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Über dieses Buch

Das Buch bietet einen fundierten Überblick über die zentralen Inspirationsquellen und Schlüsselwerke der Wirtschaftssoziologie und ordnet sie historisch wie systematisch ein. Die moderne Wirtschaft ist ohne soziologisches Wissen über ihre sozialen, kulturellen und politisch-institutionellen Grundlagen nicht angemessen zu verstehen. Von dieser Grundannahme ausgehend untersucht die Wirtschaftssoziologie Märkte und Unternehmen, Geld und Eigentum, Tauschformen und Wirtschaftsordnungen. Wie wirken Netzwerke und Kooperationen, Wertideen und Konventionen, Konflikte und Machtasymmetrien auf Märkten und in Unternehmen? Welchen Einfluss haben kulturelle und staatliche Ordnungen auf Wirtschaftssysteme? Wie kann der Aufstieg und der Niedergang von Märkten soziologisch erklärt werden? Warum sind zahllose Tauschbeziehungen in modernen Gesellschaften marktförmig organisiert, während in anderen Bereichen Märkte abgelehnt werden oder sogar untersagt sind?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Die Wirtschaft der Gesellschaft

Zum Stand der wirtschaftssoziologischen Forschung

Die moderne Wirtschaft ist ohne Wissen über ihre sozialen und gesellschaftlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen nicht hinreichend zu verstehen. Ausgehend von dieser Grundannahme sind im Forschungsfeld der Wirtschaftssoziologie in den letzten Jahrzehnten vielfältige theoretische und empirische Zugänge zu einer soziologischen Analyse der Wirtschaft moderner Gesellschaften erschlossen und die sozialen Konstitutionsbedingungen zentraler ökonomischer Institutionen wie Märkte, Geld, Unternehmen und Eigentumsrechte erforscht worden.

Klaus Kraemer, Florian Brugger

Inspirationsquellen der neueren Wirtschaftssoziologie

Frontmatter

Karl Marx: Das Kapital

Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie (im Folgenden abgekürzt: K.) ist nicht nur das Hauptwerk von Karl Marx, mit dem dieser nachdrücklich einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit verband (MEW 23, S. 16f.). Es ist zugleich zentraler Bezugstext eines Forschungsprogramms, das in der internationalen Diskussion als Kritik der Politischen Ökonomie oder Marxist Economics (Fine und Saad-Filho 2013) bezeichnet wird. Das K. ist der Referenztext einer holistischen und gesamtgesellschaftlichen Kapitalismusanalyse und -kritik, in der neben Themen wie Ausbeutung, Herrschaft und ökonomische Ungleichheit auch die Krisendynamik moderner Wirtschaftsgesellschaften im Zentrum stehen.

Frank Ettrich

Émile Durkheim: Über soziale Arbeitsteilung

Die im Jahr 1893 veröffentlichte Schrift Über soziale Arbeitsteilung. Studie über die Organisation höherer Gesellschaften des französischen Soziologen und Moraltheoretikers Émile Durkheim (1858-1917) gilt bis heute nicht nur als einer der wichtigsten klassischen Texte der Soziologie, sondern auch als ein wichtiger klassischer Bezugspunkt der Wirtschaftssoziologie. Durkheim entfaltet in diesem Buch eine Forschungsperspektive, die sich explizit gegen die gesellschaftstheoretischen Grundannahmen der klassischen politischen Ökonomie und die sozialtheoretischen Grundlagen der utilitaristischen Moralphilosophie richtet.

Sebastian M. Büttner

Thorstein Veblen: The Theory of the Leisure Class

Thorstein Veblens Theorie der feinen Leute bestimmt den „Standort und Wert der müßigen Klasse als ökonomischen Faktor im modernen Leben“ (S. 19). Diese theoretische Standortbestimmung der „müßigen“ Klasse – also einer Klasse, die nicht arbeitet und ihre Zeit ausschließlich mit „unproduktiven“ Tätigkeiten und hoch spezialisierten Konsumgewohnheiten verbringt – erfolgt als Kombination historischer und sozialevolutionärer Analysen. Veblen geht zunächst davon aus, dass gesellschaftliche Entwicklung evolutionären Prinzipien folgt und dass zwei grundsätzliche Stadien der Entwicklung voneinander unterschieden werden können: „wilde Völker“ und unterschiedliche Stufen einer „barbarischen Kultur“ (S. 25).

Christian von Scheve

Georg Simmel: Philosophie des Geldes

Georg Simmel gehört neben Max Weber und Ferdinand Tönnies zur Gründergeneration der Soziologie in Deutschland. Der Wirtschaftssoziologie gilt Simmel als wegweisender Pionier einer Soziologie des Geldes. In einem seiner Hauptwerke, der Philosophie des Geldes von 1900 (vgl. zur Rezeptionsgeschichte Frisby 2004; zum zeitgeschichtlichen Kontext Poggi 1993), sichtet Simmel in außergewöhnlich breiter Weise historische, kulturphilosophische und ökonomische Wissensbestände seiner Zeit, um auf dieser Grundlage die gesellschaftlichen Voraussetzungen und Folgen der modernen Geldwirtschaft nachzuzeichnen.

