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27.06.2017 | Schadstoffe | Im Fokus | Onlineartikel

Schwamm gegen Ölverschmutzung ausgezeichnet

Autor:
Julia Ehl

Der deutsche Chemiker Günter Hufschmid wurde im Bereich Umwelt/Umweltschutz mit dem Europäischen Erfinderpreis 2017 ausgezeichnet. Prämiert wird seine Erfindung zur Beseitigung von Öl und Chemikalien.

Havarierte Öltanker oder brennende Bohrplattformen sind verheerende Unfälle, die zu erheblichen Umweltverschmutzungen durch Öl führen. Auch kleinere Unfälle erfordern häufig das Auffangen von Öl und Chemikalien. Einem Zufall ist die Erfindung eines Stoffes zu verdanken, der durch seine hohe Adsorptionsfähigkeit erhebliche Mengen an Öl aufnehmen kann, wie ein Schwamm ausgewrungen und dann weiter verwendet werden kann. Der Unfall auf der Deepwater Horizon Ölplattform lieferte die passende Inspiration.

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2012 | OriginalPaper | Buchkapitel

„Deepwater Horizon“: eine Ölkatastrophe als Zeugnis technischer Ohnmacht

Am 20. April 2010 begann mit einer Explosion auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko eine der größten Umweltkatastrophen der Neuzeit. Mehr als 780 Mio. l Öl strömten aus geborstenen Förderrohren ins Meer und verseuchten weite Teile des Meeres und der US-amerikanischen Golfküste. 

Wenige Wochen nach dem verheerenden Unfall auf der Ölplattform ließ ein Mitarbeiter der Firma Deurex eine Maschine über Nacht mit falschen Einstellungen laufen. Am nächsten Morgen war der Fabrikhallenboden mit einer weißen, watteähnlichen Substanz bedeckt. Als ausgebildeter Chemiker suchte der nun durch den Erfinderpreis ausgezeichnete Eigentümer Günter Hufschmid eine Verwendungsmöglichkeit für das Zufallsprodukt. Da zu diesem Zeitpunkt nach wie vor Öl den Golf von Mexiko verseuchte, prüfte Hufschmid, ob die zufällig gewonnene Wachswatte zur Aufnahme von Öl geeignet sei. Die Adsorption des Öls in dem synthetischen Wachs war mit 6,5 Liter pro Kilogramm außergewöhnlich gut.

Wiederverwendung und geringe Abfallmenge

Das gute Adsorptionsverhältnis führt zu einer verhältnismäßig geringen Abfallmenge. Auch die Produktion ist vergleichsweise ökonomisch. Normalerweise müssen Ölbindemittel nach der Verwendung entsorgt werden. Der neue Stoff kann nach der Aufnahme der hydrophoben Flüssigkeiten wie ein Schwamm ausgewrungen werden und ist dann wieder einsatzfähig. Als Produktbezeichnung wurde „Pure“ gewählt, Mitarbeiter nennen das saugfähige synthetische Wachs auch gerne "Zauberwatte".

Einsatztauglichkeit bereits bewiesen

Die Zauberwatte hat ihre Wirksamkeit bereits mehrfach auch in der Praxis unter Beweis gestellt. Beispielsweise wurden beim Hochwasser 2013 in Süddeutschland etliche LKW-Ladungen von Feuerwehren beim Aufsaugen von Öl verwendet, das bei Hochwasser in die Keller gelaufen war. Auch bei der Reinigung des stark verschmutzten Niger-Deltas in Nigeria wurde Pure erfolgreich eingesetzt. Der derzeit größte Erfolg ist der Einsatz bei Windrädern. Zur Schmierung werden große Mengen an Öl verwendet, die auslaufen können. Werden keine Ölbinder zur Abdichtung von Lecks eingesetzt, können kosten- und zeitintensive Reinigungsarbeiten erforderlich werden. Hier trifft das Wachs auf einen wachsenden Markt.

Die durch möglicherweise austretendes Öl aus Windkraftanlagen ausgehende Gefährdung von Wasserschutzgebieten hat die Landesregierung von Rheinland-Pfalz veranlasst einen Leitfaden zu veröffentlichen. Über die Inhalte informieren Hans-Jürgen Geiß und Jochen Kampf im Buchkapitel Leitfaden zum Bau und Betrieb von Windenergieanlagen in Wasserschutzgebieten.

Europäischer Erfinderpreis

Das Europäische Patentamt hat den Europäischen Erfinderpreis in 2017 zum 12. Mal verliehen. Jedes Jahr werden außergewöhnliche Erfinder ausgezeichnet, die mit ihrer Arbeit maßgeblich zur gesellschaftlichen Entwicklung, zu technologischem Fortschritt und zu wirtschaftlichem Wachstum beitragen. In diesem Jahr wurden die Preisträger aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Spanien, den USA und Marokko aus mehr als 450 Erfindungen von einer internationalen Jury ausgewählt und bei der Preisverleihung in Venedig geehrt.

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