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Rohstoffe bleiben Europas industrielle Schwachstelle

  • 30.12.2025
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Europas Industrie ist stark von Chinas Rohstoffen abhängig. Eine Analyse von Berylls by AlixPartners zeigt, wie tief diese Abhängigkeit reicht.

Europas Autoindustrie ist stark abhängig von seltenen Erden und Batteriematerialien aus China.


Lange galt der Satz, Daten seien das neue Rohöl, als Leitmotiv der Digitalisierung. Doch inzwischen zeigt sich, dass Europas Industrie ohne Zugang zu seltenen Erden kaum funktionsfähig ist – selbst modernste Datenströme ändern daran nichts. Seltene Erden sind unverzichtbar für Elektromotoren, Magnetmaterialien, Sensoren und zentrale Komponenten der Fahrzeugindustrie. Und genau diesen Zugang kontrolliert China, nahezu wie ein Monopolist.

Die jüngsten Exportkontrollen haben bereits dazu geführt, dass einzelne europäische Unternehmen Schichten streichen oder ihre Produktion stoppen mussten. Zwar hat China seine Exportkontrollen gegenüber der EU inzwischen ausgesetzt, wie EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič bestätigte, doch bleibt unklar, wie lange diese Atempause anhält.

China nahezu Monopolist

Eine Analyse von Berylls by AlixPartners macht deutlich, wie groß die strukturelle Abhängigkeit ist. "China kontrolliert nicht nur Magnetmaterialien. Wer glaubt, die aktuelle Krise sei auf seltene Erden begrenzt, irrt – die nächste Stufe der Eskalation betrifft Lithium, Kobalt und Co.", so Alexander Timmer, Partner und Managing Director von Berylls by AlixPartners.

China hat sich über Jahre hinweg nicht nur zum wichtigsten Produzenten, sondern auch zu einem zentralen Käufer internationaler Rohstoffressourcen entwickelt und verfügt über Vorkommen im eigenen Land sowie über den Zugriff auf zahlreiche Fördergebiete weltweit. Einer Analyse des Supply Chain Intelligence Institute Austria zufolge kontrolliert China heute 91 % der weltweiten Verarbeitung seltener Erden – ein globales Nadelöhr, das Peking jederzeit als geopolitisches Druckmittel einsetzen kann.

Die Lage ist ähnlich dramatisch bei Batterierohstoffen wie Lithium, Kobalt und Graphit. "China besitzt außerdem signifikante Anteile an den Minen zum Abbau von Batterierohstoffen wie Lithium und Kobalt. Viel besorgniserregender ist die Lage jedoch in der Raffination, dem sogenannten Refining. 60 Prozent der Lithium- und 90 Prozent der Graphit-Raffination liegen in China. Europa besitzt dagegen in diesem kritischen Prozess nahezu keine Kapazitäten", erklärt Christian Grimmelt, Partner bei Berylls by AlixPartners. Selbst wenn europäische Unternehmen Rohstoffe künftig verstärkt außerhalb Chinas einkaufen wollen, bleiben sie beim Verarbeiten dieser Rohstoffe weiterhin auf chinesische Infrastruktur angewiesen. Das macht die europäische Industrie in einem ihrer zentralen Zukunftsfelder besonders verwundbar.

Europa braucht eigene Strukturen

Doch das ist noch nicht alles. China kontrolliert zunehmend auch den Zugang zu den Technologien, die für Verarbeitung, Raffination und Fertigung entscheidend sind. Gerade die Export- und Lizenzregelungen bringen chinesischen Unternehmen enorme Wettbewerbsvorteile. "Ohne eigene Maschinen- und Prozesskompetenz bleibt die europäische Industrie von China abhängig und damit verwundbar", so Mai Khoa Le, Consultant bei Berylls by AlixPartners.

Europa muss drei große Aufgaben angehen, um zumindest einen Teil der Abhängigkeiten abzubauen:

1. Eigene Kapazitäten müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgebaut werden – nicht nur im Rohstoffabbau oder in der Zellfertigung, sondern zwingend auch im Nadelöhr der Raffination.

2. Ohne verlässliche, langfristige Lieferbeziehungen zu rohstoffreichen Ländern wie Australien, Kanada oder Staaten in Südamerika geht es nicht. Gleichzeitig muss Europa eine eigenständige Recyclingindustrie entwickeln, die strategisch wichtige Materialien zurückgewinnen kann.

3. Eigene technologische Kompetenzen sind notwendig: Maschinenbau, Prozessentwicklung und Standardisierung müssen gemeinschaftlich vorangetrieben werden, um in der Batteriefertigung unabhängiger zu werden.

Die Krise rund um seltene Erden ist damit nur ein Vorgeschmack auf das, was Europa droht, wenn es nicht entschlossen handelt. Die doppelte Abhängigkeit – bei Magnetmaterialien und Batterierohstoffen – macht deutlich, dass schnelles und strukturiertes Handeln unumgänglich ist. Entscheidend wird dabei sein, das Nadelöhr der Raffination zu beseitigen, denn dort liegt heute die empfindlichste Stelle globaler Lieferketten.

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