Klaus Kraemer

Werner Sombart: Der moderne Kapitalismus

Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war eine turbulente Zeit. Die Industrialisierung hat an Fahrt gewonnen: steigende Produktivität, Maschinisierung, Modernisierung, Erwartung zukünftigen Wohlstands. Man trat ein in die Periode eines entfalteten Kapitalismus.

Manfred Prisching

Max Webers Sozialökonomik

1. Die Programmatik

Max Weber gilt heute als der größte Soziologe, aber von Haus aus war er gelernter Jurist, trat zunächst mit rechtshistorischen Studien hervor, um dann Zeit seines Lebens nationalökonomische Lehrstühle zu bekleiden.

Hans-Peter Müller

Max Webers Sozialökonomik

2. Wirtschaft und Gesellschaft: Soziologische Grundkategorien des Wirtschaftens

Im Jahre 1909 übernahm Max Weber auf Anregung seines Verlegers Paul Siebeck die Herausgabe eines neuen Handbuch der Politischen Ökonomie. Mit dieser nervenaufreibenden Herausgebertätigkeit begann auch die Arbeit an seinem berühmten Hauptwerk Wirtschaft und Gesellschaft, die sich bis zu seinem Tod im Jahre 1920 hinziehen sollte.

Hans-Peter Müller

Max Webers Sozialökonomik

3. Wirtschaft und Religion: Die „Protestantismus-These“

Die berühmteste Schrift von Max Weber besteht in einer Aufsatzfolge zum Thema „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, die eine lange Diskussion auslöste, die Weber (1987) im Jahre 1910 mit einem „Antikritischem Schlußwort“ entschieden beendete. Aber bis zum heutigen Tage (Gosh 2014; Sprondel und Seyfarth 1973; Steinert 2010; Swatos und Kaelber 2005; Tyrell 2014) haben die Auseinandersetzungen um die „Protestantische Ethik“ nicht aufgehört.

Hans-Peter Müller

Max Webers Sozioökonomik

4. Wirtschaft und Geschichte: Die Genealogie des Kapitalismus

Zum 1. April 1919 nahm Max Weber seine Tätigkeit als Professor für „Gesellschaftswissenschaft, Wirtschaftsgeschichte, Nationalökonomie“ an der Universität München auf. Zu dieser Zeit arbeitete er intensiv an seiner „Wirtschaftssoziologie“, seiner forschungsprogrammatischen Vorbemerkung zu den Gesammelten Aufsätzen zur Religionssoziologie und hielt im Wintersemester 1919/20 auf Wunsch der Studenten eine Vorlesung über „Wirtschaftsgeschichte“.

Hans-Peter Müller

Die österreichische Schule der Nationalökonomie und die Wirtschaftssoziologie

Die sog. österreichische oder auch Wiener Nationalökonomie ist eine der drei Gründungskonzeptionen der Grenznutzentheorie. Carl Menger, der als ihr Begründer gilt, entwickelte seine Konzeption zeitgleich mit den grundlegenden Werken von William Stanley Jevons und Leon Walras (Menger 1871).

Gertraude Mikl-Horke

Marcel Mauss: Essai sur le don

Marcel Mauss (1872-1950) verfasst den Essai sur le don kurz nach dem Ersten Weltkrieg, und er veröffentlicht ihn im ersten Doppelheft der neuen Reihe von L’Année sociologique, die er nach dem Krieg leitet. In Die Gabe, so der Titel der deutschen Übersetzung, skizziert Mauss auf der Grundlage einer Theorie der Wirtschaft und der Gesellschaft die Gabe als die dreifache Verpflichtung „Geben – Empfangen – Erwidern“.

Christian Papilloud

Joseph Alois Schumpeter

Joseph A. Schumpeter wird üblicherweise als Ökonom wahrgenommen. Eher beiläufig, als süffisante Anekdote über die Unfähigkeit der Ökonomen, ihre Theorien in die Tat umzusetzen, findet Schumpeter als gescheiterter Politiker Erwähnung, sowie je nach politischer Präferenz Schumpeter als Marktradikaler, – für den ich ihn nicht halte. Schumpeter wird vor allem als Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie wahrgenommen, der er allerdings nur bedingt war. Das Konzept der „schöpferischen Zerstörung“ hat Schumpeter zu einem herausragenden Theoretiker dynamischer Wirtschaftsprozesse gemacht.

Florian Brugger

Karl Polanyi: The Great Transformation

Karl Polanyi war in jungen Jahren Zeitzeuge der vielschichtigen ökonomischen, sozialen und politischen Umwälzungen in der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie. 1886 in Wien geboren, wuchs er in Budapest auf, wo er Rechtswissenschaft und Philosophie studierte, um dann nach der Zerschlagung der ungarischen Räterepublik nach Wien zurückzukehren.

