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Über dieses Buch

Der Band stellt ausgewählte Positionen und zentrale Ideen im disziplinären Rahmen der Medienwissenschaft vor. Schwerpunkte liegen auf medienphilosophischen Ansätzen und einer kulturtheoretischen Perspektive, die sich vor einem dezidiert geisteswissenschaftlichen Horizont konturiert. Dabei versteht der Band sich nicht nur als Handbuch und Nachschlagewerk für Studierende wie Lehrende, er soll vielmehr auch einen eigenen Beitrag zur medienwissenschaftlichen Theoriebildung leisten.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Universalistische Schlüsselwerke

Frontmatter

Medienanthropologie und Medienethnologie (Edgar Morin und Hortense Powdermaker)

Zusammenfassung
Medienanthropologie fragt nach menschlicher Existenz unter den Bedingungen medientechnischer Entwicklungen. Dabei steht sie weniger in der Tradition von positivistischen Ansätzen der empirischen Sozialwissenschaften noch behilft sie sich mit einer begriffslosen Empirie. Vielmehr ist es ihr um philosophische, insbesondere ästhetische und epistemologische Aspekte zu tun, die in der Frage nach der Wechselwirkung von Medien und menschlichen Geschicklichkeiten medientheoretisch gewendet werden.
Ivo Ritzer, Erhard Schüttpelz

Immanenz- und Prozessphilosophie (Gilles Deleuze)

Zusammenfassung
Gilles Deleuze wurde 1925 in Paris geboren. Er studierte Philosophie an der Sorbonne, unterrichtete als Lehrer an Gymnasien und erhielt eine Professur für Philosophie an der Universität Lyon, die er von 1964 bis 1969 ausfüllte. Danach trat er eine Professur für Philosophie an der Universität Paris VIII an, die er bis 1987 innehatte.
Oliver Fahle, Elisa Linseisen

Medientheorie der Automation (Marshall McLuhan)

Zusammenfassung
Marshall McLuhans Studie Understanding Media, 1964 erstmals erschienen, ist eines der einflussreichsten Bücher in der Geschichte der Medienwissenschaft. Daher gibt es auch bereits eine Reihe von Würdigungen und kritischen Einordnungen, Kontextualisierungen und Lesarten, so im deutschsprachigen Raum jüngst Mangold und Sprenger (2014) und daraus insbesondere der Text von Till A. Heilmannn zur Rezeption des Buchs bei dessen Erscheinen; zur aktuellen medientheoretischen Relevanz findet man verschiedene Perspektiven in Heilmann und Schröter (2017); zum Hintergrund in der Zeitschrift Explorations Schüttpelz (2014); zur Einordnung in die ‚Kanadische Schule‘ Cressman und Friesen (2014). Aktuelle Lektüren zu McLuhan finden sich in De Kerckhove et al. (2008), eine Einführung in McLuhan in Grampp (2011) und zur Schreibweise McLuhans in Mangold (2018).
Jens Schröter

Emanzipatorische Schlüsselwerke

Frontmatter

Kritische Theorie und Frankfurter Schule (Walter Benjamin und Theodor W. Adorno)

Zusammenfassung
Im Jahr 1936 erschien bei der Librairie Félix Alcan ein Aufsatz mit dem merkwürdigen Titel „L’œuvre d’art à l’époque de sa reproduction mécanisée“. Publiziert wurde er in der ansonsten hauptsächlich deutschsprachigen Zeitschrift für Sozialforschung, die das bereits nach New York exilierte Frankfurter Institut für Sozialforschung weiterhin in Paris verlegen ließ. Ebendort lebte seit drei Jahren auch der aus Berlin geflohene Autor des Textes.
Christoph Hesse

Neue Linke und Screen Theory (Stephen Heath, Laura Mulvey, Paul Willemen u. a.)

Zusammenfassung
Screen Theory, im Deutschen: Screen-Theorie, beschreibt die auf semiotischen, ideologiekritischen und psychoanalytischen Grundlagen aufbauende Filmtheorie, die sich seit den späten 1960er Jahren im Umfeld der britischen Filmzeitschrift Screen herausbildete. Zu ihren Protagonistinnen und Protagonisten zählen unter anderem Ben Brewster, Stephen Heath, Colin MacCabe, Laura Mulvey und Paul Willemen. Von den frühen 1970er Jahren bis in die 1980er Jahre hinein entspannten sich auf Grundlage des französischen Strukturalismus und einer marxistischen Perspektive weitreichende Theorie-Debatten, die zwar keine monolithische Theorie generierten, aber doch geteilte Interessen und Leitlinien erkennen ließen.
Malte Hagener

