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25.05.2021 | Ressourceneffizienz | Im Fokus | Onlineartikel

Tokenisierung wird Rohstoffhandel transparenter machen

Autor:
Frank Urbansky
4:30 Min. Lesedauer

Eine Möglichkeit, den Handel mit Rohstoffen für Energie und Verarbeitung transparenter zu machen, sind Token. Der Druck dafür kommt von Investoren, die grün zertifizierte Rohstoffe brauchen.

Token sind nichts anderes als digitalisierte Verträge. "Die Tokenisierung umschreibt ein Verfahren, bei dem beliebige Werteinheiten einem so genannten Token angebunden und über eine Blockchain handelbar gemacht werden. Transaktionen sollen dadurch kostengünstiger und schneller werden und die Werteinheiten für weiterführende Anwendungen auf Smart-Contract-Basis zur Verfügung stehen", beschreiben dies detailliert die Springer-Gabler-Autoren Fabian Schär und Philipp Hübner in ihrem Buchkapitel Blockchain und Smart Contracts im Kontext der Prozessautomatisierung auf Seite 308.

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Ein Bereich, in dem der Handel bislang noch konventionell abläuft, ist der Rohstoffmarkt. Doch auch hier wollen Investoren garantiert umweltfreundlich und nachhaltig hergestellte Rohstoffe erwerben und verarbeiten. Die bisherige Vorgehensweise kann dem kaum entsprechen. Deswegen wird auch hier die Digitalisierung und damit die Tokenisierung der Rohstoffe Einzug halten.

Finanzmärkte beschleunigen Digitalisierung

Angeheizt wird dies derzeit durch die Lage an den weltweiten Finanzmärkten. Durch Corona mussten die Staaten hier massive Ausgaben vornehmen. Das wiederum wird zu einer höheren Inflation führen, die wiederum eine Flucht in die Rohstoffmärkte provozieren wird.

Diese Investitionen in Rohstoffe stehen zunehmend unter dem Druck, dass sie grün erfolgen müssen. Der Green Deal der EU ist etwa ein umfassendes Gesetzeswerk, das alle Mitgliedsstaaten in nahezu allen Lebensbereichen genau dazu verpflichtet. An den Börsen macht sich das schon heute bemerkbar. Unternehmen die grün agieren, werden in aller Regel besser, also zukunftsfähiger und damit sicherer für Investitionen, bewertet als solche, die an klassischen Geschäftsmodellen hängen.

"Genau hier kann man eine Blockchain-basierte Technologie wie Token einsetzen", so Adam Spalek, Bereichsleiter Energie beim auf digitale Transformation spezialisierten Beratungshaus Publicis Sapient. Letztlich gehe es darum, wie man digital dokumentiere, dass ein Rohstoff grün erzeugt wurde, so dass dies für jeden in der Handels- und Verarbeitungskette bis hin zum Vertrieb des fertigen Produktes und auch für den Käufer nachvollziehbar sei.

Als Beispiel nennt er eine Eisenerzmine, für die dargestellt werden muss, dass der Rohstoff, eben das Eisenerz, nach gewissen Standards gewonnen und geliefert wird. Doch wie könne man das tun? Der Technologieentwickler Abaxx Technologies etwa hat bereits gezeigt, dass die Token-Technologie den physischen Commodity-Handel mit Eisenerz komplett digitalisieren kann – und das bis hin zum Börsenhandel. Das Unternehmen kaufte eine Eisenerzmine in Singapur und gründete vor Ort eine Rohstoffbörse. Es besitzt auch eine Lizenz, um solche Future-Kontrakte – aktuell für verflüssigtes Erdgas (LNG) – zu vermarkten. Abaxx entwickelte dafür standardisierte und physisch abgewickelte Rohstoff-Future-Kontrakte, die eine Token-Technologie nutzen, um Herkunftsnachweise vom Ursprung zum Produkt bereitzustellen und den Preis durch Angebot und Nachfrage festzulegen.

Nachweis grüner Brennstoffe mit Token einfacher

Ein weiteres Beispiel sei der Energiehandel. "Viele Energiehändler bei großen Energieunternehmen erhalten nur dann Kapital von Investoren, wenn sie ihr Portfolio nach bestimmten Standards managen", so Spalek. Mit einer Tokenisierung des Brennstoffhandels ginge dies deutlich einfacher, weil man den Investoren schnell erklären könne, wie grün das Portfolio sei – und das mit absolut sicheren Daten.
Als Grundlage solchen Wirtschaftens dienen Spalek die ESG-Kriterien (für Environment, Social und Governance). Vielen Unternehmen aus dem Rohstoff- und Energiebereich falle deren Erfüllung schwer. Er nennt etwa den Chevrolet Bolt EV, der 80 Prozent mehr Kupfer benötigt als ein VW Golf. Dieses Kupfer müsse eben aus einer Produktion nach ESG-Kriterien stammen. Die ESG-Ziele wirkten aber auch auf die Geschäftsstrategie, Organisation und Technologie.

"Wenn es einem Unternehmen ernst ist, die ESG-Ziele zu erreichen und Greenwashing zu vermeiden, kann eine Peer-to-Peer-Lösung zur Erfüllung beitragen, mit der sich an den Märkten nachweisen lässt, dass das Kupfer für ein Elektrofahrzeug diesen Standards entspricht und den Marktpreis rechtfertigt", so Spalek.

Dazu gehört auch das Cap-and-Trade-Prinzip, mit dem die EU einen kostengünstigen Weg zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen implementieren will. Der Emissionsrechtehandel beinhaltet einen Kohlenstoffpreis, der den in Rohstoffen oder Produkten enthaltenen Kohlenstoff bewertet. Auf Unternehmensebene, so Spalek, könne man den Nachweis noch leicht führen, in einem globalen Handelssystem ginge dies nur noch digitalisiert, wofür sich eben Token eigneten.

Derzeit sei der Markt noch nicht reif für die Tokenisierung, man befinde sich im Entwicklungsstadium. "Doch sobald die regulatorischen und technologischen Hindernisse beseitigt sind, werden wir sehen, wie sich die Dynamik beschleunigen wird", so Spalek. In diesen Bereich fällt auch das aktuelle Bemühen der EU, für Künstliche Intelligenz Regeln aufzustellen.

Eine Tokenisierung würde nicht nur den Handel transparenter und sicherer machen. "Die Vorteile einer Tokenisierung liegen in dem sofortigen weltweiten Handel der Token rund um die Uhr, dem Eigentumsübertrag der Token in "real time", der Standardisierung bei gleichzeitiger Flexibilität, der Transparenz und Sicherheit im Handel der Token", benennen die Springer-Autoren Marina Markheim und Aleksander Berentsen in ihrem Zeitschriftenbeitrag Real Estate trifft auf Blockchain: Chancen und Herausforderungen der Tokenisierung von illiquiden Vermögenswerten auf Seite 1 einen weiteren Effekt.

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