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Über dieses Buch

Mit diesem Band sollen wichtige Texte der Stadtforschung einem breiten Publikum vorgestellt werden, das sich für heutige und zukünftige Fragen der Stadtentwicklung interessiert. Es werden vor allem Texte aus den Sozial- und Kulturwissenschaften vorgestellt, die in den letzten zwei Jahrzenten in den stadtbezogenen Diskursen eine große Rolle gespielt haben und die unser Denken über die Stadt maßgeblich beeinflusst haben. Die Schlüsselwerke der Stadtforschungermöglichen den Lesern einen Einblick in die verschiedenen Themen, theoretischen Ansätze und Forschungskontroversen, die in der aktuellen Diskussion um das Leben in der Stadt wichtig erscheinen. Damit soll somit sowohl der professionellen Auseinandersetzung als auch der interessierten Öffentlichkeit insgesamt ein transdisziplinärer Einblick in die Komplexität der urbanen Gesellschaft ermöglicht werden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Nach Berichten der Vereinten Nationen (2008) lebt die Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten. Vorausgesagt wird zudem, dass sich dieser Trend noch weiter steigern wird, so dass eine Erforschung der Stadt und von Stadtentwicklung als ein eigenständiges wissenschaftliches Feld mehr als gerechtfertigt erscheint. Städte sind heute der Ort, an dem die wichtigsten Weichenstellungen für die globale Zukunft vorzunehmen sind.
Frank Eckardt

Die spätmoderne Stadt

Frontmatter

Benjamin R. Barber: If Mayors Ruled the World

Zusammenfassung
Wenn der US-amerikanische Politikwissenschaftler Benjamin R. Barber ein neues Buch veröffentlicht, dann lässt das weltweite Medieninteresse nicht lange auf sich warten: Fernsehinterviews in New York, Zeitungsartikel in Seoul und Radioberichte in London. Er hat keine Berührungsängste mit einer breiten Öffentlichkeit – im Gegenteil, die Diskussion und Wirkung seiner Thesen jenseits eines akademischen Fachpublikums erscheinen ihm ganz besonders erstrebenswert (vgl. Deneen, 2002: 17). Denn Barber hat nicht weniger als eine normative Vision.
Janne A. Kieselbach

Saskia Sassen: The Global City

Zusammenfassung
Der Text »The Global City« stellt den wohl prominentesten Versuch dar, ein Verständnis von der sich im Zuge der Globalisierung verändernden Rolle von Städten zu entwickeln. Gegenüber Arbeiten zu Stadtforschung und Urbanisierung die sich mit städtischen oder regionalen Kontexten beschäftigten, lag ein wesentlicher Ertrag von »The Global City« darin, die Auseinandersetzung mit lokalen Prozessen der Urbanisierung in einem globalen Kontext zu verorten. Ausgehend davon, dass die Geographie des Kapitalismus nur als ein globales System eines globalen Weltmarkts zu verstehen sei, müssen, so die Autorin, Städte als dessen Ausdruck und funktionaler Bestandteil begriffen werden.
Boris Michel

Edward W. Soja: Thirdspace

Zusammenfassung
Wie der notorische Moderne-Verteidiger Marshall Berman (bes. Berman, 1982), wurde auch der Geograph Edward W. Soja 1940 in der Bronx geboren. Die Vorfahren Bermans gehörten dabei zu eben den Mittelschichten, die sich hier ab dem 19. Jahrhundert niederließen und jene sozial-kulturelle Melange schufen, aus der noch der junge Soja seine ersten geographischen Anschauungen schöpfte.
Alexander Krahmer

Richard Florida: The Rise of the Creative Class

Zusammenfassung
Beschäftigt man sich als StadtsoziologIn mit der Frage, was Städte zu Orten des Neuen, der Kreativität und Innovation macht und welchen Zusammenhang es zwischen kreativen Prozessen und dem städtischen Raum gibt, dann kommt man nicht umhin, den amerikanischen Wirtschaftsgeograph Richard Florida und seine 2002 erschienene Publikation The Rise of the Creative Class zu erwähnen. Florida gilt als der zentrale Broker und Transferagent für die Idee einer Stadtentwicklung durch Kreativität, der nicht müde wurde, seine Ideen weltweit auf Konferenzen und vor städtischen Vertretern vorzutragen. Zugleich gab es in der letzten zehn Jahren keinen Stadtforscher der wissenschaftlich so polarisiert hat, wie Florida mit seiner These der Kreativen Klasse, die er erstmalig in seinen Aufsätzen Bohemia and Economic Geography (2002a) sowie The Economic Geography of Talent (2002b) und schließlich in seinem Buch The Rise of the Creative Class im Jahr 2002 publiziert hat.
Janet Merkel

