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Über dieses Buch

Auch über 50 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs sind ganze Landstriche noch immer durch Hinterlassenschaften der damaligen Rüstungsindustrie belastet. Selbst aus der Zeit des 1. Weltkriegs gibt es noch rüstungsbedingte Boden- und Grundwasserkontaminationen. Hinzu kommen die militärischen Altlasten der ehemals von der sowjetischen Armee beanspruchten Flächen in den neuen Bundesländern. Der Inhalt dieses Buches reicht von der Erkundung über die Probenahme bis hin zur Sanierung von Rüstungsaltlasten, wobei u.a. auch Aspekte des Qualitätsmanagements und Umwelt-Audits im militärischen Bereich angesprochen werden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Rüstungsaltlasten als Verwaltungsaufgabe

Zusammenfassung
Wie jedes Verwaltungshandeln basiert auch der behördliche Umgang mit Altlasten — dies schließt Rüstungsaltlasten ein — auf den entsprechenden rechtlichen Regelungen. Bekanntermaßen ist das Altlastenrecht Ländersache. Das schon lange angekündigte Bodenschutzgesetz des Bundes als Rahmenregelung liegt (noch) nicht vor.
Reinhard Bodack

Anforderungen an die Altlastenbearbeitung und Erfahrungen aus der Verwaltungspraxis

Zusammenfassung
Spätestens seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 hat die Problematik der Altlastenerhebung und -sanierung nochmals an Bedeutung gewonnen.
Klaus-Dieter Adelmann

Untersuchung und Beurteilung der Umweltrisiken von Rüstungsaltlasten

Zusammenfassung
Der ständige Kontakt des Menschen mit seiner Umwelt bringt zahlreiche gesundheitliche Risiken mit sich, die nicht immer nur dort auftreten, wo sie unmittelbar erwartet werden. Da die damit verknüpften Prozesse der Freisetzung und Ausbreitung von Umweltchemikalien häufig nicht unmittelbar zu erfassen sind, bedarf es im Falle eines vorliegenden Risikoverdachts und somit auch bei der Untersuchung und Beurteilung von Rüstungsaltlasten umfassender Betrachtungen im Rahmen einer Risikoanalyse. Eine solche Analyse umfaßt die Teilschritte:
  • Risikowahrnehmung zur Bestimmung der Art der Gefährdung und der relevanten Expositionspfade,
  • Risikoabschätzung mit der Expositions- und Toxizitätsabschätzung,
  • Risikocharakterisierung basierend auf den Ergebnissen der Expositionsabschätzung und Toxizitätsabschätzung sowie
  • Risikobewertung durch den Vergleich mit Risikogrenzen.
Anschließend werden im Rahmen des Risikomanagements Risikominderungsstrategien erarbeitet (Hempfling 1994).
Reinhold Hempfling, Dirk Bauer, Steffen Stubenrauch

Leitsätze der Probenahmeplanung und Datenauswertung bei kontaminierten Böden — Qualitätskriterien der statistischen Planung von Probenahme und Auswertung bei Rüstungsaltlasten

Zusammenfassung
Die Erkundung und Risikoabschätzung von Rüstungsaltlasten (und militärischen Altlasten) setzt ein adäquates Untersuchungsdesign, insbesondere eine geeignete Probenahmeplanung voraus, damit die Ergebnisse und abgeleiteten Maßnahmen auf einer zuverlässigen Datenbasis beruhen. Wegen der potentiellen Gefährlichkeit von Rüstungsaltlasten (z.B. chemischen Kampfstoffen, Sprengstoffen) sollten die Anforderungen an die Qualität der Untersuchung und Probenahme besonders hoch sein. Eine weitere Besonderheit von Rüstungsaltlasten liegt in den Unsicherheiten der vorhandenen Informationen (Vorwissen) zu Standorten, Art und Umfang von Rüstungsaltlasten, deren Entstehung zum Teil inzwischen über 50 Jahre zurückliegt. Unterlagen über Produktion und Lagerung von Kampfstoffen und deren „Beseitigung“ sind zum Teil vernichtet oder evtl. auch gefälscht worden. Das Auffinden von Zeitzeugen wird immer schwieriger und deren Angaben sind häufig aus verschiedenen Gründen ungenau oder verzerrt.
Theoder W. May, Norbert Nothbaum, Roland W. Scholz

