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„Schöne, neue Welt?“

Sportpädagogik und die Herausforderungen der Digitalisierung

  • 2025
  • Buch
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Über dieses Buch

Der Band setzt sich mit den Herausforderungen auseinander, die eine zunehmend digitalisierte Welt an eine Disziplin wie die Sportpädagogik stellt. Die weitgehend anthropologische Grundlagenarbeit der Sportpädagogik stammt aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts und ist seither kaum aktualisiert worden. Demgegenüber ist unsere Alltagswelt dabei, sich aufgrund technologischer Entwicklungen – Stichwort: Digitalisierung – tiefgreifend, umfassend und in hoher Geschwindigkeit zu verändern. Dies betrifft im besonderen Maße auch unsere als vermeintlich unantastbar wahrgenommenen, humanen Grundlagen, die sich aber durch zunehmend invasive Zugriffe auf unsere Körperlichkeit einerseits sowie massiver Erweiterungen unserer Weltzugänge andererseits permanent herausgefordert sehen.

Angesichts dieser Ausgangslage wird versucht, die anthropologischen Grundkoordinaten der Sportpädagogik auf ihre Aktualität zu prüfen und einen Vorschlag zu unterbreiten, wie eine Anpassung an die veränderten Rahmenbedingungen auf theoretischer Ebene aussehen könnte.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Zwei Einleitungen
Zusammenfassung
Das Thema Körperlichkeit/Leiblichkeit ist auch für die jüngere Entwicklung der Sportpädagogik zentral, wie vor allem in ihrer anthropologischen Grundlegung der 60er Jahre deutlich wird. Dies wird einleitend auch in einer eher biographischen Perspektive deutlich, genau so wie das Verschwinden dieses Themas im weiteren Verlauf der Entwicklung der Sportpädagogik. Vor dem Hintergrund fundamentaler gesellschaftlicher und weitgehend technologiegetriebener Veränderung, die unter dem Stichwort der Digitalisierung firmieren, stellt sich aber die dringende Frage, ob die angesprochenen Grundlagen der Sportpädagogik einfach unhinterfragt weiter genutzt werden sollten oder ob die Zeit für eine Revision reif ist?
Jörg Thiele
2. Rahmungen: Der Prozess der Digitalisierung und die Kultur der Digitalität
Zusammenfassung
In Kap. 2 werden die zentralen Rahmungen der vorliegenden Arbeit in einem ersten Schritt entfaltet. Mit dem Phänomen der Digitalisierung wird der gesellschaftliche „Megatrend“ des beginnenden 21. Jahrhundert kurz in seiner historischen Dimension beschrieben und einige Kernmerkmale dieses Prozesses kurz beschrieben. In Abgrenzung vom sehr häufig auf die technologische Perspektive fokussierten Digitalisierungsprozess wird danach die jüngere Diskussion um eine „Kultur der Digitalität“ aufgegriffen. Diese Diskussion erweitert die technologische Perspektive insofern, als die Folgen der Digitalisierung für unser alltägliches Leben verstärkt in den Blick genommen werden. Digitalisierung durchzieht mittlerweile unser aller Leben, ohne dass uns das immer bewusst wäre und entsprechend auch die lebensweltlichen Auswirkungen schon einer systematischen Analyse unterzogen worden wären. Diese zweite Ebene einer entstehenden „Kultur der Digitalität“ ist auch die Zentralperspektive der eigenen Untersuchung.
Jörg Thiele
3. Sportpädagogik als Disziplin: Differenzierungsprozesse
Zusammenfassung
In Kap. 3 wird die jüngere Entwicklung der Sportpädagogik als Teildisziplin der Sportwissenschaften thematisiert. Im Mittelpunkt steht dabei die fortschreitende Differenzierung der Sportpädagogik, was insbesondere an der Frage der möglichen Gegenstände der Disziplin etwas genauer vorgestellt wird. Sport, Bewegung und Körperlichkeit/Leiblichkeit sind die Kandidaten, die in den letzten Jahrzehnten als Optionen gehandelt wurden, wobei dem Gegenstand „Körperlichkeit/Leiblichkeit“ insofern eine besondere Bedeutung zukommt, als er für die Grundlegung der Sportpädagogik in den 60er/70er Jahren des letzten Jahrhunderts eine herausragende Funktion eingenommen hat. Da die Grundlegung der Sportpädagogik für die vorliegende Untersuchung eine besondere Rolle spielt wird auch die begriffliche Dimension von Körperlichkeit und Leiblichkeit in Form eines kurzen Exkurses thematisiert und für die eigene Untersuchung auch die Favorisierung des Begriffs Leiblichkeit begründet.