Transformierte Materialität

Frontmatter

Simon Parker: Urbanism as Material Discourse

Zusammenfassung
Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht mit Simon Parker ein Forscher, der bei der Bearbeitung des Themas »Stadt« die Materialität des Städtischen gleichberechtigt neben die soziale Dimension der Stadt stellt. Parker ist ein britischer Sozialwissenschaftler, der sich in seinen Arbeiten mit der Stadtforschung und Stadttheorie beschäftigt. In diesem Kontext sind auch seine Beiträge zur material culture-Debatte zu verstehen.
Anna-Lisa Müller

Rem Koolhaas: Delirious New York

Zusammenfassung
Dichte und Urbanitat werden als zentrale Eigenschaften der Metropole angesehen. In dem Buch Delirious New York, A retroactive Manifesto for Manhatten (1978), setzt sich Rem Koolhaas mit diesem Thema auseinander. Dabei fokussiert er auf die Architektur des fruhen 20. Jahrhunderts und versucht das Grosstadtische der Metropole zu erfassen. In dem folgenden Beitrag wird in diesem Zusammenhang Koolhaas’ Konzept der culture of congestion vorgestellt.
Heike Oevermann

Thomas Sieverts: Zwischenstadt

Zusammenfassung
Der Name Thomas Sieverts und der Begriff der Zwischenstadt sind seit Erscheinen des gleichnamigen Buches im Jahr 1997 untrennbar miteinander verknüpft. Der Architekt und Städtebauer Sieverts prägte den Neologismus ›Zwischenstadt‹ für die verstädterte Landschaft oder verlandschaftete Stadt, um die Aufmerksamkeit der stadt- und landschaftsgestaltenden Disziplinen auf den in diesen Fachkreisen weitgehend unbeachteten und ungeliebten Typ der fragmentierten und heterogenen Stadtlandschaft zu lenken. Kernthese des Buches ist, dass unumkehrbar veränderte ökonomische, soziale und kulturelle Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung zwar einerseits die europäische Stadt gefährden, dass sie aber andererseits auch neue Gestaltungsperspektiven für die Stadtregion eröffnen können.
Vera Vicenzotti

Lucius Burckhardt: Der kleinstmögliche Eingriff

Zusammenfassung
Der Schweizer Soziologe Lucius Burckhardt war ein kritischer Grenzgänger, der über die gesamte zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts an den Schnittstellen von Design, Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung und von Akademie, Praxis und Aktivismus gewirkt hat. Seine Arbeit stellt auf äußerst zugängliche Art eine Reihe von Grundannahmen der verschiedenen Disziplinen und Praxisbereiche in Frage, die sich im weitesten Sinne mit der Gestaltung der menschlichen Lebensumwelt auseinander setzen. Ihm ist an der Auflösung der Gleichung gelegen, dass aus der Perspektive der gestaltenden Disziplinen auf jede gesellschaftliche Problemstellung mit einer baulichen Intervention geantwortet wird.
Nina Gribat

Ivan Chtcheglov: Formular für einen neuen Urbanismus

Zusammenfassung
Das Denken der Stadt und die Experimente im Stadtraum, die seit den späten 50er Jahren in der französischen Nachkriegsavantgarde Internationale Situationniste entwickelt wurden, waren sowohl für die theoretische als auch die künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Gegenstand höchst einflussreich. Dennoch ist die Frage, was der Schlüsseltext der situationistischen Stadttheorie und wer ihr Autor sei, nicht leicht zu beantworten – schließlich wurde diese Theorie in verschiedenen kurzen Artikeln in Zeitschriften formuliert, die oft kollektiv gezeichnet waren; und auch wenn manche Texte bestimmten Autoren zugeschrieben werden können, so sind sie dennoch Teil eines kollektiven Projekts.
Jörn Etzold

