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Über dieses Buch

Mit diesem sechsbändigen Werk erscheint erstmals eine vollständige Edition der Aufsätze und Vorträge Niklas Luhmanns zum Thema Organisation. Die Bände präsentieren schwer auffindbare Texte und bisher unveröffentlichte Materialien. Band 2 dokumentiert Arbeiten zu Organisation und Gesellschaft aus den Jahren 1970-1998. Sie entwickeln eine allgemeine Theorie der Organisation, die zunehmend einsoziologisches Konzept der Entscheidung fokussiert.
„Und der Verdacht liegt dann nahe, daß die Semantik der Rationalität wieein Singen und Pfeifen im Dunkeln praktiziert wird, um Unsicherheit undAngst zu vertreiben. (…) Das Problem liegt also nicht nur in den klassischenEntscheidungsschwierigkeiten oder in den Rationalitätsdefiziten. In einemsehr viel radikaleren Sinne geht es um ein Überleben unter Entscheidungsdruck,um die Darstellbarkeit des Verhaltens als vertretbare Entscheidungin späteren Situationen ...“Niklas Luhmann, 1984

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Interaktion – Organisation – Gesellschaft

Frontmatter

Überlegungen zum Verhältnis von Gesellschaftssystemen und Organisationssystemen

Zusammenfassung
„Wir wissen aus täglicher Erfahrung, daß Organisationen in unserer Gesellschaft große Bedeutung besitzen. Kaum einer der täglichen Lebensvorgänge regelt sich ohne direkten oder sehr naheliegenden, mitbedachten Bezug auf Organisationen. In einem weiter ausgezogenen historischen Rückblick erscheint diese Lage als einmalig, als neuartig. Keine der zahlreichen vorneuzeitlichen Gesellschaften hat eine vergleichbare Situation hervorgebracht – obwohl die kulturellen Erfindungen wie Hierarchie oder Amtsbegriff, die Organisationen ermöglichen, bis in die Hochkulturen der alten Welt zurückverfolgt werden können. So viel kann ich an Erfahrung und an gemeinsamem Vorwegwissen voraussetzen. Im Anschluß daran möchte ich den Versuch unternehmen, dieses Vorwegwissen in systemtheoretische Fragestellungen zu überführen.“
Niklas Luhmann

Interaktion, Organisation, Gesellschaft

Anwendungen der Systemtheorie
Zusammenfassung
„Von sozialen Systemen kann man immer dann sprechen, wenn Handlungen mehrerer Personen sinnhaft aufeinander bezogen werden und dadurch in ihrem Zusammenhang abgrenzbar sind von einer nichtdazugehörigen Umwelt. Sobald überhaupt Kommunikation unter Menschen stattfindet, entstehen soziale Systeme; denn mit jeder Kommunikation beginnt eine Geschichte, die durch aufeinander bezogene Selektionen sich ausdifferenziert, indem sie nur einige von vielen Möglichkeiten realisiert. […] Geht man von dieser These aus, dann liegt darin zugleich eine Regel für die Bildung besonderer Systemtypen. Soziale Systeme können sich auf verschiedene Weise bilden, je nachdem, unter welchen Voraussetzungen der Prozeß der Selbstselektion und der Grenzziehung abläuft. Unter diesem Gesichtspunkt lassen sich Interaktionssysteme, Organisationssysteme und Gesellschaftssysteme unterscheiden.“
Niklas Luhmann

Strukturauflösung durch Interaktion

Ein analytischer Bezugsrahmen
Zusammenfassung
„In ganz verschiedenen Kontexten trifft man immer wieder auf die Erwartung, dass eine gezielte Auflösung und Rekombination von Systemstrukturen möglich ist, wobei die Forcierung dieses Prozesses zur Sache eines Interaktionssystems wird, das sich auf die Systemänderung eines anderen Systems spezialisiert. Um zu verstehen, wieso Strukturen Änderungen Widerstand entgegensetzen, muss ein komplexitätstheoretisches Verständnis zugrunde gelegt werden. […] Strukturauflösung heißt dann: Wiederherstellung des quantitativen Überschusses an Relationierungsmöglichkeiten. In dem Maße, als Strukturauflösung gelingt, wird die Aktivierung einzelner Relationen im System zur Sache externer, mit dem System nicht mehr abgestimmter Determination. Ob und unter welchen Voraussetzungen Strukturänderung durch Interaktionen möglich ist, hängt daher nicht nur von den Strukturen selbst ab, sondern auch von der Einwirkungskapazität des Interaktionssystems.“
Niklas Luhmann