Alexander Ebner

Robert K. Merton: The Self-Fulfilling Prophecy/The Matthew Effect in Science

Die Arbeiten von Robert K. Merton (1910–2003) prägen verschiedene Teilbereiche der Soziologie. Seine Ideen sind innerhalb der Disziplin weitgehend kanonisiert, was die deutschsprachigen Darstellungen u.a. von Coser und Fleck (2007) sowie Mackert und Steinbicker (2013) gut dokumentieren. Im Band von Neckel et al. (2010), der 21 „bahnbrechende Erkenntnisse“ der Soziologie bespricht, ist Merton mit vier Arbeiten sogar häufiger vertreten als jeder andere Autor.

Marc Keuschnigg, Tobias Wolbring

Albert O. Hirschman: Abwanderung und Widerspruch

Albert O. Hirschman gehört zu den Wissenschaftlern, die sich auf erfrischende Weise nicht von disziplinären Grenzen aufhalten lassen. Als studierter Ökonom, Widerstandskämpfer im faschistischen Europa und Praktiker der Entwicklungspolitik hat er in seiner späteren akademischen Laufbahn die disziplinären Grenzen zwischen Ökonomie, Politikwissenschaft und Soziologie beflissentlich übertreten.

Lisa Knoll

Paul J. DiMaggio und Walter W. Powell: The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields

Der organisationssoziologische Beitrag von Paul J. DiMaggio und Walter W. Powell, die an den Universitäten Princeton und Stanford forschen und lehren, zählt zu den am häufigsten zitierten Aufsätzen in der Soziologie und Organisationsforschung der letzten Jahrzehnte.

Georg Krücken

Niklas Luhmann: Die Wirtschaft der Gesellschaft

Niklas Luhmanns Die Wirtschaft der Gesellschaft (1988) stellt den Versuch dar, die vom Autor bereits seit den 1960er Jahren schrittweise entwickelte Theorie sozialer Systeme für eine Analyse der Wirtschaft fruchtbar zu machen.

Hanno Pahl

James S. Coleman: Foundations of Social Theory

James Coleman analysiert in diesem umfassenden und umfangreichen (ca. 1000 Seiten) Werk Foundations of Social Theory zentrale Problembereiche der allgemeinen Soziologie einschließlich ihrer Bezüge zu sozialphilosophischen Fragen aus der Perspektive der Rational-Choice-Theorie.

Thomas Voss

Peter A. Hall und David Soskice: Varieties of Capitalism

Der Sammelband Varieties of Capitalism gehört als bedeutendes Schlüsselwerk der vergleichenden Kapitalismusforschung zu den wichtigsten Inspirationsquellen der wirtschaftssoziologischen und polit-ökonomischen Forschung.

Jürgen Beyer

Schlüsselwerke der neueren Wirtschaftssoziologie

Frontmatter

Marc S. Granovetter: Getting A Job

Die Grundaussage von Mark Granovetters Studie Getting A Job ist so schlicht wie genial: Es sind nicht die engen sozialen Beziehungen („strong ties“), die bei der Arbeitsplatzsuche und dem beruflichen Aufstieg hilfreich sind, sondern vor allem die weiter entfernten Kontakte („weak ties“). Lose Bindungen bringen Vorteile, weil sie nichtredundante berufsrelevante Informationen liefern. Informationen, die über das hinausgehen, was einer Person bereits durch ihre engen Beziehungen bekannt ist.

Mark Lutter

Viviana Zelizer: Morals and Markets

In Morals and Markets untersucht Viviana Zelizer die sozialen Voraussetzungen der massenhaften Verbreitung von Lebensversicherungen in den USA. Ihre zentrale These ist, dass neue Produkte ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Legitimation benötigen, um sich auf Märkten zu etablieren. Zelizers Ausgangspunkt ist, dass vorhergehende Ansätze einseitig Wirtschaftswachstum, Urbanisierungs- und Mortalitätsraten sowie die Kaufkraft der Bevölkerung analysierten (9f.), den „impact of noneconomic factors on the adoption of life insurance“ aber kaum berücksichtigen (S. 25).

Sebastian Nessel

Harrison C. White: Where Do Markets Come From?

Where Do Markets Come From? Wohl wenige Fragen werden in der neueren Wirtschaftssoziologie intensiver diskutiert als diese. In welchem institutionellen und kulturellen Umfeld Märkte entstehen, wie sich diese erhalten, untergehen oder sich doch scheinbar unendlich reproduzieren, all das sind zentrale Themen der Wirtschaftssoziologie. Mit dem 1981 publizierten Artikel Where Do Markets Come From? – wohl einer der meist zitierten Beiträge der neueren Wirtschaftssoziologie – ist Harrison C. White einer der ersten Autoren gewesen, der die Fragen, was Märkte sind, wie sie entstehen, wie sie sich reproduzieren, unterscheiden und untergehen, im Kontext der neueren Wirtschaftssoziologie aufgeworfen hat.

