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2022 | Buch

Resilienz als Strategie in Region, Destination und Unternehmen

Eine raumbezogene Perspektive

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Über dieses Buch

Der vorliegende Sammelband möchte auf die Herausforderungen, die Chancen und auf die Erfolgspraktiken eines koordinierten Vorgehens im Aufbau von Resilienz aufmerksam machen. Der Herausgeberband bietet zudem eine Plattform für beispielhafte Herangehensweisen und Handlungspraktiken in unterschiedlichen Systemkontexten, wobei er im Besonderen die Zusammenhänge zwischen der organisationalen und der regionalen Systemebene adressiert. Anhand konzeptioneller Überlegungen und gelungener Praxisbeispiele werden Weichenstellungen des bewussten Resilienzaufbaus auf kommunaler und nationaler Ebene skizziert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Resilienz und gesellschaftliche Veränderungsprozesse

Frontmatter
Jenseits von palliativen Strategien. Zum Zusammenhang von Krisenbewältigung, Transformation und Resilienz
Zusammenfassung
Ziel des Beitrags ist, den Resilienzbegriff konzeptionell zu schärfen. Dies geschieht dadurch, dass die Verwendung des Terminus gesellschaftstheoretisch gerahmt wird und die sozialen und politischen Herausforderungen ins Zentrum gestellt werden, auf die Resilienz eine Antwort ist. Die gesellschaftliche Selbstbeschreibung dient als Deutungsrahmen, um das „Spezifische der Resilienz“ (Becker & Graefe, 2021, S. 8) zu rekonstruieren und Resilienz als ein Dispositiv zu interpretieren. Aus der Rationalität, die den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Resilienzbegriffs zugrunde liegt, werden schließlich Handlungsmodi (Prävention, Vorbereitung, Antizipation, Anpassung, Transformation) rekonstruiert, die Grundlage für ein Analysetool von Resilienzstrategien in unterschiedlichen Kontexten sein können. Die Überlegungen plausibilisieren zum einen, warum Resilienz ein in unsere Zeit passender Krisenbewältigungsmodus ist, zum anderen wird der Zusammenhang von Krise und Response als ein relationales Antwortgeschehen entschlüsselt, in dem desillusionierende Realismuseffekte zugelassen und Transformationen ermöglicht werden. Dass alles so bleibt, wie es ist, oder Systeme nach Krisen in die „Normalität“ zurückkehren („bounce back“) wird mit Bezug auf ein responsives Interpretationsschema als palliative Krisenbewältigung entlarvt – als eine Krisenbewältigung, die sich der Erfahrung der Realität nur in dosierter Form aussetzt, diese bagatellisiert oder sich die Realität schönredet. Desillusionierungen schmerzen, weil sie zur Erfahrung des Wirklichen zwingen – und dadurch ein wichtiges Merkmal reflexiver Resilienz sind.
Martin Schneider
Gesellschaftliche Multiresilienz im Kontext von Krisenbündeln und Bündelkrisen in der DACH-Region
Zusammenfassung
Ob Coronapandemie, Extremwetterereignisse, Cyberbedrohungen, Burnout – im 21. Jahrhundert sehen sich Gesellschaften mehr denn je der Herausforderung gegenüber, mit vieldimensionalen Problemen („Bündelkrisen“) und vernetzten Problemen („Krisenbündel“) gleichzeitig umzugehen. Im Jahr 2021 sind die DACH-Gesellschaften von einem Set vielfacher gleichzeitig auftretender, verschränkter Herausforderungen betroffen: Extremwetterereignisse, die Coronapandemie, einer Infodemie, zunehmender politischer Radikalisierung, Cyberattacken, geopolitischen Spannungen.
In Reaktion darauf wird gesellschaftliche Resilienz nicht nur bedeuten, passende Einzelantworten auf diese und andere Herausforderungen zu finden, sondern auch ihre multi-kausalen Verschränkungen in ganzheitlicher Perspektive mitzuberücksichtigen. Das neue, weitgehend unerschlossene Konzept gesellschaftlicher Multiresilienz zielt darauf ab, „Grundrobustheit“ zu fördern, die Gesellschaften in völlig unterschiedlichen Krisenkontexten reaktions- und problemlösungsfähiger macht. Aus einer systemisch begründeten Perspektive lassen sich mindestens fünf verallgemeinerbare Orientierungsprinzipien ableiten, die zu höherer gesellschaftlicher Multiresilienz beitragen:
1.
Maßnahmen zur Förderung psychischer Resilienz;
 
