Skip to main content
main-content

24.06.2016 | Reputationsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Compliance-Kommunikation wird oft vernachlässigt

Autor:
Anja Schüür-Langkau

Complinance-Thema sind selten in die Kommunikationsstrategie integriert, so eine aktuelle Studie. Ein Fehler. 

Compliance wird für Unternehmen wichtiger. Doch es reicht heute vielfach nicht mehr aus, Mitarbeiter in Kurzschulungen mit den rechtlichen und ethischen Regeln des Unternehmens vertraut zu machen. Beispiele von Compliance-Verstößen aus den vergangenen Jahren, beispielsweise bei Siemens, der Fifa, dem ADAC oder Volkswagen, zeigen, dass das Problem nicht an fehlenden Trainings liegt, sondern an den Defiziten in der gelebten Unternehmenskultur und der Kommunikation.

Compliance ist kommunikativ kaum verankert

Nur in 23 Prozent der Unternehmen ist das Compliance-Management Bestandteil der Kommunikationsstrategie, ermittelte die Studie "Compliance-Kommunikation: Reputation in der nächsten Instanz". Für die Untersuchung befragten die Agentur Kamm & Kocks in Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt 82 Kommunikationsverantwortliche aus Unternehmen. 

Demzufolge kommunizieren nur 17 Prozent der Befragten ihre Compliance-Standards aktiv in der Öffentlichkeit. Zudem sind die Budgets, die in die Compliance-Kommunikation investiert werden, relativ niedrig. 80 Prozent der Kommunikatoren beziffern das Jahresbudget für diesen Bereich auf 50.000 Euro. 60 Prozent geben nicht mehr als 10.000 Euro aus.  

Hohe Relevanz für die Unternehmensreputation

Die Studienverantwortlichen fassen die wichtigsten Erkenntnisse folgendermaßen zusammen:

  • Compliance-Kommunikation wird als wesentliches Instrument zum Reputationsschutz bewertet, die Rolle der Unternehmenskommunikation aber noch nicht professionalisiert. Dadurch entstehen Ineffizienzen, denn das Potenzial der Unternehmenskommunikation, über das Thema Compliance einen Beitrag zum Aufbau und Schutz der Unternehmensreputation zu leisten, wird nicht ausgeschöpft.
  • Die Vermittlungskompetenz der Unternehmenskommunikation wird nicht systematisch in das Compliance-Management eingebunden. Ressourcen der internen Kommunikation zur Kulturveränderung und Mitarbeiteraktivierung bleiben häufig ungenutzt. Eine gemeinsame Agenda von Unternehmenskommunikation und Compliance-Management kann hier Mitarbeiter zielgerichteter adressieren.
  • Die priorisierten Formate und Kanäle der internen Kommunikation machen deutlich, Compliance wird nicht als Teil eines Kulturwandels adressiert, sondern überwiegend als Informationsverpflichtung – daher wird vor allem redaktionelle One-Way-Kommunikation betrieben, obwohl interaktive Formate wirkungsvoller bewertet werden.

Kommunikation als entscheidender Faktor 

"Die Kommunikation spielt für die erfolgreiche Implementierung von Compliance-Richtlinien oder Code of Conducts eine entscheidende Rolle", bestätigen auch die Springer-Autorinnen Annika Schach und Cathrin Christoph. Doch um ein Compliance-System zu implementieren, reiche es nicht aus, Broschüren oder Infomaterial zu produzieren. "Elemente der internen Kommunikation, der Change Communication, des Wertmanagements und der Krisenkommunikation müssen in eine Gesamtkonzeption münden, die die strategische Richtschnur für die Einzelmaßnahmen bildet", schreiben sie in der "Einleitung" ihres Buches "Compliance in der Unternehmenskommunikation“ .

Empfehlung der Redaktion

2015 | Buch

Compliance in der Unternehmenskommunikation

Strategie, Umsetzung und Auswirkungen

Das Essential bietet eine umfassende Einführung in die Kommunikation von Compliance aus konzeptioneller, redaktioneller und rechtlicher Perspektive. Annika Schach und Cathrin Christoph beschreiben die Maßnahmen der internen und externen Kommunikation


Entwicklung einer Compliance-Kommunikationsstrategie

Doch nicht nur innerbetrieblich ist die Vermittlung von Compliance-Themen eine kommunikativer Herausforderung. "Die interne Compliance-Kultur wirkt sich auch auf die externe Wahrnehmung des Unternehmens aus. Kunden, Investoren, Lieferanten und weitere Stakeholder des Unternehmens erkennen die Bedeutung, die das Unternehmen der Beachtung von Regeln beimisst", schreiben die Autorinnen im Kapitel "Compliance Themen vermitteln" auf Seite sieben. Für die Strategieentwicklung schlagen sie folgende Vorgehensweise vor (Seite 14): 

  • Analyse der Ausgangslage: Wettbwerbsanalyse, Kommunikationsmittelanalyse, Mitarbeiterbefragung, Bestandsausnahmen zum Leitbild, zur Coporate Identity (CD, CL)
  • Strategieentwicklung: Zielgruppen Kommunikationsziele, Botschaften, Kreative Leitidee (Visualisierung und Dramaturgie)
  • Taktische Umsetzung: beispielsweise Schulungen, Informationsmaterial, Dialogformate und  Evaluation

Fazit: Der Umgang mit dem Thema Compliance hat massive Auswirkungen auf die Reputation eines Unternehmens. Vor allem Führungskräfte stehen in der Verantwortung, die Einhaltung der rechtlichen und ethischen Grundregeln vorzuleben und die Unternehmenskultur positiv zu beeinflussen. Die Kommunikationsabteilung sollte dabei nicht nur die Rolle der internen und externen Schnittstelle einnehmen, sondern von Beginn an strategisch eingebunden werden.  

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

    Bildnachweise