Florian Brugger

Mark Granovetter: Economic Action and Social Structure

Mark Granovetter (1985) leitet seinen heute weltweit gelesenen Aufsatz „Economic Action and Social Structure“ mit der Feststellung ein, dass Soziologen, Anthropologen, Politikwissenschaftler und Historiker vielfach in unzutreffender Weise davon ausgingen, dass das wirtschaftliche Handeln in modernen Gesellschaften völlig losgelöst von sozialen Strukturen erfolge und dass auch oftmals die Vorstellung bestünde, dass soziale Phänomene vom wirtschaftlichen Handeln dominiert werden würden (S. 482). Granovetter kritisiert damit Theorien, die postulieren, dass je moderner eine Gesellschaft sei, desto mehr sind wirtschaftliche Handlungen aus sozialen Strukturen herausgelöst und desto effizienter sei das Wirtschaften dann (z.B. auch Granovetter 1995, S. 128f.).

Andrea Maurer

Marie-France Garcia-Parpet: La construction sociale d’un marché parfait & Le marché de l’excellence

Die aus dem Umfeld von Pierre Bourdieu stammende Soziologin und Ethnographin Marie- France Garcia Parpet hat in den 1980er Jahren die Soziologie des Marktes zunächst in Frankreich maßgeblich neu initiiert. Ihre empirische Studie zur Konstruktion eines Erdbeerenauktionsmarktes (1986) kann nicht nur als eine Analyse aufgefasst werden, die die umfänglichen sozialen Investitionen aufweist, die für die Einführung von Märkten erforderlich sind und die dem Konzept der „Embeddedness“ eine soziologisch größere Reichweite verleihen, da hier nun auch die kulturelle Einbettung (nicht nur diejenige in soziale Netzwerke) einbezogen wird. Auch wenn die Arbeiten von Garcia-Parpet als grundlegende Kritik an dem neoklassischen Marktmodell rezipiert worden sind, so ist dieser – obwohl wichtige Beitrag – nur der Ausgangspunkt, um der Kritik eine innovative marktsoziologische Wendung zu geben.

Rainer Diaz-Bone

Ronald S. Burt: Structural Holes

Wie hat das Netzwerk zwischen Marktakteuren auszusehen, damit Gewinne maximiert werden? Dies ist die Grundfrage des wissenschaftlichen Werkes von Ronald S. Burt, dessen Essenz in dem Buch Structural Holes. The Social Structure of Competition zusammengetragen ist und das man durchaus als Klassiker der neuen Wirtschaftssoziologie amerikanischer Prägung bezeichnen kann. Die Grundthese lautet, dass Marktakteure, die über ein Beziehungsnetzwerk verfügen, das sehr reich an „strukturellen Löchern“ ist, entscheidende Wettbewerbsvorteile daraus erzielen können.

Mark Lutter

Diego Gambetta: The Sicilian Mafia

Diego Gambettas Arbeit The Sicilian Mafia stellt bis heute eine der innovativsten Komplettanalysen im Bereich krimineller Organisationen dar und besticht durch zwei zentrale Aspekte: Zum einen betrachtet er die sizilianische Mafia als dezentral organisiertes Konglomerat mehrerer Firmen, die privaten Schutz anbieten. Mit der Beschreibung der Mafiastruktur als einer Clusterung in Kartellen im Protektionsgeschäft, die zueinander multilaterale Geschäftsbeziehungen unterhalten, aber insgesamt dennoch relativ lose zusammenhängen, liefert er eine greifbare und verständliche Definition der Mafia, indem er sich auf ihre ökonomische Funktion fokussiert und so die herkömmliche mystifizierte Perspektive überwindet.

Christiane Bozoyan, Sonja Pointner

Frank Dobbin: Forging industrial policy

Dobbin zeigt in seiner Studie, wie sich unterschiedliche staatliche Industriepolitiken im historischen Prozess herausbilden. Um dies zu zeigen, untersucht er wie im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Frankreich und in Großbritannien das große Infrastrukturprojekt des Eisenbahnausbaus verwirklicht worden ist.

Lisa Knoll

AnnaLee Saxenian: Regional Advantage

In Regional Advantage geht AnnaLee Saxenian der Frage nach, warum sich die regionalen Ökonomien vom Silicon Valley (Kalifornien) und der Route 128 (Massachusetts) wirtschaftlich unterschiedlich entwickelt haben. Diese abweichenden Entwicklungspfade führt Saxenian auf die unterschiedlichen industriellen Systeme der beiden Regionen zurück. Die Unterschiede können anhand dreier Dimensionen festgemacht werden: regionale Institutionen und Kultur, die industrielle Struktur sowie die interne Organisation der Unternehmen.