2.
das Beste aus dezentraler und zentraler Entscheidungsfindung integrieren;
 
3.
Maßnahmen zur Förderung kollektiver Intelligenz und kollektiver Weisheit;
 
4.
mit Ungewissheit souverän umgehen;
 
5.
Maßnahmen zur Förderung des kollektiven Zusammenhalts, Resilienzkultur.
 
Dieser Beitrag fokussiert auf folgende Kernfragestellungen:
1.
Was ist das Für und Wider eines weitgefassten Resilienzansatzes, der auf mehrere unterschiedliche Problemkontexte gleichzeitig Bezug nimmt?
 
2.
Wie verhalten sich bisherige Konzepte gesellschaftlicher Resilienz im Kontext mehrdimensionaler Probleme („Bündelkrisen“) und vernetzter Probleme („Krisenbündeln“) und warum erweisen sie sich nur als bedingt ausreichend?
 
3.
Was bedeutet Multiresilienz? Welche Initiativen/Maßnahmen, die zu mehr Resilienz und ggf. Multiresilienz beitragen könnten, bestehen bereits oder/und wären für die DACH-Region denkbar?
 
Karim Fathi
Wirkzusammenhänge zwischen individueller und kollektiver Resilienzförderung
Zusammenfassung
Im 21. Jahrhundert stehen Gesellschaften mehr denn je vor der Herausforderung, mit vielfältigen und komplexen Problemphänomenen umzugehen. Dies erfordert von Individuen wie auch von Gesellschaften Widerstandskraft. Wie dabei die individuelle und kollektive Systemebene im Kontext psychischer Gesundheit zusammenwirken und zur Förderung gesellschaftlicher Transformation hin zu mehr (Multi-) Resilienz nutzbar gemacht werden können, ist in Theorie und Praxis bislang noch kaum erschlossen. Im Rahmen dieses Beitrags werden mögliche Wirkdynamiken zwischen individueller und kollektiver Resilienzförderung auf Basis gegenwärtiger Krisenerfahrungen dargestellt. Dabei werden beispielhaft Ansätze zur Förderung der individuellen Resilienz beleuchtet, die es Menschen ermöglichen, besser mit Krisensituationen umzugehen und das Potenzial haben, auch auf kollektiver Ebene positive Auswirkungen zu entfalten. Abschließend werden Ideen skizziert, wie mehr Multi-Resilienz in Gesellschaften verankert und gefördert werden kann.
Donya Gilan, Isabella Helmreich, Marie Himbert, Omar Hahad

