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29.03.2021 | Risikoanalyse | Nachricht | Onlineartikel

Banken brauchen ein weitreichendes NPL-Management

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Vor negativen Effekten in den Bilanzen der Banken in den kommenden Jahren warnt die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing. Für 2021 rechnet die Finanzbranche dem Verband zufolge mit notleidenden Krediten in Höhe von voraussichtlich 40,6 Milliarden Euro.

Wie hoch das Gesamtvolumen der sogenannten Non Profit Loans (NPL) 2021 und 2022 tatsächlich ausfällt, ist derzeit aufgrund der staatlichen Hilfsmaßnahmen noch nicht endgültig abschätzbar, so die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS). Das aktuelle NPL-Barometer des Verbands, für das im Februar 2021 Experten der größten deutschen Kreditinstitute aller Bankensäulen online befragt wurden, weist aktuell deutlich weniger Kreditausfälle aus, als noch vor einem Jahr erwartet worden waren. Ein Jahr zuvor, in der Hochphase der Pandemie, rechneten die Teilnehmer mit 59 Milliarden Euro bis Ende des laufenden Jahres. 

Ausfallprognosen sind konservativer

"Unstrittig ist, dass die nachlaufenden Effekte die deutschen Bankbilanzen in den nächsten Jahren beschäftigen werden", so BKS-Präsident Jürgen Sonder. So erwarten die befragten Kreditinstitute 2022 notleidende Kredite in Höhe von bis zu 46,7 Milliarden Euro. "Die Teilnehmer unserer Umfrage waren in diesem Jahr wesentlich konservativer in ihrer Einschätzung. Während im vergangenen Jahr unter dem Eindruck des ersten Lockdowns noch erhebliche Ausfälle erwartet worden waren, zeigte sich, dass aufgrund der Hilfsmaßnahmen Insolvenzen hinausgezögert wurden und Kreditausfälle 2020 zu keinen Verwerfungen geführt hatten", erläutert Sonder das Ergebnis. 

Dennoch sei Vorsicht geboten. Hohe Rückstellungen der Geldhäuser wiesen darauf hin, dass die Banken ihre Risikovorsorge ernst nehmen. Zu den Maßnahmen, die Kreditausfälle aktuell verhindern, zählen unter anderem die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, Liquiditäts- und Kreditprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau und das Kurzarbeitergeld. Doch mit dem Auslaufen der staatlichen Hilfen werde das "wahre Ausmaß deutlich werden", so der BKS-Chef.

Gerade in stark betroffenen Branchen wie dem stationären Einzelhandel, der Tourismusbranche und der Gastronomie rechnet die Analyse mit Ausfällen in größerer Höhe. So werden NPL-Quoten von rund 3,3 Prozent bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) für 2021 erwartet. 2020 lag die Ausfallquote noch bei 2,5 Prozent. Für 2022 könnte dieser Wert auf 3,8 Prozent steigen. "Das ist auch in der zweiten Erhebung des NPL-Barometers in der Corona-Krise der höchste erwartete Ausfallwert aller Assetklassen", meint Sonder.

Geringere Kreditausfallrisiken in der Immobilienbranche

Ebenfalls ins Blickfeld rückt die Immobilienbranche, die in den vergangenen Jahren dank steigender Preise und niedriger Zinsen nur geringe Kreditausfälle zu beklagen hatte. Dennoch dürften die Auswirkungen aber "vergleichsweise gering bleiben", so Sonder. Die Prognose geht bei den wohnwirtschaftlichen Immobilienkrediten von einem Anstieg von 1,1 Prozent 2020 über 1,5 Prozent 2021 auf 1,7 Prozent 2022 aus. Bei finanzierten Gewerbeimmobilien sind die Effekte allerdings deutlicher: Hier klettert die Zahl von 1,7 Prozent im vergangenen Jahr über 2,5 Prozent 2021 auf 3,1 Prozent 2022. 
 
"Auch wenn die Banken die zu erwartenden Kreditausfälle teilweise bereits in der Risikovorsorge berücksichtigt haben, wird ein weiterer großer Mehraufwand in der Restrukturierung beziehungsweise Sanierung von insolvenzgefährdeten Unternehmen entstehen", so Sonder. Früherkennung und Risiko-Monitoring seien dabei die wichtigsten Aufgaben und Instrumente. Im NPL-Management bevorzugten die Risikomanager nach wie vor eine kombinierte Strategie bei der Bearbeitung von notleidenden Krediten. "Parallel zur internen Bearbeitung wird die externe Bearbeitung und die Inanspruchnahme des Sekundärmarktes eine große Rolle spielen müssen."

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