Luka Jakelja

Mitchel Y. Abolafia: Making Markets

Seit der Finanzmarktkrise von 2008 ist das öffentliche Interesse an Bankern und Wertpapierhändlern gestiegen, und seitdem auch das sozialwissenschaftliche Interesse an den Befunden der Finanzmarktsoziologie. Im Unterschied zu Gütermärkten, auf denen Waren und Dienstleistungen gehandelt werden, wird auf Finanzmärkten mit Aktien, Derivaten und anderen Finanzierungsinstrumenten gehandelt.

Dietmar Wetzel

Jens Beckert: Was ist soziologisch an der Wirtschaftssoziologie?

Die zentrale Zielsetzung des Aufsatzes ist die positive Bestimmung einer genuin soziologischen Perspektive auf wirtschaftliches Handeln und wirtschaftliche Prozesse. Der theoretische Ausgangspunkt hierfür ist jedoch nicht eine grundsätzliche Kritik am wirtschaftswissenschaftlichen Handlungsmodell des homo oeconomicus und der mit ihm verbundenen Vorstellung, die Handlungswahlen von Akteuren seien vom Prinzip der Nutzenmaximierung geleitet.

Patrick Sachweh

Heiner Ganßmann: Geld und Arbeit

Heiner Ganßmann geht in Geld und Arbeit der Frage nach, welche Bedeutung die Kategorien „Geld“ und „Arbeit“ für die Analyse des modernen Wirtschaftssystems haben und wie diejenigen sozialen Prozesse beschrieben werden können, die das Zusammenspiel von Geld und Arbeit stimulieren, steuern, aber auch lähmen.

Klaus Kraemer

Michael Storper und Robert Salais: Worlds of production

Die Monografie Worlds of production zählt zu den Grundlagenwerken der Économie des conventions (engl. economics of convention, kurz EC) und auch der neuen französischen Wirtschaftssoziologie. Im Zentrum steht das Konzept der Konvention, das herangezogen wird für die Analyse der ökonomischen Koordination von Akteuren. Konventionen sind dabei nicht zu verstehen als Standards oder Bräuche.

Rainer Diaz-Bone

Brian Uzzi: Social Structure and Competition in Interfirm Networks

Brian Uzzi hat in verschiedenen Veröffentlichungen die theoretisch konsistenteste und methodisch anspruchsvollste Weiterentwicklung des Embeddedness-Ansatzes seines Doktorvaters Mark Granovetter vorgelegt. Die Arbeiten zeichnen sich auch durch eine extreme interne Kohärenz aus: Uzzi versucht darin Embeddedness – hier übersetzt mit Einbettung oder Einhegung – als einen spezifischen Typus von Beziehungen zwischen wirtschaftlichen Akteuren zu konkretisieren, differenziert verschiedene Dimensionen solcherart Beziehungen und erforscht ihre positiven wie negativen Auswirkungen auf Firmenleistungen.

Leon Wansleben

Johannes Berger: Die Wirtschaft der modernen Gesellschaft/Der diskrete Charme des Marktes

Die Wirtschaft der modernen Gesellschaft ist eine Aufsatzsammlung aus den Jahren 1990 bis 1998, wobei ein Großteil der im Buch aufgenommenen Aufsätze und insbesondere Kapitel II Überarbeitungen älterer Fassungen darstellen. Das Buch enthält sechs thematische Schwerpunktsetzungen, die das Verhältnis von Wirtschaft und gesellschaftlichen Entwicklungen (Kapitel I), soziale Klassen (Kapitel II), Staat (Kapitel III), Moral (Kapitel IV), Umwelt (Kapitel V) sowie Wirtschaftswissenschaften (Kapitel VI) problematisieren. Jedem Schwerpunkt sind jeweils zwei Aufsätze zugeordnet.

Robert Skok

Pierre Bourdieu: The Social Structure of the Economy

In der neuen Wirtschaftssoziologie haben die wirtschaftssoziologischen Arbeiten Pierre Bourdieus, die in dem Buch The Social Structure of the Economy versammelt sind, eine beachtliche Wirkung hinterlassen. Bevor ich die Inhalte näher betrachte, die diese Wirkung erzeugen, ist noch eine kurze Vorbemerkung zur englischen Fassung The Social Structure of the Economy nötig.

Frank Hillebrandt

Frédéric Lebaron: La croyance économique

In der Tradition von Pierre Bourdieu stehend hat Frédéric Lebaron eine Reihe von Publikationen vorgelegt, die das Feld der Ökonomie selbst zum Gegenstand machen. Er schließt damit in verschiedener Hinsicht an Bourdieu an. Einmal verwendet er grundlegende Konzepte der Bourdieuschen Soziologie wie Feld und Kapital.

Rainer Diaz-Bone

Neil Fligstein: The Architecture of Markets

In der Monografie The Architecture of Markets entwickelt Neil Fligstein einen eigenständigen Ansatz der wirtschaftssoziologischen Forschung, den er selbst als „political-cultural approach“ bezeichnet. Eine Besonderheit des Ansatzes ist die handlungstheoretische Fundierung, die das Motiv der Existenzsicherung ins Zentrum der Überlegungen rückt. Der Ansatz setzt sich damit bewusst ab von ökonomischen Theorien, in denen die Profitmaximierung als handlungsleitend angenommen wird.