Psychoanalyse und Ideologiekritik (Slavoj Žižek)

Zusammenfassung
Slavoj Žižek (*1949) gilt heute als einer der berühmtesten Philosophen weltweit. Er ist Mitglied der Slowenischen Akademie der Wissenschaft und der Künste, Präsident der Society for Theoretical Psychoanalysis in seiner Heimatstadt Ljubljana, Professor an der European Graduate School in Saas-Fee (Schweiz) und Direktor des Birkbeck Institute for the Humanities an der Universität London. Gemeinsam mit dem Philosophen Mladen Dollar und dem Soziologen Rastko Močnik ist er ein Mitbegründer der Ljubljana Lacanian School, in deren Rahmen psychoanalytische Ansätze in verschiedenen anderen Fächern auf ihre Anschlussfähigkeit erprobt wurden.
Irina Gradinari

Schizoanalyse und Ecosophie (Félix Guattari)

Zusammenfassung
Der Name und Autor Félix Guattari (französischer Psychiater und Analytiker, 1930–1992) steht für ein experimentelles und anarchisches Denken, das trotz seiner historischen Rahmungen in keiner Zeitgenossenschaft und Disziplin ganz aufgeht. Stilistisch arbeitet Guattari in seinen Texten viel mit additiven Nebensätzen und Aufzählungen, mit Listen und Wiederholungen sowie mit Erfindungen und Variationen von Neologismen, Metaphern und Metonymien. Diese scheinen einmal eher einer rhythmisch-assoziativen, dann wieder einer phonetischen und schließlich einer logisch-argumentativen Anordnungslogik zu folgen, ohne dass sich zwischen diesen Tendenzen der schriftstellerischen Textorganisation eindeutige Hierarchien ausmachen ließen.
Christiane Voss

Gender und Queer Studies (Judith Butler)

Zusammenfassung
Wie sehr Judith Butler als public intellectual gelten kann, lässt sich an der Intensität bemessen, mit der ihre Thesen seit mittlerweile fast 30 Jahren diskutiert und auch bestritten werden. Seit 1990 Gender Trouble (Das Unbehagen der Geschlechter, Butler 1991) erschien, ist die Auseinandersetzung über Gendertheorie nicht abgerissen, weder bei Butler noch bei ihren Leser*innen und auch nicht bei jenen ihrer Nicht-Leser*innen, die dennoch starke Gegenreden führen. Judith Butler, die 1984 mit einer Arbeit über Hegel an der Yale University promoviert wurde, ist seit 1993 Professorin im Department für Vergleichende Literaturwissenschaft an der University of California, Berkeley, wo sie das Critical Theory Program begründete.
Kathrin Peters

Postkolonialismus (Rey Chow)

Zusammenfassung
Der Beitrag führt in die Arbeiten der Literaturwissenschaftlerin Rey Chow ein, mit denen sie seit den späten 1980er Jahren in die Felder der Literatur- und Regional- aber auch der Film- und Medienwissenschaften interveniert. Mit ihren Befragungen des Schreibens und Lesens, des Sehens, des Hörens in den diskursiven Begegnungen von Moderne, Ethnizität, Sexualität und Postkolonialität ist sie eine der profiliertesten Vertreter*innen postkolonialer Medientheorie. Was ihre Arbeit singulär macht, ist das konsequente Zusammendenken der Materialität und Medialität von Wissensproduktion und ihren Gegenständen, das stets eine Ent-Objektivierung zum Ziel hat.
Maja Figge

Transpolitische Schlüsselwerke

Frontmatter

Theoriefiktion – Fiktionstheorie (Roland Barthes, Jean Baudrillard, Walter Hill)

Zusammenfassung
In diesem Beitrag werden drei Interventionen vorgestellt, die jeweils das Projekt eines Denkens der Materialität von signifikativen Prozessen fokussieren: Roland Barthes’ Das Reich der Zeichen (1970), Jean Baudrillards Amerika (1984) sowie Walter Hills Last Man Standing (1996). Während Barthes und Baudrillard dabei das Medium der – mal mehr, mal weniger akademischen – Textproduktion als Theoriefiktion wählen, arbeitet Hill im und mit dem Material des Films: als Fiktionstheorie der Bilder und Töne. Theoriefiktion wie Fiktionstheorie gilt es dabei zu konturieren als narrative Entwürfe, die sich nicht in ein empirisches, sondern vielmehr allegorisches Referenzverhältnis zu ihrem Gegenstand setzten, d. h. sie operieren genuin ästhetisch als Spiel der Erscheinungen sinnlicher Vielheit.
Ivo Ritzer

