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12.11.2020 | Risikosteuerung | Gastbeitrag | Onlineartikel

Wie Finanzabteilungen Klimarisiken besser steuern

Autor:
Vincent Manier
4 Min. Lesedauer

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, welche Auswirkungen eine globale Krise für Unternehmen haben kann. Der Klimawandel birgt weitere Risiken. Gerade Finanzteams müssen diese nun bewerten und minimieren.

Anfang des Jahres entbrannte eine spannende Diskussion über die generelle Verantwortung von Unternehmen. Angeführt wurde sie von Larry Fink, dem CEO von Blackrock, der von Unternehmen fordert, ihren CO2-Fußabdruck zu kontrollieren. Gleichzeitig gingen Unternehmen wie Microsoft und Delta ehrgeizige Verpflichtungen zur CO2-Neutralität ein. Dann kam Covid-19 und zeigte die gravierenden Auswirkungen, die eine globale Krise über Nacht haben kann. Damit wurde Unternehmen eine wichtige Lektion in Sachen Risikominderung erteilt. Schätzungen gehen davon aus, dass die Pandemie das globale BIP im Jahr 2020 um drei Prozent senken wird. Bei dem derzeitigem Tempo des Klimawandels wird mit einem Rückgang des globalen BIP bis 2050 um  2,5 Prozent bis 7,5 Prozent gerechnet. 

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Berücksichtigung von Klimarisiken macht Unternehmen resilient

Klimarisiken werden in Risikomanagementprogrammen jedoch bislang häufig übersehen oder unterschätzt. Wenn Unternehmen allerdings betriebsfähig bleiben wollen, ist es notwendig, Resilienz in den Kern der Geschäftsstrategie zu integrieren. Das macht die Pandemie besonders deutlich. Durch sie wurde die Fragilität globaler Lieferketten und dysfunktionaler Systeme in Unternehmen aufgedeckt. Unternehmen müssen nun ihre Planung und ihren Betrieb verändern, um auch künftigen Krisen gewachsen zu sein. 

Das Wissen aus der Corona-Krise muss auf ähnliche, durch den Klimawandel bedingte Risiken angewandt werden. Risikomanager sind ein wichtiger Teil des Finanzteams. Sie müssen verstehen, was Nachhaltigkeit für das gesamte Unternehmen bedeutet. Dafür müssen sie 

  • strategische (neue Vorschriften), 
  • operationelle (etwa bedingt durch extremes Wetter) und 
  • finanzielle (Steuern und Versicherungen) Risiken richtig bewerten. 

Für diese Bewertung und dem Umgang mit den Risiken gibt es einige Tools, die den Finanzteams dabei helfen, vorausschauendes Risikomanagement zu betreiben und die Wiederholung von Fehlern zu vermeiden. 

Vier Strategische Risikobereiche

In Bezug auf Nachhaltigkeit gibt es vier Hauptbereiche, die Potenzial für strategische Risiken bergen: 

  1. wirtschaftliche Veränderungen, 
  2. Corporate Responsibility, 
  3. regulatorische Risiken und 
  4. Reputationsrisiken. 

Aus wirtschaftlicher Sicht hat es durch die Dekarbonisierung und die Diversifizierung von Portfolios Verschiebungen im Markt gegeben. Zudem werden Unternehmen stärker für ihren Einfluss auf die Umwelt zur Verantwortung gezogen. 

Druck wird dabei von allen Seiten - Kunden, Investoren, Konkurrenten und Regulierungsbehörde - ausgeübt. Darüber hinaus können hohe Geldstrafen anfallen, wenn die strengeren Regulierungen und gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf Ressourcenmanagement sowie CO2-Reduzierung nicht eingehalten werden oder die erforderliche Berichterstattung über CO2-Emissionen nicht geleistet wird. Insbesondere im heutigen politischen Klima ist auch das Risiko für die eigene Reputation höher, gerade weil interne und externe Interessenvertreter immer besser über den Klimawandel und Gegenmaßnahmen informiert sind.
Operative Risikofaktoren 

Klimarisiken in der Gesamtbeschaffungsstrategie

Nachhaltigkeit kann sich auch auf die Herangehensweise an Prozesse auswirken, zum Beispiel Lieferkettenoptimierung, Beschaffungsstrategien oder Datenschutz und -sicherheit. Wenn die Klimarisiken, in die Gesamtbeschaffungsstrategie einbezogen werden, kann das Finanzteam fundiertere Entscheidungen beispielsweise über Strombezugsverträge, erneuerbare Energien und Möglichkeiten zur Kosteneinsparung treffen. 

Daneben gibt es auch unmittelbare operative Risiken, die zu berücksichtigen sind. Durch extreme Wetterereignisse ist es beispielsweise möglich, dass es zu Ausfällen, Schäden und Schließungen in Unternehmen kommt. All diese Punkte können dazu führen, dass Mitarbeiter, Vermögenswerte und Rechenzentren nicht angemessen geschützt werden können und letztlich sogar der Betrieb zum Erliegen kommt. 

Finanzielle Risikofaktoren

Der Klimawandel birgt erhebliche finanzielle Risiken für Unternehmen, da sich Nachhaltigkeitsrichtlinien und Unternehmensinitiativen auf Steuern, Versicherungen, Ressourcenmanagement, Energiebeschaffung, die Unterstützung von Investoren und sogar auf immaterielle Vermögenswerte, wie Vertrauen, auswirken können. 

Von Änderungen der Versicherungsprämien und des Versicherungsschutzes bis zur Ermittlung der finanziellen Vorteile beispielsweise durch die Elektrifizierung, gibt es eine Vielzahl von finanziellen Risiken und Chancen, die das Finanzteam bewerten muss. Die Nachhaltigkeitsplanung öffnet zum Beispiel die Tür für die Integration neuer Technologien, etwa der Nutzung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben, die eigene finanzielle Vorteile mit sich bringen.

Stärkere Integration der Klimarisikostrategie

Die Integration von Klimarisiken in neue oder bestehende Risikomanagementprogramme scheint zunächst wie eine Mammutaufgabe. Es gibt jedoch strategische Prüfvorgänge, die den Prozess vereinfachen. Schwachstellenanalysen ermöglichen beispielsweise, zu verstehen, wo der Klimawandel ein Unternehmen am ehesten Treffen wird. Szenarioanalysen geben eine Übersicht über mögliche Auswirkungen, sodass das Finanzteam vorausplanen kann, um künftige Entwicklungen abzuschwächen. 

Der gegenwärtige Zustand der Welt zeigt die Notwendigkeit für mehr Resilienz gegenüber möglicherweise weder vorhersehbaren noch kontrollierbaren globalen Ereignissen. Der Klimawandel stellt zweifelsfrei die nächste Bedrohung dar. Finanzteams müssen dafür sorgen, dass ihre Unternehmen angemessen auf verschiedene Klimaereignisse vorbereitet sind. Nur so können sie resilienter werden und Risiken mindern. Die strategische Planung zur Vorbereitung auf diese Szenarien kann Innovationen und neue Methoden fördern. So profitieren nicht nur die Bilanzen, sondern auch die Umwelt und das Klima.

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