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23.01.2020 | Risikomanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Wie die Weltpolitik zum Risiko für Unternehmen wird

Autor:
Annette Speck
4:30 Min. Lesedauer

Militärschläge im Nahen Osten, Handelskrieg zwischen USA und China, ungebremster Klimawandel: Die Politik führt weltweit zu Verunsicherung und birgt reichlich Risiken für Unternehmen. Wie ist damit umzugehen?

Die Globalisierung ist ein zweischneidiges Schwert. Sie bringt wirtschaftliche Vorteile und die vielseitigen Beziehungen können dazu beitragen, politische Konflikte im Zaum zu halten. Gleichzeitig können sich dank der Vernetzung aber auch Gefahren schnell weltweit auswirken. Verbale und andere Attacken, wie etwa von US-Präsident Donald Trump, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan oder Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wirken dabei wie Zunder. Egal, ob es um die Konflikte der USA mit China und dem Iran geht, den türkischen Einmarsch in Nordsyrien, den Brexit oder den Klimawandel: Das Geschäftstätigkeit vieler Firmen wird davon tangiert.

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US-Wahlkampf mit geopolitischen Auswirkungen

Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass bei den wichtigsten globalen Risiken für Unternehmen im Jahr 2020, die das Risikoberatungsunternehmen Control Risk identifiziert hat, politische Aspekte eine entscheidende Rolle spielen:

Top-5 der globalen Unternehmensrisiken 2020

1. Geopolitik im Schatten des US-Wahlkampfes


Die Art und Weise, wie Verbündete und Gegner mit der massiv ideologisch aufgeladenen Wahl umgehen werden, wird die geopolitische Risikolandschaft für Unternehmen 2020 stark beeinflussen.

2. Eine zunehmend aktivistische Gesellschaft


Weltweit führt gesellschaftlicher Druck und koordinierter Aktivismus etwa. in punkto Umweltschutz, Menschenrechte, Ungleichheit und Datenschutz zu immer größeren Anforderungen an Unternehmen.

3. Cyber-Kriegsführung in immer größeren Ausmaßen


Auf Konfliktschauplätzen von strategischer Bedeutung, wo klassische militärische Maßnahmen nicht in Betracht kommen, werden diese zunehmend durch Cyber-Attacken ersetzt werden. Während führende Unternehmen eine zuverlässige Widerstandsfähigkeit erreichen, ist dies bei den nationalen Infrastrukturen weltweit nicht der Fall.

4. Konjunktursorgen treffen auf politische Anfälligkeit


Selbst die optimistischsten Prognosen gehen davon aus, dass das globale Wirtschaftswachstum 2020 sehr niedrig sein wird. Sollte es einbrechen, ist nicht zu erwarten, dass eine politisch immer stärker fragmentierte Welt eine koordinierte politische Antwort geben kann.

5. Politische Anführer ohne strategische Visionen


Einige der wichtigsten Länder der Welt werden von Politikern geleitet, die nicht über die nächste Krise hinaus blicken. 2020 verspricht ein Jahr zu werden, in dem niemand de-eskaliert; sprunghafte und nervöse Akteure bestimmen die Ereignisse. Firmen benötigen eine Strategie für eine stark vom taktischen Klein-Klein geprägte Welt.

Quelle: Control Risk

Krisenherde der Welt im Blick behalten

Harald Nikutta, Senior Partner und Geschäftsführer von Control Risks in Deutschland, leitet aus der Risikoanalyse denn auch den Schluss ab: "Eine präzise Ermittlung der Bedrohungen für die Geschäftstätigkeit, einschließlich der potenziellen politischen, wirtschaftlichen und Sicherheitsrisiken, und ein gutes Verständnis davon, wo im Unternehmen Schwachstellen liegen, wird in einem unberechenbaren Jahr 2020 über Erfolg oder Misserfolg entscheiden."

