Skip to main content
main-content

03.07.2020 | Risikosteuerung | Im Fokus | Onlineartikel

Finanzbranche sieht sich für Post-Corona gut gerüstet

Autor:
Alexander Bethke-Jaenicke
3 Min. Lesedauer

Bei Banken und Versicherungen herrscht Einigkeit darüber, dass ihre und andere Wirtschaftszweige in eine tiefe Rezession steuern. Doch bei aller Unsicherheit sehen sich alle Marktteilnehmer als gut gerüstet.

Der Shutdown als Reaktion auf die Coronakrise hat binnen weniger Tage unser Zusammenleben komplett auf den Kopf gestellt. Normalität, wie wir sie bisher verstanden, scheint es auf absehbare Zeit nicht mehr zu geben. Auch in der Finanzbranche wird die Coronakrise Spuren hinterlassen, wie die dritte Panel-Befragung von Horn & Company und Bankingclub mit mehr als 250 in Banken und Versicherungen beschäftigten Teilnehmern zeigt.

Empfehlung der Redaktion

2020 | Open Access | Buch Open Access

Die Finanzkrise 2008 im Unbewussten

Über die Ökonomie des Seelenlebens in Zeiten der Krise

Helga Klug eröffnet in diesem Open-Access-Buch neue ungewohnte Sichtweisen auf die psychische Verarbeitung der Finanzkrise 2008. Dabei rückt die Autorin unbewusste Prozesse in den Fokus, wie sie in Krisenmodellen, Abwehrmechanismen …

Massive Finanz- und Wirtschaftskrise erwartet

Ein gravierender Einschnitt wird eine Finanz- und Wirtschaftskrise sein. Circa zwei Drittel der Befragten in Banken und Versicherungen gehen von einer lang anhaltenden, schweren Rezession aus. Als Folge der tiefgreifenden Finanz- und Wirtschaftskrise erwarten die Panel-Teilnehmer eine deutliche Konsolidierung der Finanzbranche

Kurzfristig werden zunehmende Kreditausfälle erwartet – in besonderem Ausmaß bei Geschäfts- und Firmenkunden (55 Prozent), aber auch bei Privatkunden (40 Prozent). Die bereits festgestellten Zahlungsverzüge sind nach Angabe der Befragten aber noch relativ gering. Unternehmen versuchen bisher weitestgehend mit vorhandenen liquiden Reserven, mit bereits bestehenden Kreditlinien sowie den neu aufgesetzten KfW-Sonderkrediten die Effekte abzumildern.

Änderung im Kundenverhalten und Geschäftsleben

Die Finanzbranche hat durch den Shutdown einen deutlichen Rückgang des Kundenverkehrs im stationären Geschäft mit der unmittelbaren Konsequenz eines massiven Einbruchs bei Neugeschäftsabschlüssen erfahren. Der Trend weg von den Filialen, hin zu digitalen Kanälen wird sich fortsetzen und durch die Coronakrise vermutlich weiter verstärken.

Neben den Effekten auf das Kundenverhalten zeichnet sich auch ein Wandel in der Art der Zusammenarbeit ab. So schätzen 96 Prozent der befragten Experten ein, dass unsere Zusammenarbeit nicht nur kurzfristig virtuell und aus dem Homeoffice gestaltet wird, sondern sich diese Art auch mittel- bis langfristig manifestiert. 62 Prozent der Umfrage-Teilnehmer erwarten aber auch ein höheres Risiko- und Verantwortungsbewusstsein, und 59 Prozent sehen wachsende Kritik an der Globalisierung als langfristige Auswirkungen von Covid-19.

Maßnahmenpaket als angemessen empfunden

Nach Ansicht von 78 Prozent der Befragten haben Regierungen angemessen auf Covid-19 reagiert. Auch die staatlichen Maßnahmen, die mit Blick auf wirtschaftliche Unterstützungsprogramme initiiert wurden, entsprechen weitestgehend den Erwartungen: So fordern etwa 85 Prozent der befragten Bank- und Versicherungs-Experten Liquiditätshilfen für Unternehmen. Weitere Maßnahmen wie die Ausweitung von staatlichen Investitionsprogrammen und Steuersenkungen werden von rund 65 Prozent befürwortet. Geldpolitische Maßnahmen und Stärkung der konsumtiven Nachfrage werden aus Sicht der Befragten als weniger effektiv zur Verhinderung einer Finanz- und Wirtschaftskrise eingestuft.

Auch den Banken und Versicherungen wird mit 95 Prozent Zustimmung ein angemessener Umgang mit Covid-19 attestiert. Dies liegt unter anderem daran, dass Unternehmen auch entsprechend auf solch eine Krise vorbereitet waren. Sowohl Flexibilität in Form von Homeoffice-Regelungen und einer verstärkt virtuellen Zusammenarbeit als auch institutionalisierte Notfallpläne haben bei jeweils rund 90 Prozent der Befragten funktioniert und die reibungslose Aufrechterhaltung des Betriebs sichergestellt.

Stimmung trübt sich ein

Die angemessene Reaktion von Regierung und Unternehmen wirkt sich offenbar positiv auf die aktuelle Stimmungslage in Banken und Versicherungen aus. Diese war mit einer durchschnittlichen Schulnote von 2,8 gegenüber der letzten Panel-Befragung Ende 2019 sogar leicht verbessert. Die Stimmungslage in sechs Monaten wird durch die Befragten allerdings mit 3,0  schlechter bewertet als aktuell.

Interessant vor diesem Hintergrund ist, dass die Panel-Teilnehmer ihr Unternehmen im Durchschnitt als gut (Durchschnitts-Schulnote 2,4) für die Bewältigung der Auswirkungen von Covid-19 gerüstet sehen. Dies, gepaart mit der Erwartung an eine massive Finanz- und Wirtschaftskrise, lässt den Schluss zu, dass aktuell noch eine große Unsicherheit über die tatsächlich anstehenden Herausforderungen besteht.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.02.2003 | Trend | Ausgabe 2/2003

Kreditausfälle nachhaltig reduzieren

01.04.2020 | Analysen und Berichte | Ausgabe 4/2020 Open Access

Wirtschaft unter Schock — Finanzpolitik hält dagegen

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Krise – der Anfang vom Ende?

Quelle:
Wege durch die Unternehmenskrise

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Geldpolitik in den Finanzkrisen

Quelle:
Geld, Kredit und Banken

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise