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09.06.2020 | Roboter | Nachricht | Onlineartikel

Andere Länder, andere Roboter

Autor:
Thomas Siebel
4 Min. Lesedauer

Die International Federation of Robotics hat die Robotikforschung verschiedener Länder untersucht. Industrie 4.0, Serviceroboter, Cobots: Trotz ähnlicher Themen setzt jedes Land eigene Schwerpunkte.

Ob in Asien, Europa oder Amerika, weltweit treiben neue Technologien wie künstliche Intelligenz, Big Data und 5G die Robotikforschung an. Trotzdem setzen die Länder unterschiedliche Schwerpunkte in ihren Forschungsprogrammen, wie die International Federation of Robotics (IFR) in ihrem neuen Bericht „World Robotics R&D Programs“ analysiert.

China will heimische Roboterhersteller und Marktanteile

Mit dem im Jahr 2015 verabschiedeten Strategieplan „Made in China 2025“ will die Volksrepublik die Fertigungskapazitäten der chinesischen Industrie modernisieren. Verschiedene flankierende Richtlinien und Entwicklungspläne betreffen dabei die Robotikindustrie. Unter anderem sollten sich bis 2020 drei bis fünf global wettbewerbsfähige Roboterhersteller in China etablieren, der heimische Markt sollte zu 45 Prozent durch Roboter aus heimischer Produktion bedient und eine Roboterdichte von 100 Einheiten je 10.000 Arbeiter sollte erreicht werden – was 2018 bereits mit 140 Einheiten übertroffen wurde. Weiterhin sollen Innovationskraft und Produktionskapazitäten unter anderem im Bereich von Schweiß-, Reinigungs-, intelligenten Industrierobotern und Cobots gesteigert werden. Laut IFR hat China im Jahr 2019 577 Millionen US-Dollar in die Entwicklung intelligenter Roboter investiert.

Japan soll weltweites Innovationszentrum werden

Die Förderung Robotikindustrie ist ein Kernelemement der 2014 verabschiedeten Strategie zur Reviatilisierung der japanische Wirtschaft, auch Abenomics genannt. Stand 2018 war Japan mit einem Anteil von 52 Prozent an den globalen Lieferungen das weltweit führende Land bei der Herstellung von Industrierobotern. 2019 hat die Regierung das Budget für die Roboterforschung auf 351 Millionen US-Dollar erhöht, um Japan künftig als weltweites Innovationszentrum für Roboter zu etablieren. Die Regierung plant dabei Fortschritte in folgenden Bereichen der Robotik: Fertigungsindustrie, Dienstleistung, Gesundheitswesen, Infrastruktur, Katastrophenschutz und Bauwesen, Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Lebensmittelindustrie.

Korea erstellt Standardmodelle für Roboteranwendungen

Im Rahmen seines 2019 veröffentlichten 3. Basisplans für intelligente Roboter will Korea die Verbreitung von Robotern in „vielvesprechenden“ Bereichen ausweiten. Um das Ziel von 700.000 verkauften Fertigungsrobotern bis 2023 zu erreichen, sollen Standardmodelle für die Verwendung von Robotern in 108 Prozessen entwickelt werden, wie sie etwa in der Grundstoff-, Textil- oder Lebensmittelindustrie typisch sind. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung von Servicerobotern, unter anderem für das Gesundheitswesen und die Logistik. Darunter fallen beispielsweise Roboterdrohnen oder Roboter für die Landwirtschaft. Zudem soll die Entwicklung von Schlüsselkomponenten wie smarten Controllern, Sensorik und intelligenten Greifern sowie von Robotersoftware gefördert werden. Das Budget für die Robotikforschung in Korea beträgt im Jahr 2020 126 Millionen US-Dollar. 2018 wies Südkorea laut IFR einen Bestand von rund 300.000 Industrierobotern aus.

EU setzt auf Digitalisierung, KI und Cobots

Die im Rahmen von Horizont 2020 finanzierten Robotikprojekte repräsentieren eine Vielzahl von Themen, von der industriellen Fertigung über den Einsatz im Handel und Gesundheitssektor bis hin zur Robotik für Transport, den Agrar- und Ernährungssektor und dem privaten Bereich. Die Europäische Kommission stellt nach Informationen des IFR während der siebenjährigen Laufzeit des Programms schätzungsweise 780 Millionen US-Dollar für Forschung und Innovation zur Verfügung. Fokus des Arbeitsprogramms für den Zeitraum 2018 bis 2020 mit einem Gesamtbudget von 173 Millionen US-Dollar sind die Digitalisierung der Industrie durch Robotik, Robotikanwendungen in  neuen Bereichen und Kerntechnologien wie KI und Wahrnehmung, kognitive Mechatronik, sozial kooperative Mensch-Roboter-Interaktion und modellbasierte Design- und Konfigurationswerkzeuge.

Deutschland investiert in Plattformen für Service-Robotik

Seit 2016 investiert die Bundesregierung mit dem Programm PAiCE über fünf Jahre 55 Millionen US-Dollar (50 Millionen Euro) in die Robotikforschung für die Industrie 4.0. Im Zentrum stehen dabei digitale Industrieplattformen und die Kooperation zwischen Unternehmen, die diese Plattformen nutzen. Die Robotik-Projekte konzentrieren sich laut IFR insbesondere auf die Schaffung von Plattformen für Servicerobotik-Lösungen in Anwendungsbereichen wie Service, Logistik und Fertigung. Deutschland ist der fünftgrößte Robotermarkt der Welt und Nummer eins in Europa, gefolgt von Italien und Frankreich. Im Jahr 2018 stieg die Zahl der verkauften Roboter um 26 % auf eine bis dato nicht erreichte Zahl von fast 27.000 Einheiten.

USA arbeitet an allgegenwärtigen Cobots

Im Rahmen der National Robotics Initiative (NRI) investiert die USA vor allem in die Grundlagenforschung, um die Vision von allgegenwärtigen kollaborativen Robotern zu verwirklichen, die Menschen in jedem Aspekt des Lebens unterstützen. Darüber hinaus wird in NRI-2.0 die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Industrie, gemeinnützigen und anderen Organisationen gefördert. Das Budget betrug im Jahr 2019 35 Millionen Dollar. Zusätzliche Mittel für die Robotik in der Verteidigung und in der Weltraumtechnik werden durch das Verteidigungsministerium und das Marsexplorationsprogramm bereitgestellt. Die Roboterinstallationen in den Vereinigten Staaten sind laut IFR im achten Jahr in Folge gestiegen und haben 2018 einen neuen Höchststand erreicht. Bei den jährlichen Installationen liegt das Land auf dem dritten Platz vor der Republik Korea.

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