Dromologie (Paul Virilio)

Zusammenfassung
Im Alter von 86 Jahren ist Paul Virilio am 10. September 2018 gestorben. Weitestgehend zurückgezogen von der Öffentlichkeit verbrachte er die letzten Jahre überwiegend in La Rochelle an der Atlantikküste. Am Ende seines Lebens kehrte Virilio also wie in einem Kreisbogen noch einmal dorthin zurück, wo sein Schaffen mit der Bunkerarchäologie, die 1975/1976 im Musée des Arts Décoratifs in Paris ausgestellt wurde und die zugleich seine erste architekturtheoretische Arbeit darstellt, begonnen hatte. Die Bunkerarchäologie ist ein in vielen langen Wanderungen seit 1958 erschlossenes, fotografiertes und kartographiertes Inventar der Befestigungs- und Verteidigungswälle entlang der Atlantikküste, das zugleich den ersten konkreten Ertrag von Virilios Reflexionen über die Zusammenhänge von Kriegsführung und Architektur darstellt.
Kay Kirchmann

Medientheorie des Computers (Friedrich Kittler)

Zusammenfassung
Aus heutiger Sicht ist es verhältnismäßig einfach, Friedrich Kittler zu vermeiden – nicht die Wirkungen seines Schaffens, aber das Geschaffene selbst. Die Medienwissenschaft und -theorie ist durch Kittlers Wirken maßgeblich geprägt – er hat neue Gegenstandsbereiche erschlossen und dabei grundlegende Fragen aufgeworfen, die vor ihm nicht gestellt wurden. Aber seine Antworten sind inzwischen ebenfalls deutlich herausgearbeitet: Kittler? Das war der, für den alles auf Medientechnologie und jede Technologie auf Krieg zurückführbar ist. Oder elaborierter: „Alles was beschreibbar ist, ist in den Termini technischer Prozeduren darstellbar“ und „Die ungeschriebene Geschichte technischer Normen ist […] eine Kriegsgeschichte“.
Jochen Koubek

Kommunikationstheoretische Schlüsselwerke

Frontmatter

Medienphänomenologie (Vilém Flusser)

Zusammenfassung
Vilém Flussers Essay „Lob der Oberflächlichkeit. Für eine Phänomenologie der Medien“, ca. 1983 verfasst und erst posthum im gleichnamigen Band 1995 von Stefan Bollmann und Edith Flusser veröffentlicht, wurde von Flusser selbst als „Einführung in das Universum der technischen Bilder“ konzipiert. Diese Rolle übernahm dann die 1985 publizierte Monografie Ins Universum der technischen Bilder, in der sich fast alle Motive aus „Lob der Oberflächlichkeit“ wiederfinden. Der Essay bleibt im Schatten dieses Buchs, des noch bekannteren Für eine Philosophie der Fotografie von 1983 und Die Schrift.
Katerina Krtilova

Mediologie (Régis Debray)

Zusammenfassung
Der Begriff Mediologie ist keine alternative Benennung für Medienwissenschaft, sondern bezeichnet ein eigenständiges, transdisziplinäres Projekt, das ursprünglich in Frankreich entwickelt wurde, international zahlreiche Anhänger fand, sich gleichwohl aber nie institutionalisierte: Die Mediologie blieb eine Disziplin in Gründung oder eine Methode (im Sinne einer besonderen Perspektive). Sie weist viele Parallelen zur deutschen Medienwissenschaft auf, ist aber im Vergleich dazu stärker fokussiert auf mediale Übermittlungsprozesse. Im Folgenden soll zunächst die Genealogie der Mediologie aufgezeigt werden, aus denen auch ihre Rezeption bzw. auch ihre Nicht-Rezeption hervorgeht, um dann die Besonderheiten der Mediologie im Vergleich zur deutschen Medienwissenschaft zu skizzieren.
Thomas Weber

Systemtheorie (Niklas Luhmann)

Zusammenfassung
Am 13. Juli 1994 hält Niklas Luhmann, 1968 bis 1993 Professor für Soziologie (ohne Bindestrich, also ohne jede Einschränkung auf einen Bereich der Gesellschaft wie etwa Wirtschaft, Kunst oder Religion) an der Universität Bielefeld, einen Vortrag an der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, der den Titel „Die Realität der Massenmedien“ trägt (Luhmann 1996, S. 7). Luhmann ist kein „Medien-Soziologe“. Jeder seiner Texte leistet vielmehr einen Beitrag zu einer „Theorie der Gesellschaft“ (Luhmann 1997, S. 11).
Niels Werber
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