Zum Inhalt

"Firmen erkennen ein Risiko oft erst, wenn es eintritt"

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
loading …

Die Corona-Krise hat Lücken im Risikomanagement von Unternehmen sichtbar gemacht. Insbesondere bei Einkauf, Logistik und Lieferkettenmanagement muss nachgebessert werden. Wie Unternehmen mehr Transparenz in die Supply Chain bringen, erklärt Experte Philipp Mall im Gespräch.

Philipp Mall ist Geschäftsführer bei der Inverto GmbH. Als Leiter des Competence Centers Procurement Management ist er Experte für die Themen Einkaufsorganisation und -controlling, Risikomanagement und Digitalisierung.


Springer Professional: Welche Risiken birgt die Corona-Krise für Unternehmen insbesondere in Einkauf und Beschaffung? 

Philipp Mall: Die wichtigsten Risiken sind Insolvenzen von Lieferanten, Störungen in der Lieferkette sowie Produktionsstopps bei Lieferanten aufgrund von lokalen Lockdowns. Störungen entstehen etwa durch Grenzschließungen, wie wir sie ja aktuell wieder an den Grenzen zu Tschechien und Dänemark haben, oder durch Schwierigkeiten in der Logistik, wie sie zurzeit von und nach China bestehen, weil die üblichen Frachtrouten und -mittel nicht im normalen Maß funktionieren. Bei einer Insolvenz kann es sein, dass ein Lieferant nicht oder nicht mehr im üblichen Ausmaß produzieren kann, etwa weil er von Vorlieferanten keine Ware mehr bekommt.

Empfehlung der Redaktion

2020 | Buch

Betriebliches Risikomanagement und Industrieversicherung

Erfolgreiche Unternehmenssteuerung durch ein effektives Risiko- und Versicherungsmanagement

Dieses Buch gibt einen facettenreichen Überblick über die relevanten Risiken, denen Industrieunternehmen ausgesetzt sind, und gibt wertvolle Hilfestellung zum Aufbau eines wirksamen versicherungsvertraglichen Schutzes.

Nicht nur Corona, sondern auch der Brexit stellt Lieferketten auf eine harte Probe. Was können Unternehmen akut tun, um diese Probleme in den Griff zu bekommen?

Zunächst einmal sollten Unternehmen die Transparenz erhöhen, indem sie alle relevanten Informationen zentral zusammenfließen lassen. Sodann sollten sie gezielt in Digitalisierung investieren: Wichtig ist dabei, digitale Tools und Methoden nicht nur isoliert zu nutzen, sondern in einem Risk Control Tower alle relevanten Kennzahlen und Informationen zu bündeln, auszuwerten und darzustellen. Generell ist es notwendig, sowohl kurz- als auch langfristige Maßnahmen für den Umgang mit Einkaufsrisiken zu definieren. Alle relevanten Unternehmensfunktionen sollten eingebunden werden, um neue Ansätze zu erarbeiten. Für die größten Risiken sollten ein Frühwarnsystem und Sofortmaßnahmen definiert werden. Ganz wichtig: Den Ernstfall proben.

Welche Lücken sind durch die Pandemie in der Risikoprävention noch sichtbar geworden?

Dass es viele Unternehmen gibt, die erschreckend wenig Transparenz über ihre Supply Chain und die Situation ihrer Lieferanten haben. Das gilt insbesondere, wenn es über wichtige Tier-1-Lieferanten hinausgeht. Viele wissen nicht einmal, ob und welche Vorlieferanten in einem Risikogebiet produzieren. Und nur wenige Unternehmen betreiben ein kontinuierliches Monitoring, das aktuelle Daten auf Knopfdruck liefern kann. Daraus folgt, dass Maßnahmen häufig nicht strategisch aufgesetzt werden. Allerdings haben wir festgestellt, dass im Zuge der Pandemie viele Unternehmen in ihr Risikomanagement investiert haben. Mittlerweile evaluieren über 60 Prozent der Teilnehmer Risiken systematisch – einen so hohen Wert haben wir noch nie gemessen, seit wir unsere Studie 2014 ins Leben gerufen haben. 

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für das Risikomanagement von Unternehmen?

Auch wenn durch den Corona-Schock viele Unternehmen ihr Risikomanagement intensiviert haben, passiert es noch zu oft, dass Firmen ein Risiko erst erkennen, wenn es eintritt. Dann kann man nur noch reagieren, statt gezielt zu handeln. Um die Situation zu verbessern, sollte das Thema Risikomanagement auf der Agenda des Topmanagements stehen. Es gilt, die Transparenz in der Lieferkette zu erhöhen. Das geht am besten mit digitalen Tools, die inzwischen für jeden Aspekt des Risikomanagements in guter Qualität zur Verfügung stehen.

Welchen Beitrag können digitalisierte Prozesse in der Risikoprävention leisten und wie ist der Status Quo in Unternehmen?

Mit Hilfe von digitalen Lösungen kommen Unternehmen schneller an alle relevanten Daten zu Lieferanten und Materialien. Sie erhalten Informationen auf Knopfdruck aus verschiedenen Quellen in Echtzeit. Dadurch können Unternehmen Risiken erkennen, bevor die Folgen in der eigenen Fertigung ankommen, und gewinnen wertvolle Zeit, um zu handeln. Idealerweise haben die Verantwortlichen in dieser Situation eine Strategie, um darauf zurückzugreifen, in der Maßnahmen definiert sind. Die Digitalisierung schreitet voran, wie wir in unserer aktuellen Studie festgestellt haben. Auch dies ist offensichtlich von Corona getrieben, denn die Zahl der Befragten, die Software zur Risikoprävention einsetzen, hat sich von 41 Prozent auf 84 Prozent mehr als verdoppelt.

Allerdings sagen die weitaus meisten, nämlich 70 Prozent, dass sie nur teilweise digitale Lösungen einsetzen. Daraus folgt, dass es viele Insellösungen gibt. Tools werden zwar verwendet, jedoch die gewonnenen Informationen nicht zentral zusammengeführt und ausgewertet. Der nächste Schritt ist, hier durchgängige Lösungen mit funktionierenden Schnittstellen zu schaffen, die in eine zentrale Evaluation einfließen.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Risikomanagement in der Supply Chain

Individuelle Kundenanforderungen hinsichtlich Qualität, Preis, Flexibilität und Verfügbarkeit, die zunehmende Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen sowie der zunehmende globale Wettbewerb veranlassen viele Unternehmen zu einer engeren …

Stand der Praxis zum Supply Chain Risikomanagement

Aufbauend auf dem Stand der Forschung zum SCRM wird in diesem Kapitel der Stand der Praxis aufgezeigt. Zunächst erfolgt eine Beschreibung der in der Arbeit angewandten Methoden zur Erhebung der Primärdaten. Anschließend werden die Ergebnisse der …

Potenziale der Digitalisierung für das Supply Chain Risikomanagement: Eine empirische Analyse

Die fortschreitende Digitalisierung von Produktion und Logistik – im deutschsprachigen Raum unter dem Begriff „Industrie 4.0“ zusammengefasst – führt durch echtzeitfähige Kommunikation und hochauflösende Prozessdaten zu einer veränderten …

Zur Komplementarität von Warenkette und Lieferkette

Wenn von ‚globalen Warenketten‘ die Rede ist, sind zwar immer die global verteilten Kontexte der Produktion, Vermarktung und Konsumption und die Wechselwirkungen zwischen diesen im Blick, selten aber die zwischen diesen Kontexten vermittelnden …

Lieferkette

Lean hat eine direkte Auswirkung auf die Logistik und die Lieferkette. Verschwendungen werden vom Ort der Wertschöpfung sukzessive nach außen „gedrückt“. So werden diese letztendlich eliminiert. Die Logistik braucht schlaue Lösungen, um der …

Künstliche Intelligenz in Logistik, Lieferkette und Inventar Management

Auch wenn in vielen Industrien und Organisationen das Marketing nach außen im Vordergrund steht: Wenn es um den Erfolg oder Misserfolg geht, besonders im Einzelhandel, können die Strukturen hinter den Kulissen – Logistik, Supply Chains sowie …

Wie können Lieferketten mithilfe intelligenter Datennutzung und Datenintegration fit für die Zukunft gemacht werden?

