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15.02.2022 | Rohstoffe | Infografik | Online-Artikel

Nachhaltigkeit in Bergbau- und Metallindustrie: Chance oder Risiko?

verfasst von: Thomas Siebel

3:30 Min. Lesedauer
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Die Bergbau- und Metallindustrie will sich als verlässlicher Partner für den Kampf gegen den Klimawandel geben. Zunächst muss sie jedoch selbst ökologisch und sozial verantwortlich produzieren.

Die klimaneutrale Industrie wächst mit ihren Rohstoffen. Elektroautos treiben die Nachfrage nach Lithium, Nickel und Kobalt, der Ausbau der erneuerbaren Energien erfordert Unmengen an Kupfer. Damit nimmt die Bergbau- und Metallindustrie eine zentrale Stellung in diesem technologischen Wandel ein. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts könnte sie neben der Rohölindustrie zum zweiten großen Schrittmacher der Weltwirtschaft werden; ihr Produktionsvolumen könnte über Wohl und Wehe des Fortschritts bei den klimafreundlichen Technologien entscheiden.

Der Industriesektor ist sich dieser Rolle bewusst und will sich als verlässlicher Partner präsentieren. Erste Initiativen deuten in diese Richtung: Bergbauunternehmen wie BHP, Anglo American oder Vale trennen sich von der Förderung fossiler Energieträger und investieren stattdessen in zukunftsträchtige Materialien wie Lithium oder Kupfer. BHP versichert Tesla eine nachhaltigere Nickellieferkette, Rio Tinto arbeitet für Apple an CO2-frei produziertem Aluminium.

Steigende Nachfrage, große Verantwortung

Doch das ist nur ein Teil der heutigen Realität: Der verheerende Bruch des Damms einer Eisenerzmine in Brasilien mit über 270 Toten, die Zerstörung einer 46.000 Jahre alten Aborigini-Stätte in Australien oder die Proteste gegen eine geplante Lithiummine in Serbien zeigen die Kehrseite der Metallgewinnung, wie sie sich heute darstellt.

Der momentan schon hohe Bedarf an etlichen Metallen wächst, und ebenso steigen die Anforderungen und Befindlichkeiten hinsichtlich eines umweltschonenden und sozial verträglichen Bergbaus. Insofern verwundert es nicht, dass die Industrie der Metallgewinnung ihre Rolle in diesem Umfeld als Chance und zugleich als Risiko sieht.

ESG-Kriterien als größtes Risiko 2022 bewertet

Zu diesem Schluss kommt die Wirtschaftskanzlei White & Case nach einer Umfrage unter 63 Entscheidungsträgern in der Bergbau- und Metallindustrie. Als größtes Risiko für ihre Industrie im Jahr 2022 sehen dabei 24 % der Teilnehmenden die gestiegene Bedeutung von ESG-Kriterien für ihr Geschäft. Anhand von ESG-Kriterien wird das Engagement von Unternehmen in den Bereichen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) bewertet. Ein gutes ESG-Rating ist mittlerweile zentral sowohl bei die Gewinnung von Investoren als auch für den Erhalt neuer Bergbaulizenzen.  

Weitere Risiken für das Jahr 2022 sehen die Befragten in nationalistischen Bestrebungen im Rohstoffhandel (18 %), in staatlichen Regulierungen zur Eindämmung des Klimawandels und aktionärsseitigem Druck (16 %), in gestörten Lieferketten und Arbeitskräftemangel (15 %), im stockenden Wirtschaftswachstum in China (11 %) sowie in hohen Energiekosten und zunehmender Inflation (9 %).

Energiewendematerial und grüne Metalle als Chance

Es steigt die Nervosität in einer Industrie, die infolge der extrem hohen Preise für Kupfer, Eisenerz oder Lithium im Jahr 2021 Rekordprofite eingefahren hat. Dennoch bieten die veränderten Rahmenbedingungen auch Chancen. Laut den Studienautoren dürften insbesondere jene Unternehmen profitieren, die sich verstärkt dem Bergbau von Materialien für die Energiewende, zum Beispiel Lithium, Nickel oder Kupfer, widmen oder die traditionelle Rohstoffe wie Stahl oder Aluminium umweltverträglicher als bislang produzieren.

Den wirksamsten Hebel zu mehr Nachhaltigkeit in der Metallgewinnung sehen 37 % der Teilnehmenden in der Reduktion der eigenen Treibhausgasemissionen in der Produktion. Die verstärkte Förderung von Energiewendematerialien sehen 31 % als effizientestes Mittel an, während der Rückzug aus dem Kohlebergbau, die Nutzung von Carbon Capture and Storage-Technologien sowie das Einsparen von Emissionen in den Abnehmerindustrien von jeweils 10 % als wirksamste Maßnahme angesehen werden.

Blaupause Batterieproduktion

Eine Blaupause für eine sozial und ökologisch verantwortlich gestaltete Materiallieferkette könnte nach Ansicht der Studienautoren die Global Battery Alliance (GBA) bieten. Die GBA adressiere Themen wie Kinderarbeit im Erzabbau ebenso wie das Batterierecycling – und sie sorge für die Einführung eines Batteriepasses, mit dem das Einhalten der ESG-Kriterien sichergestellt werde. Wenn die gesamte Branche im Geiste dieses Rahmens ihre Chancen ergreife, könne sie ihre Position als zentraler Bestandteil der Energiewende festigen, so die Autoren.

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