Risiko jenseits wiederholter Spiele
Extreme Ereignisse zwischen Statistik und Verantwortung
- 2024
- Buch
- Verfasst von
- Udo Milkau
- Verlag
- Springer Fachmedien Wiesbaden
Über dieses Buch
In diesem Buch wird – ausgehend von der Fiktion von wiederholten Spielen – das Konzept von „Risiko“ in unterschiedlichen Betrachtungsweisen verdeutlicht. Dabei werden insbesondere verborgene Annahmen herausgearbeitet. In dieser erweiterten Sicht zeigt sich „Risiko“ als ein vielschichtiger Ansatz, der immer vor dem Hintergrund von menschlichen Entscheidungen, unserer limitierten Rationalität und gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen verstanden werden muss. Nur in diesem Gesamtkontext lassen sich konkrete Handlungsoptionen von wirtschaftlichen Akteuren – anstelle von Visionen einer besseren Welt – ableiten.
Der heute in der Wirtschaft und bei Banken in der Regel verwendete Begriff von Risiko lautet vereinfacht „Schadenshöhe mal Wahrscheinlichkeit“. Dabei werden eine Vielzahl von Annahmen – impliziert – als gegeben vorausgesetzt: sich wiederholende Prozesse, eher kurzfristiger Zeithorizont von wenigen Tagen bis zu einem Jahr, Unabhängigkeit von verschiedenen Entscheidungsprozessen, Rationalität aller Beteiligten und weitgehend statische Rahmenbedingungen. Wenn es ein Gegenbeispiel bedurft hätte, dann hat sich dies mit der Herausforderung des „Climate-Change Risk“ – und mit Betonung auf „Change“, also eine Differenzbetrachtung – ergeben: singuläre Situationen, sehr langfristige Perspektiven, verknüpfte wirtschaftliche Fragen, ideologisierte Positionen in der Gesellschaft und Tendenzen zur Bescheidung einer freien Marktwirtschaft zugunsten der Illusion staatlicher Planung.
Inhaltsverzeichnis
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Frontmatter
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Grundlagen
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Frontmatter
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1. Risiko als Konzept jenseits von wiederholten Spielen
Udo MilkauDer Fachbeitrag untersucht das Konzept von Risiko und stellt fest, dass die gängige Definition 'Risiko = Schadenshöhe mal Wahrscheinlichkeit' oft nicht ausreicht, um reale Risiken in der Wirtschaft und Industrie zu erfassen. Anhand von vier Beispielen, darunter die Insolvenz der Silicon Valley Bank und den Zusammenbruch des Stablecoin-Systems Terra/LUNA, wird gezeigt, wie Risiken intertemporal und von einer Vielzahl von Faktoren abhängig sind. Diese Beispiele illustrieren, dass traditionelle Risikomanagementmethoden an ihre Grenzen stoßen und dass ein umfassenderer Ansatz notwendig ist, um mit komplexen Risiken umzugehen. Der Beitrag schließt mit der Diskussion über die Entwicklung des Risikokonzepts und die Notwendigkeit, Risiken in einem größeren sozioökonomischen Kontext zu betrachten.KI-Generiert
Diese Zusammenfassung des Fachinhalts wurde mit Hilfe von KI generiert.