Die Entwicklung resilienter Systeme: Perspektiven von Raum und Unternehmen

Frontmatter
Prozesse regionaler Resilienz
Eine Spurensuche
Zusammenfassung
Einst als technisch-kybernetischer, psychologischer und später auch ökologischer Spezialbegriff in Gebrauch, wird der Begriff Resilienz mehr und mehr im globalen Entwicklungsdiskurs verwendet. Die Klimakrise sowie disruptive Ereignisse wie die Finanzkrise 2008 und die Covid19-Pandemie seit 2020 haben der Popularisierung des Resilienzbegriffs stets neue Schubkraft verliehen. Heute ist daraus ein Alltagsbegriff geworden, der in kaum einem Dokument fehlt, das sich mit sozialer, wirtschaftlicher und territorialer Entwicklung befasst. Im EU-Raum wird Community-Led Local Development (CLLD), besser bekannt unter LEADER, einem Förderinstrument, das für eigenständige, innovative, integrierte und nachhaltige Regionalentwicklung steht, resilienzförderndes Potenzial zugeschrieben. In dem Buchbeitrag soll diese Zuschreibung anhand von drei Fallgeschichten einer Prüfung unterzogen werden. Dabei erweist es sich als unerlässlich, Bezüge zu Konzepten der sozialen Innovation und Transformationstheorien herzustellen. Denn obgleich Resilienz mit Bewahrung und Wiederherstellung verbunden ist, geht es in lebendigen (biologischen und sozialen) Systemen immer auch um Prozesse des Wandels, die zwar lokal stattfinden, im Prinzip aber globalen Charakter haben, was unmittelbar Fragen nach der Steuerbarkeit solcher Prozesse aufwirft. Die Kernfrage, die der Buchbeitrag behandelt, lautet also: Führt die Anwendung der CLLD/LEADER-Methode in der Regionalentwicklung zur Stärkung regionaler Resilienz und, wenn ja, welche politischen Handlungsempfehlungen lassen sich daraus ableiten?
Robert Lukesch
Urbane Resilienz als Lernprozess
Zusammenfassung
Resilienz gewinnt in der Stadt-Planungsdebatte einen zunehmenden Stellenwert. Dabei offenbaren sich produktive Ansätze und Kritiken. Zudem sieht sich die praktische Stadtplanung grundlegenden Herausforderungen gegenübergestellt, um Krisenfolgen zu kompensieren und zugleich strategisch präventiv zu wirken. Die Zunahme an Komplexität, Dimension und Fragmentierung erhöht die Störanfälligkeit der gesamten Stadt-Region wie einzelner Teile – mit existenzieller Bedeutung. Faktoren wie der Klimawandel stellen ganze Regionen vor grundlegende Entscheidungsfragen: Kann die Stadt-Region noch so weiter existieren oder braucht es neue planerische Konzepte für die Zukunft? Es geht ums Ganze, wenn der Blick auf globale Entwicklungen fällt. Dabei wird zwischen „Retro-Resilienz“ und „Forward-Resilienz“ unterscheiden. Zielt erstere darauf ab, zukünftigen Herausforderungen mit rückwärtsgewandten Konzepten zu begegnen, so gewinnt letztere zentrale Bedeutung für den Umgang mit den Ungewissheiten für eine nachhaltige Zukunft. Theoretische Grundlage dafür bietet das systemtheoretische Panarchie-Modell.
Eine auf urbane Resilienz ausgerichtete Strategie überwindet die bisherigen linearen Stadtentwicklungsmodelle und justiert diese unter den radikal dynamisierten, globalisierten und widersprüchlichen Entwicklungen neu. Dafür werden neue Strategien für die Raumordnung, neue Institutionen zur Forschung und neue kommunalpolitische Entscheidungsgremien vorgeschlagen. Sie ergeben Bausteine eines urbanen Lernprozesses, der den Kern von Resilienz ausmacht. Für das Finden von Entscheidungen an Weichenstellen zwischen Resilienz und Risiko wird der Begriff „Planungskunst“ eingeführt.
Harald Kegler
Resiliente Regionen und Kommunen: Rahmenbedingungen, Trends, Perspektiven und Strategien
Ein Essay
Zusammenfassung
Der Beitrag befasst sich mit der Frage der Relevanz von raumrelevanten Trends für die Resilienz von Regionen und Kommunen. Im Format eines Essays liegt der Schwerpunkt auf Trends in ländlichen Räumen. Auf der Grundlage einer kurzen Typisierung ländlicher Räume werden verschiedene Trends dargestellt und in den Themenbereich einer raumrelevanten Zukunftsforschung eingeordnet. Darauf aufbauend werden drei Trendcluster, Trend-Cluster 1 Globalisierung – Europäisierung – ökonomischer Strukturwandel, Trendcluster 2 Digitalisierung und Trend-Cluster 3 Gesellschaftlicher Wandel – Standortfaktoren – Infrastruktur dargestellt und deren Relevanz für ländliche Räume diskutiert. Den Abschluss bildet die Diskussion über angewandte Strategie- und Handlungsansätze für eine resiliente Regional- und Kommunalentwicklung unter Berücksichtigung künftiger Forschungstrends. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass für die künftige Regional- und Kommunalentwicklung sowie Wirtschafts- und Standortentwicklung – nicht zuletzt aufgrund des Wettbewerbs auf kommunaler und regionaler Ebene – kreative und nicht-alltägliche Lösungen gefragt sind.
Forschungsbedarfe ergeben sich insbesondere im Hinblick auf die Prioritätensetzung der Handlungsansätze beispielsweise in einem Entscheidungssystem, das von regionalen Akteuren und Entscheidern angewendet werden kann. Dabei geht es auch um eine nachvollziehbare Reduktion der Komplexität der Trends und um eine zielgruppenspezifische Aufbereitung (z. B. für kommunale Entscheidungsträger, Unternehmer, Verbände und Kammern usw.). Im Vordergrund sollte dabei stets der Maßstab der Resilienz stehen, d. h. die Umsetzung von Maßnahmen sollten sich zum einen an der Umsetzung von Trends und zum anderen am Maßstab der Resilienz orientieren.
Gabi Troeger-Weiß
Der Einfluss von regionalen Netzwerken und Innovationssystemen auf die Resilienz von Regionen
Das Beispiel Ingolstadt
Zusammenfassung
Der Begriff der Resilienz hat eine zunehmend wichtige Bedeutung in der gegenwärtigen Diskussion in Wissenschaft und Praxis erlangt. Vor dem Hintergrund sich dynamisch verändernder Rahmenbedingungen stellt sich zunehmend die Frage, wie der Resilienzansatz dabei helfen kann, neue Sichtweisen auf Entwicklungstrends (u. a. Digitalisierung) und Herausforderungen (u. a. Klimawandel, demografischer Wandel) zu entwickeln und eine Regionalentwicklung mit dem Ziel einer ausgeprägteren Robustheit und Krisenfestigkeit, und damit Resilienz, voranzutreiben. Der Beitrag möchte verdeutlichen, dass durch die Beteiligung von unterschiedlichen Akteuren (Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft) und durch die von diesen Akteuren beeinflussten regionalen Netzwerke, nicht nur die Resilienz gestärkt, sondern auch die Innovationsfähigkeit einer Region gefördert werden kann. Neben einem