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"PFAS lassen sich wirklich zerstören"

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Das Startup PFASuiki hat ein elektrochemisches Verfahren entwickelt, das sogenannte Ewigkeitschemikalien nicht nur aus Wasser filtert, sondern auch zerstören kann – ohne Zusatzchemikalien. Die Gründerin im Interview.

Jana Christina Söffken ist Mitgründerin und Head of Operations beim CleanTech-Startup PFASuiki GmbH.


Frau Söffken, Sie haben mit Ihrer Firma einen elektrochemischen Prozess entwickelt, der PFAS, auch "Ewigkeitschemikalien" genannt, in kontaminiertem Wasser nicht nur filtert und als belasteten Abfall entsorgt, sondern vollständig zerstört. Wie geht das?

Das Prinzip ist einfach erklärt: Das belastete Wasser durchläuft eine Reaktorkammer, in der die Moleküle mit speziell entwickelten Elektroden in Kontakt kommen. Unter Stromeinfluss werden die extrem stabilen Kohlenstoff-Fluor-Bindungen aufgespalten – der Kern ihrer Beständigkeit. Übrig bleiben harmlose Endprodukte wie Kohlendioxid und Fluoridionen. Das Verfahren arbeitet direkt im Wasser, ohne Zusatzchemikalien oder hohe Temperaturen. 

In Ihren Tests konnten Sie PFAS um bis zu 99 % reduzieren. Was stellt Ihre Technologie noch vor Herausforderungen?

Die Reduktion um bis zu 99 % ist ein sehr erfreuliches Ergebnis. Schwieriger sind allerdings die ultrakurzkettigen PFAS-Moleküle. Sie sind mobiler und wasserlöslicher als langkettige Verbindungen und dadurch schwerer zu zerstören. Um auch diese zu erfassen, entwickeln wir derzeit neue Elektrodenmaterialien, die gezielter wirken.

Viele Verfahren zur PFAS-Entfernung sind sehr energieintensiv. Wie hoch ist der Energieverbrauch Ihres Prozesses im Vergleich zu etablierten Methoden?

Unser Verfahren arbeitet bei Raumtemperatur und ohne Zusatzstoffe, was Energie und Materialkosten spart. Je nach Zusammensetzung des Abwassers liegt der Energiebedarf bei etwa 15 bis 30 Kilowattstunden pro Kubikmeter Wasser. Thermische Verfahren benötigen oft ein Vielfaches, weil sie auf hohe Temperaturen und komplexe Vorbehandlungen angewiesen sind. Auch Adsorptionsverfahren mit Aktivkohle oder Ionenaustauschharzen verbrauchen indirekt viel Energie durch Regeneration und Entsorgung. Unser Ziel ist ein ökologisch und wirtschaftlich tragfähiger Ansatz, der PFAS vollständig zerstört – nicht nur verlagert.

Können Sie eine konkrete Einschätzung geben, wie hoch die Kosten pro Kubikmeter im Vergleich zu Verfahren wie Aktivkohle oder thermischer Zersetzung sind – auch unter Berücksichtigung von Wartung und Lebensdauer der Elektroden?

Da wir uns noch in einem frühen Stadium der Pilotentwicklung befinden, können wir keine exakten Kosten nennen. Sie hängen stark von Wasserzusammensetzung und PFAS-Konzentration ab. Unser Energiebedarf liegt deutlich unter dem thermischer Verfahren. Entscheidend ist der Gesamtprozess: Es entstehen keine Sekundärabfälle, keine Zusatzchemikalien sind nötig, und die Elektroden sind langlebig und wiederaufbereitbar. So entsteht ein wirtschaftlich konkurrenzfähiges Verfahren.

Ein Labor ist nicht dasselbe wie eine großtechnische Anlage. Wie belastbar sind Ihre bisherigen Ergebnisse?

Deshalb testen wir unsere Technologie gezielt unter realistischen Bedingungen. Neben Laborexperimenten mit synthetischen Lösungen haben wir auch echte Wasserproben aus Industrieabwässern und Deponiesickerwasser untersucht – mit Entfernungsraten von bis zu 99 %. Das zeigt die Praxistauglichkeit unseres Ansatzes. Themen wie Skalierbarkeit und Langzeitstabilität bleiben aber entscheidend. Eine Pilotanlage, die Anfang 2026 in Betrieb gehen soll, wird das Verfahren im kontinuierlichen Betrieb unter realistischen Durchfluss- und Belastungsbedingungen validieren.

Sehen Sie PFASuiki eher als Lösungsanbieter für die Industrie oder als Impulsgeber für eine grundsätzliche Wende im Umgang mit "Ewigkeitschemikalien"?

Beides gehört zusammen. Wir bieten der Industrie eine Technologie, mit der sich PFAS-haltige Abwässer wirksam behandeln und regulatorische Anforderungen erfüllen lassen. Gleichzeitig wollen wir ein Umdenken anstoßen – weg von Strategien, die Schadstoffe nur verlagern, hin zu echter Kreislaufwirtschaft und Zerstörung an der Quelle. Nachhaltige Technologien sind machbar, wirtschaftlich sinnvoll – und sie können eine Zukunft ohne PFAS in der Umwelt ermöglichen. 

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    Bildnachweise
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