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Über dieses Buch

Das Konzept „Resilienz“ erfährt seit wenigen Jahren in der Soziologie eine bemerkenswerte Resonanz. Es scheint für die Sozialwissenschaften allgemein und die Soziologie im Besonderen eine interessante und vielversprechende neue Zugangsweise zu zentralen gesellschaftlichen Themen und Handlungsfeldern zu bieten. Mit dieser Buchpublikation liegt erstmals ein umfassender Versuch vor, die soziologische Resilienzforschung im deutschsprachigen Raum vorzustellen und zugleich auch eine erste Kartierung dieses Forschungsfeldes zu leisten. Ziel des Bandes ist es, theoretische Entwicklungs- und Einbettungsmöglichkeiten kenntlich zu machen und den Horizont für weitergehende empirische Studien zu den drei Handlungsfeldern Wirtschaft, Politik und soziale Räume zu eröffnen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Das Konzept „Resilienz“, das ursprünglich aus der psychologischen bzw. sozial- und human-ökologischen Forschung stammt, erfährt seit wenigen Jahren in der Soziologie eine bemerkenswerte Resonanz. Dabei firmieren unter dem Begriff „Resilienz“ in der aktuellen sozialwissenschaftlichen und soziologischen Forschung zwar heterogene Zugänge und verschiedene theoretische Ansätze, es lassen sich aber doch auch Verbindungslinien identifi zieren: Resilienz wird für die Analyse von Phänomenen und Prozessen der ‚Widerständigkeit‘ und der ‚Widerstandsfähigkeit‘ in verschiedenen Kontexten und Situationen angesichts besonderer Gefährdungslagen genutzt.
Martin Endreß, Andrea Maurer

A Soziologische Theorien und Perspektiven

Frontmatter

Karriere und sozialwissenschaftliche Potenziale des Resilienzbegriffs

Zusammenfassung
Das Stichwort der Resilienz hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Karriere erfahren. Gibt man bei Google Ngram Viewer – ein Programm, mit dem man die Verwendung bestimmter Begriffe in Büchern überprüfen kann – das Wort „Resilienz“ ein, so zeigt sich, dass dieses im deutschen Sprachraum (jenseits eines kurzen Zwischenhochs zwischen 1942 und 1950) bis 1970 praktisch unbekannt war. Dies änderte sich nach 1990 allmählich und nach 2000 erheblich: Seither hat sich der Gebrauch des Begriff s in der deutschsprachigen Literatur praktisch verzehnfacht.
Wolfgang Bonß

Resilienz als Perspektive auf gesellschaftliche Prozesse

Auf dem Weg zu einer soziologischen Theorie
Zusammenfassung
Das Konzept der Resilienz gehört nicht zu den klassischen Grundbegriff en der Soziologie. Dennoch wird auf dieses momentan in vielfacher Weise in der soziologischen Diskussion Bezug genommen – mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen, hinsichtlich diverser Anwendungsfelder und letztlich auch auf Basis divergierender Verständnisse des Konzepts.
Martin Endreß, Benjamin Rampp

Disruptiver sozialer Wandel und das Problem der Resilienz

Zusammenfassung
Die folgenden Überlegungen gehen der Frage nach, was aus der Sicht der „Theorie des sozialen Wandels“ zum Problemumkreis dessen gesagt werden kann, was in zunehmendem Umfang als „Resilienz“ diskutiert wird. Eine Antwort zu finden, fällt vor allem aus einem Grund schwer: Die Th eorie des sozialen Wandels und ihre „modernisierungstheoretische“ Erweiterung (vgl. Eisenstadt 1973) – so lebendig diese Denkübungen während der 1950er bis 1970er Jahre gewesen sein mögen – haben ihr Leben mittlerweile ausgehaucht.
Michael Schmid

B Empirische Analysen 1

Frontmatter

Formen des Umgangs mit Diskriminierung und soziale Resilienz im Neoliberalismus

Die Vereinigten Staaten im Vergleich
Zusammenfassung
Angehörige stigmatisierter Gruppen leben oft mit der Erwartung, im täglichen Leben besonders kritisch beäugt, übersehen, unterschätzt, missverstanden und respektlos behandelt zu werden.
Michèle Lamont, Jessica S. Welburn, Crystal M. Fleming

Zur sozialwissenschaftlichen Konzeption von Vulnerabilität und Resilienz

Konzeptionelle Überlegungen und empirische Betrachtungen am Beispiel von Städten
Zusammenfassung
Die Wahrnehmung von und der Umgang mit Gefährdungen gehören zur Geschichte menschlicher Gesellschaften. In modernen Gesellschaften hat sich allerdings das Bewusstsein für mögliche Gefahren geschärft . Auch die Einsicht, dass man Gefährdungen vorbeugen bzw. diese abmildern kann, ist inzwischen stark ausgeprägt. Die extensiven Diskurse seit den 1980er Jahren über Risiken und Nachhaltigkeit zeugen davon. Als Schlüsselwerke dürfen Ulrich Becks Buch zur „Risikogesellschaft“ (Beck 1986) und der Bericht der Brundtland-Kommission (WCED 1987) über die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns gelten.
Gabriela B. Christmann, Karsten Balgar, Nicole Mahlkow

B Empirische Analysen 2

Frontmatter

Verbraucherorganisationen als Resilienz- und Vulnerabilitätsfaktor von Markterwartungen