ZusammenfassungEin Risiko wird oft einfach als „Risiko = Schadenshöhe mal Wahrscheinlichkeit“ definiert. Diese Definition knüpft an die Ursprünge der Wahrscheinlichkeitsrechnung – hervorgegangen aus der Betrachtung von Glücksspielen – an, setzt aber als implizierte Annahme dann auch solche „wiederholten Spiele“ voraus. Zum einen zeigen dagegen aktuelle Ereignisse, dass dieser Ansatz entweder nicht stimmig ist und/oder in konkreten Entscheidungen unter Unsicherheit eher kurzfristige Ziele verfolgt und langfristige Schadenspotenziale ignoriert werden. Zum anderen haben gerade in den letzten fünfzig Jahren Wissenschaftler aus verschiedenen Fachrichtungen auf die vielschichtige Struktur des Konzepts von „Risiken“ hingewiesen. Daher sollen die Überlegungen in diesem Buch gerade die Aspekte jenseits von „wiederholten Spielen“ herausarbeiten und dabei aufzeigen, dass ein „Risiko“ immer mit Menschen als Entscheidern, Beobachtern oder auch Regulierern verbunden ist. -
2. Risiko zwischen Spielen und sozialen Systemen
Udo MilkauDas Kapitel 'Risiko zwischen Spielen und sozialen Systemen' untersucht die historische Entwicklung des Risikobegriffs, der seit über 300 Jahren weitgehend unverändert geblieben ist. Abraham de Moivre definierte Risiko bereits 1718 als Produkt von Kapitaleinsatz und Wahrscheinlichkeit des Verlusts. Diese Definition findet sich auch in der aktuellen Basel-III-Regulierung wieder. Das Kapitel betont die Bedeutung sozioökonomischer Kontexte und externer Beobachter bei der Risikobewertung und diskutiert die Herausforderungen bei der Vorhersagbarkeit von Risiken in nichtlinearen Systemen. Es wird auch die Rolle von Regulierungen und Wertvorstellungen bei der Definition von Risiken beleuchtet und die Notwendigkeit einer interdisziplinären Betrachtung hervorgehoben. Das Kapitel schließt mit einer Diskussion über die Wirkmächtigkeit von kollektiven Narrativen und sozialen Medien auf Risikobewertungen und -entscheidungen.KI-Generiert
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ZusammenfassungWenn man „Risiko“ in einem modernen Sinne versteht, dann muss man die Situation der Entscheidung unter Unsicherheit von den klar definierten Spielen der Wahrscheinlichkeitsrechnung hin zu einer Betrachtung des gesamten Umfelds erweitern. Der Entscheider ist immer in ein sozioökonomisches System eingebettet, welches damit das „Spiel“ maßgeblich beeinflusst. Ein illustratives Beispiel ist das Kreditrisiko. Aus regulatorischer Sicht wird dabei Banken eine Methodik für das – eher berichterstattende – Risikomanagement vorgegeben, welches sich am Ausfall von Kreditnehmern in der Vergangenheit und entsprechenden Verlust für den Kreditgeben orientiert. Die aktuelle Entwicklung von anderen europäischen Regulierungen verschieben aber plötzlich das Bild, und entweder tritt ein „Risiko vor Überschuldung“ oder sogar der „Zugang zu Finanzmitteln“ der Kreditnehmer in den Vordergrund. Die Regulierung verändert damit die Erwartungshaltung, was bei einer Kreditvergabe das Ziel sein soll – und damit, wo das Risiko liegt. Ebenso zeigt das soziale Umfeld – speziell durch Social Media oder schnelle digitale Kommunikationskanäle – einen zunehmenden Einfluss auf Risiken, da durch Narrative und Kommunikation ein kollektives Verhalten synchronisiert werden kann, welches dann die Annahme von unabhängigen und identischen Ereignissen bei „wiederholten Spielen“ außer Kraft setzt. Ohne die Betrachtung der umgebenden Systeme lässt sich eine Entscheidung unter Unsicherheit nicht mehr als wiederholtes Spiel mit einfach ableitbaren Wahrscheinlichkeiten abstrahieren. -
3. Risikomanagement als zukunftsgerichtetes Instrument
Udo MilkauDer Beitrag beleuchtet das Risikomanagement als zukunftsgerichtetes Instrument und stellt ein Modell vor, das auf den Erfahrungen von Stanley McChrystal basiert. McChrystal betont die aktive Abwehr von Gefahren und den praktischen Umgang mit riskanten Situationen. Im Gegensatz zu traditionellen Ansätzen, die Risiko als Produkt von Einsatz und Verlustwahrscheinlichkeit definieren, schlägt McChrystal eine Definition vor, die Bedrohung und Verletzlichkeit berücksichtigt. Der Beitrag diskutiert die menschlichen Schwächen und die Tendenz, Vergangenheitserfahrungen auf die Zukunft zu übertragen, was zu Kontrollillusionen führen kann. Besonders interessant ist die Betonung auf offene Kommunikation, Anpassungsfähigkeit und die Vermeidung von Kontrollillusionen als Schlüssel für ein effektives Risikomanagement. Der Text hebt hervor, dass ein aktives Management von Risiken nicht nur auf ex-post-Berichten, sondern auch auf praktischen Handlungen im konkreten Fall basieren sollte. Dieser Ansatz bietet neue Einblicke in die Herausforderungen und Lösungen im Risikomanagement und regt zum Nachdenken über die eigenen Planungen und deren Umsetzung an.KI-Generiert
