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2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

6. Rituale in der reflexiven Beratung – Möglichkeiten eines empirischen Zugangs

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Zusammenfassung

In diesem Kapitel geht es um die Frage, in welcher Weise Aufschluss über den Stellenwert von Ritualen in der reflexiven Beratung gewonnen werden kann. Dabei werden verschiedene empirische Untersuchungsmöglichkeiten zur Datenerhebung in Betracht gezogen: teilnehmende Beobachtung, Interviews, Autoethnografie und Diskursanalyse. Die jeweiligen Zugangsmöglichkeiten und Probleme werden erörtert, ebenso die Möglichkeit, aus der Praxis stammendes Erfahrungswissen in Form von illustrativen Fallbeispielen in den Forschungsprozess einzubringen. Vor diesem Hintergrund habe ich mich für ein diskursanalytisches Vorgehen entschieden, das sich als sinnvoll und machbar erwiesen hat. Nach einer kurzen Vorstellung, was insbesondere im sozialwissenschaftlichen Bereich unter Diskursanalyse verstanden wird, stelle ich anschließend die Auswahl (Sampling) und Beschreibung des verwendeten Datenkorpus' (Sample) dar, ehe ich meine Analysegesichtspunkte vorstelle. Das Kapitel schließt mit einer Darstellung meiner diskursanalytischen Vorgehensweise.
Fußnoten
1
Das ausführliche Ergebnis dieser Auseinandersetzung findet sich in der Verschriftlichung meines Vortrags auf den Fuldaer Feldarbeitstagen 2019: „Der Coach als Ethnograph*in. Die Situation des Coachings – eine Erkundung“ (A. Pfab 2020a).
 
2
„Dellwing und Prus schreiben in diesem Zusammenhang von der ,Unterordnung unter die Realitäten des Feldes‘: ,Die Rolle im Feld ist also eine, die mit dem Feld und in Anpassung, im Zweifel daher mit Bescheidenheit und Unterordnung unter die Realitäten des Feldes, ausgehandelt wird‘ (2012: 89; siehe auch Hitzler u. Eisewicht 2016: 46)“ (A. Pfab 2020a: 191).
 
3
Mit Reckwitz verstehe ich Diskursanalyse einerseits als Theorie, gleichzeitig jedoch auch als „ihre eigene Methode“ (Reckwitz 2016: 51). Reckwitz vertritt die Auffassung, dass „Foucaults Diskurstheorie [möglicherweise] durchaus eher methodologisch als sozialtheoretisch zu verstehen“ sei (ebd.: 53).
 
4
Allerdings möchte ich mit Nothdurft darauf aufmerksam machen, dass der Forschungsgegenstand auch bei der Diskursanalyse (bzw. im Falle von Nothdurft bei der Gesprächsanalyse, Anm. A. P.) „beim Schreiben über [.. ihn]“ entsteht (1998: 314). Der Forschungsgegenstand „ist gebunden an [.. seinen] Autor, der sie aus seinen Bedingungen heraus geschaffen hat und [.. ihn] jetzt ,in die Welt‘ entläßt“ (ebd.: 314).
 
5
Je nach Fachrichtung – etwa in Linguistik, Sozialwissenschaften oder Organisationsforschung – unterscheidet sich allerdings der Begriff „Diskurs“ ebenso wie das, was unter „Diskursanalyse“ verstanden wird (Hartz u. Fassauer 2017: 469).
 
6
Auch innerhalb der Branche sehen manche Vertreter*innen entscheidende Unterschiede weniger zwischen Beratung und Therapie als beispielsweise in systemischen versus nicht-systemischen Herangehensweisen (z. B. Psychoanalyse) (vgl. beispielsweise Klein u. Kannicht, die schreiben, „dass wir keine prinzipielle Unterscheidung zwischen Therapie und Beratung sehen“ (2011: 8)).
 
7
Speziell zur Fragestellung, ob und falls ja Coaching selbst ein Übergangsritual darstellt (Abschnitt 7.​1.​4 und 8.​1), habe ich über die genannten Dokumente hinaus zwei exemplarische Grundlagenwerke der Coaching- und Supervisionsliteratur in mein Korpus‘ mit aufgenommen (Brüggemann et al. 2012; Klein u. Kannicht 2011), an denen die Parallelen zwischen einem Coachingprozess bzw. einer Coachingsitzung und der Durchführung eines (Übergangs-)Rituals, die formalen Strukturen betreffend, deutlich werden.
 
8
So hat z. B. die Evangelische Hochschule Freiburg seit 1974 als „eine der ersten Hochschulen in Deutschland“ Supervisionsausbildungen angeboten (Master Supervision, o. D.).
 
9
Den Diskurs ebenfalls widerspiegelnde Flyer, Websitenprofile von Coaches und Supervisor*innen, mündliche Tagungsbeiträge, Diskussionsrunden o. ä. habe ich unberücksichtigt gelassen, weil Darstellungen in schriftlichen Fachbeiträgen fokussierter und oftmals für das Fachpublikum/die Leserschaft elaborierter ausgearbeitet sind, als dies beispielsweise in Material zur Kundenakquise üblicherweise der Fall ist. Zudem hat erfahrungsgemäß ein schriftlich veröffentlichter und damit jahrzehntelang zugänglicher Beitrag einen längerfristigeren und in der Regel intensiveren Einfluss („höhere Reichweite“) auf die professionsinterne Branche und damit den professionellen Diskurs ebenso wie auf den gesellschaftlichen Diskurs der reflexiven Beratung als ein (einmaliger) mündlicher Vortrag, Marketingmaterial o. ä. Genau dies ist für meine Forschungsfrage nach der Bedeutung von Ritualen in der reflexiven Bedeutung von hoher Relevanz.
 
10
Auf andere sprachliche und textuelle Charakteristika der Texte des Korpus‘, die keinen unmittelbaren Bezug zum Thema „Ritual“ haben, gehe ich nicht ein.
 
Metadaten
Titel
Rituale in der reflexiven Beratung – Möglichkeiten eines empirischen Zugangs
verfasst von
Antje Pfab
Copyright-Jahr
2021
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-36065-8_6

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