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Über dieses Buch

Wie vielfältige gesellschaftliche Kontexte in Deutschland zeigen, kommt es zunehmend zu Protesten, mit denen Politik, Planung, Verbände und Unternehmen umgehen müssen. In diesem Buch werden erstmalig Konflikte um die Gewinnung mineralischer Rohstoffe untersucht. Dazu werden verschiedene Analysebestandteile vor dem Hintergrund der Konflikttheorie Ralf Dahrendorfs ausgewertet und es wird danach gefragt, welche Regelungen denkbar erscheinen.
Der InhaltTheoretische Grundlagen: Konstruktivistische Zugänge zugunsten einer Konfliktanalyse in Anschluss an Ralf Dahrendorf • Multiperspektivischer Zugang: quantitativ und qualitativ ausgerichtete Analysebausteine • Analyse: Sich verfestigende Konfliktlinien neben Chancen im Zuge des Abbaus • Konflikttheoretische und -praktische Einordnung: Von der Herauskristallisierung einer konfligierenden Ausgangslage bis hin zu Ansätzen einer Konfliktregelung • Fazit: Konfliktregelungen als multidimensionale Herausforderungen
Die AutorenDr. Florian Weber ist Akademischer Rat am Lehrstuhl für Stadt- und Regionalentwicklung (Forschungsbereich Geographie) der Eberhard Karls Universität Tübingen.
Dr. Dr. Olaf Kühne ist Professor für Stadt- und Regionalentwicklung (Forschungsbereich Geographie) an der Universität Tübingen.
Corinna Jenal forscht und lehrt als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Stadt- und Regionalentwicklung (Forschungsbereich Geographie) der Universität Tübingen.
Dr. Erik Aschenbrand ist seit 2018 Geschäftsführer des Naturparks Reinhardswald (Hessen) und war zuvor an der Universität Tübingen tätig.
Ante Artuković arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Stadt- und Regionalentwicklung (Forschungsbereich Geographie) der Universität Tübingen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung: Sand im Getriebe? Konflikte um die Gewinnung mineralischer Rohstoffe als komplexe Herausforderungen

Kies, Sand, Quarz und Naturstein bilden als mineralische Rohstoffe eine wesentliche Grundlage moderner menschlicher Existenz, ohne die kaum Behausungen oder Verkehrswege zu Lande bestünden und auch jenseits von Hoch- und Tiefbau sind sie in den Industriezweigen Glas, Pharma, Papier und Metall präsent. Jährlich werden in Deutschland rund 500 Millionen Tonnen Gesteinskörnungen abgebaut und verarbeitet (vgl. MIRO 2018, o. S.). Die Gewinnung mineralischer Rohstoffe im Tagebau bleibt allerdings nicht ohne Nebenfolgen.

Florian Weber, Olaf Kühne, Corinna Jenal, Erik Aschenbrand, Ante Artuković

Kapitel 2. Theoretische Grundlagen: Konstruktivistische Zugänge zugunsten einer Konfliktanalyse

Grundlage unserer Annäherung an die Thematik der Gewinnung mineralischer Rohstoffe bilden konstruktivistische Perspektiven, die davon ausgehen, dass ‚Wirklichkeit‘ nicht einfach ‚besteht‘, sondern in sozialer Interaktion hergestellt wird. Zur Einordnung geschieht eine Einführung in das sozialkonstruktivistische Forschungsverständnis (Kapitel 2.1), gefolgt von radikalkonstruktivistisch-systemtheoretischen Überlegungen zu spezifischen Logiken gesellschaftlicher Teilsysteme (Kapitel 2.2), bevor zentrale Aspekte sozialkonstruktivistischer Landschaftsforschung erläutert werden (Kapitel 2.3). Die Konflikttheorie Dahrendorfs wird (in adaptierter Form) eingeführt (Kapitel 2.4), bevor unter den Schlagworten ‚Governance‘ und ‚Bürgerproteste‘ auf die Bedeutung veränderter Steuerungsmechanismen für aktuelle Aushandlungsprozesse Bezug genommen wird (Kapitel 2.5) und in einer Synthese zentrale Aspekte des konzeptionellen Zugriffs zusammengefasst werden (Kapitel 2.6).