Jürgen Beyer

Joel M. Podolny: Networks as the pipes and prisms of markets

In dem Aufsatz Networks as the pipes and prisms of markets stellt Joel M. Podolny zwei etablierte Prinzipien der Netzwerkbildung – Netzwerke als „Kanäle“ und als „Prismen“ – gegenüber und verbindet deren Wirksamkeit auf Märkten mit verschiedenen Formen von Marktunsicherheit. Soziale Netzwerke können dabei als Geflecht an Verbindungen (ties) zwischen Akteuren (nodes), beispielsweise Personen oder Unternehmen, verstanden werden, die eine bestimmte Struktur an direkten und indirekten Verbindungen oder auch unverbundenen Akteuren einer bestimmten Population aufweisen.

Sebastian Koos

Robert Boyer und Yves Saillard: Régulation theory

Die Regulationstheorie (RT) entstand in den 1970er Jahren in Frankreich als Versuch, Krisenerscheinungen der kapitalistischen Produktionsweise zu analysieren, die sich in den Industriestaaten des globalen Nordens abzeichneten. Ziel des Ansatzes war es, einerseits den dominanten neoklassischen Ansätzen der Ökonomie entgegenzutreten, andererseits den als sehr abstrakt wahrgenommenen (französischen, v.a. an Louis Althusser orientierten) Marxismus durch die Entwicklung konkreterer Konzepte zur Analyse realer historischer Entwicklungen zu erweitern (Jessop und Sum 2006).

Roland Atzmüller

Karin Knorr Cetina und Urs Brügger: Global Microstructures: The Virtual Societies of Financial Markets

Der Aufsatz Global Microstructures: The Virtual Societies of Financial Markets von Karin Knorr Cetina und Urs Brügger ist innerhalb der Finanzsoziologie einer der einflussreichsten und meistzitierten überhaupt. Er entwickelt am Beispiel des globalen Währungshandels eine spezifische Perspektive auf die Finanzmärkte als „globale soziale Form“ (S. 909).

Uwe Vormbusch

Luc Boltanski und Eve Chiapello: Der Neue Geist des Kapitalismus

Luc Boltanski und Eve Chiapello untersuchen in diesem Buch die Entwicklungstendenzen der kapitalistischen Ökonomie Frankreichs seit den 1980er Jahren.

Sascha Münnich

Donald MacKenzie und Yuval Millo: Constructing a Market, Performing Theory

Die Relevanz des Textes von Donald MacKenzie und Yuval Millo besteht zum einen darin, dass er als Stichwortgeber für wichtige Diskussionen innerhalb der Finanzsoziologie und -anthropologie (Social Studies of Finance) gedient hat.

Andreas Langenohl

François Eymard-Duvernay: Économie politique de l’entreprise

Das Unternehmen ist bislang in den Wirtschaftswissenschaften untertheoretisiert, dies obwohl es – neben Märkten – für die ökonomische Koordination der zentrale Mechanismus ist. Eymard-Duvernay hat in seiner kleinen Monografie die wenigen wirtschaftswissenschaftlichen Perspektiven des Unternehmens zum Ausgangspunkt genommen, um letztlich aus Sicht der Economie des conventions (engl. economics of convention, kurz EC) das Unternehmen neu zu konzipieren als Dispositiv für die ökonomische Koordination.

Rainer Diaz-Bone

Geoffrey Ingham: The Nature of Money

Was Geld ist, wie Geld entsteht und wie der Wert des Geldes erhalten bleibt oder verloren geht – das sind drei miteinander in Bezug stehende Fragen, die Geoffrey Ingham in The Nature of Money zu beantworten versucht.

Luka Jakelja

Paul Windolf: Was ist Finanzmarkt-Kapitalismus?

Mit dem Aufsatz Was ist Finanzmarkt-Kapitalismus?, und mit dem von ihm besorgten Sammelband Finanzmarkt-Kapitalismus – Analysen zu einem Wandel von Produktionsregimen hat Paul Windolf (2005) das Konzept eines Finanzmarktkapitalismus in der deutschen sozialwissenschaftlichen Debatte etabliert und deren Dynamik und Richtung über den engeren wissenschaftlichen Rahmen hinaus maßgeblich beeinflusst (vgl. zur Fortführung und Akzentuierung Windolf 2008). Der Aufsatz bildet das theoretisch-konzeptionelle Rückgrat des genannten Sammelbandes.

Jürgen Kädtler

Julie Froud, Sukhdev Johal, Adam Leaver und Karel Williams: Financialization and Strategy

Das Buch „Financialization and Strategy“ der Autorengruppe aus dem „Centre for Research on Socio-Cultural Change“ (CRESC) in Manchester (UK) ist ein Standardwerk der Literatur zur „Finanzialisierung“ des gegenwärtigen Kapitalismus. Das Buch analysiert das Eindringen bzw. die Einmischung des Kapitalmarkts und dessen Wirkungen auf die Strategie(bildung) von sehr großen Firmen.

