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02.03.2021 | Robotik | Im Fokus | Onlineartikel

Roboter zwischen Funktion und Ethik

Autor:
Thomas Siebel
3 Min. Lesedauer

Robotik und KI spielen eine wesentliche Rolle für den Fortschritt in Wirtschaft und Gesellschaft. Ob Roboter dabei künftig dem Menschen dienen oder ob es umgekehrt sein wird, steht heute zur Diskussion.

Der Weg in unsere Zukunft ist eng verknüpft mit der voranschreitenden Robotik, und zwar in den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Schon längst ist die Robotik dem reinen Abarbeiten von Montage- oder Schweißaufgaben in der Massenproduktion entwachsen. Stattdessen gehören fahrerlose Transportsysteme und kollaborierende Roboter immer mehr zum Bild der modernen Produktion, die Industrie nähert sich dank dieser Fortschritte zunehmend der automatisierten Fertigung bis hin zur Losgröße Eins.

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Im Schatten der Industrieroboter breiten sich zudem soziale Robotertypen bis in unser Alltagsleben aus. Serviceroboter übernehmen Spezialaufgaben in der Meeresforschung, in der Raumfahrt oder im militärischen Bereich, oder sie unterstützen OP-Ärzte bei präzisen medizinischen Eingriffen, wie Ilona Straub im Kapitel Industrielle und soziale Robotertypen im Buch Zur Sozialität und Entität eines androiden Roboters erläutert. Weiterhin wägt eine alternde Gesellschaft wie die unsrige ab, inwiefern Pflegeroboter den Mangel an Altenpflegern kompensieren und einsamen Menschen als Sozialpartner dienen können.

Hoffen oder bangen vor der Robotik?

Die Fortschritte in der Robotik lassen sich dabei nicht mehr losgelöst von der künstlichen Intelligenz betrachten. Dank KI können Roboter mittlerweile nicht mehr nur automatische Entscheidungen ohne direkten menschlichen Eingriff treffen, wie Julian Nida-Rümelin und Fiorella Battaglia im Kapitel Maschinenethik und Robotik im Handbuch Maschinenethik schreiben, sondern sie dematerialisieren sind in manchen Anwendungsbereichen bereits weitgehend. So zählen letztlich auch Assistenzsysteme oder Wearables als Roboter, wenngleich sie keinerlei Ähnlichkeit mehr zum traditionellen Industrieroboter aufweisen.

Roboter befreien uns von dreckiger, eintöniger und gefährlicher Arbeit – und sie machen uns abhängig, weil sie auch dann handlungsfähig sind, wenn der Mensch an seine biologischen Grenzen kommt. Was also soll man von einer Technologie halten, die uns einerseits vor Verletzungen bewahrt und andererseits neue Verletzlichkeiten schafft? Die zugleich Hoffnungen als auch Ängste weckt? Sicher ist, dass die Verbreitung und der technische Fortschritt in der Robotik unser Arbeiten verändern wird, Arbeitsplätze werden verloren gehen und zugleich neue entstehen. So beschriebt es jedenfalls die Vereinigung europäischer Roboterhersteller und -zulieferer EUnited Robotics.

Robotik soll menschenwürdige Arbeit garantieren

Mit der "Good Work Charta" will die Robotikindustrie nun sicherstellen, dass der technische Fortschritt in der Industrie- und Servicerobotik stets am Wohl des Menschen ausgerichtet ist. Höchstes Ziel ist dabei, dass die Robotik stets ein Garant für menschenwürdige Arbeit sein soll. Roboter sollen dem Menschen assistieren – nicht umgekehrt – und ihn von unliebsamen, eintönigen Arbeiten befreien. Dadurch kann sich der Mensch sinnstiftenderen und kreativen Tätigkeiten zuwenden, die allerdings auch ein höheres Ausbildungsniveau voraussetzen. Die kontinuierliche und berufsbegleitende Weiterbildung von Arbeitern soll deswegen ebenso selbstverständlich werden wie das Heranführen von jungen Leuten an Naturwissenschaften, Technik und Mathematik.

Bereits heute lassen sich viele Roboter intuitiv programmieren. Die Industrie will die Nutzung von Robotern noch weiter vereinfachen und sie somit möglichst vielen Menschen für unterschiedliche Zwecke verfügbar machen, beispielsweise für eine die Mensch-Roboter-Kollaboration im Arbeitsumfeld oder für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle im Dienstleistungsbereich. Nicht zuletzt soll die Robotik Inklusion und Teilhabe vorantreiben, etwa indem Cobots ältere Menschen bei der Arbeit unterstützen oder indem Menschen, die von einer Lähmung betroffen sind, dank Exoskeletten Seite an Seite mit nichtgelähmten Personen arbeiten können.

Auch die weitere Automatisierung der Industrieproduktion soll sich in den Dienst des Menschen stellen: Gut umgesetzt kann die Robotik den Verbrauch von Energie und natürliche Ressourcen minimieren, so die Charta, und den sich verschärfenden Arbeitskräftemangel in den Fabriken infolge des demographischen Wandels kompensieren.

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