Florian Weber, Olaf Kühne, Corinna Jenal, Erik Aschenbrand, Ante Artuković

Kapitel 3. Methodik: Analysebestandteile sowie quantitativ und qualitativ orientiertes Vorgehen

Nachdem die theoretischen Überlegungen zur Konstruiertheit ‚sozialer Wirklichkeiten‘, zu gesellschaftlichen Teilsystemen, zu Konflikten und Ansätzen einer Konfliktregelung nach Dahrendorf im Kontext veränderter Governance dargelegt wurden (Kapitel 2), wird nachfolgend das Vorgehen zugunsten der Analyse und Einordnung von Aushandlungsprozessen um die Rohstoffgewinnung in Deutschland beleuchtet. Um Argumente der Befürwortung und der Gegnerschaft, Einflussfaktoren auf Rohstoff konflikte sowie mögliche Vorschläge und Ansätze zur Konfliktregelung auszudifferenzieren, wurde auf eine Triangulation aus quantitativen und qualitativen Analysebestandteilen gesetzt. Die Methodenauswahl zur Auswertung war dabei stets vom jeweiligen Erkenntnisinteresse der einzelnen Untersuchungsbausteine abhängig (dazu bspw. Baur und Blasius 2014; Flick et al. 2007; Mattissek et al. 2013).

Florian Weber, Olaf Kühne, Corinna Jenal, Erik Aschenbrand, Ante Artuković

Kapitel 4. Auswertung bestehender Veröffentlichungen und Medienanalyse zur Gewinnung mineralischer Rohstoffe: Sich verfestigende Konfliktlinien neben Chancen im Zuge des Abbaus

Die Gewinnung mineralischer Rohstoffe in Deutschland generiert, wie einführend angerissen wurde (Kapitel 1), Grundstoffe für vielfältige Einsatzbereiche – für Gebäude, den Straßenbau, Kosmetik oder Mikrochips von Smartphones, um nur einige zu nennen. Sie weist wirtschafts- und gesellschaftsbezogene Relevanz auf, allerdings geht damit nicht einher, dass der Rohstoffabbau überall konfliktfrei verlaufen würde – ganz im Gegenteil. Um entsprechende ‚Rohstoff konflikte‘ nun einer eingehenden Analyse zu unterziehen, rückt zunächst als gewisser einführender ‚State of the Art‘ in den Fokus der Annäherung, welche Berücksichtigung diese in bisherigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen erhielten und welche Schlussfolgerungen Autor( inn)en für Fragen eines Umganges ableiteten.

Florian Weber, Olaf Kühne, Corinna Jenal, Erik Aschenbrand, Ante Artuković

Kapitel 5. Quantitative Befragung von Haushalten und Bürgerinitiativen: Divergierende Einschätzungen und Bewertungen

Im Folgenden werden die Ergebnisse der quantitativen Haushaltsbefragung und der quantitativen Befragung von Bürgerinitiativen (zur Methodik siehe Kapitel 3.1.2) dargestellt. Die Erhebungen zielen darauf ab, Einstellungen der Befragten zu verschiedenen Aspekten der Rohstoffgewinnung wie Rohstoff bedarf, Folgenutzung und Auswirkungen auf die physischen Grundlagen von ‚Landschaft‘ zu erfassen. Nach der Analyse der Haushaltsbefragung (Kapitel 5.1) werden die Ergebnisse der Befragung von Bürgerinitiativen (Kapitel 5.2) dargestellt und schließlich einander gegenübergestellt (Kapitel 5.3).

Florian Weber, Olaf Kühne, Corinna Jenal, Erik Aschenbrand, Ante Artuković

Kapitel 6. Qualitative Interviews: Bürgerinitiativen als Hauptgegner der Rohstoffgewinnung bei vielfältigen Konfliktinvolvierten

Die Frage der Konflikthaftigkeit der Rohstoffgewinnung wird im Folgenden im Hinblick auf unterschiedliche gesellschaftliche Teilsysteme untersucht. In 59 leitfadengestützten Interviews wurden die Perspektiven, Einstellungen, Argumente und Positionierungen von Unternehmen der Gesteinsindustrie, Bürgerinitiativen gegen den Abbau von Rohstoffen, Anwohner(inne)n, Naturschützer(inne)n, Politiker(inne) n und Planer(inne)n erhoben (vgl. Kapitel 3.1.3). Zunächst werden Sichtweisen von Unternehmensvertreter(inne)n dargestellt (Kapitel 6.1), um zu beleuchten, welche Themenfelder diese als besonders wichtig in ihrem Arbeitsalltag einschätzen.