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ZusammenfassungWenn Stanley McChrystal und Anna Butrico es so formulieren: „The greatest risk is us!“, dann bedeutet dies, dass unser Glaube in Planungen und in vorhersehbare Abläufe letztlich immer zum Scheitern verurteilt ist. Auch wenn die entsprechenden Beispiele aus dem militärischen Bereich nicht einfach übertragbar sind, so zeigen doch die aktuellen geopolitischen Entwicklungen, wie sehr dies die Lage korrekt beschreibt. Wenn aber „Planungen“ und noch mehr „planwirtschaftliche Ansätze“ langfristig immer von der Unsicherheit eingeholt werden, dann können Ansätze, Risiken statisch ex ante beschreiben und vorhersehen zu wollen, nicht die Mittel der Wahl sein. Ebenso ist die damit verbundene Kontrollillusion eine Gefahr, denn sie verstellt oft die Notwendigkeit, alle verfügbaren Informationen transparent zu kommunizieren, damit die operativ handelnden Personen dann auch Entscheidungen (unter Unsicherheit) treffen können. Diese Perspektive verschiebt den Fokus eines Risikomanagements von einem Ansatz mit Ex-ante-Definition und Ex-post-Reporting hin zu einer wirklichen Aktivität im Falle eines schwerwiegenden Ereignisses. -
4. Statistische Schätzungen und „Strength of knowledge“
Udo MilkauDer Fachbeitrag behandelt die komplexe Frage nach der Definition von 'Risiko' und betont die Notwendigkeit einer tiefgehenden Betrachtung der formalen Grundlagen. Es wird eine allgemeine Systematik vorgestellt, die das Konzept 'Risiko' abstrakt formalisiert und dabei die 'Strength of knowledge' als zentralen Faktor einbezieht. Die Definition von Risiko wird in Abhängigkeit von unserem Wissen über zukünftige Entwicklungen konkretisiert. Der Beitrag untersucht verschiedene Parameter und Ausprägungen des Risikobegriffs, von gemessenen Wahrscheinlichkeiten über subjektive Schätzungen bis hin zu seltenen Ereignissen. Besonders interessant ist die Darstellung der kontinuierlichen Aktualisierung der 'Strength of knowledge' und die Anwendung dieser Konzepte im Risikomanagement für Bedrohungen.KI-Generiert
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ZusammenfassungIn der modernen – und von Anwendungen in der Industrie geprägten – Risk Science hat sich die Definition von „Risiko“ von einer Sicht der statistischen Wahrscheinlichkeitsrechnung mit dem Ansatz von Verlustwahrscheinlichkeit mal möglicher Verlusthöhe hin zur Betonung des Effekts der Unsicherheit einer Zielerreichung verschoben. Während die ursprüngliche Perspektive von der Beschreibung wiederholter bzw. wiederholbarer Spiele herrührt, stellt ein modernes Risikokonzept die Unsicherheit (von Menschen als Beobachter) bezüglich der Zukunft und Entscheidungen unter Unsicherheit in den Vordergrund. Damit wird die menschliche „strength of knowledge“ zum Schlüssel für das Verständnis von „Risiko“ – insbesondere je seltener und eben unsicherer mögliche Ereignisse in der Zukunft werden, welche negative Konsequenzen haben. Dieser Ansatz schlägt die Brücke für einen formalen Zugang zur „operational resilience“ als Vermeidung von allen solch möglichen seltenen, aber plausiblen künftigen Disruptionen.. -
5. Konzepte für extreme Ereignisse
Udo MilkauZusammenfassungFür die konkrete Beschreibung von „extremen Ereignissen“ – sowohl als seltene, aber schwerwiegende Ereignisse als auch zeitlich weit in der Zukunft liegende Katastrophen – existiert eine Reihe von spezifischen Methoden, welche einen konkreten Anwendungsfall aus Ausgangspunkt nehmen. Auf der einen Seite finden sich mathematisch-statistische Methoden, die sich Problemen wie der (ggf. nicht möglichen) Normierbarkeit von Wahrscheinlichkeitsverteilungen, der Begrenztheit aller von Menschen gesammelten Datenreihen oder von „extreme events“ mit ggf. nicht vorhandenen Mittelwerten annehmen. Auf der anderen Seite stehen „soziale“ Ansätze, welche ein kollektives menschliches Verhalten, die menschliche Sicht auf eine Katastrophenschwelle oder intertemporale Spannungsfelder für menschliche Entscheider betrachten. Diese Konzepte gehen weit über eine Wahrscheinlichkeitsrechnung von „wiederholten Spielen“ hinaus und stellen vielmehr die konkrete Situation einer Entscheidung mit Unsicherheit über die Zukunft, beschränkten Ressourcen, vielfältigen Entwicklungspfaden und langfristigen Folgen in den Fokus. Dies bildet einen grundlegen Werkzeugkasten, um Entscheidungssituationen unter Unsicherheit oder die entsprechenden Risiken in einem formalen Rahmen beschreiben zu können.
