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26.04.2021 | Risikoanalyse | Infografik | Onlineartikel

Risikovorsorge entwickelt sich in Europa heterogen

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Im Zuge der Corona-Pandemie ist die Zahl der Unternehmenskredite rasant angestiegen. Um mögliche Ausfälle abzufedern, haben die Banken ihre Risikovorsorge erhöht. Eine Analyse zeigt aber deutliche Unterschiede, etwa zwischen großen Instituten und den VR-Banken und Sparkassen.

Kreditausfälle und deren Abschreibungen bereiten der Mehrheit der europäischen Großbanken sowie den Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen in Deutschland kaum Bauchschmerzen. Aufgrund diverser Stützungsmaßnahmen des Staates, Zahlungsmoratorien sowie der teilweisen Aussetzung der Insolvenzpflicht belasten sie die Bücher der Geldhäuser offenbar bislang noch nicht. Dennoch geht laut einer Untersuchung von Creditreform Rating die gestiegene Kreditnachfrage durch Firmenkunden einher mit einer erhöhten Risikovorsorge – zum Nachteil der Profitabilität. 

Für ihre Analyse haben die Studienautoren die Entwicklung der Risikovorsorge ausgewählter Großbanken der Eurozone sowie der deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken (VR-Banken) im Jahr 2020 unter die Lupe genommen. Zudem haben sie sich die Kreditrisikostufen nach IFRS sowie Goodwill-Wertberichtigungen ausgewählter europäische Institute angeschaut. "Die Auswahl der Großbanken erfolgte anhand von aussagekräftigen, vorläufigen Zahlen oder bereits testierten Jahresabschlüssen", heißt es in der Untersuchung. 

Heterogene Entwicklung innerhalb Europas

Die Entwicklung in den einzelnen Kreditrisikostufen sei insbesondere für die Zeit nach der Bewältigung der unmittelbaren Krise interessant. Eine hohe Problemkreditquote könnte in der Zukunft zu erhöhten Kreditausfällen führen. Zudem lege die Entwicklung der Goodwill-Wertberichtigungen die Ertragsaussichten und allgemeine Bewertungen von wesentlichen Unternehmenstöchtern offen. Im Ergebnis zeige die Untersuchung "eindeutige Trends in Nord- und Mitteleuropa sowie in Süd- und Westeuropa".

"Insgesamt erhöhten alle betrachteten Banken ihre Risikovorsorge zum Vorjahr. Branchenweit stieg die Risikovorsorge der betrachteten Institute von durchschnittlich über 30 Basispunkte im Jahr 2019 auf fast 75 Basispunkte im Jahr 2020", heißt es weiter. Dabei ist die Risikovorsorge in Südeuropa mit 60 Basispunkten am stärksten angestiegen, obgleich dort das Ausgangsniveau bereits hoch war. 

In West-, Nord- und Mitteleuropa nahm die Risikovorsorge hingegen nur um etwa 30 bis 35 Basispunkte im Vergleich zu 2019 zu. Bemerkenswert sei der Vergleich der europäischen Großbanken mit den deutschen Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen. "Von einem äußerst geringen Niveau ausgehend, verzeichneten sowohl die Genossenschaftsbanken als auch die Sparkassen nur einen geringen absoluten Anstieg ihrer Kreditrisikovorsorge." Fraglich sei, inwiefern "die relativ geringe Risikovorsorge der deutschen Genossenschaftsbanken und Sparkassen ausreichend ist oder bilanzpolitische Gründe ein wesentlicher Grund für die niedrige Risikovorsorge sind". 

Zahl potenziell gefährdeter Kredite gestiegen

Die insgesamt 15 analysierten Großbanken aus neun Ländern Europas weisen bei den sogenannten Stage-3-Krediten, also den bereits ausgefallenen Forderungen, nur ein geringes Plus von 0,2 Prozentpunkten auf. Sie liegen nun bei 3,2 Prozent. Gestiegen ist allerdings der Anteil potenzieller Problemkredite der Stage 2 um 2,3 Prozent auf 9,1 Prozent. 

"Insgesamt spiegelt dieser Anstieg bislang primär nur die Verschlechterung des makroökonomischen Umfelds, insbesondere in stark von der Krise betroffenen Sektoren, wie etwa bei gewerblichen Immobilien, wider. Daher ist von einer weiteren Zunahme der potenziellen Problemkredite mit aufkommenden Zahlungsschwierigkeiten von Kreditnehmern zu rechnen", heißt es in der Untersuchung. Die Zahl unproblematischer Stage-1-Kredite war im Betrachtungszeitraum entsprechend rückläufig.

Auch das Volumen der Goodwill-Wertberichtigungen habe sich bei den großen Bankhäusern im Vergleich zu 2019 fast verdreifacht. Dabei sei der Anstieg primär auf Banken in Südeuropa zurückzuführen. Dieser wirke sich in der aktuellen Corona-Krise prozyklisch aus und setze der Profitabilität der Banken zusätzlich zu.

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