Jörg Thiele
4. Anthropologische „Grundlagen der Sportpädagogik“ – eine Re-Analyse
Zusammenfassung
In Kap. 4 wird das Thema einer anthropologischen Grundlegung der Sportpädagogik auf der Basis der Arbeit von O. Grupe einer Reinterpretation unterzogen. Nach mehr als einem halben Jahrhundert stellt sich die Frage, ob die weitgehend unveränderten anthropologischen Grundlagen immer noch den Herausforderungen einer deutlich veränderten gesellschaftlichen Realität gewachsen sind. Mit dem Leib-Welt-Bezug wird in Grupes theoretischer Grundlegung eine Kategorie ins Zentrum gestellt, die aufgrund des fortschreitenden Prozesses der Digitalisierung zunehmend unter Druck gerät – ohne dass dies bislang in der sportpädagogischen Diskussion theoretisch angemessen aufgearbeitet worden wäre. Damit stellt sich die Frage nach der Zeitgemäßheit einer anthropologischen Grundlegung der Sportpädagogik in neuer Dringlichkeit.
Jörg Thiele
5. Schöne, neue Welt? Von der Gutenberg-Galaxie in die Turing-Galaxie
Zusammenfassung
Kap. 5 versucht die Herausforderungen an eine Grundlegung der Sportpädagogik aus zwei Perspektiven zu beleuchten. Zuerst werden dabei in Form von exemplarischen Analysen konkrete Veränderungsprozesse eher phänomenologisch beschrieben, die auf der Basis der Digitalisierung den Leib-Welt-Bezug sowohl auf Seiten des „Leiblichkeit“ als auch auf Seiten der „Welt“ neu relationieren. Invasive Technologien und immersive Weltbezüge stellen Herausforderungen dar, die das Potenzial besitzen unsere geläufigen Menschen- und Weltbilder grundsätzlich in Frage zu stellen. In einem zweiten Anlauf wird dann versucht, mögliche theoretische Angebote zu sondieren, die zumindest dabei helfen können, die skizzierten Herausforderungen systematisch zu bearbeiten. Die vorgestellten Angebote aus verschiedenen Disziplinen (Trans- und Posthumanismus, Soziologie, Anthropologie, Pädagogik) sind aktuell in der Sportpädagogik wenig präsent, könnten aber zu einer zeitgemäßen Grundlegung der Sportpädagogik durchaus beitragen.
Jörg Thiele
6. Sportpädagogik 2.0 – ein Vorschlag
Zusammenfassung
Im abschließenden Kapitel wird der Versuch unternommen, eine aktualisierte – d. h. den zuvor diagnostizierten Herausforderungen angemessene – Grundlegung der Sportpädagogik vorzubereiten. Es wird begründet, warum dies keine monolithische Theoriekonstruktion mehr sein kann. Erarbeitet wird ein Vorschlag für eine provisorisch so genannte „Anthropologische Sportpädagogik 2.0“, die bestimmten formalen und thematischen Rahmungen entsprechen sollte und die Ergebnisse der vorangehenden Kapitel systematisch einbezieht. Angesichts der erkennbaren Dynamik des gerade erst beginnenden Digitalisierungsprozesses und der daraus sich ergebenden Schwierigkeiten einer einigermaßen fundierten Prognostik, wird auch die Theoriekonstruktion flexibel und anpassungsfähig gestaltet sein müssen. Konkretisiert wird dieser Anspruch durch die Vorstellung zweier kontrastiver Szenarien, die sportpädagogische Herausforderungen der gerade sich erst etablierenden Turing-Galaxie exemplarisch benennen und mögliche Reaktionsmuster skizzieren.
Jörg Thiele
7. Ausblick – Missing links, open ends…
Zusammenfassung
Der Ausblick greift Leerstellen auf, die die vorliegende Untersuchung zwangsläufig beinhaltet. Zum einen wird begründet, warum der innerhalb der Sportpädagogik weit verbreiteten Auffassung einer praxis- und anwendungsbezogenen Disziplin nicht entsprochen und stattdessen hier eine eigene „Dignität der Theorie“ in Anspruch genommen wird. Zum zweiten wird die zentrale Bedeutsamkeit einer Diskussion ethischer Fragestellungen gerade im vorliegenden Kontext einer Kultur der Digitalität explizit betont. Eine solche Diskussion hätte aber den Rahmen dieser Arbeit gesprengt, ihr Fehlen kann nur konstatiert werden.
Jörg Thiele
Backmatter
Titel
„Schöne, neue Welt?“
Verfasst von
Jörg Thiele
Copyright-Jahr
2025
Electronic ISBN
978-3-658-50025-2
Print ISBN
978-3-658-50024-5
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-50025-2

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