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19.01.2022 | Rohstoffe | Im Fokus | Online-Artikel

Das sind besonders kritische Rohstoffe

verfasst von: Christiane Köllner

4 Min. Lesedauer
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Elektromobilität und Wasserstofferzeugung lassen die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen stark ansteigen. Eine Wirtschaftsstudie befürchtet für mehr als zwanzig Rohstoffe Versorgungsengpässe. 

Die Versorgungssicherheit von mehr als zwanzig wichtigen Rohstoffen, die relevant für die Elektromobilität oder die Dekarbonisierung der Wirtschaft sind, ist als besonders kritisch einzuschätzen. Das zeigt die von der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft veröffentlichte Studie Rohstoffsituation der bayerischen Wirtschaft, die vom IW Köln erstellt wurde. Zu einer unsicheren Rohstoffversorgung sollen die Konzentration auf wenige Abbauunternehmen und Abbauländer, industriepolitische Zielsetzungen einzelner Staaten oder instabile politische Verhältnisse beitragen. Hinzukämen die Corona-Krise sowie aktuelle Material- und Rohstoffengpässe, die zu massiven Preisanstiegen führten, so die Studie. 

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01.04.2020 | Entwicklung

Verfügbarkeit kritischer Rohstoffe für Elektrofahrzeuge

Batterieelektrische Fahrzeuge und Brennstoffzellenfahrzeuge benötigen Rohstoffe, die bislang kaum oder in deutlich geringerem Maß für den Automobilbau relevant waren. Im Auftrag der Landesagentur e-mobil BW wurden von Sphera der deutlich zunehmende Bedarf und die künftige Verfügbarkeit der kritischen Rohstoffe untersucht und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Deutschland und Europa sind in hohem Maße auf Importe von Primärrohstoffen angewiesen. Daher ist die sichere Versorgung der Unternehmen mit Rohstoffen zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten ein wichtiges Anliegen. Laut Studie zählen aber 22 von 45 untersuchten Rohstoffen (Metalle, Mineralien, Seltene Erden) zur Hochrisikogruppe (siehe Abb. 4 unten). Bei nahezu allen davon lägen eine Konzentration von förderwürdigen Vorkommen auf wenige Abbauländer, in der Regel zudem politisch instabile, sowie eine hohe Bedeutung für Zukunftstechnologien vor. Die Vorgängerstudie von 2020 habe bereits ein ähnliches Versorgungsrisiko aufgewiesen, allerdings gebe es bei einzelnen Rohstoffen deutliche Veränderungen. Ein Beispiel sei Neodym mit einer signifikanten höheren Risikoeinstufung aufgrund eines gestiegenen Preisrisikos. 

Kobalt hat das höchste Versorgungsrisiko

Die Nachfrage nach Batterierohstoffen wir durch die beschleunigte Marktdurchdringung von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen intensiviert. Kobalt bleibe, so die Studie, mit einem Risikowert von 19,6 Punkten wie auch in den Jahren zuvor der Rohstoff mit dem höchsten Versorgungsrisiko. "Die Weiterentwicklung von kobaltarmen oder sogar kobaltfreien Kathoden könnte den Gesamtbedarf aber deutlich reduzieren", gibt Richard Backhaus in seinem Report Batterierohstoffe – Woher und wohin? aus der ATZ 9-2021 zu bedenken. Neben Kobalt gehören auch die Batterierohstoffe Lithium (Rang 12; 17,1 Punkte) und Graphit (Rang 20; 15,4 Punkte) weiterhin zur roten Rohstoffgruppe. Die Risikobewertung dieser drei Rohstoffe habe allerdings im Vergleich zum Vorjahr etwas abgenommen, da die Märkte sich besser auf die absehbaren Nachfragesteigerungen einzustellen scheinen. 

Auch die Produktion der Elektrolyseure für die Wasserstofferzeugung werde laut Studie einen hohen Bedarf auslösen, der insbesondere bei Iridium, Platin und Nickel zu zusätzlichen Knappheiten führen kann. Rhodium (18,8 Punkte) auf Rang 5 wird wie Palladium (Rang 10; 17,5 Punkte) und Platin (Rang 13; 16,8 Punkte) unter anderem in Katalysatoren zur Abgasreinigung, in Brennstoffzellen zur Gewinnung elektrischer Energie und Elektrolyseuren zur Erzeugung von Wasserstoff eingesetzt. "Eine hohe Konzentration der Gewinnung auf wenige Unternehmen und Länder, die gleichzeitig ein erhöhtes Länderrisiko aufweisen, spiegelt sich auch in einer hohen Gefahr des strategischen Einsatzes", heißt es in der Studie. Das Versorgungsrisiko insgesamt habe sich kaum verändert. Bei Palladium sei es etwas gestiegen, bei Platin etwas gesunken, bei Rhodium konstant.

Auch Magnesium und Seltenerdmetalle im roten Bereich

Die Seltenerdmetalle Neodym (Rang 7; 18,4 Punkte), Yttrium (Rang 8; 18,4 Punkte) und Scandium (Rang 14; 16,5 Punkte) weisen eine hohe Länderkonzentration der Förderung auf, die sie auch anfällig für eine strategische Rohstoffpolitik mache. "Bei Yttrium und Scandium ist die Risikobewertung kleiner als im Vorjahr, weil die Länderrisiken und bei Yttrium das Preisrisiko etwas geringer eingeschätzt werden. Das Versorgungsrisiko bei Neodym ist vor allem wegen zunehmender Preisrisiken gestiegen", heißt es.

Auch bei Magnesium (Rang 16, 16,1 Punkte) und Eisen (Rang 19; 15,5 Punkte) sei das Rohstoffrisiko gegenüber dem Vorjahr weitergewachsen. Der wichtigste Grund seien der Studie zufolge die gestiegenen Preisrisiken vor allem in der Entwicklung des letzten Jahres. "Magnesium weist eine hohe Länderkonzentration der Förderung in China auf. Entsprechend hoch wird auch die Anfälligkeit für eine strategische Rohstoffpolitik eingeschätzt", so die Studie. 

Märkte, Wettbewerb und Recyclingkonzepte stärken

Um diese Abhängigkeit und die daraus entstehenden Risiken zu vermindern, rät die Studie zur Diversifikation der Rohstoffquellen, eine ressourcenschonende Produktgestaltung, die immer stärkere Nutzung von Sekundärrohstoffen und – wo möglich – die Entwicklung eines heimischen Rohstoffangebots.

Zudem fordert die vbw angesichts der Studienergebnisse vom Bund mehr Ambition für eine zukunftsfähige, wettbewerbstaugliche und nachhaltige Rohstoffversorgung. Dazu brauche es den Erhalt und die weitere Öffnung von internationalen Märkten sowie gleichwertige Wettbewerbsbedingungen. Unternehmen müssten bei internationalen Rohstoffprojekten unterstützt werden. vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erklärt: "Besonders wichtig ist, dass wir die Rohstoffeffizienz und -substitution durch Forschung vorantreiben. Daneben müssen wir dringend mehr Sekundärrohstoffe durch zukunftsfeste Recyclingkonzepte gewinnen. Hier versprechen wir uns viel Potenzial durch eine ganzheitliche Strategie für die Kreislaufwirtschaft, die wir von der Bundesregierung erwarten". 

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