Florian Weber, Olaf Kühne, Corinna Jenal, Erik Aschenbrand, Ante Artuković

Kapitel 7. Konflikttheoretische Einordnung: Von der Herauskristallisierung einer konfligierenden Ausgangslage bis hin zu Ansätzen einer Konfliktregelung

In den bisherigen Ausführungen wurde mit konstruktivistischem Forschungshintergrund in einer adaptierten Theorie-Triangulation (dazu die Herleitung in der Einleitung sowie zu Beginn von Kapitel 2) herausgearbeitet, wie stark bereits Aushandlungsprozesse um die Rohstoffgewinnung in unterschiedlichen Veröffentlichungen Berücksichtigung fanden, welche Konfliktparteien das Feld auffächern, mit welchen zentralen Argumenten Befürwortungs- und Gegnerschaftsseite agieren und welche Hinweise sich insbesondere auf der Grundlage geführter Interviews im Hinblick auf den Umgang mit Konflikten ergeben. Theoretisch-konzeptionelle und gleichzeitig praxisorientierte Rahmungen wurden bereits in Anschluss an die Konflikttheorie Ralf Dahrendorfs vorgenommen, wobei noch keine strukturierte Analyse erfolgte. Wie sich Rohstoff konflikte aus konflikttheoretischer Perspektive einordnen und systematisieren lassen, wird nachfolgend in den Fokus gerückt.

Florian Weber, Olaf Kühne, Corinna Jenal, Erik Aschenbrand, Ante Artuković

Kapitel 8. Von der Konflikttheorie zur Konfliktpraxis: Potenzielle Handlungsoptionen vor dem Hintergrund der analytischen Betrachtung

Die Analyse des ‚State of the Art‘ und verschiedener Medien (Kapitel 4), die Auswertung der Umfragen von Haushalten und Bürgerinitiativen in Deutschland (Kapitel 5) sowie die Systematisierung von Akteur(inn)en nach verschiedenen gesellschaftlichen Teilsystemen (Kapitel 6) hat die Vielfalt von Perspektiven, Positionen und Zielsetzungen im Rohstoff kontext verdeutlicht. Gegner(innen) des Rohstoffabbaus betrachten die Aktivitäten der Gesteinsindustrie unter anderem als ‚Zerstörung des Lebensumfeldes‘ und als ‚Verschandelung von Landschaft und Heimat‘. Sie sehen einen Eingriff in ‚die Natur‘, der aus ihrer Perspektive mit negativen Folgen verbunden ist.

Florian Weber, Olaf Kühne, Corinna Jenal, Erik Aschenbrand, Ante Artuković

Kapitel 9. Fazit: Konfliktregelungen als multidimensionale Herausforderungen

In der sozialwissenschaftlichen Raum- und Landschaftsforschung wurden die Konflikte um die Gewinnung mineralischer Rohstoffe bislang eher marginal behandelt, anders als die sich aus der ‚Energiewende‘ in Deutschland und anderen Staaten ergebenden Konflikte, die neben einem sehr hohen politischen, wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen auch wissenschaftlichen Stellenwert erlangt haben. Im Kontext der ‚Energiewende‘ ist eine Vielzahl an Veröffentlichungen entstanden, von denen sozialwissenschaftlich und theoretisch ausgerichtete immer umfänglicher ausfallen (bspw. Gailing und Leibenath 2013; Holstenkamp und Radtke 2018; Klagge und Arbach 2013; Kühne 2011a, 2013a; Kühne und Weber 2018a). Auch im Kontext anderer Veränderungen von als ‚Landschaft‘ verstandenen physischen Räumen sind Konfliktkonstellationen entstanden, die ‚eskalieren‘ und die einen genaueren sozialwissenschaftlich- geographischen ‚Blick‘ verdienen, wie die vorliegende Studie zur Gewinnung mineralischer Rohstoffe zeigt.

Florian Weber, Olaf Kühne, Corinna Jenal, Erik Aschenbrand, Ante Artuković

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