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12.05.2022 | Robo Advisor | Im Fokus | Online-Artikel

Der Robo Advisor ist nichts für schnelle Trader

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4:30 Min. Lesedauer
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Nicht nur für Anleger mit großen Vermögen gelten automatisierte Beratungsmodelle mit langfristigen Investmentzielen als interessante Alternative. Diese Angebote verfolgen eine Anlagestrategie mit individualisiertem Risikoprofil. Besonders junge Menschen sind für die Robos offen.

"Der digitale Wandel ermöglicht es, individuell benötigtes Wissen bedarfsgerecht zu generieren und gleichzeitig kann in Deutschland ein gestiegenes Bildungsniveau festgestellt werden. Das führt dazu, dass der Nutzen und die Risiken von Finanzprodukten zunehmend kritisch hinterfragt werden. Folglich steigen das Anspruchsniveau der Kunden und damit auch die Anforderungen an die Beratung durch die Bankmitarbeiter", fassen Jessica Hastenteufel und Felix Ganster die aktuelle Entwicklung bei Kapitalanlagen im Buch "Einflussfaktoren auf die Akzeptanz von Robo Advisors" (Seite 5) zusammen.

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Die niedrigen Zinsen der Vergangenheit und die Pandemie haben die Sparneigung der Deutschen vorangetrieben. Die Springer-Autoren gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt, wobei sich Anleger zunehmend nach Anlageformen mit höheren Renditen umschauen werden. "Genau hier setzen die Robo Advisor an. Diese zielen auf die vollständige Automatisierung der Beratung zum Herbeiführen einer einmaligen Anlageentscheidung oder einer permanenten Vermögensverwaltung ab", so Hastenteufel und Ganster.

Robo Advisory als Baustein der Vermögensverwaltung

"Bei uns haben wir viele Selbstentscheider", beschreibt Alena Kretzberg, Bereichsvorstand Digital Banking & Comdirect bei der Commerzbank, die Anlegerklientel ihres Hauses. "Aber auch diese haben mitunter das Bedürfnis, einen Teil ihres Vermögens nicht selbst managen zu wollen. Der Robo Advisor ist hierfür ein guter Baustein, der in unser Angebot passt", kommentiert sie die jüngst veröffentlichten Ergebnisse einer Umfrage zum Thema. Diese hat die Comdirect gemeinsam mit dem Online-Vermögensverwalter Quirion durchgeführt. 

Für die Erhebung haben die beiden Institute, die nach eigenen Angaben zusammen fast 100.000 Kunden betreuen, rund 1.300 Personen, die über ein anzulegendes Vermögen von mindestens 5.000 Euro verfügen, Mitte Dezember 2021 online befragt. Von den Teilnehmern, die im Durschnitt 45 Jahre alt sind und 279 Euro im Monat sparen, geben 81 Prozent ein relatives oder sogar ein hohes Interesse an Geldanlagen an. Wer sich nicht für das Thema interessiert, nennt Risiken (42 Prozent) und ein mangelndes Vertrauen in Banken und Anlageberater (34 Prozent) als Hauptgründe. 

Anleger bevorzugen risikoarme Geldanlagen 

Auch in dieser Studie wird ein bereits aus anderen Erhebungen gewohntes Bild des Sparens sichtbar: Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Teilnehmer legt derzeit Kapital auf Tagesgeldkonten sowie als Termin- und Festgeld an. Immerhin 52 Prozent sparen mit Aktien, 43 Prozent nutzen Fonds und 34 Prozent investieren in ETFs. Für Kretzberg überraschend ist, dass rund 18 Prozent der Befragten Kapital in Kryptowähungen anlegen, obwohl sich fast zwei Drittel (61 Prozent) der Befragten als sicherheitsbewusst beschreiben.

Ein knappes Drittel (29 Prozent) der Teilnehmer weiß zudem, was eine automatisierte Geldanlage in Form eines Robo Advisor ist. Scalable Capital (28 Prozent), Cominvest (25 Prozent), Quirion und Robin (je 14 Prozent) gehören zu den bekanntesten Anbietern. 37 Prozent der Befragten haben zumindest von diesem Service gehört, ohne sich allerdings mit den Details auszukennen. Allerdings weiß ein gutes Drittel (34 Prozent) nichts mit dem Begriff anzufangen. 

Robo-Branche zielt auf junge Kunden  

Dass man mit dem Online-Vermögensaufbau in Zukunft vor allem viele junge Kunden gewinnen wird, davon ist Quirion-CEO Martin Daut bei der virtuellen Vorstellung der Studienergebnisse überzeugt. Aktuell sind sich bereits 16 Prozent der Befragten im Alter zwischen 18 und 34 Jahren sicher, dass dieser Service etwas für ihre Geldanlage ist. 53 Prozent können es sich "vielleicht" vorstellen. Bei der Generation ab 50 Jahren sind nur neun Prozent überzeugt und 40 Prozent eingeschränkt interessiert. "Robo Advisor ist die Zukunft für die Geldanlage der Menschen, die sich nicht permanent selbst darum kümmern wollen." 

Bereits heute legen immerhin 23 Prozent aller Studienteilnehmer Teile ihres Vermögens auf diese Art an. 30 Prozent der Nutzer tun dies für bis zu zehn Prozent ihrer Geldanlagen, 29 Prozent investieren zehn bis 20 Prozent ihres verfügbaren Kapitals per Robo. Mit der Idee grundsätzlich anfreunden können sich zudem 46 Prozent der befragten Anleger. Und 13 Prozent sind sich sogar ganz sicher, künftig einen Robo Advisor zu nutzen. Dabei verknüpfen die Menschen mit einer Online-Vermögensverwaltung vor allem niedrige Kosten (69 Prozent), eine einfache Bedienbarkeit (67 Prozent) sowie Kostentransparenz und die Flexibilität, die Anlage den Lebensphasen anzupassen und jederzeit Geld einzahlen oder abheben zu können (jeweils 59 Prozent). 

25 Prozent misstrauen regelbasierten Anlageentscheidungen

Allerdings glaubt immerhin ein knappes Viertel (24 Prozent), das Geld besser selbst anlegen zu können. Und 25 Prozent trauen regelbasierten Anlageentscheidungen grundsätzlich nicht. An zu hohen Kosten stören sich 22 Prozent der Befragten und 19 Prozent fehlt der persönliche Ansprechpartner. Was Daut zufolge dennoch für Robo Advisor spreche, ist das Filialsterben in Deutschland. "Wenn jährlich zehn Prozent der Filialen vom Markt genommen werden, glaube ich nicht, dass die übrigen das Geschäft mit Vermögensanlagen vollständig auffangen können." 

Es gebe ein Potenzial von rund 20 Millionen privaten Kaptialanlegern in Deutschland. Und viele davon bräuchten eine Form der Beratung. Daher sei es eine zentrale Aufgabe, diesen Anlegern zu erklären, dass automatisierte Finanzberatung für eine langfristige Vermögensverwaltung steht. "Wir müssen den Kunden deutlich machen, dass wir nicht kurzfristig handeln. Wer traden will, ist bei einem Broker besser aufgehoben", so Daut. 

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