jahren. Die Hauptziele dieser Investitionen sind die Reduzierung manueller Dateneingaben und Fehler sowie die Zeitersparnis während des Prüfungsprozesses. 

Mehr als die Hälfte (54 Prozent) will so künftig produktiver und effektiver arbeiten und 43 Prozent verbessern mit den Tools die Qualität der Prüfungen sowie die Arbeitsabläufe. 

Effizientere Wirtschaftsprüfung dank Chat GPT

Insbesondere KI-Technologien wie Chat GPT können laut Alexander Hüsch, Dirk Distelrath und Tanja Hüsch in der Wirtschaftsprüfung zur Automatisierung von Prüfungsaufgaben eingesetzt werden. Das gilt etwa "bei der Prüfung von Buchhaltungsdaten, der Analyse von Geschäftsprozessen und der Identifikation von Prüfungsrisiken", so die Springer-Autoren. 

Dadurch könne die Effizienz und Effektivität der Prozesse erhöht sowie die Fehleranfälligkeit reduziert werden, während sich Wirtschaftsprüfer auf komplexere Aufgaben konzentrieren können. "Zudem eröffnen sich durch Chat GPT neue Möglichkeiten bei der Entwicklung von Prüfstrategien und -methoden."

Sicherheit ist oberste Prämisse

Die Einführung von Chat GPT in der Wirtschaftprüfung hängt jedoch auch mit einigen Anforderungen und Herausforderungen zusammen. Datenschutz und Datensicherheit müssen berücksichtigt werden, und die Berufsstandards sowie Regulierung müssen an den Einsatz angepasst werden. Zudem müssen Wirtschaftsprüfer ihre Kompetenzen in Bezug auf die Nutzung von Chat GPT weiterentwickeln, und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsprüfern und KI-Experten gestärkt werden", so das Autoren-Trio.

Auch dem KPMG-Experten Stöckle zufolge ist KI trotz der vielfältigen Möglichkeiten "ein Hilfsmittel". Der Mensch bleibe mit seinem Urteilsvermögen, seiner Expertise und seiner kritischen Grundhaltung verantwortlich für die Qualität und Sicherheit. 

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