Zusammenfassung
Eine zentrale Einsicht der Neueren Wirtschaftssoziologie ist, dass die Konstitution und Funktionsweise von Märkten an die Reduktion von Unsicherheit gebunden ist (klassisch Granovetter 1985; White 1981). Nur wenn Akteure dauerhaft davon ausgehen können, dass ihre Gewinn- oder Konsumchancen gewährleistet sind, werden sie am freiwilligen Tausch von Ressourcen auf Märkten teilnehmen. Aufgrund der potenziellen Offenheit von Handlungssituationen (doppelte Kontingenz), schwer abschätzbarer zukünftiger Marktstrategien (Ungewissheit) sowie sich wandelnder Märkte sind Markterwartungen jedoch stets prekär. So führen technologische Veränderungen, sich wandelnde Konsum- und Wertpräferenzen oder eine zunehmende Vermarktlichung (z. B. von Wohlfahrtssystemen) zur permanenten Herausforderung eingespielter Handlungsmuster.
Sebastian Nessel

Resilienzpotenziale traditioneller Lebensmittelhändler in Dhaka vor dem Hintergrund aufkommender Supermärkte

Zusammenfassung
Der Lebensmittelhandel in Dhaka war lange Zeit geprägt von einer Vielzahl kleiner inhabergeführter Geschäfte, bis im Jahr 2001 die erste Supermarktkette eröffnete. Seither wandelt sich der städtische Markt für Lebensmittel in Bangladesch rasant. Eigenen Erhebungen zufolge gibt es momentan (Dezember 2012) neun Supermarktketten, die in Dhaka zusammen 69 Filialen betreiben. Zusätzlich existieren weitere 27 Einzelgeschäfte, die ebenfalls zur Kategorie Supermarkt gerechnet werden müssen. Damit stieg die Anzahl der Supermärkte in der Landeshauptstadt allein zwischen 2007 und 2012 von 22 auf 96 um den Faktor 4,4. Laut Betreibern und Politik verfügen Supermärkte über enormes Potenzial – nicht nur für eine Restrukturierung der Märkte in Dhaka, sondern auch für die Modernisierung der Landwirtschaft und die Bekämpfung der Armut im Land.
Markus Keck

Vorsicht, Sackgasse! Anpassung und Anpassungsfähigkeit in volatilen Arbeitsmärkten

Das Beispiel Musicaldarsteller
Zusammenfassung
Die sozialwissenschaftlichen Begriffe Vulnerabilität und Resilienz beschreiben eine Gruppe sozialer Praktiken in einer sich beständig wandelnden Welt, in denen die Idee der Wertschätzung mit jener der Bewahrung verbunden wird. Beide Begriffe implizieren zwei Operationen sozialer Konstruktion: erstens die Identifikation und Abgrenzung einer wertgeschätzten Entität (Christmann und Ibert 2012), z. B. eine geliebte Person, eine Bezugsgruppe, das umliegende Wohnviertel, ein sensibles Ökosystem oder auch eine technische Infrastruktur; zweitens eine erhöhte Sensibilität für potenzielle Gefährdungen, welche die interne Integrität dieser wertgeschätzten Entität in existenzieller Weise bedrohen.
Oliver Ibert, Suntje Schmidt

B Empirische Analysen 3

Frontmatter

Urbane Resilienz und endemische Gewalt

Zusammenfassung
In ihrem Buch „Resilient Life“ imaginieren die Autoren Brad Evans und Julian Reid einen neuen, aus zehn Punkten bestehenden Gesellschaft svertrag, den sich die Bürger eines Landes nach einer großen Katastrophe gegeben haben.
Peter Imbusch

Chancen des Resilienzbegriffs für eine soziologische Armutsforschung

Zusammenfassung
Wenn wir uns die Armutsentwicklung in Deutschland der letzten Jahrzehnte vor Augen führen, dann fällt auf, dass spätestens seit den 1970er Jahren in der Regel mehrere Millionen Menschen arm sind. Dies lässt sich feststellen ungeachtet aller Konjunkturveränderungen, Wandlungen der wirtschaftlichen Struktur, politischen Paradigmenwechsel, Praktiken der Armutsbekämpfung und Änderungen der Messverfahren von Armut. Es ist daher zu konstatieren, dass in Deutschland, wie auch in anderen westlichen Wohlfahrtsstaaten, zwar das Abfedern von Armut durch kompensatorische Leistungen größtenteils gelingen mag, ein deutlicher Rückbau von Armut jedoch auch im Rahmen der mit großen Versprechungen lancierten und durchgesetzten Aktivierungspolitiken nicht gelungen ist.
Markus Promberger, Lars Meier, Frank Sowa, Marie Boost

Resilienz als Sicherheitsprogramm

Zum Janusgesicht eines Leitkonzepts
Zusammenfassung
Resilienz ist zu einem zentralen Paradigma von Sicherheitspolitiken avanciert. Von der UN wurde Resilienz Ende der 1990er als programmatische Leitlinie zur Reduzierung von Naturkatastrophen ins Spiel gebracht. In Großbritannien wurde die gesamte Notfallplanung unter der Maßgabe „resilience“ umstrukturiert und umfassende Sicherheitsprogramme für Städte unter die Leitlinie „resilient cities“ gestellt.
Stefan Kaufmann

Backmatter

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