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27.05.2019 | Risikosteuerung | Nachricht | Onlineartikel

"Banken müssen Fehlerkultur etablieren"

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
2:30 Min. Lesedauer

Sich fortlaufend ändernde Regularien und Sanktionen auf den globalen Märkten machen das Thema Compliance zu einer Herkulesaufgabe. Banken sollten daher eine Fehlerkultur etablieren, so ein zentrales Ergebnis des RISC-Kongress 2019. 

"Compliance heißt, sich immer und in jedem Fall an die Regeln zu halten", brachte es Bettina Orlopp, im Commerzbank-Vorstand für Compliance, HR und Recht zuständig, auf den Punkt. Auf der dritten RISC-Konferenz, die Ende vergangener Woche in der Frankfurt School of Finance & Management stattfand, sprach sie neben Rednern unter anderem aus der Industrie und Automobilbranche über die aktuellen Herausforderungen im Risikomanagement. 

Was Banken, aber auch anderen Unternehmen zu schaffen mache, sei die Dynamik, mit der sich die Regelungen und Sanktionen in den Ländern entwickele. Allein in China habe es 2018 rund 1.000 neue Anweisungen gegeben, die zum Teil über den Kommunikationsdienst Wechat versendet worden seien. Hinzu komme das steigende internationale Transaktionsvolumen in der Bankenbranche. Diese Rahmenbedingungen erforderten eine "passende Personalstrategie sowie eine fortwährend zu aktualisierende Policy-Struktur, die für die Mitarbeitern in konkrete Handlungsanweisungen übersetzt werden muss", erläuterte Orlopp.  

Fehler möglichst frühzeitig entdecken

Um das zu ermöglichen, brauche es eine Fehlerkultur, erklärte die Betriebswirtin. "Die Mitarbeiter müssen die Hand heben, wenn ein Fehler noch klein ist. Das verhindert schlimmeres." So müsse es auch möglich sein, dass zum Beispiel ein Auszubildender ein Problem aufzeigt, weil er sich in der Ausbildungssituation gerade mit einschlägigen Themen auseinandersetzt. "Compliance lebt von dieser Aufmerksamkeit der Mitarbeiter", konstatierte Orlopp. "Sie müssen sich trauen, sich auch gegenüber ihren Führungskräften durchzusetzen."

Doch dies in die Praxis umzusetzen, fällt Banken laut einer EY-Studie von Herbst 2018 besonders schwer. Nur 47 Prozent der befragten Führungskräfte sprechen demnach von einer offenen Diskussionskultur zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten. Als größte Hindernisse beim Etablieren einer positiven Fehlerkultur nennen 60 Prozent der Befragten die Angst vor Gesichtsverlust und fast die Hälfte die Macht alter Gewohnheiten.

KYC-Prozesse erfordern 

Bei der Commerzbank hat sich das Management für eine Plakataktion entschieden, die die Themen  Fehler und Compliance permanent in den Fokus der Mitarbeiter rücken soll. Zudem stehe die KYC-(Know Your Customer)-Optimierung im Fokus. "Erst wenn man den Kunden versteht, erkennt man mögliche Risiken", erläutert Orlopp. Doch gerade das sei ein schwieriger Prozess, der den Vertrieb besonders fordere. Hier liege wertvolles Know-how zu Kunden und Branche. Das werde zum Beispiel zur Abwicklung von Transaktionen im mittelständischen Außenhandel benötigt. 

Neben technischen Analyse-Tools wie Künstlicher Intelligenz und Finance Robotics, mit denen zum Beispiel automatisch Transaktionen geprüft werden, brauche es hier vor allem gut geschulte Mitarbeiter, so die Compliance-Leiterin. Doch diese auf dem Markt zu finden, mache der War of Talents schwierig. Auch wenn künftig Prozesse noch stärker automatisiert werden sollen, habe sich ihr Haus auch darauf konzentriert, Mitarbeiter etwa aus dem Back-Office-Bereich entsprechend zu schulen. 


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