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Anwendungsfälle
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6. Von High-Risk-Industrien bis zu Narrativen
Udo MilkauDas Kapitel beleuchtet die Unterschiede zwischen dem aktiven Risikomanagement in High-Risk-Industrien und dem traditionellen, berichtenden Risikomanagement in Banken. Es wird gezeigt, wie das Konzept 'accept, avoid, transfer, mitigate' in Banken angewendet wird und warum dies oft auf historischen Daten basiert. In High-Risk-Industrien wie der Luftfahrt und dem Gesundheitswesen wird ein aktiver Ansatz verfolgt, der auf unerwartete Zwischenfälle reagiert. Ein bekanntes Beispiel ist das Crew Resource Management in der Luftfahrt, das durch regelmäßige Trainings und ein offenes Verhalten in Krisensituationen erfolgreich ist. Auch in der Pharmazie wird ein aktives Risikomanagement durch Pharmacovigilance betrieben, das auf kontinuierlichem Lernen und Anpassung basiert. Der Text hebt hervor, wie wichtig es ist, sich von statischen Ansätzen zu lösen und dynamisch auf neue Erkenntnisse zu reagieren.KI-Generiert
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ZusammenfassungJeder, der in seinem Leben auch nur einmal Wache gestanden hat, weiß, wie schwierig es ist, nicht in langweiliger Routine zu versinken, aber dennoch bei einem nie so erwarteten Zwischenfall aktiv handeln zu können. Dies ist die grundsätzliche Herausforderung jedes aktiven Risikomanagements, welches gerade Fälle jenseits von „wiederholten Spielen“ adressieren will. Denn diese „incidents“ stehen allen Ex-ante-Planungen, definierten Protokollen, dem Glauben an Regelmäßigkeiten, verbreiteten Narrativen und nicht zuletzt Regulierungen entgegen. Während sich in High-Risk-Industrien von der Luftfahrt bis zu Notaufnahmen sowie in dezidierten Gegebenheiten wie Stromnetzen oder dem Deichbau jeweils spezielle Methoden für ein aktives Risikomanagement bei Zwischenfällen finden lassen, besteht im Allgemeinen eine Tendenz zu „Plänen“, welche aber im Fall der Fälle zur Makulatur werden können. Daher lassen sich aus verschiedenen Branchen und Anwendungsfällen mustergültige Beispiele zum Umgang mit dem Unerwarteten ableiten: Training in wechselnd besetzten Teams, kontinuierliches Lernen zur Verbesserung der Wissensbasis, Aufbau von Redundanzen trotz der Kosten, Vorbereitung auf „peaks over threshold“ oder ein kritisches Hinterfragen von Regeln, Regulierungen und Narrativen. -
7. Erwartete Risiken von „Artificial Intelligence“
Udo MilkauDer Beitrag beleuchtet die erwarteten Risiken von „Artificial Intelligence“ und wie diese in der Öffentlichkeit und in der Literatur diskutiert werden. Es wird gezeigt, dass viele Befürchtungen auf Science-Fiction-Narrativen basieren und dass die tatsächlichen Risiken oft in der menschlichen Hybris und in der Unvollkommenheit der Technik liegen. Der Autor argumentiert, dass die aktuellen Diskussionen um existenzielle Risiken und die Regulierung von AI oft auf ideologischen oder kommerziellen Interessen basieren. Besonders hervorgehoben wird die Notwendigkeit, die technischen und ethischen Herausforderungen im Kontext der menschlichen Verantwortung zu betrachten. Der Text bietet eine umfassende Analyse der verschiedenen Aspekte der AI-Risiken und zeigt auf, wie wichtig es ist, die technischen Entwicklungen in einem breiteren gesellschaftlichen und ethischen Kontext zu sehen.KI-Generiert
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ZusammenfassungIm Jahr 2023 entwickelte sich ein umfangreicher öffentlicher Diskurs um Risiken der sogenannten „artificial intelligence“. Es bietet sich an, dies als ein aktuelles Beispiel zu nehmen, wie sich ein solcher Diskurs entwickelt, der im Kern gar nicht die Technik hat, sondern sich um Narrative über „artificial intelligence“ und deren Nutzung durch uns Menschen dreht. Im Kern des Diskurses stehen eine Angst vor Auslöschung („X-risk“), Ängste vor Diskriminierung bzw. Bedrohung von Grundrechten und Ängste vor einem Missbrauch für Deepfakes, Hackerattacken oder kriminelle Aktivitäten. Dabei werden der „artificial intelligence“ zum einen menschliche oder sogar übermenschliche Fähigkeiten zugeschrieben und zum anderen ein möglicher Missbrauch durch Menschen dann doch der Technik angelastet. Auch wenn es sich bis auf Weiteres nur um – hoch entwickelte – statistische Klassifikatoren handelt, verdeckt die Zuschreibung einer „Autonomie“, dass die Grundlage immer von Menschen produzierte, gesammelte und ausgewählte Daten oder Textkorpora sind. Diese spiegeln aber nur die Gesellschaft mit allen menschlichen Schwächen wieder. Zumindest bisher kann keine „artificial intelligence“ mehr als statistische Schätzungen produzieren – wenn sie von Menschen entsprechend programmiert, mit Daten „trainiert“ und für die Intentionen der Menschen genutzt wird. Die Diskussion um die Risiken verkennt oft, dass es sich um die Risiken bei der Nutzung eines im Kern „dummen“ Werkzeugs handelt, welches zwar durchaus sinnvoll unterstützen kann, aber sich – wie jeder Hammer – in der Hand von Menschen befindet.
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Zeitbezug von Risiken
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8. „Resilience“ und das Futur II
Udo MilkauDieser Fachbeitrag untersucht die Bedeutung von Resilienz im Kontext von Risikomanagement und wie Organisationen auf seltene, schwerwiegende Ereignisse vorbereitet sein sollten. Es werden verschiedene Ansätze und Definitionen von Resilienz diskutiert, darunter die Betrachtung von wiederholten Spielen, seltenen Ereignissen und der Extreme Value Theory. Besonderes Augenmerk liegt auf der Notwendigkeit, sowohl Redundanzen in Systeme zu integrieren als auch alle Beteiligten für Handlungen im Falle einer Risikolage zu trainieren. Der Beitrag beleuchtet auch die Herausforderungen und Kosten, die mit der Vorbereitung auf ein 'Futur II' verbunden sind, und stellt praktische Strategien zur Aufrechterhaltung der Betriebsfähigkeit nach einem Risikoeintritt vor. Die Diskussion umfasst ebenfalls die Bedeutung von Flexibilität und Unsicherheit in der Praxis und wie Organisationen auf Disruptionen reagieren können. Der Beitrag schließt mit einer Analyse der wirtschaftlichen Aspekte und der Notwendigkeit, sich von idealen Planungen zu lösen und stattdessen auf Fähigkeiten und Flexibilität zu setzen.KI-Generiert
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ZusammenfassungDie Frage nach einer „resilience“ führt direkt zu einem Dilemma. Wenn wir „resilience“ als Fähigkeit definieren, nach einem künftig einmal eingetretenen Risikoereignis dennoch die Betriebsfähigkeit einer Organisation oder die (Über-)Lebensfähigkeit eines Systems aufrechtzuerhalten, dann steht dies im Spannungsfeld mit dem „heutigen“ Risikomanagement, nach bestem Wissen und Gewissen künftige Risiken entweder zu akzeptieren oder zu vermeiden/reduzieren/transferieren. Wenn aber schon dieses Risikomanagement mit entsprechenden Kosten verbunden ist, bedeutet „resilience“ extrem verkürzt, nochmals Kosten für ein (zweites) Netz zu rechtfertigen. Jede Frage nach „resilience“ endet somit im „Futur II“, dass man für etwas (zusätzlich) Vorsorge treiben soll, was einmal in Zukunft eingetreten sein könnte, wenn das vorhandene Risikomanagement versagt haben wird. Wenn man also über „resilience“ diskutiert, dann führt dies direkt zu intertemporalen Fragen – aber auch zum Spannungsfeld von heutigen Anreizsystemen für Entscheider versus eine langfristige Stabilität. Letztlich wird immer nur die Gesellschaft als Ganzes eine solche finale „resilience“ darstellen können. -
9. Krisen, Katastrophen und die Zukunft
