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23.09.2020 | Rohstoffe | Interview | Onlineartikel

“Mineralien sind die DNA feuerfester Materialien“

Autor:
Leyla Buchholz
3 Min. Lesedauer
Interviewt wurde:
Mike O’Driscoll

verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Industriemineralien und Märkte.

Mike O'Driscoll ist Direktor und Mitbegründer von IMFORMED - Industrial Mineral Forums & Research, und Spezialist für Industriemineralien und ihre Märkte. Im Gespräch mit der Interceram ging es um kritische Mineralien, ihre Lieferkette, mögliche Veränderungen der Marktsituation in der Zukunft und die Rolle des Recyclings feuerfester Materialien.

Interceram: Welches sind Ihrer Meinung nach die kritischen Rohstoffe für die europäische Feuerfest-Industrie?

Mike O'Driscoll: Feuerfeste Mineralien können als "DNA der feuerfesten Materialien" bezeichnet werden, da ohne sie Feuerfestprodukte weder hergestellt werden noch ihren gewünschten Anforderungen entsprechen könnten. Sie haben also eine direkte Auswirkung auf die Produktion von Stahl, Nichteisenmetallen, Glas, Zement, Keramik und Kalk.
Bei der Herstellung von feuerfesten Materialien werden mindestens 25 verschiedene Arten von Industriemineralien verwendet. Schätzungen zufolge werden weltweit etwa 35 Mio. Tonnen pro Jahr an feuerfesten Mineralien verbraucht, wobei Schamotte (46 %), Magnesia (26 %), Bauxit (4 %), Bauxit-Spezialtonerden (4 %), brauner Normalkorund (3 %) und Dolomit (3 %) mengenmäßig die führenden Mineralien sind. Jedes Feuerfestprodukt kann sein eigenes "kritisches" Rohmaterial haben, wie beispielsweise feuerfeste Dämmstoffe, die Perlit oder Vermiculit benötigen, wohingegen spezielle hochbeständige Komponenten aus Zirkon oder Siliziumkarbid bestehen.

Lesen Sie das vollständige Interview im Refractories Manual 2020.

Wo sind die Hauptlieferquellen für diese Materialien? Sehen Sie kurz- bis mittelfristig eine Beeinträchtigung der Importe oder Versorgungslinien?

Mit Ausnahme von Kieselerde und vielleicht zu einem gewissen Grad auch von feuerfesten Tonen, die beide meist in der Nähe der Produktionszentren gewonnen werden können, sind die Quellen für alle anderen feuerfesten Mineralien recht begrenzt. Magnesia und Tonerde sind im Verhältnis zum Rest die wahrscheinlich am häufigsten vorkommenden Mineralien. Aber auch hier sind die Bezugsquellen limitiert: hochreine Magnesia kommen aus Europa, Russland, der Türkei, Brasilien, Australien, Japan und China; Tonerden aus den USA, Europa, Indien, Japan und China.
Auffallend ist natürlich, wie stark China bei der Versorgung der Weltmärkte mit feuerfesten Mineralien präsent ist. Basierend auf den weltweiten Exporten dominiert China das weltweite Angebot an feuerfesten Mineralien bei Bauxit (fast 100 %), Magnesia (57 %), Naturgraphit (60 %), Schmelz-Aluminiumoxid (58 %), Siliziumkarbid (53 %) und liegt bei Schamotte nach der Ukraine (80 %) an zweiter Stelle (11 %).
Ein Blick auf die Diagramme der Exportmärkte für chinesische Feuerfestprodukte zeigt, dass die wichtigsten Verbrauchermärkte in den USA, Japan, Indien, Südkorea und den Niederlanden (ein Absatzkanal für europäische Verbraucher) liegen - allesamt führende Stahlerzeugerländer. Wie jeder Endverbraucher von Mineralien weiß, kann es ziemlich riskant sein (und das ist es auch!), sein gesamtes Mineralienangebot aus einer Quelle - zum Beispiel in China - zu beziehen.

Wie ist der Stand und was sind die Zukunftsaussichten für das Recycling feuerfester Materialien?

Es gibt einen Sektor, der durch die Rohstoffsituation einen Aufschwung erfahren hat, nämlich das Recycling von feuerfesten Materialien. Dieser Sektor ist zwar nicht neu, hat aber in letzter Zeit an Bedeutung und Interesse für Forschung und Entwicklung gewonnen.  Das Recycling feuerfester Materialien ist immer noch nicht so weit verbreitet und vor allem in Europa führend, gewinnt aber in China, Indien und Südkorea schnell an Bedeutung. Immer mehr Verarbeitungsunternehmen und einige wenige Feuerfest- und Stahlunternehmen in Europa widmen Investitionen und Produktionslinien der Verarbeitung von Mineralien aus Industrieabfällen - nicht nur aufgrund der Nachfrage nach alternativen Mineralquellen und zur Kostensenkung (bei der Abfallentsorgung), sondern auch aufgrund der weiter verbreiteten (und vor allem von der EU finanzierten) Bemühungen um die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft zum Schutz unserer Umwelt.
Zukünftig werden Industrieabfälle wie feuerfeste Materialien eine neue alternative "Mineralressource" bilden und sich schließlich auch als normale Lieferkettenoption für Mineralverbraucher etablieren.

Vielen Dank für das Interview.

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