Überblick über das Verständnis von Resilienz in der Regionalentwicklung liegt aus diesem Grund ein besonderer Schwerpunkt des Beitrags auf regionalen Netzwerken, die ausschlaggebend für die Innovationsfähigkeit sind. Im Rahmen einer empirisch grundgelegten Fallstudie zur regionalen Resilienz am Beispiel der Region Ingolstadt geht das Kapitel der Frage nach, welche Akteure und Systeme eine Rolle im strategischen Umgang mit Fragen der regionalen Resilienz einnehmen und wie regionale Netzwerke und Innovationssysteme zur Resilienz in der Regionalentwicklung beitragen. Die mithilfe der qualitativen Methode GABEK® gewonnenen Ergebnisse verdeutlichen die Potenziale, die sich aus regionaler Vernetzung entlang des Quadruple-Helix-Modells ergeben.
Elina Störmann, Harald Pechlaner
Die Komplementarität der Resilienz von Führungskräften und Unternehmen am Beispiel von Familienunternehmen
Zusammenfassung
Wandel, dessen Umfang und Intensität, scheint in allen Lebensbereichen stetig zuzunehmen und damit einher gehen zahlreiche Herausforderungen wie Unsicherheit, Stress oder Krisen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Menschen, Unternehmen und andere soziale Systeme ihre Funktionstüchtigkeit und Lebensfähigkeit aufrecht halten können. Resilienz beschreibt im Wesentlichen die Fähigkeit „nach einer Störung aus eigener Kraft in einen identitätsbewahrenden oder identitätsschaffenden (Ausgangs)Zustand zu gelangen“ und funktionsfähig zu bleiben (Weiß et al., 2018, S. 15). Familienunternehmen gelten als widerstandsfähiger als andere Unternehmensformen; deren Widerstandsfähigkeit in Krisen wird als ausschlaggebend für Erfolg und Überlebensfähigkeit angesehen. Jedoch untersuchen nur wenige Studien, wie Familienunternehmen auf Krisen reagieren, diese managen und bewältigen (R.-Toubes et al., 2020; Schwaiger & Zehrer, 2021; Zehrer & Mössenlechner, 2010). Vor allem die Erforschung von Resilienz in Familienunternehmen wird bisher weitgehend vernachlässigt (Chrisman et al., 2011; Conz et al., 2017; Ritchie & Jiang, 2019; R.-Toubes et al., 2020; Zehrer & Leiß, 2019). Der Beitrag setzt sich daher mit der Resilienz von Führungskräften (individuelle Ebene) und der Resilienz von Unternehmen (organisationale Ebene) auseinander. Besonderes Augenmerk wird dabei auf das Zusammenspiel beider Ebenen und auf deren Komplementarität gelegt. Darauf aufbauend folgt die Auseinandersetzung mit der Resilienz in Familienbetrieben, deren Besonderheiten ebenfalls diskutiert werden. Es ergeben sich folgende Fragestellungen: Wodurch zeichnet sich die Resilienz von Führungskräften in Familienbetrieben aus? Wie fördern resiliente Führungskräfte die Stabilität und Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und umgekehrt wie trägt die Resilienz von Unternehmen zur Widerstands- und Lernfähigkeit von Führungskräften bei? Der Beitrag basiert zum einen auf einer theoretischen Auseinandersetzung und zum anderen auf den Ergebnissen einer qualitativen, explorativen Erhebung, in welcher mit Führungskräften aus familiengeführten Unternehmen Interviews geführt wurden, um die Resilienz auf individueller und unternehmerischer Ebene und deren Zusammenspiel zu erforschen.
Frieda Raich, Anita Zehrer

