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03.04.2020 | Risikomanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Corona verdeutlicht die Notwendigkeit von Risikomanagement

Autor:
Swantje Francke
3 Min. Lesedauer

Risiken zu versichern ist das Eine, sie systematisch und regelmäßig neu zu bewerten das Andere. Gerade vor dem aktuellen Hintergrund der Corona-Epidemie legt eine Studie offen, wie es um das Risikomanagement in deutschsprachigen Unternehmen bestellt ist.

Strategien für schlechte Zeiten parat zu haben, zahlt sich für Unternehmen gerade jetzt angesichts wirtschaftlicher Ausfälle im Zuge der Corona-Krise aus. Doch längst nicht alle Entscheider sorgen mit einem systematischen Risikomanagement vor, wie die jüngste Studie des Beratungsunternehmens Inverto offenbart: Die überwiegende Mehrheit mittelständischer deutschsprachiger Unternehmen aus Industrie, Handel oder dem Dienstleistungssektor lässt entsprechende Vorkehrungen schleifen, was sich gerade jetzt rächt.

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Laut Studie verzichten 71 Prozent der kleineren und mittelständischen Unternehmen auf die systematische Erfassung und Bewertung von Risiken, während es bei Unternehmen mit einem Umsatz von über einer Milliarde Euro immerhin noch 45 Prozent sind. "Hier haben die Unternehmen definitiv Nachholbedarf", mahnt Philipp Mall, Principal bei Inverto und verantwortlich für die Risikomanagementstudie, aus gegebenem Anlass. Er erkennt aus den Zahlen keine nennenswerte Änderung zur Vorjahresstudie.

Risikovorsorge jenseits der Analyse

Geändert hat sich dennoch die Bereitschaft, ein gewisses Maß an Risikomanagement zu betreiben. So geben drei Viertel aller befragten Unternehmen an, Gegenmaßnahmen für Krisensituationen zu definieren – darunter auch 76 Prozent derer, die Risiken eigentlich nicht erfassen. Wo es an einer systematischen Überprüfung mangelt, werden demzufolge eher Standardmaßnahmen ergriffen. Als Beispiel hierfür nennen die Verfasser der Studie langfristige Verträge zur Preissicherung in Einkauf, regelmäßige Lieferantenbewertung verbunden mit der Verteilung der Aufträge an mindestens zwei Anbieter. Ohne das Anwenden komplexerer Methoden bedienen sich 70 Prozent der Studienteilnehmer einer solchen Strategie.

Digitale Analysen, die Ausfallrisiken vorbeugen helfen, sind jedoch auf dem Vormarsch. Immerhin 16 Prozent der Unternehmen bedienen sich Künstlicher Intelligent und Big Data, wie die Studie erstmals ergibt. Aus den Erkenntnissen, rät Mall, sind Notfallpläne und ein professionelles Risiko-Früherkennungssystem anzuleiten. "Ziel eines intelligenten Risikomanagements ist es, zu jeder Zeit handlungsfähig zu bleiben", betont er.

Konjunktursorgen wegen Protektionismus und Brexit

Abgesehen von kurzfristig eintretenden Krisensituationen wie die aktuelle Corona-Epidemie, Naturkatastrophen oder die Finanzkrise von 2008, drehen sich die Sorgen der Wirtschaft laut Umfrage in erster Linie um eine eintretende Konjunkturschwäche.  Dieses allgemeine Geschäftsrisiko fürchten 56 Prozent der Befragten am meisten, gefolgt von Handelsbarrieren und Brexit mit 52 und 48 Prozent. Damit bleibt das wahrgenommene Bedrohungsszenario der Unternehmen auf dem nahezu gleichem Stand wie im Vorjahr. Neu unter den gefürchteten Geschäftsrisiken ist die Angst vor dem Abschwung. Ein Thema, das der Wirtschaft hingegen weniger Sorgen als bisher bereitet, ist eine unzureichende Digitalisierung. Sie treib zwar noch immer 35 Prozent der Geschäftsführer und Einkaufsleiter um, doch mit abnehmender Tendenz. Die Studienautoren schließen daraus, dass Unternehmen aus dem Handlungsbedarf der Vorjahre heraus bereits Maßnahmen umsetzen.

Ebenfalls ein abnehmender Trend ist bei Versorgungs-, Preis- oder Qualitätsrisiken zu verzeichnen: im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen um zehn bis 15 Prozent geschrumpft. Lieferantenausfälle jedoch ängstigen 57 Prozent der Firmenentscheider, was einen Zuwachs von gut zehn Prozent zum Vorjahr ausmacht. Die Ursache für diese wachsende Sorge liegt laut Studie darin begründet, dass mehr als die Hälfte der Befragten in den vergangenen sechs Monaten mindestens einen Ausfall zu verkraften hatten. Durch die Corona-Epidemie wird sich die Angst vor Lieferantenausfällen weiter erhöhen. Philipp Mall resümiert: "Die Pandemie zeigt sehr deutlich, wie wichtig ein vorausschauendes Risikomanagement ist. Denn Unternehmen, die bereits vorab Maßnahmen zum Monitoring und Management implementiert haben, können jetzt schneller reagieren und Ausfälle kompensieren."

Einen Leitfaden zum Aufbau eines Risikomanagements finden Sie hier.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier.

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