Udo MilkauDas Kapitel 'Krisen, Katastrophen und die Zukunft' untersucht das historische und moderne Katastrophenbewusstsein und die Narrative, die daraus entstehen. Eva Horn diskutiert in ihrem Buch 'Zukunft als Katastrophe' die Motive hinter dem Katastrophenbewusstsein und stellt die Frage nach der Faszination für tragische Ereignisse. Sie argumentiert, dass Katastrophen eine einfache Möglichkeit bieten, die Unsicherheit der Zukunft zu reduzieren und handhabbar zu machen. Diese Narrative finden sich in Literatur, Filmen und Sachbüchern und werden oft aus einer Futur-II-Perspektive erzählt. Heinz Bude konstituiert in seinem Werk 'Gesellschaft der Angst' die Angst als zentrales Element der modernen Gesellschaft und zeigt, wie Menschen sich durch wiederholte Spiele Sicherheit verschaffen. Niklas Luhmanns Theorie des Vertrauens als Mittel zur Reduktion sozialer Komplexität wird ebenfalls aufgegriffen, wobei er betont, dass Vertrauen intertemporal wirksam sein kann. Die aktuelle 'German Angst' und der Realitätsverständnis mit einer niedrigen Katastrophenschwelle werden kritisch beleuchtet. Mary Beard plädiert für einen aktiven Umgang mit der Zukunft und verweist auf die römische Gesellschaft, die Risiken und Unsicherheiten als Teil des Lebens akzeptierte. Der Beitrag analysiert speziell am Beispiel der globalen Erwärmung die assoziierten Ängste, Erwartungen und Hoffnungen. Die Prognosen des Club of Rome und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse werden kritisch hinterfragt. Besondere Aufmerksamkeit wird den 'tipping points' und der moralischen Aufladung des Klimadiskurses geschenkt. Der Beitrag schließt mit der Feststellung, dass ein rationaler Umgang mit der globalen Erwärmung notwendig ist, um eine nachhaltige Anpassung zu ermöglichen.KI-Generiert
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ZusammenfassungDie globale Erwärmung ist als wissenschaftliche Tatsache unbestreitbar und eine der essenziellen Herausforderungen der Menschheit, auch wenn das Handeln der internationalen Gemeinschaft immer zu zögerlich und zu langsam ist. Auch die durch den menschengemachten Klimawandel hervorgerufenen negativen Effekte – vom Starkregen bis zum Anstieg des Meeresspiegels – sind mittlerweile mit hoher Sicherheit modellierbar, wenn auch die Eintrittswahrscheinlichkeiten noch statistischen Schwankungen unterliegen. Aus solchen eingetretenen Effekten wie Extremwetter resultieren entsprechende Risiken für die Betroffenen. Diese Risiken des Klimawandels zeigen aber auch drei Besonderheiten. Der „Wandel“ bedingt, dass dafür kein ergodischer Prozess zugrunde gelegt werden kann und dass die dem „Wandel“ attribuierbaren Extremereignisse auf einem Untergrund aus ganz normalen Extremereignissen sitzen. Es gibt eine generische intertemporale Lücke zwischen heutigen Entscheidungen und in der Zukunft potenziell eintretenden Schadensfällen, wobei der Zeithorizont bis ins Jahr 2100 und sogar darüber hinaus reicht. Dabei stellen sich Fragen, wie heutige Kosten (für Maßnahmen) gegen künftige Schäden, aber auch gegen künftige Anpassungskosten zu bewerten sind, wie sich die Kosten auf die ganz unterschiedlichen Beteiligten verteilen (man denke hier zum Beispiel an die steigenden CO2-Abgaben auf Benzin und Diesel) und wie sich Schäden und Kosten für die „Transition“ in der Kreditvergabe von Banken auswirken. Und schließlich entstehen – wiederum dynamisch – im öffentlichen Diskurs subjektiv gefühlte Bedrohungen, Ängste und apokalyptische Erwartungen, welche zum einen die „Katastrophenschwelle“ überschreiten und zum anderen selbst zu Risiken werden – insbesondere, wenn die Zukunft mit einem statischen Ansatz beschrieben werden soll.
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Risiken, Entscheidungen und der Zeitgeist
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10. Wollen wir Risiken eingehen?