Die touristische Destination als Rahmen für den Resilienzaufbau

Frontmatter
Community Resilience als Strategie in der Destinationsentwicklung
Zusammenfassung
Die theoretisch-konzeptionellen Perspektiven des Resilienzansatzes im Spannungsfeld von Widerstandsfähigkeit und Wandelbarkeit entwickeln sich zum strategischen Handlungsrahmen für Städte und Regionen. Angesichts der Existenz bewusst resilienzfördernder Governance-Strukturen wie der Initiative 100 Resilient Cities wird in diesem Beitrag die Frage nach der Rolle und dem Auftrag etablierter touristischer Organisationsstrukturen im Aufbau von Community Resilience beleuchtet. Anhand der vorliegenden empirischen Studie wird gezeigt, dass das touristische Destinationsmanagement (DMO) einen Dialog zwischen touristischen und nicht-touristischen Stakeholdern zu führen im Stande ist, wenn es um den Erhalt und die Weiterentwicklung touristischer Strukturen im Destinationsraum geht. Diese prädestiniert die DMO zur Übernahme konkreter Aufgaben im Resilienzaufbau auf der Community-Ebene, wobei sich deren spezifische Rolle in Abhängigkeit der ökonomischen und gesellschaftlichen Bedeutung des Tourismus im jeweiligen Destinationsgebiet gestaltet. Konfrontiert mit den Erfahrungen bestehender Resilienz-Initiativen skizzieren bayerische Destinationsmanager Komplexitätsdimensionen und mögliche Herangehensweisen im Resilienzaufbau. Das aus den empirischen Untersuchungen abgeleitete organisationale Entwicklungsmodell zum Aufbau von Community Resilienz auf Destinationsebene ist als Grundlage und Impuls zu verstehen, sich als Tourismusorganisation aktiv und bewusst mit der eigenen Rolle im Resilienzaufbau dies- und jenseits tourismuswirtschaftlicher Fragestellungen zu beschäftigen. Letztlich bietet die Destination als Spielfeld der anwendungsorientierten Resilienzforschung auf räumlicher Ebene ein reichhaltiges Betätigungsfeld für künftige Forschungen in diesem Bereich.
Daniel Zacher
Localability for Everyone: A PROsilient and Inclusive Destination Governance Model
Abstract
The global travel halt caused by the COVID-19 pandemic has proven that tourism is not a no-brainer and that it requires comprehensive planning, financing, and political support. Nonetheless, the tourism industry is often primarily growth-driven, fragmented, and unorganized. Based on empirical evidence collected in Copenhagen und Munich in 2020, this contribution proposes a PROsilient inclusive governance model for urban destinations. In this context, PROsilient means not bouncing back to the unsustainable tourism growth from before the COVID-19 pandemic, but to proactively evolve and avoid the emergence of Overtourism 2.0. The objective of this form of destination governance is to give local governance actors, including spatial planners, politicians, tourism industry, researchers, media, social organizations, and residents the ability to aggregate their social capital to simultaneously contribute to and benefit from tourism in their city. Specific recommendations for action will be given to overcome the legacy of abstract participatory governance concepts.
