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Über dieses Buch

Der vorliegende Band skizziert die Potentiale und Grenzen des Begriffs Resilienz und reflektiert aus einer interdisziplinären Perspektive gegenwärtige Konzeptualisierungen und Anwendungen von Resilienz. Dem Leser werden dadurch erfolgversprechende Antworten für die unterschiedlichsten Herausforderungen aufgezeigt.Als Modewort unserer Zeit – einer Epoche, die von Situationen multipler und sich wechselseitig verstärkender Wandlungsprozesse und Krisen geprägt ist, ob Klimawandel, Flüchtlingskrise, Armut, Ressourcenmangel, Urbanisierung oder Stress am Arbeitsplatz, birgt Resilienz Lösungsmöglichkeiten, wenn sie als ein Konzept gehandelt wird. Ein Novum in diesem Buch stellt vor allem die Diskussion normativer Aspekte von Resilienz dar.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Vom multidisziplinären Vergleich von Resilienzkonzepten zu interdisziplinären Lernprozessen
In Zeiten radikalen gesellschaftlichen Wandels ist der Begriff der Resilienz Fluch und Segen zugleich. Je nach Kontext und Defi nition kann sich hinter diesem Konzept sowohl ein Versprechen als auch eine selbsterfüllende Prophezeiung verbergen. Ob Klimawandel, Flüchtlingsbewegungen, Armut, Ressourcenknappheit, Urbanisierung oder Stress am Arbeitsplatz – Resilienz ist das Modewort der 2010er Jahre.
Maria Karidi, Martin Schneider, Rebecca Gutwald

Streitfrage Resilienz

Frontmatter

Resilienz als Trendkonzept

Über die Diffusion von Resilienz in Gesellschaft und Wissenschaft
Resilienz gilt als eines der Modeworte der heutigen Zeit. Es scheint, als würde die Anwendung des Konzepts in verschiedenen Disziplinen und seine Diffusion in der Gesellschaft insgesamt stetig steigen. Dabei stellen sich die Fragen, wann und wie diese explosionsartige Verbreitung des Resilienzkonzepts entstand, inwiefern fachspezifische Unterschiede oder Bezüge zwischen den Fächern vorliegen und wie sich die Diffusion des Konzepts in der Literatur im internationalen Vergleich entwickelt hat. Um ein besseres Verständnis der genannten Punkte zu schaffen, hat dieser Beitrag zum Ziel, die Geschichte und die Entwicklung der Literatur zu Resilienz im Disziplinen übergreifenden, internationalen Vergleich näher zu beleuchten. Dabei wird sowohl Bezug zum gesamten Literaturkorpus als Spiegelbild gesellschaftlicher Einstellungen und Entwicklungen als auch zu wissenschaftlicher Literatur im Speziellen genommen.
Matthias Weiß, Silja Hartmann, Martin Högl

Resilienz – Macht – Hoffnung

Der Resilienzbegriff als diskursive Verarbeitung einer verunsichernden Moderne
Der Beitrag formuliert die These, dass die Beliebtheit des Resilienzbegriffs trotz seiner definitorischen Unschärfe mit einer veränderten Wahrnehmung von Unsicherheit, Krisen und Risiken zu erklären ist. Seine Popularität steht in Verbindung zu dem dominanten Selbstbeschreibungsmodus der Reflexiven Moderne – der Krise –, die sich in einer auf Dauer gestellten Unsicherheitswahrnehmung niederschlägt. Auf diese Verunsicherung scheint Resilienz eine hoffnungsvolle Antwort geben zu können, weshalb der Begriff in unterschiedlichen Anwendungskontexten, von der individuellen Stressbewältigung bis hin zu sicherheitspolitischen Legitimationsstrategien, als der vielversprechende Versuch gepriesen wird, unvorhersehbare, krisenhafte Ereignisse aller Art, zunehmend aber auch gesellschaftliche Steuerungsprobleme auf eine ganz neue Weise handhabbar zu machen. Allerdings kann der Resilienzbegriff dieser Hoffnung nicht entsprechen. Hingegen wird mit dessen Einsatz einerseits über die Begründungsbedürftigkeit bestehender gesellschaftlicher Institutionen und Systeme hinweggetäuscht. Dabei werden kritische Auseinandersetzungen umgangen. Einhergehend mit dieser Form der Entpolitisierung der gesellschaftlichen Zukunftsgestaltung und -bewältigung besteht andererseits die Gefahr der Überlastung jeder/s Einzelnen. Letztendlich steht der Resilienzbegriff dem gesellschaftlichen Wandel im Weg.
Charlotte Rungius, Elke Schneider, Christoph Weller

Kritische Resilienzforschung als Beobachtung eines gegenwärtigen Rechtsformenwandels?