Validierung und Felderprobung eines TNT-Schnelltests anhand von Altlastenuntersuchungen auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsanstalt

Zusammenfassung
Entsprechend einer durch die Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG) im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführten „Bestandsaufnahme von Rüstungsaltlastverdachtsstandorten in der Bundesrepublik Deutschland” [1] gibt es nach derzeitigem Erkenntnisstand 4336 Verdachtsstandorte, davon 941 mit Sprengstoffkontamination. Nur wenige dieser Standorte wurden hinsichtlich ihres Gefährdungspotentials erfaßt. Es besteht daher ein großer Nachholbedarf an geotechnischen und chemisch-analytischen Untersuchungen. Begrenzender Faktor für die Bearbeitung sind meist die fehlenden finanziellen Mittel. Durch den Einsatz von immunologischen Schnelltests zur Vorauswahl von laboranalytisch zu untersuchenden Proben lassen sich deutliche Kosteneinsparungen realisieren. Immunoassays werden schon seit einigen Jahrzehnten in der medizinischen Diagnostik zum sicheren Nachweis von Krankheiten, wie z.B. Hepatitis oder Aids, aber auch zur quantitativen Bestimmung von kleinen Molekülen, wie z.B. Schilddrüsenhormonen verwendet. Erst in den letzen Jahren werden Immunoassays zunehmend auch in der Umweltanalytik eingesetzt.
Bernd Dremel

Verfahren zur Probenahme aus TNT-verunreinigten Kanälen und deren Reinigung

Zusammenfassung
Bei der Produktion und Verarbeitung von TNT gelangten — insbesondere auf alten Produktionsstätten bzw. bei deren Zerstörung — erhebliche Mengen sprengstofftypischer Verbindungen in das umliegende Gelände und das Grundwasser.
Jürgen Martens

Dekontamination von Rüstungsaltlasten durch Bodenwäsche und Begleittechniken

Zusammenfassung
Die mögliche Umweltgefährdung durch industrielle Altlasten ist in den letzten Jahren immer stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussionen gerückt. Durch die noch immer nicht voll erfaßte Altlastenproblematik in den neuen Bundesländern behält dieses Thema seine traurige Aktualität. Die Beseitigung dieser Altlasten wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in der Bundesrepublik einen Finanzierungsaufwand von dreistelligen Milliardenbeträgen erfordern.
Jens Backsen

Vorstellung der dänischen Erfahrungen mit In-situ-Bodensanierungsverfahren

Zusammenfassung
Dieser Beitrag bezieht sich auf Auszüge aus dem Bericht „Erfahrungen mit In-situ-Abwehrmaßnahmen“, der 1995 von Hedeselskabet für das dänische Landesamt für Umweltschutz — DLfU ausgearbeitet wurde (Erfahrungen mit In-situ-Abwehr-maßnahmen. Projekte bezüglich Boden und Grundwasser vom dänischen Landesamt für Umweltschutz Nr. 7, Juli 1995; auf Dänisch mit englischer Zusammenfassung).
Torben S. Bojsen

Ist die Nordsee eine Rüstungsaltlast?

Zusammenfassung
Im Zuge der Entmilitarisierung des Deutschen Reiches sind nach dem II. Weltkrieg große Mengen an Kampfmitteln auf der Nordsee versenkt worden. Die amtlichen Seekarten weisen allein für die engere Deutsche Bucht 16 Gebiete aus, die mit „Unrein Munition“ gekennzeichnet sind. Davon liegen 8 Versenkungsgebiete in niedersächsischen Küstengewässern (Abb. 1).
Hans-Jürgen Rapsch

Möglichkeit der Erstbewertung von kontaminationsverdächtigen Flächen auf Truppenübungsplätzen

Zusammenfassung
Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit der Möglichkeit der Erstbewertung von kontaminationsverdächtigen Flächen (kv-Flächen) auf Truppenübungsplätzen. Dieses Problem stellte sich im Rahmen einer beispielhaften flächendeckenden Erfassung von kv-Flächen auf einem größeren Übungsplatzareal in Bayern.
Karl-Werner Kiefer