Michel de Certeau: Kunst des Handelns

Zusammenfassung
Es mag auf den ersten Blick vielleicht verwundern, dass einer der originellsten Beiträge zur Stadtsoziologie von einem Denker aus dem Jesuitenorden stammt. Doch auf den zweiten Blick mag es sogar logisch und naheliegend erscheinen, dass ein Jesuit, der sich vor allem mit der Geschichte der Mystik befasst hat, ein besonderes Interesse für den Alltag und für das Gehen in der Stadt aufbringt. So hat Michel de Certeau, der den Mystiker als Wanderer und den Theoretiker als Wilderer begreift, mit der Kunst des Handelns (frz. »Arts de faire«) eines der schönsten Zauberstücke zur Konsumtheorie, zur Populärkultur sowie zur Wiederbelebung der Kritischen Theorie des 20. Jahrhunderts dargelegt.
Jörg Bernardy, Hanna Klimpe

Grenzen der Urbanität

Frontmatter

Mike Davis: City of Quartz

Zusammenfassung
Das Los Angeles der frühen 1990iger Jahre und die damaligen gewalttätigen Unruhen sind wieder interessant. Mit dem Roman »All Involved« hat Ryan Gattis mehr als zwanzig Jahre später eine »L. A. Novelle« geschrieben, die in den USA zum Paperback-Bestseller wurde und nun auch als »In den Straßen die Wut« auf Deutsch erschienen ist. Noch mehr als dieser multiperspektivische Roman brachte der Film »Straight Outta Compton« den heutigen Zuschauern eindringlich die Ereignisse jener Jahre wieder zu Bewusstsein, die auch »City of Quartz« von Mike Davis thematisiert. Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dessen Erscheinen ist sein Buch im Vergleich zu Film und Novelle aber nicht mehr so gegenwärtig, obwohl es für viele in den 1990er Jahren prägend für die Diskussion der zukünftigen Stadt war.
Frank Eckardt

William Julius Wilson: The Truly Disadvantaged

Zusammenfassung
William Julius Wilson ist einer der bekanntesten Soziologen und einflussreichsten afroamerikanischen Intellektuellen der USA. Seine wissenschaftlichen Diagnosen zu aktuellen Problemlagen der US-amerikanischen Gesellschaft sind auch außerhalb der Universitäten breit rezipiert worden, unter anderem im Time Magazine und der New York Times. Sein Buch When Work Disappears diente als Inspiration für die bekannte Fernsehserie The Wire (Bennett 2010).
Moritz Merten

David Harvey: Social Justice and the City

Zusammenfassung
Der Geograph David Harvey gilt als eine der Gründungsfiguren kritischer Stadtforschung und ist bis heute ein wichtiger Impulsgeber dieses transdisziplinären Feldes. Seine zahlreichen Arbeiten zu kapitalistischer Stadtentwicklung und urbanen Kämpfen sind von einer an Marx orientierten, politökonomisch informierten Perspektive geprägt (vgl. Merrifield 2002: 133 ff; Wiegand 2013). Gleichzeitig geht Harveys wissenschaftliche Praxis weit über kritische Stadtforschung hinaus.
Felix Wiegand

Norbert Elias und John L. Scotson: Etablierte und Außenseiter

Zusammenfassung
Neben Max Weber kann Norbert Elias zu den wohl wirkmächtigsten deutschsprachigen Soziologen des 20. Jahrhunderts gezählt werden. Der wichtigste Grund ist das zuerst 1939 und danach erst wieder 1969 erschienene Buch »Über den Prozeß der Zivilisation«. Dieses Werk zählt trotz der spät einsetzenden Rezeptionsgeschichte inzwischen zu einem weltweiten Standardwerk der Soziologie.
René Lenz

Loïc Wacquant: Urban Outcasts

Zusammenfassung
Auf die gewalttätigen Proteste von Jugendlichen in Pariser Vorstädten (banlieus) im Jahr 2005, die riots in Londoner Wohnvierteln im Jahr 2011 und die massiven Proteste gegen rassistisch motivierte Polizeibrutalität in Baltimore im Jahr 2015 folgten repressive, teils militärische Eingriffe in die Versammlungs- und die persönliche Freiheit nicht nur der Protestierenden, sondern der Bevölkerungen ganzer Stadtteile. Gemeinsam ist diesen Konfrontationen, dass sie in von ethnischer Diversität geprägten Teilen post-industrieller Städte des Globalen Nordens stattfanden. In Paris und London waren Nachkommen der zweiten oder dritten Generation von MigrantInnen, in den USA die internationale »Black Lives Matter« Bewegungen in den Straßenkampf mit staatlichen Gewaltakteuren verwickelt (Khan, 2015).
Frank Müller

