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04.07.2024 | Rohstoffe | Im Fokus | Online-Artikel

China verschärft die Regeln für Seltene Erden

verfasst von: Christiane Köllner, dpa

3:30 Min. Lesedauer

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China will seine Seltenen Erden besser schützen. Daher hat Peking die Kontrolle über die Verwendung der begehrten Rohstoffe verschärft. Was sehen die Regeln vor? 

Chinas Regierung hat schärfere Regelungen zum Abbau und zur Verwendung von Seltenen Erden erlassen. Die Norm sieht unter anderem vor, illegalen Abbau und Weiterverarbeitung ebenso zu bestrafen wie unrechtmäßigen Export und Import. Ministerpräsident Li Qiang unterzeichnete dazu kürzlich ein entsprechendes Dekret, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte. China ist ein Hauptproduzent von Seltenen Erden, zu denen 17 Elemente gehören. Diese sind zum Beispiel für Elektromotoren in E-Fahrzeugen wichtig. Die Europäische Rohstoffallianz (ERMA) schätzt, dass bis 2030 jährlich bis zu 70.000 t Seltene Erden allein für den Bau von Elektroautos benötigt werden. 

Weiter legen die strengeren Regelungen im Umgang mit den wichtigen Rohstoffen fest, dass Seltene Erden dem Staat gehören und keine Organisation oder Einzelperson diese beanspruchen oder zerstören darf. Der Staat wiederum müsse die Ressourcen schonend abbauen und habe die Kontrolle darüber, wie viel davon abgebaut und weiterverarbeitet wird, hieß es weiter. Die Regeln treten demnach am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft.

Die Ankündigung kommt inmitten der Entscheidung der Europäischen Union (EU), vorläufige Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge zu erheben. Auch Washington hat bereits solche Maßnahmen etwa gegen Solarzellen oder E-Autos aus China verhängt. 

Abhängigkeit von China ist groß 

China förderte 2022 global betrachtet ungefähr 70 % aller Seltenen Erden und hatte damit beinahe ein Monopol. In der oft sehr umweltbelastenden Verarbeitung der wichtigen Ressourcen hielt das Land einen Anteil von 85 %. In China befinden sich mit knapp 3 Mio. t Erz, mit außerdem hohen Gehalten von 3 bis 5,4 %, einige der größten Lagerstätten für Seltenerdmetalle weltweit, so Springer-Autor Hermann Sicius im Buchkapitel Seltenerdmetalle: Lanthanoide und dritte Nebengruppe. Außerhalb Chinas liegen laut Sicius die größten Vorkommen in Grönland, Sibirien, Kanada (Provinz Québec) und in Australien (Mount Weld, ca. 1,5 Mio. t). Deutschland importierte nach Daten des Statistischen Bundesamtes von Januar bis November 2022 rund 66 % seiner Seltenen Erden aus China. 

Firmen in der Halbleiterindustrie oder Hersteller von Mobiltelefonen bis hin zu Elektroautos sind deshalb vom Handel der Metalle mit der zweitgrößten Volkswirtschaft abhängig. Im Oktober vergangenen Jahres hatte China mit Germanium, Gallium und Graphit bereits drei Arten von Seltenen Erden mit Exportbeschränkungen belegt. Bereits damals gab es Handelsspannungen mit der EU und den USA. Im Dezember 2023 folgte dann ein Exportverbot seitens China für Maschinen und Technologien zur Verarbeitung Seltener Erden. 

Um die Abhängigkeit bei der Versorgung mit Seltenen Erden zu reduzieren, wird auch an alternativen Technologien gearbeitet, so Dr. Jinhwan Jung, Vizepräsident der Hyundai Motor Company und Leiter des Entwicklungszentrums für elektrische Antriebe im MTZ-Interview "800-V-Systeme werden den Markt in Zukunft dominieren". So sei die Entwicklung von Magneten mit weniger Seltenen Erden für Elektromotoren der beste Weg, so Jung, um die Abhängigkeit zu verringern und gleichzeitig die bestehende Technologieplattform zu erhalten. Eine weitere Option sei die Entwicklung eines Antriebs, der nicht komplett auf Magnete angewiesen ist.

Riesiger Rohstofffund in Norwegen

Bislang ist in Europa noch keine Mine für Seltene Erden in Betrieb. Wie das Bergbauunternehmen Rare Earths Norway Anfang Juni bekannt gegeben hat, wurde südwestlich von Oslo im Bezirk Telemark ein gewaltiges Vorkommen an Seltenen Erden entdeckt. Der sogenannte Fen Carbonatite Complex (FCC) soll insgesamt 8,8 Millionen t wirtschaftlich abbaubarer Seltenerdoxide enthalten. Damit wäre der Fen-Karbonatit-Komplex die größte Lagerstätte von Seltenen Erden in Kontinentaleuropa. Bislang galt das Vorkommen im schwedischen Kiruna mit 1 bis 2 Millionen t als das größte in Europa. Ab 2030 könnte der Abbau in Norwegen im großen Stil beginnen.

Zwar kommen die seltensten der 17 Seltenerdelemente in der Erdkruste immer noch häufiger vor als Gold oder Platin, "doch sind größere Lagerstätten, die eine wirtschaftliche Förderung erlauben, sehr selten", so die Springer-Autoren Christopher Haas und Lukas Glöckner im Buchkapitel Wenn Magnete Konflikte anziehen: CSR-Risiko "Seltene Erden". Keines der Seltenerdmetalle komme in der Natur in reiner Form vor, "sondern immer in Gemischen weiterer seltener Erden und Erzen", heißt es von den Autoren. Zur Trennung der reinen Metalle werde das abgebaute Erz durch Behandlung mit Säuren und Laugen aufgeschlossen.

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Quelle:
CSR in Hessen

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