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21.07.2017 | Schadstoffe | Im Fokus | Onlineartikel

Was soll der Bund gegen Spurenstoffe tun?

Autor:
Julia Ehl

Hinweise für die Spurenstoffstrategie des Bundes gibt ein Policy-Paper, das durch ein breites Bündnis an Stakeholdern erarbeitet wurde. Zuerst muss die Festlegung der relevanten Spurenstoffe erfolgen.

Spurenstoffe sind organische Stoffe, die in geringeren Konzentrationen als 100 Mikrogramm pro Liter in Wasserproben auftreten. Sie stammen aus Human- und Tierarzneimittel, Bioziden, Pflanzenschutzmitteln, Industriechemikalien oder Körperpflege- und Waschmittel. Sie gefährden die Wasserqualität der Gewässer und erschweren die Gewinnung von Trinkwasser. Berücksichtigt werden müssen dabei auch Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Spurenstoffen. Springer Spektrum-Autorin Rita Triebskorn beschäftigt sich mit dem von Spurenstoffen ausgehenden "chemischen Fußabdruck" des Menschen im Wasser im Buchkapitel Der Fußabdruck des Menschen im Wasser: Spurenstoffe als Risiko für Mensch und Umwelt?.

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Ein vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI durchgeführter und organisierter Stakeholder-Dialog führte zur Vorlage des Policy-Papers "Spurenstoffstrategie des Bundes". Das Policy-Paper zeigt das gemeinsame, fachliche Verständnis und formuliert 14 Handlungsempfehlungen. Beteiligt an der Entwicklung des Papers war ein breites Bündnis aus Industrie, Zivilgesellschaft, Wasserwirtschaft und den Bundesländern.

Festlegung der relevanten Spurenstoffe

Die Stakeholder verfolgen das gemeinsame Ziel, den Eintrag von Spurenstoffen in die aquatische Umwelt zu vermeiden oder zu reduzieren. Ein bundeseinheitlicher Orientierungsrahmen für die Behandlung dieser Stoffe in Kläranlagen soll geschaffen werden. Übergeordnet muss erst die Festlegung der relevanten Spurenstoffe erfolgen. Nur so ist eine Orientierung und Fokussierung mit dem daran anschließenden Monitoring möglich. Auch müssen verbindlicher Qualitätsziele für die Gewässer vorgegeben werden. In einem nachfolgenden Prozess soll die Strategie zur Reduktion der Spurenstoffeinträge in die Gewässer weiter konkretisiert werden.

Handlungsempfehlungen

Die Handlungsempfehlungen wurden dreistufig gegliedert in quellenorientierte, anwendungsorientierte und nachgeschaltete Maßnahmen:

  1. Festlegung relevanter Spurenstoffe
  2. Minderungsstrategien an den Quellen
    • Kommunikation der Ergebnisse der Umweltrisikobewertung und Schließen von Wissenslücken
    • Handlungsempfehlungen der Hersteller zur Minderung des Gewässereintrags von Spurenstoffen
    • Erfassung und ggf. Reduktion der Abwassereinleitungen aus Produktion und Verarbeitung
    • Verringerung des Spurenstoffgehalts in Importprodukten
  3. Minderungsstrategien in der Anwendung
    • Gemeinsame Informationskampagne zur Gewässerrelevanz von Spurenstoffen
    • Aufnahme des Themas Gewässerrelevanz von Spurenstoffen in Aus-, Fortbildungs- und Beratungsprogrammen
    • Zielgruppenorientierte Kennzeichnung
    • (Weiter-) Entwicklung konkreter Maßnahmen für die Anwendung
  4. Minderungsstrategien auf Basis nachgeschalteter Maßnahmen
    • Orientierungsrahmen zur weitergehenden Abwasserbehandlung auf Kläranlagen
    • Untersuchung und ggf. Entwicklung von Maßnahmen bei Niederschlags- und Mischwasserleitungen
    • Informationsaustausch und F&E zum Ausbau der kommunalen Abwasserinfrastruktur
    • Sachgerechte Entsorgung von Rest- oder Abfallmengen
  5. Kosten der Umsetzung der Spurenstoffstrategie

Die Kosten und die Finanzierung der Strategie zu Spurenstoffen wurden im Rahmen des Dialogs diskutiert. Es konnte aber keine Empfehlung vereinbart werden. Es wird der Hinweis gegeben, dass auf Bundesebene ein Vorschlag erarbeitet werden muss, wie die Maßnahmen finanziert werden können.

Mit den Kosten zur Elimination von Arzneimitteln und weiteren Mikroschadstoffen setzt sich Viktor Mertsch auseinander. Im Buchkapitel Mikroschadstoffe aus kommunalem Abwasser weist er darauf hin, dass die Ertüchtigung der Kläranlagen zur Elimination von Mikroschadstoffen mit Mehrkosten verbunden ist. Die spezifischen Kosten je Einwohner sind in der Regel geringer, je größer eine Kläranlage ist. Bei den vorgestellten Fallbeispielen belaufen sich die Mehrkosten auf 2 bis 35 Cent pro Kubikmeter.

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