  • Schwerpunkt

Jeder, der im Supply-Chain-Management gearbeitet hat, weiß, dass Störungen unvermeidlich sind. Im Gegensatz zu früheren Störungen ist die COVID-19-Pandemie weniger lokalisiert und die langfristigen Auswirkungen auf einzelne Unternehmen und ganze …

Wie übernehmen Unternehmen Verantwortung in globalen Zulieferketten? Eine explorative Analyse der „Supply Chain Responsibility“ des schweizerischen Lebensmitteleinzelhandels

Verantwortliche Produktions- und Konsummuster sind ein zentraler Bestandteil der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Einzelhandelsunternehmen spielen bei der Erreichung dieses Zieles eine wichtige Rolle, da sie durch die …

Blockchains als Lösung für Rückverfolgung und Transparenz

Moderne Supply Chains werden durch eine hohe Komplexität, Breite und Globalität charakterisiert, da sich viele Unternehmen auf zahlreiche Zulieferer verlassen. Endprodukte durchlaufen eine Reihe von Bearbeitungsstufen, wodurch sich mehrstufige Lieferketten ergeben.

Katalogbasierte Beschaffungssysteme

Der Großteil der Beschaffungsprozesse eines Unternehmens wird durch dezentrale Bedarfsanforderungen der Fachabteilungen ausgelöst. Um den damit verbundenen, potenziell extrem hohen Aufwand zu reduzieren und ordnungsgemäße Abläufe sicherzustellen, werden katalogbasierte Beschaffungssysteme eingesetzt. Im Beitrag wird ein Überblick darüber gegeben, welche Voraussetzungen für die elektronische Bedarfserfassung zu beachten sind und wie Elektronische Kataloge technisch umgesetzt werden.

Digitalisierung und der Einkauf 4.0

Die vierte industrielle Revolution wird in einem Wandel des gesamten Wertschöpfungsprozesses resultieren. Das Aufkommen neuer technologiebasierter Geschäftsmodelle und intelligenter Wertschöpfungsnetzwerke wird die traditionelle Produktion …

Logistik-Operations: Erfolgspotenziale realisieren

In den Logistik-Operations geht es um die Planung und Durchführung der realen Materialflüsse. Dort werden die strategischen Vorgaben aus dem Logistik-Planning in die Praxis überführt und die Ziele der Logistik-Funktion realisiert. Für erfolgreiche …

    ADVERTORIAL

    KI ohne Großprojekt und Risiko starten

    Mit freundlicher Unterstützung von:
    • ​​​​​​​Dell Technologies, Intel und Microsoft.
    Bildnachweise
    Philipp Mall/© Inverto GmbH, Schmalkalden/© Schmalkalden, NTT Data/© NTT Data, Verlagsgruppe Beltz/© Verlagsgruppe Beltz, ibo Software GmbH/© ibo Software GmbH, Sovero/© Sovero, Axians Infoma GmbH/© Axians Infoma GmbH, Prosoz Herten GmbH/© Prosoz Herten GmbH, Stormshield/© Stormshield, MACH AG/© MACH AG, OEDIV KG/© OEDIV KG, Rundstedt & Partner GmbH/© Rundstedt & Partner GmbH, Doxee AT GmbH/© Doxee AT GmbH , Governikus GmbH & Co. KG/© Governikus GmbH & Co. KG, Vendosoft/© Vendosoft, Conceptboard Cloud Service GmbH/© Vendosoft, Videocast 1: Standbild/© Springer Fachmedien Wiesbaden, givve Bezahlkarte - digitale Effizienz trifft menschliche Nähe/© givve