Eva Erdmenger
Die Wahrnehmung von Resilienz in Krisenzeiten auf Destinations- und Branchenebene aus Sicht von Unternehmer/innen
Zusammenfassung
Die Tourismusindustrie, obwohl eine der wichtigsten Industrien der Welt, ist ständigen ökonomischen, klimatischen, finanziellen oder anderen Krisen ausgesetzt (Liu & Pratt, 2017; Ritchie, 2004; Zehrer, 2013). Das Konzept der Resilienz ermöglicht touristischen Destinationen oder Branchen durch ihre Kraft mit diesen Veränderungen umzugehen oder gar die Krisen mit ihren einhergehenden Effekten zu verhindern (Annarelli & Nonino, 2016; Kalisch et al., 2015; McManus et al., 2008). Ein Kernelement, um ebendiese Stabilität zu erhalten, ist die entsprechende Zusammenarbeit (Beritelli, 2011; Hristov & Zehrer, 2015; Raich & Zehrer, 2015–2016; Zehrer et al., 2014); und eine qualitative Vernetzung der agierenden Akteure/innen auf Beziehungsebene (Hristov & Zehrer, 2019; Pechlaner et al., 2014; Zehrer et al., 2014). Der Artikel beschäftigt sich daher mit dem Konzept der Resilienz auf Destinations- sowie auf Branchenebene. Es werden die Wichtigkeit der Vernetzung innerhalb der Branche in der Destination, die Auswirkung der Vernetzung auf das Meistern von Krisen sowie die Entwicklung von Resilienz und der Austausch unter den Unternehmer/innen behandelt. Durch die Frage nach und die Bewertung der Bedeutung und Wichtigkeit der Vernetzung einer Branche innerhalb einer Destination sollen resiliente unternehmerische Rahmenbedingungen für Regionen und Destinationen entstehen.
Victoria Ranacher-Lackner, Anita Zehrer
Die Transformation des Tourismus durch COVID-19
Zusammenfassung
Dieser Beitrag bietet einen Überblick zu den Auswirkungen, Herausforderungen und Chancen der COVID-19 Krise, welche sich durch die Krisenbewältigung ergeben und zu langfristigen Änderungen für den Tourismus in einer alpinen Destination führen können. Aufbauend auf einer systematischen, theoretischen Betrachtung der zur aktuellen Pandemie bezogenen Fachliteratur wurden im empirischen Teil qualitative Experteninterviews in der Region Südtirol durchgeführt. Retrospektiv wurde erfasst, 1) was bislang aus der Krise gelernt wurde, 2) inwiefern die bisherige Form des Tourismus die Auswirkung der Krise verstärkt hat und 3) wie ein zukunftsorientierter Paradigmenwechsel vollzogen werden könnte. Der Lockdown wurde auch als ein Moment der Bestandsaufnahme wahrgenommen und regt zu Reformen, Transformationen und Innovationen an. Dabei spielt ein Tourismus, im Einklang mit den „Sustainable Development Goals“ (SDG), in der Sicherung einer besseren Lebensqualität für alle, eine wichtige Rolle. Ein großer Bedarf zeigt sich hier insbesondere für das regionale und nationale Destinationsmanagement und das Destination Governance. Hier gilt es, durch die Schaffung von Rahmenbedingungen, durch neue Technologien und Innovationen den Fokus auf Themen wie Resilienz und Nachhaltigkeit zu setzen. Dabei diskutiert der Beitrag, inwiefern die COVID-19 Krise zur Veränderung und Neuorientierung genutzt werden sollte und welche touristischen Merkmale weiterhin Bestand haben.
Alexander Plaikner, Nina Kammerer