Marginalisierte Stadt-Perspektiven

Frontmatter

Ananya Roy: Slumdog Cities: Rethinking Subaltern Urbanism

Zusammenfassung
Ananya Roy, Professorin an der University of California, Berkeley, gehört zu den einflussreichsten Planungstheoretikerinnen der Gegenwart. Ihre Arbeiten entziehen sich jedoch einer eindeutigen disziplinären Zuordnung. Mit ihren Beiträgen zu städtischer Informalität und postkolonialen Stadttheorien trägt Roy auch zu interdisziplinären urban studies-Debatten im weiteren Sinn bei und ihr Buch Poverty Capital, in dem sie sich kritisch mit der globalen Mikrofinanzindustrie auseinandersetzt, stellt einen der wichtigsten Beiträge zur internationalen entwicklungspolitischen Debatte der letzten Jahre dar (Roy, 2011b).
Monika Grubbauer

Asef Bayat: Leben als Politik

Zusammenfassung
Die Alltagswelt der Marginalisierten und Entrechteten im Nahen Osten, die Asef Bayat seit dreieinhalb Jahrzehnten soziologisch analysiert, kennt er seit seiner Kindheit. Als Sohn eines sich mühsam durchs Leben schlagenden Lastwagenfahrers wurde er 1954 in einem Dorf unweit von Teheran geboren. Allein seine Erfahrungen in der Grundschule (vgl. Thayer 2003) spiegeln beispielhaft die später erforschten sozialen Konstellationen: Da der willkürlich zum einzigen Lehrer ernannte Sohn des reichen Dorfvorstehers selten zu unterrichten bereit war, ermächtigte sich der rudimentär alphabetisierte Schulhausmeister zum Ersatzlehrer.
Stephan Lanz

Philippe Bourgois: In Search of Respect. Selling Crack in El Barrio

Zusammenfassung
Nur wenigen StadtanthropologInnen gelingt das, was die ethnographische Arbeit von Philippe Bourgois auszeichnet: Seit nahezu 30 Jahren legt er dichte Beschreibungen vom Leben marginalisierter Menschen vor, setzt sich für sie wissenschaftlich fundiert ein und engagiert sich für eine sozial gerechtere (Stadt-)Gesellschaft. Im dichten Austausch mit Obdachlosen, DrogennutzerInnen, CrackdealerInnen und auch PlantagenarbeiterInnen – um einige der zentralen ProtagonistInnen seiner Bücher zu nennen – zeichnet Bourgois die gewaltvollen Effekte institutionalisierter sozialer Ungleichheit nach, wie sie im Leben der von ihm Beforschten greifbar werden. US-amerikanische Städte versteht er dabei als paradigmatische Orte gesellschaftlicher Segregation (Bourgois, 1995, 2010).
Beate Binder, Alexa Färber

Jane M. Jacobs: Edge of Empire. Postcolonialism and the City

Zusammenfassung
Jane Margaret Jacobs ist eine australisch-britische Kultur- und Stadtgeographin, die sich angesichts ihrer Namensverwandtschaft mit der großen U. S.-amerikanischen Stadtkritikerin selbst als Expertin im Auflösen von Mehrdeutigkeiten bezeichnet und als geübt darin, ›die Andere‹ zu sein (Jacobs 1996: xiii). Man kann erahnen, wie sehr die Verwechslungen und daran anschließenden Aufklärungen mit den damit einhergehenden Enttäuschungen beim Gegenüber ob des fehlgeschlagenen (Wieder-)Erkennens zu einem regelmäßigen Bestandteil ihres Lebens wurden. Prägender für ihre Arbeit und ihr Denken ist aber sicher die besondere Mischung aus Zentrum und Peripherie, die sie mit ihren biographischen Stationen in Adelaide, London, Melbourne, Edinburgh und schließlich Singapur vollzogen hat.
Johanna Hoerning