Erkenntnisse aus 18 Gefährdungsabschätzungen für militärische Liegenschaften der ehemaligen sowjetischen Streitkräfte (WGT)

Zusammenfassung
Als 1991 der Abzug der Westgruppe der Truppen (WGT) begann und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit das Projekt „Erfassung und Erstbewertung von Liegenschaften der Westgruppe der Truppen“ ins Leben gerufen wurde, war sich über den Zustand der baulichen Substanz und das Ausmaß der Umweltschäden auf diesen Liegenschaften niemand im Klaren. In der ehemaligen DDR waren diese Flächen i.allg. weiße Flecken auf den Landkarten und konnten bis auf Ausnahmen nicht betreten werden. Die Folge davon war, daß sich Gerüchte über Lebensweise, Zustand und ggf. Ökologie hielten, die nicht zu beweisen oder zu widerlegen waren. Im allgemeinen dachte jedermann, daß sich die Umweltsituation besonders dramatisch darstellt. Die Folge davon war wiederum, daß sich im Vorfeld des Abzuges und auch des WGT-Projektes teilweise überhöhte Befürchtungen aufgebaut haben. Im allgemeinen galten WGTL-Liegenschaften als vollständig kontaminiert, dies flächendeckend und undifferenziert und nur mit einem astronomisch hohen Geldbetrag sanierbar.
Thomas Franke

Modellhafte Sanierung von Altlasten am Beispiel des kampfstoffkontaminierten Rüstungsaltlastenstandortes Löcknitz/Mecklenburg-Vorpommern

Zusammenfassung
Die Heeresmunitionsanstalt (HMA) Löcknitz wurde von 1938–1945 in einem Waldstück in Vorpommern, nahe der heutigen polnischen Grenze im Auftrag des Heereswaffenamtes errichtet und betrieben (Abb. 1). Die HMA bestand aus zwei produktionstechnisch unterschiedlichen Betriebsbereichen. Im ca. 400 ha großen Anlagenteil I wurde konventionelle Heeresmunition gefüllt und gelagert, und im ca. 100 ha großen Anlagenteil II wurden Kampfstoffe (S-Lost, Arsinöl) gelagert und in Munition verfüllt. Die HMA wurde im April 1945 durch russische Streitkräfte eingenommen, die die Kampfstoffe vernichteten und die Anlage sprengten. Anschließend waren mehrfach Räum- und Entsorgungsdienste tätig, bevor das Gelände 1955 der NVA übergeben wurde. Während der Anlagenteil I von der NVA durch die Stationierung einer KFZ-Einheit weitergenutzt wurde, war der Anlagenteil II bis 1990 als Sperrzone ausgewiesen. Heute ist die HMA Löcknitz ein vom Wald überwuchertes Trümmergelände.
Elisabeth Görge

Sensorik zur Erfassung von ferromagnetischen und nichtferromagnetischen Metallen auf militärischen Altlasten

Zusammenfassung
Magnetometer sind weltweit mit Abstand am häufigsten im praktischen Einsatz bei der Detektion von ferromagnetischen Körpern. Die militärischen Anwender, die Räumdienste der Bundesländer als auch die Privatfirmen verwenden diese Geräte täglich. Meist werden sie als Gradiometer (Fluxgate-Gradiometer) eingesetzt, wobei die bislang übliche Suche von Hand kontinuierlich zurückgeht und der computergestützte Einsatz zunimmt.
Oskar Dietz

Reinigung sprengstoff- und schwermetallbelasteter Böden am Beispiel der Rüstungsaltlast in Hallschlag — Ergebnisse von Demonstrationsversuchen aufgrund einer europaweiten Ausschreibung

Zusammenfassung
Über die Entstehung der Rüstungsaltlast in Hallschlag (Eifel) sowie erste Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ist schon früher [1,2] berichtet worden, so daß hier zunächst nur ein kurzer Statusbericht zur Entmunitionierung gegeben wird. Anschließend werden die ersten Ergebnisse der Demonstrationsversuche zur Bodenreinigung dargelegt.
Horst Miska, Matthias Stoffel

Rüstungsaltlast Hallschlag -Teil II —Problemstellungen und Lösungsansätze zur Sicherung und Sanierung des Standorts

