Skip to main content
main-content

10.09.2018 | Risikosteuerung | Infografik | Onlineartikel

Banken verbuchen Milliarden-Schäden durch operationelle Risiken

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Für ihre finanziellen Risiken haben Finanzdienstleister weltweit ausgefeilte Risikomanagement-Systeme entwickelt. Laut einer Studie kämpfen die Institute im operationellen Bereich allerdings mit großen Risiken und Verlusten.

 

Seit der globalen Finanzkrise vor fast zehn Jahren hat sich im Bankensektor in Sachen Risikomanagement vieles verändert. Im Hinblick auf ausstehende Kredite, Marktschwankungen oder der Liquidität haben die Geldhäuser, aber auch die Bankenaufsicht, Systeme zur Minimierung der Risiken ausgearbeitet und implementiert. Geht es aber um das Risiko menschlicher Fehlentscheidungen und Verstöße sowie um Schäden, die durch Prozesse, Systeme oder externe Ereignisse verursacht werden, versagt das Risikomanagement der Finanzdienstleister häufig. Und das zieht oft weitreichende finanziellen Folgen nach sich.

Solche nicht-finanziellen, operationellen Risiken (OR) verursachten seit 2011 laut der im August 2018 veröffentlichten Studie "Preventing Disaster: How Banks Can Manage Operational Risk" von Bain & Company weltweit Schäden in Höhe von knapp 220 Milliarden US-Dollar. Hierfür werteten die Analysten die Daten von 96 international agierenden Banken aus, die alle Ereignisse ab 20.000 Euro von 2011 bis 2017 beinhalten. Die meisten dieser Verluste resultierten laut der Studienmacher von Bain aus vermeidbaren Fehlern bei der Interaktion von Mitarbeitern und Systemen mit Kunden, aus Fehlern in der Abwicklung von Transaktionen oder aus offenem Betrug.

Auch Verhalten Einzelner schon riskant

Als konkretes Beispiel nennen die Bain-Experten einen Fall aus den 90er Jahren: "Ein einziger Mitarbeiter hat 1995 genügt, um den Untergang der traditionsreichen Barings Bank nach mehr als 200 Jahren zu besiegeln. Der Derivatehändler Nick Leeson hatte Lücken in den internen Kontrollsystemen genutzt und vergeblich versucht, Verluste durch immer waghalsigere Spekulationen zu kompensieren." Dies sei damals zwar ein Weckruf an alle Finanzinstitute gewesen. Dennoch gebe es vielerorts Schwachstellen im Risikomanagement. "Nicht-finanzielle Risiken lauern nahezu überall, entsprechend viel steht für die Banken auf dem Spiel", stellt der Mitautor der Studie, Jan-Alexander Huber, fest. "Fehler im operationellen Risikomanagement verursachen nicht nur finanzielle Verluste, Rechtskosten und zum Teil Strafzahlungen, sondern schädigen auch nachhaltig die Reputation und gefährden im Extremfall die Existenz einer Bank." 

Doch obwohl laut Studie die Banken mit einem durchdachten operationellen Risikomanagement ihre Verluste deutlich minimieren und damit ihre Gewinnmargen um bis zu 30 Basispunkte steigern könnten, tun sich viele Finanzunternehmen mit dem Thema schwer. Operationelle Risiken zu überwachen und zu steuern sei komplex und schwierig, heißt es zur Begründung. Die Institute hätten zudem Probleme, das operative Risikomanagement (ORM) in ihr Gesamtkonzept des Enterprise Risk Management zu integrieren. Dabei gewinnen die Geldhäuser durch die zunehmende Digitalisierung einen immer besseren Einblick in die Aktivitäten ihrer Kunden, Mitarbeiter und IT-Systeme. Und automatisierte Prozesse reduzierten bereits menschliche Fehler oder Betrugsversuche bei einer Vielzahl von Transaktionen.

Mitarbeiter brauchen Risikoqualifikation

Neben diesen technischen Instrumenten müssten die Banken aber vor allem ihre Mitarbeiter bei der Problemlösung einbeziehen. "Fort- und Ausbildung der Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg", erklärt Sebastian Fritz-Morgenthal, Co-Autor der Studie. "Jeder Einzelne muss lernen zu antizipieren, welche Fehler auftreten können und wie sie sich vermeiden lassen." Das gilt insbesondere für Innovationen. Eine europäische Großbank integriere konsequenterweise schon auf ihrem Innovationscampus operationelle Risikomanager in die agilen Entwicklerteams.

Für ein effektives Risikomanagement haben die Bain-Experten vier Prinzipien entwickelt:

  1. Das Management nicht-finanzieller Risiken umfasst alle Bereiche und Funktionen einer Bank und ist reibungslos in die unternehmensweiten Strukturen und Prozesse integriert.
  2. Die Verantwortung für das Risikomanagement ist in jeder Abteilung klar definiert. Fachleute besetzen die entsprechenden Stellen.
  3. Feedbackschleifen gewährleisten, dass die Bank kontinuierlich aus Erfolgen und Misserfolgen lernt, um nicht-finanzielle Risiken in Zukunft zu vermeiden.
  4. Alle Prozesse werden regelmäßig überprüft, um sicherzustellen, dass sämtliche Kennzahlen und Vergütungssysteme den aktuellen Anforderungen entsprechen.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

23.07.2018 | Outsourcing | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Banken Auslagerungen effektiv organisieren

27.03.2017 | Internetkriminalität | Im Fokus | Onlineartikel

CEO-Betrug nimmt drastisch zu

13.03.2017 | IT-Strategie | Im Fokus | Onlineartikel

Veraltete IT erfolgreich modernisieren

Premium Partner

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Blockchain-Effekte im Banking und im Wealth Management

Es steht fest, dass Blockchain-Technologie die Welt verändern wird. Weit weniger klar ist, wie genau dies passiert. Ein englischsprachiges Whitepaper des Fintech-Unternehmens Avaloq untersucht, welche Einsatzszenarien es im Banking und in der Vermögensverwaltung geben könnte – „Blockchain: Plausibility within Banking and Wealth Management“. Einige dieser plausiblen Einsatzszenarien haben sogar das Potenzial für eine massive Disruption. Ein bereits existierendes Beispiel liefert der Initial Coin Offering-Markt: ICO statt IPO.
Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise