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14.05.2014 | Ressource | Im Fokus | Onlineartikel

Umwelttechnische Perspektiven des Koalitionsvertrages

3 Min. Lesedauer

Im Koalitionsvertrag finden sich zahlreiche Einträge zu den Begriffen Umwelt, Ressourcen, Energie und Nachhaltigkeit. Die Stichworte "Klärschlamm" und "Exportinitiative" tauchen nur je einmal auf. Martin Faulstich kommentiert.

Alle zwei Jahre findet die IFAT in München statt, die sich selbstbewusst und völlig zu Recht "Weltleitmesse für Umwelttechnologie" nennt. Keine Frage, die IFAT ist die international größte und bedeutendste Messe für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich einmal einen Blick in den Koalitionsvertrag "Deutschlands Zukunft gestalten" der schwarz-roten Bundesregierung zu werfen. Viele unserer Leserinnen und Leser werden sicher schon die zahlreichen Einträge zu den Begriffen Umwelt, Ressourcen, Energie und Nachhaltigkeit analysiert haben. Zwei weitere Stichworte tauchen zwar nur jeweils einmal auf, diese sind jedoch für ein politisches Programm umso bemerkenswerter, die Stichworte sind "Klärschlamm" sowie "Exportinitiative".

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"Wir werden die Klärschlammausbringung zu Düngezwecken beenden und Phosphor und andere Nährstoffe zurückgewinnen", heißt es im Koalitionsvertrag, eine Forderung ohne Konjunktiv, aber noch nicht mit wie und wann belegt. "Endlich" werden manche sagen; "auch das noch", manche andere. Im Grunde ist es jedoch kaum mehr einsehbar, warum etliche Schadstoffe zunächst aufwändig aus dem Abwasser entfernt und kumuliert werden, um sie dann wieder flächendeckend auf den Feldern zu verteilen.

Ausstieg aus Klärschlammbeseitigung in greifbarer Nähe?

Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen werben schon seit Jahren für den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammbeseitigung. Nun scheint der Ausstieg in greifbare Nähe zu rücken. Die langfristig beste Lösung wird es sein, Klärschlamm in Monoverbrennungsanlagen thermisch zu verwerten und den Phosphor dann schadstoffbefreit aus der Asche zurückzugewinnen. Ausreichende Kapazitäten zur Monoverbrennung sind derzeit allerdings noch nicht vorhanden, ebenso wenig wie entsprechende Kapazitäten zur Phosphor-Rückgewinnung.

Als Zwischenlösung bietet es sich daher an, die vorhandenen Verbrennungsanlagen für Hausmüll auch zur Mitverbrennung von Klärschlamm zu nutzen. Da der Markt für Müllverbrennungsanlagen ohnehin unter Überkapazitäten leidet, wird diese Idee wohl Resonanz finden. Ebenso könnte auch Hausmüll aus unseren Nachbarländern, insbesondere in grenznahen Regionen, übergangsweise in deutschen Müllverbrennungsanlagen verwertet werden. Das ist allemal besser, als den Abfall unvorbehandelt zu deponieren, wie das leider in vielen europäischen Ländern noch immer der Fall ist.

Exportinitiative für Umwelttechnologien

Damit sind wir beim zweiten genannten Stichwort des Koalitionsvertrages, denn dort heißt es: "Wir starten eine Exportinitiative für Umwelttechnologien". Etliche für die Abfallwirtschaft maßgebliche Technologien und Dienstleistungen sind in Deutschland entwickelt und erfolgreich umgesetzt worden. RETech, das Exportnetzwerk für die deutsche Recycling- und Entsorgungsbranche, wird daher gemeinsam mit anderen Initiativen die politische Forderung ambitioniert in die Praxis umsetzen.

In Ausgabe 05/2014 der Fachzeitschrift "Wasser und Abfall" berichten Peter Baumann, Marcia Correa und Ulrike Zettl über "Planung und technisches Controlling von Kläranlagen im Ausland". Für deutsche, mittelständische Ingenieurunternehmen bietet sich hier ein interessantes Betätigungsfeld, das die politische Forderung der Exportinitiative für Umwelttechnologien praktiziert.

In der gleichen Ausgabe der Zeitschrift stellt Thomas M. Kläusli im Fachbeitrag "Klärschlamm: eine globale Herausforderung" eine Studie der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften vor. Darin wird belegt, dass die Hydrothermale Carbonisierung neue Möglichkeiten für eine effiziente thermische Verwertung des Klärschlamms bietet.

Zum Autor

Professor Dr.-Ing. Martin Faulstich ist Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung und Geschäftsführer des Cutec Instituts an der TU Clausthal.

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