Aspekte einer erforderlichen Systematisierung
Die Autoren nähern sich dem Begriff der Resilienz aus einer rechtssoziologischen Perspektive. Gemeinhin gilt das Recht dann als resilient, wenn es durch einen hohen Grad von Unbestimmtheit ad hoc-Entscheidungen ermöglicht, um damit gegenwärtigen oder zukünftigen Risiken zu begegnen. Hierbei können drei verschiedene Formen der Operationalisierung von Unbestimmtheit im Recht heuristisch unterschieden werden: Die Informalisierung, die Ethisierung bzw. Verwissenschaftlichung sowie Prozeduralisierung des Rechts. Diese Transformation des Rechts droht jedoch, dessen spezifische Funktionsweise zu unterminieren, nämlich einerseits durch bestimmte Formen der Selbstbindung Erwartungen zu stabilisieren und andererseits in entsprechenden Verfahren die Austragung von Konflikten zu ermöglichen.
Roman Thurn, Stefan May, Stefan Böschen

Der Begriff der Resilienz in der Humangeographie

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit den verschiedenen Verwendungen von Resilienz in der Humangeographie. Es finden sich hierbei Bezüge zur sozial-ökologischen, sozialen sowie ökonomischen Resilienz, wobei jede Konzeptualisierung auf unterschiedlichen theoretisch-konzeptionellen Überlegungen, methodischen Ansätzen und Erkenntniszielen beruht. Wir rücken in diesem Beitrag das Konzept der sozialen Resilienz, welches in der Geographischen Entwicklungsforschung ganz neu behandelt wird, sowie das in der Wirtschaftsgeographie neu verhandelte Konzept der regionalen (ökonomischen) Resilienz in den Mittelpunkt. Interessant sind diese beiden Forschungsfelder und die hierin verorteten Konzeptualisierungen von Resilienz insofern, als dass sie exemplarisch für die Verschiebung eines in der Ökologie verankerten Konzepts in die sozial- und wirtschaftsorientierte Forschung stehen. Die damit einhergehenden Bedeutungs- und Perspektivverschiebungen werden in diesem Beitrag dargestellt. Diese zu verstehen und voneinander abzugrenzen ist wichtig, um potentiellen Kommunikationsproblemen zwischen den verschiedenen Forschungsfeldern, aber auch zwischen Forschung und Politik vorzubeugen.
Amra Bobar, Gordon Winder

Selbsterhaltung, Kontrolle, Lernen

Zu den normativen Dimensionen von Resilienz
In vielen praktischen, professionellen und politischen Feldern ist Resilienz zu einer kaum hinterfragten normativen Orientierung avanciert. Um den Resilienzdiskurs in ethischer Perspektive zu erschließen und zu bereichern, gehen wir in drei Schritten vor. Zunächst nehmen wir die Wahrnehmung eines Nachholbedarfs an gesellschaftstheoretischer Reflexion des Resilienzbegriffs zum Anlass, um einen zentralen Fokus von Resilienz, die Funktionserhaltung, mit den Begriffen Schutz und Nachhaltigkeit sozial- und umweltethisch zu reflektieren. Darauf aufbauend schlagen wir vor, den bekannten deskriptiven Resilienzdimensionen Persistenz, Adaptation und Transformation die normativen Leitbilder Selbsterhaltung, Kontrolle und Lernen gegenüberzustellen. Unsere Überlegungen knüpfen an empirische Erkenntnisse und lebensweltliche Erfahrungen an und rekonstruieren auf diesem Weg die Relevanz des Resilienzbegriffs für ethisch-politische Diskurse. Eine wichtige Scharnierfunktion nehmen unsere Überlegungen zur Response-Fähigkeit als zentralem Merkmal von Resilienz ein.
Martin Schneider, Markus Vogt