Udo MilkauDas Kapitel untersucht die Entwicklung des Risikobegriffs und die aktuelle Wahrnehmung von Risiken im Kontext des 'Global Risks Report 2023' des World Economic Forum. Es wird die Vielfalt der Begriffe wie 'disaster', 'collapse' und 'failure' analysiert, die im Report verwendet werden, und die Beliebigkeit der Terminologie kritisch hinterfragt. Die Entwicklung des Begriffs 'Polykrise' wird ebenfalls thematisiert, wobei die Frage gestellt wird, ob diese Begrifflichkeit hilfreich oder eher ängstlich machend ist. Die historische Entwicklung des Risikobegriffs wird zurückverfolgt, beginnend mit der Renaissance und der Unterscheidung zwischen 'Gefahr' und 'Risiko'. Besonderes Augenmerk liegt auf der Freiheit der Entscheidung unter Unsicherheit und der Verantwortung, die damit verbunden ist. Die Rolle der Wahrscheinlichkeitsrechnung und der Entscheidungstheorie wird ebenfalls beleuchtet, ebenso wie die Herausforderungen bei der Bewertung von Risiken in der modernen Gesellschaft. Die Diskussion um die 'Risikogesellschaft' und die Kritik an der Vermischung von Begriffen wie 'Risiko', 'Krise' und 'Katastrophe' runden das Kapitel ab. Der Text weckt Interesse daran, wie Risiken historisch und aktuell wahrgenommen werden und welche Rolle der Zeitgeist dabei spielt.KI-Generiert
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ZusammenfassungVor dem aktuellen Hintergrund, dass alles „Krise“ zu sein scheint und sogar von einer „Polykrise“ geredet wird, bietet es sich an, sich nochmals die „Geburt des Risikos“ vor Augen zu führen. Für die frühen Kaufleute eröffnete die Möglichkeit zu individuellen, freien und sachbezogenen Entscheidungen erstmals einen Spielraum, der aber auch immer die Frage nach dem Risiko, nach möglichen Gewinnen oder Verlusten und nach der individuellen Verantwortung aufwarf. Dagegen schwenkte die Theorieentwicklung im frühen 20. Jahrhundert zu einem recht mechanistischen Weltbild über, in welchem alles im Sinne von „wiederholten Spielen“ berechenbar sei. Während die Theorie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts insbesondere spieltheoretische Situationen sowie Entscheidungen nach qualitativen Präferenzen einbezog, findet sich seit Beginn einer sogenannten postmodernen Theorie eine Abkehr von objektiven Bewertungen, eine Hinwendung zu selektiven Beispielen für eine Präferenz und sogar zu einer fundamental pessimistischen Perspektive, in welcher es nur noch Opfer gibt. Dabei ging die Balance zwischen den Chancen und den Risiken jeder Entscheidung unter Unsicherheit verloren. Rein einer vermeintlichen Sicherheit für die künftige Entwicklung geschuldet, scheint sogar der aktuelle Zeitgeist eine „unausweichliche“ Polykrise gegenüber der individuellen Freiheit der Entscheidung unter Unsicherheit zu bevorzugen. Verstärkt wird dies durch eine Tendenz, immer maximal negative Möglichkeiten als Maßstab zu selektieren. Dieser soziale Diskurs zeigt auf, dass jedes Risiko niemals eine objektive Bewertung ist, sondern immer von subjektiven Präferenzen, der Sicht von Beobachtern und vielfältigen spieltheoretischen Konstellationen abhängig ist. -
11. Risikokompetenz und deren Hemmnisse
Udo MilkauDas Kapitel 'Risikokompetenz und deren Hemmnisse' beleuchtet die Herausforderungen und Hemmnisse bei der Entwicklung von Risikokompetenz in verschiedenen Kontexten. Es wird untersucht, ob Risiko ein soziales Konstrukt ist und wie unterschiedliche Perspektiven auf Risiken das Management beeinflussen. Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Unterschiede zwischen objektiven und subjektiven Risikowahrnehmungen gelegt, sowie auf die Rolle von Unternehmenskulturen und individuellen Präferenzen. Praktische Beispiele wie die Credit Suisse und die Problematik der Kreditvergabe veranschaulichen die Komplexität und die Notwendigkeit einer fundierten Risikokompetenz. Der Text betont die Bedeutung von Risikokompetenz im Alltag, in Unternehmen und in der Gesellschaft und bietet Einblicke in die psychologischen und sozialen Mechanismen, die das Risikomanagement beeinflussen.KI-Generiert
