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Über dieses Buch

​Die Entwicklungspfade von San Diego sind beeinflusst von der sozialen, kulturellen und ökonomischen Verschiedenheit der beiden Räume San Diego und Tijuana. Diese Verschiedenheit hat sich heute zu einer Ressource für Hybridisierungen entwickelt. Hybriditätsforschungen betrachten Kultur als Prozess, in dem sich Eigenes und Fremdes gegenseitig beeinflussen und bedingen. Mittels qualitativer Methoden werden die Biographien der hybriden Grenzmetropole nachvollzogen und die soziale Konstruktion von (Grenz-)Raum aus einer neuen Perspektive beleuchtet.​ Ergänzt wird diese Perspektive durch eine Analyse medialer Präsenz von San Diego und Tijuana.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Die Geschichte von San Diego ist – abgesehen von dem vorkolonialen Erbe – gekennzeichnet von spanischen, mexikanischen und US-amerikanischen Einflüssen, die voneinander abgegrenzt und ignoriert, in ihrer Verschiedenheit konstruiert und problematisiert, zuletzt aber auch toleriert und als Hybridisierung akzeptiert oder auch als Bereicherung verstanden werden. Die Biographie San Diegos lässt sich somit auch als eine Geschichte der Diversifizierung und der Auseinandersetzung mit dieser Diversifizierung lesen. Diese Einflüsse auf das, was als ‚San Diego‘ bekannt ist, haben dabei zahlreiche materielle Manifestationen erzeugt, deren symbolische Konnotationen sowohl zeitlich wie auch sozial und kulturell unterschiedlich erfolgen. Die Lage San Diegos unmittelbar an der Grenze der Vereinigten Staaten zu Mexiko hat neben kulturellen und sozialen auch ökonomische Spezifika hervorgebracht, die ebenfalls in einer besonders intensiven Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Identitäten münden. Ein wesentliches Merkmal der in San Diego zu beobachtenden Hybridisierungen liegt – Dear und Burridge (2005) zufolge – in ihrer Entstehung in informellen und spontanen Praktiken, jenseits von Planung, offizieller Steuerung oder Autorisierung. Dabei haben sich neuartige Handlungs- und Gefühlsräume konstituiert, deren Logiken die modernen Konzepte nationalstaatlicher Containerräume zumindest ergänzen.
Olaf Kühne, Antje Schönwald

2. Theoretische Zugänge: Landschaft, Biographische Methode, Postmoderne, Hybridität und Raumpastiche

Zusammenfassung
Der Begriff der Landschaft ist – so Hard (1969) – mit einem großen ‚semantischen Hof‘ versehen. Dieser reicht – im deutschen Sprachraum – von Natürlichkeit über Ländlichkeit, heimatlichen Konnotationen und einem ästhetischen Zugang bis hin zu einer erwarteten Anordnung von ebenso erwartbaren Objekten. Doch unterliegen räumliche Zusammenschauen, die im deutschen Sprachraum als ‚Landschaft‘ bezeichnet werden, differenzierten sozialen und insbesondere kulturellen Einflüssen. Selbst das angelsächsische landscape verfügt über einen ‚semantischen Hof‘, der andere Schwerpunkte aufweist, als das deutsche ‚Landschaft‘ (z. B. Drexler 2010, 2013). Im Zuge des internationalen wissenschaftlichen Austausches wurde das Wort zu einem Terminus Technicus, der teilweise nur lose mit lebensweltlichen, ästhetisierten räumlichen Konstrukten gekoppelt war. Gerade im Kontext einer Forschung, die sich mit der lebensweltlichen Konstruktion, aber auch der fachlichen Konstruktion von Landschaft im interkulturellen Kontext, befasst, wie Forscherin und Forscher mit deutschsprachiger Landschaftssozialisation im Kontext US-amerikanischer Landschaftsvorstellungen, erscheint eine kurze Reflexion der jeweiligen Landschaftskonzepte für die Nachvollziehbarkeit sowohl physisch-räumlicher Entwicklungen wie auch (vielfach normativer) Vorstellungen von Landschaft wesentlich.
Olaf Kühne, Antje Schönwald

3. Allgemeine Einflüsse: Aspekte der die Biographie San Diegos beeinflussenden räumlichen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten

Zusammenfassung
Bevor die Landschaftsbiographien von San Diego einer genaueren Betrachtung unterzogen werden, sollen im Folgenden allgemeine Einflüsse der Entwicklung von gesellschaftlicher Landschaft, physischem Raum und der daraus resultierenden Schnittmenge der angeeigneten physischen Landschaft in den Vereinigten Staaten untersucht werden. Vor dem Hintergrund dieser allgemeinen Entwicklungsprozesse lassen sich deren Einflüsse auf San Diego, aber auch die davon abweichenden Entwicklungen in San Diego – quasi als dialektischer Prozess von Verallgemeinerung und Besonderung – einer umfassenderen Betrachtung unterziehen.
Olaf Kühne, Antje Schönwald