Michael Faust

Gunnar Trumbull: Consumer Capitalism

In Consumer Capitalism untersucht Gunnar Trumbull die Bedeutung von Verbraucherinstitutionen für die Ausgestaltung von Märkten. Unter Verbraucherinstitutionen versteht er vor allem Verbraucherorganisationen wie die Stiftung Warentest und die Verbraucherzentralen der Bundesländer in Deutschland und teils auch andere verbraucherpolitische Akteure wie z.B. Verbraucherministerien.

Sebastian Nessel

Luc Boltanski und Laurent Thévenot: Über die Rechtfertigung

Über die Rechtfertigung (ÜR) ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnliches soziologisches Werk. Es bringt klassische Moralphilosophie mit Alltagskoordination in Zusammenhang, konstatiert eine Gemeinwohlorientierung im Disput, und macht sich für die Kritikfähigkeit der Akteure stark.

Lisa Knoll

Patrik Aspers: Wissen und Bewertung auf Märkten

In seinem 2008 mit dem „Karl-Polanyi-Preis“ der Sektion Wirtschaftssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie ausgezeichneten Aufsatz Wissen und Bewertung auf Märkten geht Patrik Aspers davon aus, dass Märkte nur funktionieren können, wenn sich Käufer und Verkäufer aufeinander und auf das auf dem Markt gehandelte Gut hin orientieren und interaktiv aushandeln, was wie zu welchem Preis gehandelt wird. Im Zuge dieses sozialen Prozesses schaffen die Marktakteure eine zeitraumübergreifende Ordnung und damit erst den Markt.

Nina Baur

Christoph Deutschmann: Kapitalistische Dynamik

Christoph Deutschmann (Klappentext) unternimmt in dieser Zusammenstellung von Aufsätzen, die zwischen 1997 und 2008 erschienen sind, „eine gesellschaftstheoretische Interpretation kapitalistischer Dynamik“. Anders – salopp – gesagt: Wie hat es der Kapitalismus bis heute geschafft, und was sind seine Zukunftsaussichten? Es geht also erst einmal darum, das „growth miracle“ (William Baumol – zitiert in Deutschmann 2009, S. 5) des modernen Kapitalismus zu erklären: Wie konnte es dazu kommen, dass seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bis heute ein historisch beispielloses Wirtschaftswachstum – zunächst in Europa, dann bald weltweit – stattgefunden hat? Die durchschnittlichen jährlichen Steigerungsraten des Bruttosozialprodukts in Westeuropa übertrafen nach 1820 die Steigerungsraten der Jahrhunderte davor um das Fünfzehnfache, und die Jahre des Minuswachstums waren nur wenige.

Uwe Schimank

Sighard Neckel: Flucht nach vorn

Die spätmoderne Marktwirtschaft ist – natürlich – eine „Leistungsgesellschaft“, ein meritokratisches System: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinem Output; ein paar sozialstaatliche Absicherungen kommen dazu. Das ist Selbstverständnis und Legitimation der Wirtschaftsordnung, darauf beruhen angeblich ihre Dynamik und ihr Erfolg, dadurch ist sie „gerecht“. Dieser Anspruch der Gerechtigkeit verhindert Neid und Hass.

Manfred Prisching

Harrison C. White: Identity and Control

Mit seinem Hauptwerk Identity and Control stellt der amerikanische Soziologe und Physiker Harrison C. White eine umfassend angelegte Sozialtheorie vor. Wie entsteht soziale Ordnung? White (S. 1) wendet sich dieser Grundfrage der Soziologie vor der gedanklichen Kontrastfolie einer chaotischen Welt – eines „turbulent context“ – zu. Für die Beteiligten (die „Identitäten“) schafft der chaotische Kontext allgegenwärtige Unsicherheiten, die sie zu überwinden trachten. Identitäten streben nach Kontrolle.

Stefan Bernhard

Klaus Dörre: Die neue Landnahme

Dem von Klaus Dörre entwickelten Konzept der neuen Landnahme liegt die These zugrunde, „dass sich seit den 1970er Jahren Konturen einer neuen kapitalistischen Formation herausgebildet haben, die […] als Finanzmarktkapitalismus bezeichnet wird“ (S. 22). Dessen Grundmerkmal ist, dass er „marktbegrenzende Institutionen zum Objekt einer neuen Landnahme“ (S. 22) macht. Inspiriert von der Marxʼschen Kritik der politischen Ökonomie entwickelt Dörre einen Ansatz, der die kapitalistische Dynamik als Abfolge von Landnahmen eines nichtkapitalistischen Anderen (Territorien, Produktions- und Lebensweisen, Klassen und Schichten) beschreibt (S. 36).