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ZusammenfassungFür den richtigen, offenen, sachlichen Umgang mit Risiken gibt es einen umfangreichen Werkzeugkasten von der Wahrscheinlichkeitsrechnung wiederholter Spiele bis zu Entscheidungsregeln bei nicht quantifizierbaren Nutzenerwartungen. Was hindert dennoch Menschen im Alltag, in Unternehmen und Organisationen oder in Gesellschaft und Politik, solch eine Risikokompetenz aufzubauen? Die Hemmnisse reichen von geringem Verständnis statistischer Aussagen im Alltag, über toxische Risikokulturen in Unternehmen bis zu einem Zeitgeist, der alles als Risiko und die Welt als Polykrise beschreibt. An verschiedenen Beispielen soll das Spannungsfeld zwischen einem sachlichen Umgang mit Risiken und verschiedenen Perspektiven der Menschen als Entscheider, Betroffene oder Beobachter aufgezeigt werden. Die vorhandenen Werkzeuge ermöglichen einen Umgang mit Risiken, der hilft, die Rolle der „Truthähne“ mit ihrer vermeintlichen Sicherheit bis Thanksgiving zu vermeiden, wenn die Hemmnisse kritisch betrachtet werden. -
12. Fazit: Mut zur Zukunft!
Udo MilkauDer Fachbeitrag untersucht die Grundsatzfrage der Risiken jenseits wiederholter Spiele und zeigt, wie das öffentliche Verständnis von Risiko stark vom individuellen und sozialen Kontext beeinflusst wird. Während traditionelle Ansätze Risiko als ex-ante definierte Regeln betrachten, entwickelt sich das Risikomanagement hin zu einem iterativen Ansatz, der sich an dynamische Entwicklungen anpasst. Der Beitrag hebt hervor, dass eine konstruierte Beliebigkeit von Risiko falsch ist und dass eine Lücke zwischen aktueller Risikowissenschaft und Praxis besteht. Terje Aven und andere Experten betonen die Notwendigkeit, Risikoanalyse weiterzuentwickeln, um die Herausforderungen der Zeit- und Wissensdimension zu bewältigen. Ein aktives Risikomanagement ermöglicht flexible Anpassungen und kontinuierliches Lernen, um seltene, aber schwerwiegende Ereignisse zu antizipieren. Der Autor appelliert an eine optimistische Grundhaltung und ermutigt zu Mut bei der Gestaltung der Zukunft.KI-Generiert
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ZusammenfassungDas Risiko jenseits von „wiederholten Spielen“ ist von einer Reihe von Missverständnissen geprägt, wovon das schwerwiegendste der Wunsch nach Sicherheit, nach Planbarkeit und nach einer Fortschreibung der – als „besser“ empfundenen – Vergangenheit sein mag. Auch wenn es Missverständnisse sind, so sind die menschlichen Anliegen dahinter ernst zu nehmen. Lässt man sich aber auf Entscheidungen unter Unsicherheit mit langen Laufzeiten und bei einer limitierten strength of knowledge ein, dann ist ein iterativer Ansatz mit Überprüfungen und Korrekturmöglichkeiten an mehreren Zwischenpunkten geeignet, um mit Flexibilität, Anpassung und Lernfähigkeit die Fallstricke einer einmaligen Planung zu umgehen, welche auch immer eine Anmaßung von Wissen jenseits der menschlichen Möglichkeiten ist. Wenn man sich aber einmal für Entscheidungen unter Unsicherheit und ein entsprechend aktives Risikomanagement entschieden hat, gilt es eine optimistische Grundhaltung einzunehmen und sich gegen pessimistische Strömungen des Zeitgeists zu stellen. Wenn alle methodischen Werkzeuge grundsätzlich zur Verfügung stehen, kann man sich von den Fesseln einer statisch fortgeschriebenen Vergangenheit – oder eben „wiederholten Spielen“ – befreien. Haben Sie Mut zur Zukunft!
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Backmatter
- Titel
- Risiko jenseits wiederholter Spiele
- Verfasst von
-
Udo Milkau
- Copyright-Jahr
- 2024
- Electronic ISBN
- 978-3-658-44202-6
- Print ISBN
- 978-3-658-44201-9
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-658-44202-6
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