Resilienz in der kommunalen Praxis: Erfahrungen und Erfolgsfaktoren

Frontmatter
Grüne Finger für eine klimaresiliente Stadt – Wie lässt sich transformative Resilienz gestalten?
Zusammenfassung
Das Kapitel folgt der Hypothese, dass Prinzipien landschaftlicher Resilienz auf zwei Ebenen, nämlich der Raumstrukturellen Ebene und der Planungskulturellen Ebene handlungsleitend sein müssen, damit transformative Resilienz möglich wird. Die Hypothese wird zunächst theoretisch hergeleitet und dann am Beispiel des F- und E-Vorhabens „Produktiv. Nachhaltig. Lebendig. Grüne Finger für eine klimaresiliente Stadt Osnabrück“ überprüft. Welche Planungspraktiken müssen angesichts der Herausforderungen des Klimawandels bewusst verändert bzw. implementiert werden, um das System radial angeordneter Freiräume, welche die Stadt Osnabrück mit der umgebenden Landschaft verbinden, zu einem resilienzstärkenden, strukturgebenden Bestandteil der Stadtlandschaft zu entwickeln und somit das Ziel einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu erreichen? Das Forschungsprojekt „Grüne Finger“ hat mit Raumanalysen, einem Zielkonzept und der Identifikation relevanter Handlungsschwerpunkte Wissen für die Raumstrukturelle Ebene generiert. In einem transparenten Prozess mit Akteuren aus Politik, Verwaltung und interessierter Öffentlichkeit konnten durch die ko-kreative Erarbeitung von Leitsätzen, gemeinsame Walks sowie die Arbeit mit Szenarien zudem Erkenntnisse für die Planungskulturelle Ebene gewonnen werden. Beide Ebenen stehen als Bestandteile eines transformativen Prozesses im ständigen Wechselspiel. Dieses Wechselspiel transformativer Resilienz ist bestimmt durch ko-kreative Arbeitsformen, Capacity Building und der Befähigung unterschiedlicher Akteursgruppen zur eigenständigen Mitwirkung im Transformationsprozess klimaresilienter Stadtentwicklung.
Henrik Schultz, Hubertus von Dressler
Resilienz in der regionalen wie kommunalen Praxis
Wissenschaftskommunikation und die Rolle von Einfachheit für die Akzeptanz
Zusammenfassung
Die Sturzflut- und Hochwasserereignisse im Sommer 2021 zeigen, dass bezogen auf Klimawandelfolgen keine Zeit mehr zu verlieren ist. Auch muss die gesamte Palette möglicher Krisenereignisse oder krisenhafter Entwicklungen, möglichst in einem Zusammenspiel von Wissenschaft und regionalen wie kommunalen Akteuren, zügig in den Blick genommen werden. Die Erhöhung der Resilienz von Regionen und Kommunen ist angezeigt. Jedoch: Zum einen ist Resilienz als Thema in der deutschen Wissenschaftslandschaft außerhalb der Psychologie und Pädagogik relativ neu, zum anderen ist der Begriff und der Inhalt von Resilienz vielfach bei den Praxisakteuren in Regionen und Kommunen wenig bekannt. Die Wissenschaft ist aufgefordert, sich vermehrt des Themas anzunehmen und gleichzeitig die Kommunikation mit Akteuren aus Regionen und Kommunen zu suchen. Wichtig ist dabei eine gute Kommunikation von Wissenschaft in die Praxis, damit es nicht zur Ablehnung von Inhalten der Resilienzdiskussion und entsprechenden Maßnahmen kommt, wie der Beitrag aus der Sicht praxisorientierter Nachhaltigkeitsforschung beschreibt. Neben guter Kommunikation sollten einfache Methoden entwickelt und angewendet werden, mit dem Ziel, Strategien und Maßnahmen schnell in der Praxis umzusetzen und die Ergebnisse zu verbreiten. Basis der Kommunikation von Wissenschaft in die Praxis ist die Nutzung der Kernkompetenz von Wissenschaft, die Recherche von Wissen, dessen Analyse und die Ableitung von Handlungserfordernissen.
Dieter Behrendt
Regionale Resilienzentwicklung und das Ideal der Partizipation
Über die Potenziale und Grenzen zivilgesellschaftlichen Engagements im kommunalen Transformationsgeschehen
Zusammenfassung
Immer mehr Städte und Gemeinden sind angesichts sich zuspitzender ökologischer und ökonomischer Herausforderungen bemüht, zeitnah Lösungen und Strategien zu entwickeln, um diese Herausforderungen rechtzeitig zu meistern. Zwei zentrale Termini rahmen dabei immer stärker diese kommunalpolitischen Strategiefindungen: Regionale Resilienz und Partizipation. Das enorme Engagement der Bürgerinnen und Bürger und die in der Zivilgesellschaft vorhandene Expertise zu nahezu allen Transformationsbereichen, nimmt einen immer größeren Stellenwert in der kommunalen Resilienzpolitik ein. Doch wie lassen sich zivilgesellschaftliches Engagement und Expertise effektiv und schnell in die kommunale Resilienzentwicklung einbinden? Was sind die Potenziale aber auch möglichen Grenzen einer partizipativ gestalteten Kommunalentwicklung und wie können etwaige Schwierigkeiten und Hemmnisse in den co-kreativen Gestaltungsprozessen auf der kommunalen Ebene behoben werden? Diesen Fragen geht dieses Kapitel auf der Grundlage des von dem Verein Regionale Resilienz Aachen e. V. in Kooperation mit dem Eine Welt Forum Aachen durchgeführten Forschungsprojektes „We@Aachen | Gemeinsam. Nachhaltig. Zukunft gestalten!“ nach und möchte zu Diskussionen und weiteren Forschungsprojekten zur Verbesserung partizipativer Resilienzpolitik anregen.
Madeleine Genzsch, Nural Janho, Raphaela Kell
Metadaten
Titel
Resilienz als Strategie in Region, Destination und Unternehmen
herausgegeben von
Harald Pechlaner
Daniel Zacher
Elina Störmann
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-37296-5
Print ISBN
978-3-658-37295-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-37296-5