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13.03.2019 | Risikosteuerung | Kolumne | Onlineartikel

Fokus auf Kernkompetenz ist ein Geschäftsmodell mit Klumpenrisiken

Autor:
Prof. Dr. Detlef Hellenkamp

Die Disruption von Geschäftsmodellen begleitet in allen Branchen die aktuellen Diskussionen. Banken sollten daher ihre strategische Ausrichtung überdenken und eine Portfoliodiversifikation prüfen.

Die Finanzindustrie hat wie zahlreiche andere Branchen in den letzten Jahrzehnten den Fokus ihrer Geschäftsmodelle an der eigenen Kernkompetenz ausgerichtet. Bis zum Ende der 1990er Jahre hatten Banken, Versicherer und Industrieunternehmen untereinander Beteiligungen – mit der anschließenden Entflechtung der sogenannten Deutschland AG und einer zunehmenden Internationalisierung reduzierten sich die Einflussmöglichkeiten großer deutscher Finanzinstitute. Die deutlich erhöhten Eigenkapitalanforderungen der Kreditinstitute an eine risikogewichtete Eigenkapitalallokation beschränken zahlreiche Kreditinstitute in Zeiten begrenzter Ertragsmöglichkeiten überdies, neue - perspektivisch aussichtsreiche - Geschäftsfelder in das eigene Geschäftsmodell einzubeziehen.

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Diversifikation als Lebensversicherung

Portfoliomanager von Kreditinstituten beraten ihre Kunden umgekehrt stets dahingehend, "niemals alle Eier in einen Korb zu legen", um damit ein zu hohes Klumpenrisiko zu vermeiden. Insofern stellt sich die Frage: Ist die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle volkswirtschaftlich relevanter Kreditinstitute im Hinblick auf disruptive Innovationen ausreichend diversifiziert?

Angebot und Nachfrage von Produkten und Dienstleistungen verändern sich einhergehend mit einem neu ausgerichteten Kundenverhalten branchenübergreifend gravierend. So wird die Cebit, eine der einst weltweit größten Messen für Informationstechnik auf dem Messegelände Hannover, ab 2019 nach mehr als 30 Jahren nicht weitergeführt. Zahlreiche Autobauer präsentierten im Jahr 2018 ihre neuen Entwicklungen nicht mehr auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA), sondern auf eine der weltweit größten Elektronik-Messe (CES) für Unterhaltungselektronik in Las Vegas. BMW-Großaktionär Stefan Quandt kommunizierte im Januar 2019, bei etablierten Industrieunternehmen einzusteigen und sein unternehmerisches Portfolio hierdurch deutlicher zu diversifizieren. In Analogie hierzu überlegte Edzard Reuter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG, bereits vor etwa 30 Jahren aus dem Automobilunternehmen einen integrierten Technologiekonzern zu formieren.

Globale Champions prägen digitale Entwicklungen

Im Zeitalter der Globalisierung können disruptive Innovationen traditionelle Geschäftsmodelle in kurzer Zeit existentiell gefährden, zudem inzwischen globale Champions mit monopolistischer oder oligopolistischer Marktmacht digitale Entwicklungen nachhaltig prägen. Die europäischen und nationalen Kreditinstitute können die drängenden Fragen nach den zukunftsweisenden Rahmenbedingungen einer starken europäischen Finanzindustrie insofern weder einzeln noch durch nationale Einzelverbände dauerhaft ausreichend entwickeln.

Die strategische Ausrichtung der Geschäftsmodelle sollte deshalb zukünftig den Beteiligungserwerb im Kontext eines diversifizierten Portfoliogedankens wieder stärker in die Betrachtung einbeziehen. Neue nationale beziehungsweise europäische Champions der Finanzindustrie entstehen mutmaßlich nicht, wie bisweilen öffentlich diskutiert, in erster Linie durch Zusammenschlüsse von Kreditinstituten untereinander.  Sie werden vielmehr durch sich ergänzende Kooperationen oder Integrationen, beispielsweise mit Technologie- oder Zahlungsdienstleistungsunternehmen als zukunftsweisende Technologiepartnerschaften, geschaffen. Eine ausreichende Portfoliodiversifikation des eigenen Geschäftsmodells könnte also als Guideline unternehmerischen Handelns in der Finanzbranche wieder verstärkt in den Fokus rücken, um das Klumpenrisiko eines auf die Kernkompetenz ausgerichteten Geschäftsmodells zu reduzieren.

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