Zusammenfassung
Seit März 1995 begleitet und berät die Humboldt-Universität zu Berlin das Ministerium des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsvertrages zur Problematik der Rüstungsaltlast Hallschlag, wobei folgende Aufgabenstellungen zu realisieren sind.
Frank Riesbeck, Peter Koehler

Entsorgung arsenorganischer Rüstungsaltlasten durch Kombination von Pyrolyse und thermisch-katalytischer Spaltung (TKS)

Zusammenfassung
Rüstungsaltlasten auf der Basis arsenorganischer Verbindungen (AsOV) beeinträchtigen noch über 50 Jahre seit Beendigung des II. Weltkrieges in vielfacher Weise unser Umweltbefinden und stellen nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Gefahr, insbesondere hinsichtlich realer und/oder potentieller Kontaminationen des Grundwassers, dar. Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur an die während und nach dem II. Weltkrieg erfolgten Vergrabungen auf dem Truppenübungsplatz Munster und die Versenkung AsKS-enthaltender chemischer Munition in den Detlinger Teichen. Arsenorganische Rüstungsaltlasten haben ihren Ursprung in der Produktion inkl. der unsachgemäßen Beseitigung der aus ihr resultierenden Abfälle arsenorganischer Kampfstoffe (AsKS) sowie aus der damals meist sehr unqualifiziert erfolgten Vernichtung der AsKS sowohl nach dem 1. als auch nach dem II. Weltkrieg, die, dem Verständnis der damaligen Zeit entsprechend, überwiegend durch Vergrabung oder Versenkung realisiert wurde.
Walter Katzung, Hein Klare

Sanierungsuntersuchung, Durchführbarkeitsstudie und Sanierungsplanung für die Munitionsfabrik der U.S. Army in Milan

Zusammenfassung
Die Munitionsfabrik der U.S. Army in Milan (MAAP — Milan A nny A mmunition Plant) befindet sich in West-Tennessee, fünf Meilen östlich von Milan, Tennessee, und 100 Meilen nordöstlich von Memphis, Tennessee (Abb. 1). Die MAAP ist im Besitz der U.S.-Regierung und wird von der Lockheed Martin Corporation als Vertragsunternehmen betrieben. Die Munitionsfabrik wurde 1941 errichtet. Es werden dort Raketen, Zünder und Munition für Klein- und Großkaliber produziert und gelagert. Derzeit umfaßt die Anlage eine Fläche von über 9000 ha und ist weiterhin als Munitionsfabrik in Betrieb (Abb. 2).
Nora M. Okusu, Randall J. Cerar, Hans-Ulrich Kerpen

Die Rolle des amerikanischen Schadensersatzamts (U.S. Army Claims Service, Europe) bei der Umweltsanierung

Zusammenfassung
Die Abteilung für Schadensersatzansprüche im Ausland des amerikanischen Schadensersatzamts in Europa bearbeitet, prüft und erstattet alle berechtigten Schadensersatzansprüche, die gegen die U.S.-Streitkräfte in Deutschland geltend gemacht werden. Diese Aufgabe wird gemäß den Bestimmungen von Artikel VIII des NATO-Truppenstatuts wahrgenommen. In Artikel VIII werden sowohl Ansprüche des Aufnahmestaates, wie z.B. die der Bundesrepublik Deutschland, als auch Schadensersatzansprüche Dritter gegen den Entsendestaat, wie die Vereinigten Staaten, behandelt. Das NATO-Truppenstatut ermöglicht ebenfalls eine Abwicklung dieser Schadensersatzansprüche durch den Aufnahmestaat für den Entsendestaat. In Deutschland wird diese Aufgabe von den jeweiligen Ämtern für Verteidigungslasten wahrgenommen.
Jody M. Prescott

Total Quality Management und Umweltaudits im militärischen Bereich

Zusammenfassung
Der folgende Beitrag stellt die weiteren praktischen Erfahrungen mit „Umweltauditing“ und „Total Quality Management“ mit Schwerpunkt im Bereich kontaminierte Standorte und Altlasten auf von der U.S.-Luftwaffe genutzten Liegenschaften vor und fügt sich nahtlos an einen vom Autor vor zwei Jahren gehaltenen Vortrag im Umweltinstitut Offenbach an.
Willi Ningelgen

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