Kompetenzen und Ressourcen

Frontmatter

Selbstgestaltung und Sinnsuche unter fragilen Bedingungen

Moralpsychologische und ethische Anmerkungen zum Verhältnis von Resilienz und Identität
Aus einer moralpsychologisch perspektivierten ethischen Sicht reflektiert der Beitrag das Verhältnis von Resilienz und Identität. Auf der Grundlage von psychologisch-pädagogischen Resilienzkonzepten wird ein Verständnis von Resilienz entwickelt, das eine vulberabilitätsbewusste und krisensensible Perspektive für Identitätsbildung und Identitätsarbeit angesichts bestehender sozialer, kultureller, psychischer und materieller Ressourcen erlaubt und damit einen kriteriellen Rahmen zur Verfügung stellen kann, um funktionale von dysfunktionalen bzw. – in ethischer Sicht – gerechtfertigte von ungerechtfertigten Resilienzanforderungen und damit verbundenen Praktiken zu unterscheiden. Resilienzerwartungen, Resilienzdiskurse und Resilienzpraktiken mit verkürzten oder einseitigen Subjektimplikationen einerseits und einer Systemblindheit andererseits können vor diesem Hintergrund dahingehend problematisiert werden, dass sie die konstitutionelle Verwundbarkeit, Begrenztheit, Relationalität und Endlichkeit des Menschen und seiner Gestaltungsmöglichkeiten theoretisch wie auch praktisch nicht angemessen zur Geltung bringen können.
Jochen Sautermeister

Resilienz

Ein schädlicher Begriff für den Umgang mit Stress am Arbeitsplatz?
Bei der Frage nach dem Umgang mit psychischen Belastungen im Wandel der Arbeit wird zunehmend häufiger mit dem Konzept „Resilienz“ geantwortet. Für die Bewältigung psychischer Belastungen in der Wissensarbeit erweist sich das geläufige Verständnis von Resilienz aber in mehrfacher Weise als problematisch. Resilienz wird in der Praxis häufig auf die Stärkung der individuellen Anpassungs- und Widerstandskraft der Beschäftigten verkürzt. Ein ganzheitlicher Ansatz zielt jedoch darauf ab, psychische Belastungen gleichermaßen auf individueller Ebene, Team-Ebene und organisationaler Ebene anzugehen. In der Tradition der Arbeitspsychologie plädiert der Beitrag für „Verhältnisprävention vor Verhaltensprävention“, die über personale Resilienz hinausweist, betont die Pflicht der Arbeitgeber*innen die Beschäftigten vor Gesundheitsbeeinträchtigungen zu schützen und zeigt betriebliche Handlungsmöglichkeiten im Bereich der Wissensarbeit auf.
Jörn Hurtienne, Katharina Koch

Gute Arbeit, resiliente Arbeiter?

Psychische Belastungen im Arbeitskontext aus Sicht des Capability Ansatzes
Das Trendkonzept der „Resilienz“ ist im Arbeitskontext aus normativ-ethischer Perspektive kritisch zu bewerten, wie der vorliegende Beitrag argumentiert. Unser Befund ist das Resultat einer interdisziplinären Reflexion. Die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zu Arbeitsbelastungen von Wissenarbeiter*innen werden mit der normativen Perspektive der Capability Ansatzes verknüpft. Wir gehen in vier Schritten vor. Zur Absteckung des Kontextes stellen wir zuerst den Bereich der Wissensarbeit mit den für ihn typischen Belastungen dar, auf die im Folgenden die normative Perspektive des Capability Ansatzes gerichtet wird, deren Grundannahmen zunächst herausgearbeitet werden. Im Mittelpunkt steht eine vom Capability Ansatz gestützte Begriffsbestimmung des menschlichen Wohlergehens als sozial geprägte Freiheitsräume, welche wir für geeignet halten, um einen Begriff von echter, nachhaltiger Resilienz zu definieren. Auf dieser Basis schlagen wir in Teil drei vor, dass der normative Fokus von Resilienzförderung auf die Arbeitsbedingungen verschoben und damit die derzeit omnipräsente Überforderung des Individuums abgefedert wird. Dies zeigt, so unser Fazit, einen weiteren Forschungsbedarf in Bezug auf die normative Diskussion um Resilienz im Arbeitskontext, aber auch für den Capability Ansatz selbst auf.
Carolin Blum, Rebecca Gutwald

