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28.02.2020 | Sanierung | Im Fokus | Onlineartikel

Industrielle Modernisierung eines Wohngebäudes

Autor:
Christoph Berger
2:30 Min. Lesedauer

Im Rahmen eines Pilotprojekts saniert ein Dienstleistungsunternehmen für die Bereiche Wohnen, Bauen und Entwickeln zusammen mit einem Start-up ein Nachkriegs-Wohngebäude klimaneutral mit industriell vorgefertigten Modulen.

Bei dem renovierungsbedürftigen Nachkriegs-Wohngebäude handelt es sich um drei Bestandsgebäude der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte, Wohnstadt (NHW) in Rüdesheim, die in den 1930er- und 1970er-Jahren erbaut wurden. Durch eine Vollmodernisierung sollen sie auf den Net-Zero-Standard gebracht werden. Das bedeutet, dass die Wohnobjekte ihren kompletten Energieverbrauch selbst erzeugen. Ein Beispiel dazu liefert das Kapitel "Transitioning to Net Zero Energy Homes—Learnings from the CRC’s High-Performance Housing Living Laboratories" im Springer-Fachbuch "Decarbonising the Built Environment".

Empfehlung der Redaktion

2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Transitioning to Net Zero Energy Homes—Learnings from the CRC’s High-Performance Housing Living Laboratories

As Australia works towards meeting its international commitment of net zero emissions by 2050, the residential housing sector represents an important opportunity to target energy efficiency gains and apply renewable energy technologies. A …

In Rüdesheim soll die für Heizung, Warmwasser und Strom für Haushaltsgeräte benötigte Energie mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern erzeugt werden. Die Frankfurter Unternehmensgruppe arbeitet dazu mit dem Start-up Ecoworks zusammen, einem auf Net Zero-Modernisierungen spezialisierten Unternehmen, das nach Eigenaussage zur Erreichung dieser Ziele auf industrielle Vorfertigung, modulare Bauweise und hocheffiziente Energiesysteme setzt.

Erheblicher Modernisierungsbedarf

Bei der Modernisierung der Bestandsbauten wird in all diesen Bereichen Wissen benötigt, denn laut NHW besteht bei dem Ensemble erheblicher Modernisierungsbedarf, auch die haustechnischen Anlagen sollen erneuert werden. Derzeit liegt der CO2-Ausstoß der Gebäude bei etwa 110 Tonnen pro Jahr. Im Kapitel "Sanieren im Bestand oder Neubau – Pro & Kontra" des Springer-Fachbuchs "Vor- und Nachteile von Neubau oder Sanierung im Bestand" werden anhand von zwei Tabellen die Vor- und Nachteile aufgelistet, die sowohl durch eine Sanierung als auch einen Neubau ergeben. Im Springer-Fachbuch "Bausanierung" befasst sich Dr. Michael Stahr mit "Ökologisches Sanieren".

Um die Zeit der Baumaßnahmen möglichst gering zu halten, wurde durch den Einsatz von 3D-Scannern bereits ein digitales Aufmaß genommen. Anhand der Daten werden nun maßgeschneiderte Fassadenmodule und Dachelemente in einer Fabrik vorgefertigt. Dabei werden in die Bauteile Fenster, eine Mineralfaserdämmung und die notwendigen Einbauten für die Haustechnik bereits integriert. Im Sommer 2020 werden die Module dann an die jetzige Fassade gesetzt. Die Kellerdecken erhalten eine neue Dämmung. In den Wohnungen werden Flure, Küchen, Bäder inklusive Wand- und Bodenfliesen modernisiert sowie die Elektroleitungen ausgetauscht. Zudem erhalten alle Wohneinheiten Balkone.

Finanzierung nach Energiesprong-Prinzip

Was die Gebäudetechnik betrifft, so wird nach der Modernisierung eine zentrale Heizanlage mit Wärmepumpe die drei Gebäude mit Wärme und heißem Wasser versorgen – erläutert wird die Technik im Kapitel "Wärmepumpen" des Springer-Fachbuchs "Energieautarke Gebäude". Knapp zusammengefasst: "Eine Wärmepumpe wandelt thermische Energie aus einem Reservoir mit niedriger Energie unter Aufwendung von technischer Arbeit in Nutzwärme mit höherer Energie um."
Jedes der drei Gebäude erhält zudem eine Photovoltaikanlage sowie einen Stromspeicher. Die gesamte Anlagentechnik wird in einem gesonderten Energiemodul außerhalb der Häuser untergebracht.

Die Kosten für die Modernisierungsarbeiten werden mit 2,9 Millionen Euro veranschlagt. Finanziert wird auf Grundlage des Energiesprong Volume Deals, der im November 2019 beim Energiewende-Kongress der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) in Berlin bekanntgegeben wurde. Dieser beinhaltet eine gemeinsame Absichtserklärung von Wohnungswirtschaft und Bauwirtschaft zur Marktentwicklung serieller Sanierungslösungen in Deutschland. Beschrieben wird das Prinzip im Kapitel "Niederländischer 'Energiesprong'" des Springer-Fachbuchs "Emissionsfreie Gebäude".

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

Ökologisches Sanieren

Quelle:
Bausanierung

2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Wärmepumpen

Quelle:
Energieautarke Gebäude

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Niederländischer „Energiesprong“

Quelle:
Emissionsfreie Gebäude

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