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21.07.2016 | Risikomanagement | Kommentar | Onlineartikel

Rekordstrafe für Lastwagen-Kartell zahlt sich für MAN aus

Autor:
Andrea Amerland

Es ist die höchste Strafe, die von der EU jemals in einem Kartellverfahren verhängt wurde: Mehrere Lkw-Hersteller müssen wegen Preisabsprachen bezahlen. Nur MAN konnte seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Zumindest fast.

Preisabsprachen sind für die EU-Kartellbehörde nichts Neues. Das Spektrum reicht vom Bier- über das Wurst- und Lebensmittelkartell bis hin zu Herstellern von Briefumschlägen und Dämmstoffen. Auch Autobauer Audi geriet im Jahr 2014 ins Visier der chinesischen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) und musste rund 30 Millionen Euro wegen verbotener Preisabsprachen zahlen. 

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Aber das aktuelle Lkw-Beispiel toppt alles: Führungskräfte großer Hersteller haben sich seit 1997 in Brüssel getroffen und sich abgestimmt. Die Topmanager koordinierten so die Listenpreise für mittlere und schwere Lkw und auch die Einführung neuer Technologien, heißt es.

Mit einer Rekord-Geldbuße in Höhe von 2,9 Milliarden Euro bestraft die EU-Kommission Volvo/Renault, Daimler, Iveco und DAF dafür. Die höchste Einzelstrafe entfällt mit rund einer Milliarde Euro auf Daimler. Der Grund für das Vorgehen der EU-Kommission: Die Lkw-Hersteller haben ein so genanntes Hardcore-Kartell gebildet. Darunter fallen gemäß Kartellverbot Preisabsprachen, Submissionsabsprachen, Quotenabsprachen sowie Kunden- und Gebietsabsprachen, so Springer-Autor Thomas Kapp zu den "Wettbewerbsbeschränkungen durch Vereinbarung, Beschluss und abgestimmtes Verhalten" (Seite 53). 

Bewusste Koordinierung ist das Problem

Doch was muss genau passieren, um die EU-Kommission auf den Plan zu rufen? Eine bewusste "Koordinierung kann bereits durch gegenseitige Information verschiedener Wettbewerber über ihr künftiges Marktverhalten in Bezug auf Preise, Verkaufsmengen oder Kunden oder die Befolgung einer Empfehlung bewirkt werden", schreibt Kapp auf Seite 58 seines Buches "Kartellrecht in der Unternehmenspraxis"

Dass das Kartell aufflog, lag am Münchner Lastwagenbauer MAN. Nach einem Korruptionsskandal im Jahr 2009, der das Unternehmen eine Viertelmilliarde Euro kostete, wird MAN scharf kontrolliert. So hat sich das Unternehmen eine drohende Geldstrafe in Höhe von 1,2 Milliarden Euro erspart. Denn als Kronzeuge geht MAN straffrei aus. 

Aber das Unternehmen hat sich nicht nur die Strafe erspart, sondern auch seine Wettbewerber massiv geschädigt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Was auf den ersten Blick wie eine absolute Win-Win-Situation für das Unternehmen erscheint, hat allerdings einen Haken. Der Fall ist für die beteiligten Lastwagenbauer allerdings noch lange nicht beendet. Denn jetzt stehen noch Schadenersatzklagen der Geschädigten aus – und die könnten auch MAN betreffen. Das Unternehmen konnte also nicht jedes Unheil abwenden – Reputationsrisiken inbegriffen. 

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