4. Wesentliche Stationen der biographischen Entwicklungen von San Diego

Zusammenfassung
Die im Folgenden dargestellten biographischen Entwicklungen von San Diego sind geprägt von dem Wechsel langer Zeiten der Stagnation, Zeiten explosionsartigen Wachstums und Zeiten raschen Niedergangs, von starken individualbiographischen Einflüssen, von Inszenierungen, zuletzt von deutlichen Postmodernisierungstendenzen. Larry Ford (2005) beschreibt die Entwicklung von San Diego und dessen Image als Ergebnis von sieben thematischen Feldern
Olaf Kühne, Antje Schönwald

5. Die mediale Erzeugung gesellschaftlicher Landschaft: San Diego im Film und in Internetvideos

Zusammenfassung
Die soziale Bedeutung medialer Befassung mit Welt hat in den vergangenen Jahrzehnten mit der Verbreitung erst von Radio, dann von Fernsehen und nun von Internet, insbesondere im Kontext der Entwicklung von Web 2.0, eine exorbitante Steigerung erfahren. Dabei lässt sich mit Faulstich (2002, S. 26) unter ‚Medium‘ ein „institutionalisiertes System um einen organisierten Kommunikationskanal von spezifischem Leistungsvermögen mit gesellschaftlicher Dominanz“ verstehen. Das mediale Leistungsvermögen hat sich mit dem Aufkommen des Web 2.0 um ein vielfaches vergrößert: Mit ihm wurde „zum historisch ersten Mal eine massenhafte Nutzung gemeinschaftlich geteilter, interaktiver Medien nicht nur möglich, sondern wirklich“.
Olaf Kühne, Antje Schönwald

6. Chicano-Park: Biographie und Symbolik eines besonderen Ortes hybrider Kultur

Zusammenfassung
Unter einem Chicano oder einer Chicana wird zumeist eine US-amerikanische Person mexikanischer Herkunft verstanden, die ihre mexikanischen Wurzeln betont (Sierra Macarrón 2003; mehr zur Interpretation dessen, was einen Chicano/eine Chicana ausmacht, Abschn. 7.4.11). Chicanos sehen sich gewöhnlich nicht als mexikanische Immigranten in den USA, sondern als Menschen, die schon immer dort gelebt haben, die US-Amerikaner hingegen werden als „foreign Europeans“ bezeichnet, die „das Land zu Unrecht in Besitz genommen haben“. In der Mexikanisierung der USA wird deshalb auch eine Art friedliche „reconquista“, also eine Rückeroberung ehemals mexikanischer Gebiete, erkannt. In den 1960er-Jahren entstand die Bewegung ‚Movimiento Chicano‘, die für die Rechte der mexikanisch-stämmigen US-Amerikaner eintrat.
Olaf Kühne, Antje Schönwald

7. Hybride Biographien in der Biographie des hybriden San Diego

Zusammenfassung
Die Auswertung eines biographischen Interviews unterscheidet sich deutlich von der Auswertung anderer qualitativer Interviews. So wird beispielsweise anders als bei der qualitativen Inhaltsanalyse leitfadengestützter Interviews kein Sortieren und Kategorisieren nach Themen vorgenommen, weil der Aufbau der Erzählung sonst nicht mehr nachvollziehbar wäre. Auch wenn in der Biographieforschung die Gesamtheit der Erzählung mit ihren Zusammenhängen analysiert wird, folgt die Auswertung zunächst dem „Prinzip der Sequenzialität“, das heißt, der erste Schritt der Auswertung – nach der Transkription des Interviews – ist die „Formale Textanalyse“, die den Text in die einzelnen Geschichten segmentiert, im Anschluss folgt eine „strukturelle Beschreibung“ der einzelnen Segmente, diese wiederum werden im dritten Schritt, der „analytischen Abstraktion“ zusammengeführt, und dadurch „die Lebensgeschichte in ihrer Gesamtgestalt und sequentiellen Ordnung von Prozessabläufen erfasst“.
Olaf Kühne, Antje Schönwald

8. San Diego – Biographien der Hybridität und der Pastiches

Zusammenfassung
Die Biographien von Landschaften lassen sich – vergleichbar den Biographien von Personen – als Herausbilden spezifischer Entwicklungspfade beschreiben, in denen eigenbürtige Entwicklungen durch fremdbürtige Entwicklungen beeinflusst, geprägt, bisweilen nahezu determiniert sind. Diese Biographien von Landschaften sind jedoch nicht nur durch die Auseinandersetzung von lokalen Eigenlogiken, mit regionalen, überregionalen bis globalen Vorgängen in Politik, Wirtschaft, sozialer Gemeinschaft und Kultur verbunden, sondern auch mit gesellschaftslandschaftlichen Vorstellungen, die wiederum mit den lokalen bis globalen Entwicklungen in rekursivem Verhältnis stehen. Entwicklungen in anderen Teilen der Welt werden beobachtet, kategorisiert, gesellschaftslandschaftlich gewertet und so einer landschaftlichen Strategiebildung unterzogen.
Olaf Kühne, Antje Schönwald

Backmatter

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