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08.12.2020 | Robo Advisor | Interview | Onlineartikel

"Der Robo Advisor spricht eine breite Anlegerschaft an"

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 Min. Lesedauer

Eine aktuelle Studie hat ermittelt, welche Anleger Robo Advisor einsetzen und warum sie es tun. Dabei hat sich gezeigt, dass die Nutzer nicht nur im Hinblick auf ihr Investmentwissen und die Risikobereitschaft eine heterogene Gruppe sind.

Springer Professional: Mit über 70 Prozent schätzen die meisten der von Ihnen befragten Anleger, dass der Robo Advisor die Portfoliozusammenstellung und -verwaltung für sie erledigt. Kostengründe, Diversifizierung oder bessere Anlageentscheidungen liegen deutlich dahinter. Wie können wir uns den typischen Nutzer eines Robo Advisors vorstellen?

Oliver Laubach: Durch die Digitalisierung der Anlageberatung und Vermögensverwaltung haben Robo Advisor es geschafft, den Beratungsaufwand und die Transaktionskosten für den einzelnen Anleger so stark zu reduzieren, dass sie Kunden bereits ab einem geringen Anlagebetrag und zu moderaten Kosten ein Portfolio nach ihren individuellen Risikopräferenzen zusammenstellen können. Aus der Studie, die wir am Seminar für ABWL und Bankbetriebslehre der Universität zu Köln mit Anlegern von drei deutschen Robo Advisor durchgeführt haben, geht hervor, dass ein großer Teil der Kunden Robo Advisor als Add-on zu ihrem bestehenden Portfolio nutzen. 53 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass weniger als 25 Prozent ihres Portfolios von einem Robo Advisor verwaltet werden. 

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Welche Rolle spielen hierbei die Einkommensverhältnisse?

Oliver Laubach: Unsere Auswertung zeigt, dass Robo Advisor Anlegern unabhängig von Ihrem Einkommens- und Vermögenshintergrund Zugang zu einer professionellen Finanzberatung und Vermögensverwaltung bieten. So gab knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer ein monatliches Nettoeinkommen zwischen 1.500 und 3.500 Euro an. Dass Kostengründe und Diversifikation weniger relevant waren liegt daran, dass die meisten Robo Advisor auf Investments in passiv gemanagte Indexfonds und ETFs setzen. Ein Investmentansatz der auch von Privatanlegern kosteneffizient umgesetzt werden kann. Zusammenfassend sind typische Nutzer Anleger, die ihr Investmentportfolio vollumfänglich oder anteilig einem Robo Advisor anvertrauen – sie genießen den Komfort, sich mit der Zusammenstellung und Verwaltung des Investments nicht weiter befassen zu müssen.

Frauen spricht dieses Anlagemodell der Erhebung zufolge nicht ganz so stark an. Wie ließe sich diese Zielgruppe besser erschließen?

Ann-Christine Brunen: Im Wesentlichen liegt das daran, dass Frauen in Deutschland bislang seltener am Finanzmarkt teilnehmen als Männer. An und für sich bieten Robo Advisor ein interessantes Tool für Einsteiger in den Finanzmarkt an. Was bereits aktive Anlegerinnen angeht, haben diese sich in der Vergangenheit als risikoscheuer herausgestellt als Männer. Es ist möglich, dass Anlegerinnen Robo Advisor als riskanter einschätzen als Anleger. Uns ist jedoch aufgefallen, dass weibliche Markteilnehmer sich vor allem für Robo Advisor beziehungsweise Produktangebote von Robo Advisor interessieren, die neben dem Rendite-Risiko-Profil auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen. Hier könnte man ggf. ansetzen, wie vividam es beispielsweise bereits tut.

Die Auswertung zeigt, dass vor allem diejenigen auf technologiegestützte Anlageentscheidungen setzen, die ihre eigene Investmentexpertise zumeist als "durchschnittlich" oder nur "gering" einstufen und auch über ein geringeres Einkommen verfügen. Warum bleiben die gut informierten, finanziell besser gestellten Anleger Ihrer Meinung eher außen vor?

Ann-Christine Brunen: Wir stellen bei den Anlegern von Robo Advisor eher eine starke Heterogenität fest, was die Investmentexpertise angeht. 42 Prozent der Umfrageteilnehmer schätzen ihre eigenen Anlagekenntnisse als "gut" oder "sehr gut" ein. Interessanterweise können 40 Prozent auf mehr als zehn Jahre Investmenterfahrung zurückgreifen. Zugleich sind 20 Prozent weniger als ein Jahr investiert. Wir verstehen Robo Advisor deshalb als Finanzdienstleister, die eine breite Anlegerschaft ansprechen. Das Gleiche gilt für das Interesse der Anleger an Investmentthemen. 58 Prozent der Teilnehmer befassen sich täglich oder wöchentlich mit Geldanlagen, obwohl der Robo Advisor das Portfoliomanagement für sie übernimmt. 18 Prozent beschäftigen sich dagegen nur unregelmäßig mit Geldanlagen. Spannend ist auch, dass die Anleger von Robo Advisor eine recht hohe Risikobereitschaft angeben.

Wie sieht es mit dem Alter aus?

Ann-Christine Brunen: Interessant ist, dass offenbar das Alter bei der Nutzung eines Robo Advisors eine Rolle spielt. Während die ganz jungen Anleger und die Senioren ab 61 Jahren zusammen gerade einmal 36 Prozent ausmachen, ist das Gros der Robo-Sparer mittleren Alters. Woran liegt das? Auch wenn die digitale Geldanlage gerade die Jüngeren ansprechen sollte, fehlt unter 30 oft noch die Finanzkraft, um Geld an den Aktienmärkten anzulegen – unabhängig davon, ob es um Robo Advisor oder traditionelle Geldanlagen geht. Bei der Generation 60 Plus wird die Affinität für digitale Anwendungen generell geringer sein, und so auch das Interesse an Robo Advisor. In der Rente werden die Rücklagen zudem eher wieder abgebaut, anstatt ein neues Portfolio zu eröffnen. Das sollte bei den Robo Advisor, die erst jüngst auf den Markt gekommen sind, zusätzlich zum Tragen kommen.

Welchen Stellenwert nimmt die Geldanlage per Robo Advisor mittel- und langfristig bei den Finanzdienstleistungen ein?

Oliver Laubach: Robo Advisor verzeichnen ein enormes Wachstum. Die Digitalisierung schafft hier mehr Transparenz und erhöht den Wettbewerb. Anleger können ihr Portfolio schneller umschichten und auf mehrere Anbieter streuen. Der Robo Advisor Trend geht auch an den führenden Finanzdienstleistern nicht vorbei, die selbst solche Dienstleistungen anbieten. Wir gehen davon aus, dass zukünftig fast jeder Vermögensmanager einen eigen Robo Advisor direkt oder indirekt anbieten wird. Nichtsdestotrotz müssen sich die Investmentmodelle der Robo Advisor erst einmal beweisen. Bislang scheinen die Anleger vor allen Dingen neugierig auf das neue Finanzprodukt zu sein.

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