Resilienzorientierte Führung durch Mediation und Affektregulation
Psychologische Grundlagen für menschzentrierte Konfliktlösungen
- 2026
- Buch
- Verfasst von
-
Winfried Neun
Winfried Neun
- K.O.M. GmbH, Allensbach, Deutschland
- Verlag
- Springer Fachmedien Wiesbaden
Über dieses Buch
Dieses Buch bietet Führungskräften einen kompakten Einblick in die Grundlagen von Resilienz und Affektregulation sowie in erprobte Methoden der Mediation. Denn: Gerade in Zeiten rasanter Veränderungen und volatiler Märkte entstehen in Unternehmen unweigerlich menschliche Spannungen – umso wichtiger ist die Fähigkeit, belastbar und lösungsorientiert zu bleiben.
Der Autor zeigt, wie emotionale Prozesse und Persönlichkeit die Dynamik von Konflikten prägen – und wie diese durch wirksame Mediation und Affektregulation zu einer steigenden Resilienz führen können. Auf Basis von Studien, psychologischen Modellen und jahrzehntelanger Beratungspraxis erklärt Winfried Neun den Ansatz der resilienzorientierten Führung und bietet praxisnahe Impulse, um Konflikte in Veränderungsprozessen konstruktiv zu gestalten und menschliche Faktoren stärker in den Mittelpunkt professioneller Konfliktlösung zu rücken.
Ein praxisnaher Ratgeber für Führungskräfte sowie ausgebildete Mediatoren und Schlichter, die Konfliktsituationen souveräner meistern möchten. Ergänzt wird das Werk durch Tipps, die auch außerhalb der Unternehmenswelt für jegliche Art von Konfliktlösung angewendet werden können.
Inhaltsverzeichnis
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Frontmatter
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1. Einleitung
Winfried NeunZusammenfassungIm Rahmen meiner Ausbildung zum Master of Mediation an der Fernuniversität Hagen wurde mir bewusst, wie eng Resilienz, Mediation (Konfliktlösung) und Affektregulation miteinander verknüpft sind. Diese Erkenntnis wird durch zahlreiche Beratungs‐ und Coachingprojekte gestützt, in denen ich immer wieder auf latente oder manifeste Konflikte stoße. Gerade im wirtschaftlichen Kontext zeigt sich, dass Veränderungsprozesse fast immer von Konflikten begleitet werden – oft so sehr, dass sie nicht konsequent umgesetzt werden können. Dieses Buch soll dazu beitragen, Change‐Managern, Führungskräften und betroffenen Mitarbeitern neue Wege der Konfliktlösung in Veränderungsprozessen aufzuzeigen. Konflikte zu lösen, sei es als Führungskraft oder als Mediator, bedeutet immer, mit Menschen zu arbeiten. Und Menschen haben Gefühle. Sie möchten verstanden werden, doch genau das fällt in Konfliktsituationen oft schwer. Missverstandene oder nicht erkannte Emotionen belasten die Resilienz aller Beteiligten und erschweren eine konstruktive Konfliktbewältigung. Dabei ist es gerade in der Mediation entscheidend, positiv zu denken und Chancen für die gemeinsame Entwicklung einer Win‐Win‐Situation zu nutzen. Emotionale Belastungen können diesen Prozess jedoch erheblich stören. -
2. Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen
Winfried NeunZusammenfassungIn den letzten Jahren wurde der Begriff Resilienz in verschiedensten Bereichen verwendet, teils bereichernd, teils missbräuchlich. Ursprünglich stammt das Wort aus dem Lateinischen (resilere), was „zurückspringen“ oder „abprallen“ bedeutet. Zunächst fand der Begriff primär in der Materialwissenschaft Anwendung, um das Belastungs‐ und Regenerationsverhalten von Werkstoffen zu beschreiben. Erst in den 1970er Jahren hielt er Einzug in die Psychologie (vgl. Lohse, 2021: 18ff). Aus psychologischer Sicht beschreibt Resilienz „die Widerstandsfähigkeit eines Individuums, sich trotz ungünstiger Lebensumstände und kritischer Lebensereignisse erfolgreich zu entwickeln. […] Resilienz manifestiert sich als eine Wiederherstellung normaler Befindlichkeiten nach einem Schicksalsschlag“ (Wirtz, 2014: 1419). Resilienz umfasst somit sowohl die Widerstandskraft gegenüber alltäglichen Belastungen als auch die Fähigkeit zur Erholung nach schwerwiegenden Krisen. Besonders in Konfliktlösungen und Verhandlungen spielt sie eine zentrale Rolle: Nicht nur die Ursachen eines Konflikts, etwa eine Scheidung aufgrund von Untreue, sind psychisch belastend, sondern auch der gesamte Prozess der Auseinandersetzung. -
3. Wissenschaftliche Grundlagen und Modelle
Winfried NeunZusammenfassungAngesichts der Vielzahl an Forschungsansätzen im Bereich der Resilienz konzentriert sich dieses Buch auf die zentralen Erkenntnisse der Resilienzforschung des Forschungsinstituts K.O.M. GmbH in Allensbach, der Universität Konstanz und der Universität Osnabrück. Ergänzend werden ausgewählte frühere sowie aktuelle Studien zu Resilienzkategorien und deren Wirkmechanismen berücksichtigt. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der psychologischen Resilienz, während ökonomische Resilienz und Teamresilienz nur am Rande betrachtet werden. Die Ursprünge der Resilienzforschung gehen auf Anton Antonovsky und sein Konzept der Salutogenese in den 1970er Jahren zurück. Seine Arbeiten leiteten einen Paradigmenwechsel in den Human‐ und Sozialwissenschaften ein, die zuvor primär von Ätiologie und Pathogenese geprägt waren. Antonovsky richtete den wissenschaftlichen Fokus verstärkt auf gesundheitsfördernde, ressourcenorientierte und präventive Ansätze menschlichen Verhaltens. Alle relevanten Forschungsarbeiten teilen das zentrale Anliegen, zu verstehen, wie die verschiedenen Resilienzkategorien miteinander interagieren und wie sich der individuelle Resilienzprozess als lebenslanger Lernprozess beschreiben lässt (vgl. Lohse, 2021: 21). -
4. Resilienzorientierte Mediation
Winfried NeunZusammenfassungUm die Auswirkungen von resilienzorientiertem Verhalten in der Mediation zu verstehen, ist es wichtig, den Begriff „resilienzorientiertes Verhalten“ zu klären. Die Resilienzforschung zeigt, dass Menschen durch äußere Einflüsse schnell Energie verlieren können. Eine Untersuchung in Krankenhäusern und Pflegeheimen ergab zum Beispiel, dass die Resilienz stark mit der Art der Führung zusammenhängt (vgl. Abb. 4.1). Eine geteilte und bestärkende Führung trägt zum Aufbau von Resilienz bei. Führungskräfte, die gezielt Verantwortung abgeben und psychologisch wirksames Lob geben, können die Resilienz ihrer Mitarbeiter stärken. Das Gegenteil, eine ablehnende und wenig anerkennende Führung, kann hingegen die Resilienz verringern. Dieses Beispiel zeigt, wie unser Verhalten nicht nur die Resilienz anderer, sondern auch die eigene Resilienz beeinflussen kann. Besonders im Mediationsprozess oder in Konfliktsituationen können sowohl das Verhalten des Mediators als auch das der Führungskraft resilienzfördernd oder ‑mindernd wirken. -
5. Affektregulation in den Phasen des Mediationsverfahrens zur Steigerung der Resilienz bei Mediator und Medianden
Winfried NeunZusammenfassungBevor wir uns der Affektregulation und deren Auswirkungen auf Mediator und Medianden widmen, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Erläuterungen zur Affektregulation stets auf dem PSI‐Modell von Professor Dr. Kuhl basieren. Der K.O.M.‐Motivator® stellt dabei die praktische Anwendung dieses Modells dar, das Verhaltensweisen unter Berücksichtigung kommunikativer Elemente gestaltet (vgl. K.O.M. GmbH, 2017). Zur Erinnerung folgt hier die Darstellung des Modells in Abb. 3.3. In der Einleitungs‐ bzw. Eröffnungsphase kommt es zum ersten Zusammentreffen aller Parteien. Aus verhaltenspsychologischer Sicht laufen in dieser Phase verschiedene psychologische Prozesse ab. Studien (vgl. z. B. Eysenck & Keane, 2020: 12 ff.) haben gezeigt, dass die Reizwahrnehmung unseres Gehirns besonders intensiv ist, wenn wir auf teilweise unbekannte Menschen treffen. Der Reiz‐Reaktionsmechanismus wird dabei besonders beansprucht. Wie in Abb. 5.1 dargestellt, müssen zentrale Verarbeitungsprozesse wie die Aufmerksamkeitsbildung, die bewusste Wahrnehmung der anderen und anschließende Denkprozesse beachtet werden. -
6. Resilienzorientierte Führung und Konfliktlösung
Winfried NeunZusammenfassungIm Rahmen meiner Coachings werde ich häufig gefragt, inwiefern Führungskräfte resilienter werden und Konfliktsituationen mit mehr Gelassenheit begegnen können. Diese Fragestellung gewinnt vor allem vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, reduzierter Arbeitszeiten und hoher Krankenstände zunehmend an Bedeutung. -
7. Praktische Beispiele von stressfreier Konfliktlösung
Winfried NeunZusammenfassungDie nachfolgenden praktischen Beispiele sollen durch die konkrete Darstellung stressfreier Konfliktlösungen dem Leser praxisnahe Ideen und Anregungen vermitteln. Neben den inhaltlichen Aspekten werden auch Dialoge zwischen den beteiligten Parteien eingebaut, um den Lesern eine direkte Umsetzung der dargestellten Lösungsmöglichkeiten zu erleichtern. -
8. Fazit und Ausblick
Winfried NeunZusammenfassungDie Abgrenzung der hier vorgestellten Methoden von bereits genutzten Ansätzen wie beispielsweise dem systemischen Coaching ist fließend. Dennoch lassen sich die wesentlichen Erkenntnisse zusammenfassen, die die resilienzorientierte Mediation und Konfliktlösung zu einem besonders erfolgreichen Ansatz machen. Die gezielte Anwendung der PSI‐Theorie von Professor Julius Kuhl über eine professionelle Affektregulation sind für den Mediationsprozess und jede Art der Konfliktlösung nicht nur empfehlenswert, sondern aktiv unterstützend. Diese Ansätze sollten zwingend angewendet werden, da die strukturierte Vorgehensweise der Mediation und die persönliche Betroffenheit von Führungskräften, Ehepartnern, Kindern oder Inhabern in Konfliktsituationen den Umgang mit Affekten und Resilienz besonders wichtig machen. Mediatoren sowie Führungskräfte sollten daher den Umgang mit Affekten und Resilienz aktiv erlernen. Dabei ist es wichtig, dass die Anwendung von Affektregulation und Resilienzmanagement nicht als therapeutischer Ansatz verstanden wird, sondern ausschließlich dazu dient, die Interaktion aller Parteien im Mediationsprozess zu unterstützen. -
Backmatter
- Titel
- Resilienzorientierte Führung durch Mediation und Affektregulation
- Verfasst von
-
Winfried Neun
- Copyright-Jahr
- 2026
- Electronic ISBN
- 978-3-658-50445-8
- Print ISBN
- 978-3-658-50444-1
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-658-50445-8
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