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23.08.2017 | Schadstoffe | Im Fokus | Onlineartikel

Kleider machen Mikroplastik

Autor:
Matthias Schwincke

Zur Einschätzung von Mikroplastik hat die EU-Kommission eine öffentliche Umfrage gestartet. Was synthetische Textilien angeht, liefert eine Schweizer Studie schon jetzt interessante Einsichten.

Als eine von mehreren Schlüsselinitiativen im Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft will die EU-Kommission noch 2017 eine umfassende Kunststoff-Strategie vorlegen. Das für Plastikteile aller Größenordnungen geplante Vorhaben soll begleitet werden von ersten konkreten Maßnahmen zur Verminderung von deren Freisetzung und der damit verbundenen Folgen. Zu den größten Herausforderungen zählt dabei die Eindämmung und Reduktion von winzigen Plastikteilen unter fünf Millimetern, auch bekannt als Mikroplastik

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01.03.2017 | Wasser | Ausgabe 3/2017

Mikroplastik

Das Problem Mikroplastik hat mehrere Ursachen, dazu zählen Kunststoffmüll, der in die Umwelt gelangt, Kunststoffpartikel, die durch Kosmetik- oder Reinigungsartikel ins Wasser gespült werden, Verluste an Ausgangssubstanzen für die kunststoffverarbeitende Industrie und auch Bekleidung aus synthetischer Mikrofaser. 


Vor diesem Hintergrund startete die EU-Kommission Ende Juni eine dreimonatige, öffentliche Konsultation zur fachlichen Unterstützung. Die an alle europäischen Bürgerinnen, Bürger und Interessenträger gerichtete Umfrage soll vor allem mehr Informationen zu Herkunft und Eintragspfaden sowie zur besseren Einschätzung von politischen Optionen zur Verminderung von Mikroplastik liefern.

Winzige Kunstfasern unter der Lupe

Noch weitgehend unbekannt und wenig erforscht ist die Freisetzung von Mikroplastik aus Textilien. Laut einer Vorgängerstudie der EU-Kommission sind diese nach dem Abrieb von Autoreifen und dem Pelletverlust bei der Plastikproduktion vom Gesamtgewicht her die drittwichtigste Quelle für Mikroplastik. Einen grundlegenden Forschungsbeitrag zur Rolle von Textilien bei der Wasserverschmutzung durch Mikroplastik leistet eine aktuelle Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, kurz Empa. Diese bislang sorgfältigste und systematischste Untersuchung zum Waschverhalten von zwei handelsüblichen Polyester-Stoffen unter kontrollierten Laborbedingungen zeigt unter anderem folgende, teils überraschende Ergebnisse: 

  • Die Anzahl und Dauer der Waschgänge sowie die Wassertemperatur scheinen keine entscheidenden Einflussgrößen für die Freisetzung von Mikroplastik aus Textilien zu sein.
  • Der Einsatz von Waschmitteln ist ein wichtiger Faktor. Ob in fester oder flüssiger Form führte deren Anwendung in jedem Fall zu mehr ausgewaschenen Mikroplastikpartikel als ein Waschgang mit "normalem" Wasser.
  • Die durchschnittlich gemessene, freigesetzte Partikelmenge bei einem mit Waschmittel unterstützten Waschgang lag ungefähr viermal höher als bei einer Wäsche ohne Waschmittelzusatz.
  • Im Durchschnitt setzte ein Waschgang mit Waschmittel eine Menge von circa 0,1 Milligramm Kunstfasern auf jeweils ein Gramm der gewaschenen Textilmasse frei.
  • Der Einsatz von mehr oder weniger Waschmittel führt nicht notwendigerweise zu einer höheren oder geringeren Freisetzung von Mikroplastik aus Textilien.
  • Die Form und chemische Zusammensetzung des verwendeten Waschmittels hat ebenfalls keinen bemerkenswerten Einfluss auf die freigesetzten Mengen von Mikrofasern.

Mikroplastik entsteht schon bei der Textilproduktion

Bei ihren Labortests machten die Schweizer Forscher eine weitere Beobachtung: Unabhängig von den Waschbedingungen und der Gewebestruktur der untersuchten Textilstücke besaß eine auffällige Mehrheit der freigesetzten Kunstfasern eine Länge von 100 bis 800 Mikrometern. Neben vereinzelten Stapelfasern handelte es sich dabei vor allem um Fragmente, also um Fasern, die möglicherweise bereits während der Garnherstellung zerstört und im Gewebe eingeschlossen wurden. Ausgehend von dieser Erkenntnis gewinnt eine genauere Betrachtung und eine weitergehende Untersuchung von material- und produktionstechnischen Fragen für ein besseres Verständnis der Freisetzung von Mikroplastik an Bedeutung. 

Einen Einstieg in die einzelnen Verarbeitungsprozesse sowie in nachhaltige Technologien bei der Textilherstellung bietet der Springer-Autor Sema Palamutcu im Buchkapitel Sustainable Textile Technologies.

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