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29.03.2017 | Reputationsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Wenn Topmanager das Vertrauen verspielen

Autor:
Andreas Nölting
3 Min. Lesedauer

Die Reputation des Topmanagers ist das wertvollste Gut, das er besitzt. Warum aber gibt es immer wieder Unternehmer, die mit unmoralischem Verhalten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht werden?

Ingolstadt im Frühjahr 2017: Die dunkeln Limousinen fuhren in der Audi-Zentrale an einem Mittwochmorgen um 7 Uhr vor – peinlicherweise genau am Tag der Bilanzpressekonferenz. Mehr als 100 Polizisten und Staatsanwälte durchsuchten die Vorstandsetage – auch die Privaträume – nach Hinweisen, dass die Topmanager um Audi-Chef Rupert Stadler tiefer als zugegeben in die Manipulation von Abgaswerten verstrickt seien. 

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Stuttgart im März 2017: Erstmals seit vielen Jahren meldet sich Anton Schlecker öffentlich zu Wort – vor dem Stuttgarter Landgericht. Der Unternehmer steht wegen des Verdachtes des vorsätzlichen Bankrotts und möglicher Beihilfe seiner Drogeriemarktkette vor Gericht. Die Anklage wirft ihm vor, einen zweistelligen Millionenbetrag der Insolvenzmasse entzogen zu und seine Familie finanziell begünstigt zu haben. Von der Insolvenz sind in Deutschland mehr als 25.000 Mitarbeiter betroffen. 

München im März 2017: Der frühere Chef der Skandalbank Hypo Real Estate, Georg Funke, war einst das Gesicht der Finanzkrise. Die Münchner Immobilienbank musste 2008 zwar mit Milliardenzahlungen vor dem Zusammenbruch gerettet werden, der 61-jährige frühere Topmanager streitet allerdings eine Mitschuld wegen Bilanzfälschung vehement ab und geht unverfroren in die Gegenoffensive. Funke fordert von seinem früheren Arbeitgeber Millionen an ausstehenden Gehältern und Altersvorsorge ein. 

Der ehrbahre Kaufmann – ein Mythos?

Stadler, Schlecker, Funke – drei Beispiele für Manager und Unternehmer, die sich in der jüngeren Vergangenheit gesellschaftlich nicht gerade beliebt gemacht haben. Sicher, noch ist bei allen drei Betroffenen juristisch keine Schuld nachgewiesen und es gilt die Unschuldsvermutung. Und doch hat die Öffentlichkeit längst ihr Urteil gesprochen. Das einst renommierte Trio gilt als unehrlich, gierig und unmoralisch – und ist damit keine Ausnahme.

Manager haben einer Forsa-Umfrage unter 2.000 Bundebürgern zufolge einen sehr schlechten Ruf und stehen mit einem Zustimmungswert von 15 Prozent auf dem vorletzten Platz des Rankings von Berufsgruppen und Institutionen. Nur noch Werbeagenturen wird weniger vertraut. Den heftigsten Vertrauenseinbruch muss laut dem "Global Trust Report 2017" die Autoindustrie hinnehmen. Sie verliert gegenüber der Untersuchung aus 2015 deutliche 17 Prozentpunkte. Schlechter schneiden nur noch die Telekommunikation, Banken und Versicherungen ab. 

Ein tiefer Fall. Dabei ist die Reputation von Unternehmen und ihrer Topmanager das wertvollste Gut, das sie besitzen. Der Ruf bestimmt den Firmenwert, die Attraktivität als Arbeitgeber, die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Es dauert Jahre bis eine gute Reputation aufgebaut ist und sie kann in wenigen Momenten verspielt werden. Warum aber überziehen viele Unternehmer oder Manager so sehr den Bogen? Warum gibt es so viele Manager, die mit ihrer Gier oder dem unmoralischen Verhalten ihrer Verantwortung als Spitzenmanager nicht gerecht werden? 

Der Realitätsverlust der Manager

Springer-Autor Wolfgang Griepentrog nennt in seinem Buch "Reputation Management für CEOs" einen möglichen Grund für die gesellschaftlichen Fehltritte: Der Realitätsverlust. Unter dem Druck des Erfolges und der Angst, einen falschen Schritt zu machen, verändern sich Spitzenmanager menschlich. Sie sind häufig nur noch von "Ja-Sagern" umgeben, niemand wagt ihr Verhalten kritisch zu hinterfragen und so verlieren Topmanager schnell die Bodenhaftung, meinen unangreifbar zu sein. An der Spitze wird die Luft eben sehr dünn und das divenhafte Verhalten einiger Topmanager ist nicht unüblich. 

Stadler, Schlecker, Funke – ob das prominente Trio tatsächlich schuldig gesprochen wird, ist noch offen. Für das Gedeihen der Volkswirtschaft und den internationalen Ruf des deutschen Managements, wäre es positiv, wenn diese Fälle eine der wenigen Ausnahmen blieben.

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