Medien und gesellschaftlicher Wandel

Eine empirische Studie zu der Frage, ob Medienkompetenz im Jugend- und frühen Erwachsenenalter einen Resilienzfaktor darstellt
In einer empirischen Studie mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen (N = 101) wurde der Zusammenhang von Medienkompetenz mit bereits empirisch bestätigten Resilienzfaktoren aus dem kognitiven, leistungsbezogenen und gesellschaftlichen Bereich untersucht. Dazu wurde der computerbasierte Test „Würzburger Medienkompetenztest“ (WMK) entwickelt, der die Leistung in fünf verschiedenen Fähigkeitsbereichen von Medienkompetenz überprüft. Zusätzlich wurden Intelligenz, Lese- und mathematische Kompetenzen, Schulnoten sowie politisches Interesse und Selbstkonzept, Offenheit und Perspektivenübernahme erfasst. Die Ergebnisse von Regressions- und Pfadanalysen zeigten, dass Medienkompetenz den fast durchweg stärksten Einfluss auf die leistungsbezogenen Fähigkeiten ausübte – noch vor der Intelligenz. Ebenso wirkte sich Medienkompetenz bedeutsam auf das Politikinteresse aus und wies einen Zusammenhang zur Perspektivenübernahme auf. Somit birgt Medienkompetenz für das Jugend- und frühe Erwachsenalter ein großes Potential als Resilienzfaktor, auch über die Individualebene hinaus für die Gesellschaft.
Carolin Braun, Verena Maria Gralke, Gerhild Nieding

Resilienzsensible Bildung

Resilienz als Response-Strategie durch Professionelle Simulation (ProfiS) entwickeln
Nach einleitenden Worten wird im zweiten Kapitel Resilienz in interdisziplinären Diskursen gesichtet, um resilienzsensible Bildung als Stärkung von Menschen und Systemen in der Auseinandersetzung mit Inhalten herauszuarbeiten. Das dritte Kapitel ordnet und entfaltet resilienzsensible Bildung in der Vielfalt möglicher Verständnisse, um Resilienz als Response-Strategie bildend und exemplarisch anhand der Methode „Professionelle Simulation“ zu profilieren. Im vierten Kapitel wird der Ertrag gebündelt und das Potential resilienzsensibler Bildung aufgezeigt.
Manfred Riegger

Systeme und Strukturen

Frontmatter

Bamboo and Lotos

What Makes Indian and Chinese Firms Resilient?
The purpose of this study is to critically analyze the resources and determinants of capabilities and attributes which enable Indian and Chinese firms to respond to changes in a resilient way. In particular, it is investigated under which conditions Indian and Chinese firms are capable of building competitive strengths which drive their success.
A systematic and comprehensive literature review of 59 studies published between 1994 and 2016 with focus on Indian and Chinese firms was conducted to examine the nature and contextual conditions of their resilience and competitiveness as well as the research methods and underlying theories.
Continuous alteration, and reversion of disadvantages into advantages are the most outstanding findings. Moreover, the majority of the examined studies concludes that Indian and Chinese firms built non-traditional competitive strengths.
Due to the unconventional concept of resilience and competitiveness of Indian and Chinese firms, existing theoretical perspectives and research settings need revisions and extensions.
Unlike most extant research on Indian and Chinese firms which has investigated country- or industry-level variables using aggregate data, this paper reveals distinct patterns, and similarities and differences of firm-level characteristics. In addition, by exclusively focusing on Indian and Chinese firms’ resilience and competitiveness conclusions about their uniqueness and generalizability can be drawn.
Sue Claire Berning

Viele Krisen, eine Antwort?

Zur Nutzbarkeit und Nützlichkeit von Resilienz in entwicklungspolitischen Programmen
Resilienz wurde innerhalb der letzten Jahre zunehmend in entwicklungspolitischen Programmen als Antwort auf vielfältige Krisenszenarien eingeführt: von Klimawandel und Naturgefahren über Kriege und Konflikte bis hin zur Wirtschafts- und Finanzkrise. Aber was macht den Erfolg des Resilienzkonzepts aus? In welche Wahrnehmungen von Krisen und Risiken wird der Resilienzbegriff eingebettet und mit welchen Mitteln soll Resilienz gegenüber diesen Krisen hergestellt werden? Welche Strategien sind damit verbunden? Diesen Fragen nähern wir uns im vorliegenden Kapitel mithilfe des Ansatzes der Gouvernementalität nach Foucault und einer kritischen Analyse verschiedener Dokumente der Europäischen Union und des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Wir argumentieren, dass die konzeptionelle Unschärfe des Begriffs seine Nutzung im Sinne neoliberaler entwicklungspolitischer Leitlinien legitimiert; seine Nützlichkeit für eine kritische Annäherung an derzeitige Krisen und deren Wahrnehmungen bleibt damit jedoch begrenzt.
Birgit Kemmerling, Amra Bobar

Resilienz in regionalen Energietransitionen

Versuch einer Konzeptualisierung aus institutionentheoretischer Perspektive
Im Rahmen einer empirischen Fallstudie zu regionalen Energiewendeprozessen im bayerischen Allgäu geht das Kapitel der Frage nach, wie Akteure in sozio-technischen Systemen mittels sozialer Praktiken Wandel gestalten. Die Ziele des Beitrags sind (i) die Dynamiken der regionalen Energietransition im Allgäu aus Akteursperspektive nachzuvollziehen, (ii) die institutionellen Praktiken der Akteure zu identifizieren und (iii) zu untersuchen, wie sich diese Praktiken auf die Resilienz des Transitionsprozesses auswirken. Zu diesem Zweck wird das Multi-Phasen-Modell der sozio-technischen Transitionsforschung mit Ansätzen aus der evolutionären Resilienzforschung kombiniert und mit Hilfe des Konzepts der institutionellen Arbeit aus der Neo-Institutionentheorie um einen praxistheoretischen Ansatz erweitert. Die Ergebnisse zeigen, wie regionale Akteure seit den 1990er Jahren institutionellen Wandel in Richtung eines dezentralen regionalen Energiesystems gestalten und auf unterschiedliche Weise auf regionsinterne und -externe Störungen des Transitionsverlaufs reagieren.
Michael Jedelhauser, Anne von Streit

Ein indikatorengestützter Ansatz zur Resilienzanalyse von Energiesystemen in Transition

Theoretische Konzeptualisierung und empirische Anwendung im bayerischen Allgäu
Die soziale und technische Transition unseres Energiesystems mit dem Ziel einer größeren Nachhaltigkeit ist schon längst nicht mehr nur ein politisches Vorhaben, sondern befindet sich mitten in der Umsetzung. Während traditionelle Energieversorger und Energieproduktionstechnologien unter Druck geraten, treten neue Akteure auf den Plan und es werden fortlaufend neue Gesetzgebungen, Geschäftsmodelle und Technologien entwickelt. Mit diesen fundamentalen Umwälzungen stellt sich die Frage, wie ein sich transformierendes regionales Energiesystem entlang eines vorgegebenen Transitionspfades resilient gestaltet werden kann. In diesem Kapitel schlagen wir einen indikatorengestützten Ansatz zur Konzeptualisierung und Operationalisierung von Resilienz regionaler Energiesysteme in Transition vor. Wir basieren diesen Ansatz auf zwei Kernkonzepten der Resilienz – Diversität und Konnektivität – und zeigen in einem ersten Schritt, wie diese sowohl für die technischen als auch die sozialen Aspekte eines regionalen Energiesystems in jeweils drei Indikatoren ausdifferenziert werden können. Als Diversitätsindikatoren werden Varietät, Balance und Disparität verwendet; als Konnektivitätsindikatoren die durchschnittliche Pfadlänge, die Gradzentralität und die Modularität. In einem zweiten Schritt wenden wir das Indikatorenset auf das Fallbeispiel bayerisches Allgäu an und verwenden dazu empirisches Material, das sich aus Experteninterviews, Sekundärdaten und einer Energieflussanalyse zusammensetzt. Der Beitrag liefert damit nicht nur einen theoriegeleiteten Ansatz zur Analyse der Resilienz von regionalen Energiesystemen in Transition, sondern zeigt zugleich auch empirische Anwendungsmöglichkeiten auf und reflektiert Limitationen und weiteren Forschungsbedarf.
Susan Mühlemeier, Romano Wyss, Claudia R. Binder

Die resiliente Gesellschaft

Überlegungen zu einer Kulturaufgabe im Zeitalter des Menschen
Im sozioökologischen Diskurs sind zwei neue Leitbegriffe aufgetaucht, die schnell eine große Faszination entfaltet haben, nämlich „Resilienz“ und „Transformation“. Diese beiden Konzepte werden mit dem im Umweltdiskurs schon etablierten Nachhaltigkeitsprinzip verglichen, um das jeweilige Ausgangs- und Bezugsproblem, die Zielvorstellung sowie das spezifische Zusammenspiel von funktionalen und präskriptiven Dimensionen herauszuarbeiten. Als denkerische Rahmen des sozioökologischen Resilienzdiskurses wird das Anthropozänkonzept entfaltet, das anthropologisch und sozialtheoretisch unterfüttert wird. Auf dieser Basis wird dann gezeigt, dass Resilienz umfassend als Kulturaufgabe zu verstehen ist.
Jochen Ostheimer

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