Eine grobe Orientierung über das Ausmaß der Sicherheits- und politischen Risiken rund um den Globus liefert die Risk Map 2020 von Control Risk. Am besten schneiden hier die skandinavischen Länder sowie die Schweiz und Ministaaten wie Luxemburg ab. Als extrem risikoreich schätzen die Berater erwartungsgemäß die aktuellen Krisengebiete ein. Unterdessen wird etwa für China und Argentinien zwar das allgemeine Sicherheitsrisiko als gering, das politische Risiko jedoch als mittelhoch beziehungsweise hoch eingestuft.

Damoklesschwert Wirtschaftssanktionen

Unter die politischen Risiken fällt zum einen Gewalt in Form von Krieg, Revolution und Terror, wie Carsten Giersch in seinem Beitrag über die "politische Risikoanalyse" erläutert. Zum anderen gehören bei Auslandsaktivitäten auch "Verstaatlichung und Enteignung von ausländischen Unternehmen durch die Regierung des Gastlandes, Vertragsverletzungen durch öffentliche Auftraggeber und Missachtung staatlicher Zahlungsverpflichtungen sowie Beschränkungen bei Währungsumtausch und Gewinntransfer" dazu. (Seite 584) Allerdings wollen die meisten Staaten ausländische Investoren nicht durch solche regulatorische Maßnahmen verschrecken. "Eingriffe in unternehmerische Eigentums- und Kontrollrechte aus bestimmten politischen Motiven finden meistens auf subtilere Weise statt [...].", schreibt der Springer-Autor auf Seite 585. Durch die Globalisierung, insbesondere auch in Richtung der BRIC-Staaten, habe sich zudem das Verständnis der politischen Risiken erweitert.

Die politische Risikoanalyse lege großes Augenmerk auf jede Form des regulatorischen und bürokratischen Handelns, mit dem ein Staat durch gesetzliche Maßnahmen oder sonstige Aktivitäten die Geschäftstätigkeit von Unternehmen beeinträchtigen könnte. Ein Beispiel ist die Verhängung von Wirtschaftssanktionen. Vor allem die USA als wichtiger Handelspartner lassen häufig ihre Muskeln spielen, wie etwa jüngst gegen die am Bau der deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 beteiligten Firmen. Daraufhin hatte sich das Schweizer Unternehmen Allseas Ende 2019 aus dem Projekt zurückgezogen.

Klimawandel globales Langfristrisiko Nummer eins

Ferner gewinnen gesetzliche Vorgaben zum Klimaschutz stark an Bedeutung. Schließlich nennt das Weltwirtschaftsforum (WEF) in seinem Weltrisikobericht 2020 den Klimawandel als alles überschattendes, globales Risiko. Die fünf größten langfristigen Risiken der aktuellen Analyse sind demnach sämtlich der Klimakatastrophe geschuldet:

  • Extremes Wetter 
  • Versagen von Politik und Wirtschaft bei der Eindämmung des Klimawandels beziehungsweise der Anpassung daran  
  • Artensterben und Zusammenbruch von Ökosystemen mit irreversiblen Folgen 
  • Naturkatastrophen 
  • Umweltkriminalität und vom Menschen verursachte Umweltschäden

Hinzu kämen kurzfristige globale Risiken wie wirtschaftliche Konflikte und politische Polarisierungen. Doch jetzt gelte es, gemeinsam ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu fördern. Ansonsten seien die Klimarisiken nicht zu meistern, warnen die Autoren des WEF-Berichts.

Darauf, dass auch das ansonsten vergleichsweise risikoarme Deutschland davon zunehmend betroffen ist, weist Kai Andrejewski von der Unternehmensberatung KPMG im Podcast "Klardenker on air" hin: "Die extremen Wetterereignisse beeinträchtigen die Lieferketten. [...] Wir müssen die faktischen Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigen. Beispiel in Deutschland: Im letzten Jahr hatten wir Niedrigwasser im Rhein. Das hat die Gewinn- und Verlustrechnung des einen oder anderen Unternehmens schon sehr stark beeinflusst."

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