Stadt als Polis

Frontmatter

Henri Lefebvre: Das Recht auf Stadt

Zusammenfassung
Seit den 1990er Jahren – und seit Mitte der 2000ern nicht zuletzt auch in Deutschland – findet der Ruf nach einem Recht auf Stadt im Rahmen sozialer Konflikte in vielen Städten der Welt erneut wiederhall. Formuliert wird dabei ein breites Unbehagen über die gegenwärtigen städtischen Lebensrealitäten: steigende Mietpreise und Segregation, das Schwinden nicht kommerzieller Freiräume, rassistische, sexistische und homophobe Ausgrenzung, die um sich greifende soziale Kontrolle, die Minderung der demokratischen Teilhabe, der ausbleibende ökologische Umbau etc. Die dabei so wichtige Parole Recht auf Stadt formulierte Henri Lefebvre 1968.
Daniel Mullis

Jane Jacobs: The Death and Life of Great American Cities

Zusammenfassung
Jane Jacobs Werdegang und ihre fortwährende Präsenz im Kontext der Stadtforschung – vor allem aufgrund ihres Hauptwerkes The Death and Life of Great American Cities – ist bemerkenswert. Wer war diese Autorin, die weder Planerin noch Architektin war? Jane Isabel Butzner wurde 1916 in Scranton im U. S. Bundesstaat Pennsylvania als Tochter eines Arztes und einer Lehrerin und Krankenschwester in einer sechsköpfigen Familie geboren (Lang et al. 2012: 13). In dieser kleinen Industriestadt durchlief sie ihre allgemeine Ausbildung, lernte Stenografie und ging dabei ihrer Leidenschaft dem Schreiben nach..
Monika Litscher

Patsy Healey: Collaborative Planning

Zusammenfassung
Als Planungstheoretikerin stellt Patsy Healey vielleicht das akademische Gegenstück zu dem viel beschworenen ›reflexiven Praktiker‹ dar – eine engagierte und kollaborative Denkerin, die das eigene Theoretisieren aus praktischer Sicht reflektiert und kritisch in Frage stellt, um sich einem Planungsmodell, das ›bessere Orte‹ schafft, zu nähern (Campbell, 2009: 147). Als britische Wissenschaftlerin mit internationalem Renommee zählt Healey zu den ›Great Inspirators‹ (Hajer, 2009: 136) der Planungstheorie, wobei sie vor allem als eine Hauptvertreterin der kommunikativen Planungstheorie gehandelt wird. Ihr kommunikatives, inklusives Verständnis von Planung hat Forschung und Praxis verändert und damit den kommunikativen Wandel der Planungstheorie mitbegründet.
Carola Fricke

Michel Foucault: Raum als relationales Mittel zum Verständnis und zur Produktion von Macht

Zusammenfassung
Michel Foucault ist einer der bedeutendsten und meist zitiertesten Theoretiker der Sozial-, Kultur- und Raumwissenschaften. Seine theoretischen Konzepte und Studien sind zentraler Bestandteil der Stadtforschung, insbesondere bezüglich der Analyse von Funktionen und Zielen von Raumproduktionen und deren (machtspezifische) Merkmale der Steuerung von Bewohner_innen und Stadtentwicklung, der Untersuchung der Entwicklung von Räumlichkeiten der unmittelbaren Machtausübung und der Erklärung der Entstehung, Manifestierung und Wirkung von urbanen Regierungspraktiken. Dieser Beitrag stellt Foucaults Analysen des Raums im Kontext seiner Ideen zu Macht(-beziehungen und -technologien) anhand drei seiner wesentlichen und Raum in den Vordergrund stellenden Forschungsfelder vor.
René Kreichauf

Manuel Castells und die vergessene Soziologie der städtischen sozialen Bewegungen

Zusammenfassung
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Soziologen Manuel Castells und adressiert ein bestimmtes Thema seiner Arbeit: die städtischen sozialen Bewegungen. Im ersten Abschnitt wird seine Forschung über die städtischen sozialen Bewegungen in Bezug zu seiner Biographie gesetzt und wird diese an seine späteren Studien zur Netzwerkgesellschaft angeschlossen. Der darauffolgende Abschnitt erklärt, warum die chilenischen Stadtbewohner/innen zu der empirischen und theoretischen Bezugsquelle werden, die sie in Castells’ Forschung über die politische Rolle der städtischen sozialen Bewegungen in der entwickelten kapitalistischen Gesellschaft einnehmen.
Fernando Campos-Medina

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