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04.05.2021 | Rohstoffe | Im Fokus | Onlineartikel

Stahlnachfrage bleibt in der Pandemie stabil – dank China

Autor:
Thomas Siebel
3 Min. Lesedauer

In der Corona-Krise ist die Stahlnachfrage weltweit eingebrochen – nur nicht in China. Die zügige wirtschaftliche Erholung und staatliche Programme haben die globale Stahlindustrie vor einem Absturz bewahrt.

Die globale Stahlnachfrage ist im Jahr 2020 um gerade einmal 0,2 % geschrumpft, was angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise auf weite Teile der weltweiten Wirtschaft bemerkenswert ist. Grund dafür ist die starke und robuste Erholung der chinesischen Wirtschaft nach dem kurzen Lockdown im Februar 2020, wie die World Steel Association (Worldsteel) feststellt. Zusammen mit staatlichen Programmen zur Wirtschaftsförderung hat China seinen Stahlbedarf im letzten Jahr sogar um 9,1 % gesteigert, während die Nachfrage in allen anderen Ländern um insgesamt 10 % gesunken ist. In den USA ging die Nachfrage um 18, in der EU um 11,4 und in Japan um 16,8 % zurück.

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2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Development Trend

Since the nineteenth century, the center of the global iron and steel industry has experienced four major shifts: The UK was the first center of the global iron and steel industry; after that, the USA and Germany become the center of the global iron and steel industry at the turn of the nineteenth and twentieth centuries; the third shift was made to the Soviet Union and Japan after the World War II; at the end of the twentieth century, China successfully surpassed the other countries and became the new center of the global iron and steel industry.

2020 hat die chinesische Regierung zahlreiche neue Infrastrukturprojekte gestartet oder bestehende beschleunigt. Außerdem hat sie Kontrollen im Immobiliensektor gelockert und Steuern gesenkt, um den privaten Konsum anzukurbeln, wie der Stahlverband mitteilt. Profitiert hat die chinesische Wirtschaft zudem vom starken Export in einer Zeit, als der Rest der Welt mit den Auswirkungen der Pandemie gerungen hat. Für 2021 rechnet Worldsteel für China noch mit einer weiteren Zunahme der Stahlnachfrage von 3 %. 2022 dürften die Auswirkungen des Konjunkturprogramms nachlassen, wodurch das Nachfrageplus auf 1 % zurückgehen dürfte. Weltweit rechnet Worldsteel für 2021 mit einer wachsenden Stahlnachfrage von 5,8 %, im Jahr 2022 von 2,7 %.

Automobilbau erholt sich 2021

Auch wenn der Impffortschritt Hoffnung auf eine baldige Erholung der Weltwirtschaft weckt, könnte sich die Pandemie in einigen Bereichen auch nachhaltig auf die Stahlnachfrage auswirken. So analysiert der Stahlverband, dass der Bau von Geschäftsgebäuden und Reiseinfrastruktur zurückgehen wird, während logistikbezogene Einrichtungen infolge des zunehmenden E-Commerces für eine zunehmende Nachfrage sorgen dürften. Der Automobilbau wird sich nach Einschätzung von Worldsteel im Jahr 2021 stark erholen, während die Stahlnachfrage im Maschinenbau unter anderem durch den Trend hin zur Digitalisierung und Automation getrieben wird.

Neue Seidenstraße soll Überkapazitäten senken

Ein starker Stahlkonsum ist auch im ureigenen Interesse Chinas, schließlich produziert die chinesische Industrie nicht nur 60 % des weltweiten Stahls, sondern sie leidet auch unter erheblichen Überkapazitäten. Und die sind hausgemacht: In der großangelegten Industrialisierung seit den 1990er-Jahren spielt die Stahlindustrie eine Schlüsselrolle und entwickelte sich dynamisch. Allerdings gewährte die Regierung den Stahlherstellern erhebliche Subventionen. Damit bewahrte der Staat sie vor dem Bankrott, sorgte aber zugleich für Überkapazitäten, wie die Autoren um Zhongxin Ni im Artikel Does the belt and road initiative resolve the steel overcapacity in China? für die Zeitschrift Empirical Economics erläutern. 

Während der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 stützte die Regierung die Stahlindustrie mit weiteren 500 Milliarden Euro, wodurch sich die Überkapazitäten weiter verschärften. Mit der Neuen Seidenstraße (englisch Belt and Road Initiative) folgte der letzte Versuch der Vor-Corona-Zeit, die heimischen Stahlwerke auszulasten: Die 65 Länder entlang der Handelsroute sollen zum Bau von Kraftwerken, Bahnstrecken oder Pipelines ermuntert werden und so die Nachfrage nach Stahl aus China hochhalten.

Nach Berechnungen der Autoren entschärft die Initiative das Problem der Überkapazitäten zwar, löst es aber nicht. Deswegen schlagen sie vor, einerseits die neue Seidenstraße auf weitere Länder und Regionen auszuweiten, andererseits aber auch die heimische Stahlindustrie zu reformieren. Dabei sollte die Regierung Projekte zur weiteren Erhöhung der Stahlkapazitäten untersagen und auf höhere Standards und Qualitäten der angebotenen Stahlprodukte hinwirken.

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