Carolin Amlinger

Marion Fourcade: Economists and Societies

Die Arbeit von Marion Fourcade rekonstruiert historisch-vergleichend die Entstehung und Formierung spezifisch national geprägter wirtschaftswissenschaftlicher Diskurse und Forschungstätigkeiten in den USA, Großbritannien und Frankreich. Dabei betont sie die Prägung dieser Diskurse durch die politische Kultur und politische Kämpfe, welche sich in einer unterschiedlichen Institutionalisierung der Wirtschaftswissenschaften niederschlagen. Ökonomisches Wissen wird als situiertes Wissen verstanden, welches als Anleitung zur Wirtschaftspolitik, d.h. der bewussten politischen Intervention in Wirtschaftsabläufe, seine politische Brisanz erlangt.

Matthias Thiemann

Alex Preda: Framing Finance

Wenn es zutrifft, dass wir gegenwärtig im Zeitalter der Ökonomie leben und ein neues wirtschaftliches Masternarrativ das soziale Narrativ verdrängt, wie es z.B. in den Konfigurationen des konservativen oder sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaatsmodels nach Esping-Andersen zum Ausdruck kommt, „then Finance is the master of this master narritive“ (S. 1). Mit seinem ersten Satz stellt Alex Preda die Bedeutung heraus, die er dem Finanzwesen heute zuweist: Es durchdringt zunehmend das tägliche Leben und erhebt sogar den Anspruch, selbst die soziale Sicherung im 21. Jahrhundert neu zu erfinden.

Rolf von Lüde

David Stark: The Sense of Dissonance

The sense of dissonance rekombiniert zentrale Ideen von David Starks wirtschafts- und organisationssoziologischen Arbeiten seit Ende der 1980er Jahre. Das Buch reflektiert Debatten und Entwicklungen dieser Felder, indem es auf Erkenntnisse der netzwerkanalytischen Perspektive (z.B. White 1992) zur Untersuchung von wirtschaftlichem Handeln, des organisationalen Neo-Institutionalismus (z.B. DiMaggio und Powell 1991) und der Organisationsökologie (z.B. Hannan et al. 2007) eingeht. Starks Arbeiten haben diese Felder mitgeprägt ohne jedoch klar in einem der Felder verortbar zu sein.

Sophie Mützel

Lucien Karpik: Mehr Wert. Die Ökonomie des Einzigartigen

Der französische Wirtschaftssoziologe Lucien Karpik untersucht in der Studie Mehr Wert. Ökonomie des Einzigartigen Märkte für Güter oder Dienstleistungen, denen besondere, zuweilen auch einzigartige Qualitäten zugeschrieben werden. Diese Qualitäten werden von den Marktakteuren als kaum oder gar nicht objektiv bestimmbar wahrgenommen.

Klaus Kraemer

Greta R. Krippner: Capitalizing on Crisis

Greta Krippners Buch Capitalizing on Crisis beruht auf ihrer durch die American Sociological Association prämierten Dissertation und hat in der publizierten Version eine Vielzahl weiterer hochrangiger Preise gewonnen. In ihrer Monografie entwickelt sie eine eigenständige Theorie der Genese der „Finanzialisierung“ der US-amerikanischen Wirtschaft. Krippner zeichnet die Etablierung von Finanzialisierung auf Grundlage einer empirischen Analyse der historischen Entwicklungsstufen des politischen und ökonomischen Wandels in den USA von den 1960er Jahren bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts nach.

Jan Sparsam

Wolfgang Streeck: Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus

Wolfgang Streeck deutet in Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus (S. 225) die Finanz-, Wirtschafts- und Fiskalkrise der Jahre nach 2008 als „vorläufige[n] Endpunkt“ eines langen neoliberalen Wandels des Nachkriegskapitalismus in Nordamerika und Westeuropa. Der an die Arbeiten von Colin Crouch (2004, 2009) und Gerda Krippner (2011) anschließende Versuch, die neuere sozialwissenschaftliche Debatte zur „Finanzialisierung“ (vgl. Epstein 2005) von Ökonomie und Gesellschaft vor dem Hintergrund der Abfolge von Krisen und Krisenbewältigungsstrategien des „demokratischen Kapitalismus“ in einen historisch übergreifenden Prozess gesellschaftlicher Transformationen einzuordnen, ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert.

Klaus Kraemer

André Orléan: The empire of value

Die Monografie The empire of value systematisiert die Theorieentwicklungen, die André Orléan in vielen Jahrzehnten ausgearbeitet hat. Orléan kann sowohl als Repräsentant und Mitbegründer der Économie des conventions (engl. economics of convention, kurz EC) als auch als Vertreter der Regulationstheorie angesehen werden (Orléan 2013), die beide heterodoxe wirtschaftswissenschaftliche Ansätze sind, die in den französischen Sozialwissenschaften seit einigen Jahrzehnten entwickelt worden sind. Die besondere Bedeutung von The empire of value für die EC resultiert daher, dass es insbesondere die konventionentheoretische Perspektive auf das Geld und auf die Finanzmärkte ist, die Orléan eine spezifische Position in der EC einräumt.

Rainer Diaz-Bone

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