Ebenen der Systembildung – Ebenendifferenzierung

Zusammenfassung
„Es gibt eine Mehrzahl typmäßig unterscheidbarer Möglichkeiten, das allgemeine Problem der Ausdifferenzierung eines Sozialsystems zu lösen. Wir unterscheiden Interaktion als einfaches Sozialsystem unter Anwesenden, Organisation und Gesellschaft. In allen drei Fällen werden die Probleme der strukturellen Rekonstruktion von Kontingenz und der Regelung des Komplexitätsgefälles zur Umwelt auf verschiedene Weise gelöst. Erst in bezug auf soziale Systeme, die auf einer dieser Ebenen mit ihren spezifischen Merkmalen gebildet sind, kann man in einem zweiten Schritt der Analyse sinnvoll nach Differenzierung fragen.“
Niklas Luhmann

Komplexität, Kontingenz und Entscheidung

Frontmatter

Allgemeines Modell organisierter Sozialsysteme

Zusammenfassung
„Die neueren Entwicklungen der Organisationstheorie, haben Sachverhalte von sehr hoher Komplexität aufgedeckt. Daraus sind für die Aufgabe, ein allgemeines Organisationsmodell zu skizzieren, Folgerungen zu ziehen. Zunächst muß ein allgemeines Organisationsmodell entworfen werden, das lediglich Variable enthält und das nur den Sinn eines analytischen Konzepts hat, mit dessen Hilfe sodann konkret bestehende oder zu bildende Organisationen analysiert und verglichen werden können. Das Modell soll das organisatorisch Mögliche schematisieren und die Frage nach Grenzen der Kompatibilität von Problemlösungen strukturieren. Es muß so gebaut sein, daß sich bei Einsetzen konkreter Werte in die einzelnen Variablen Entscheidungshilfen für die Ausfüllung der jeweils noch offenen Variablen ergeben. Bei dem erforderlichen Abstraktionsgrad können nicht alle denkbaren Beziehungen zwischen allen Variablen, geschweige denn alle denkbaren Beziehungen zwischen allen möglichen Werten aller Variablen, im voraus ausgedacht und geprüft werden. Das Modell erreicht theoretisch viel, wenn es ‚lernfähig‘ konzipiert ist, das heißt, wenn es Spezifizierungen ermöglicht, die an Erfahrungen überprüft werden können, und wenn im Enttäuschungsfalle die Werte bzw. die Variablen lokalisiert werden können, die geändert werden müssen.“
Niklas Luhmann

Grundbegriffliche Probleme einer interdisziplinären Entscheidungstheorie

Zusammenfassung
Rezension von Werner Kirsch, Entscheidungsprozesse. 3 Bde. Wiesbaden : Gabler 1970-1971. „Vor nicht allzu langer Zeit fragte mich einer der bekanntesten deutschen Juristen: ‚Was verstehen Sie eigentlich unter »Entscheidungstheorie«?‘ Werner Kirsch hat […] ein in drei Bände gegliedertes Lehrbuch vorgelegt, das geeignet ist, auf eine solche Frage eine Antwort zu geben.“
Niklas Luhmann

Zur Komplexität von Entscheidungssituationen

Zusammenfassung
„Die meisten Entscheidungstheorien lassen sich leiten durch die Frage nach der Richtigkeit der Entscheidung. Ein Urteil über die Richtigkeit der Entscheidung kann auf sehr verschiedene Weise gebildet werden; immer erfordert es als Urteilskomponenten aber Urteile über Kausalitäten und Urteile über Werte. Sowohl Ursachen und Wirkungen als auch Werte sind in realen Entscheidungssituationen in großer Zahl und Verschiedenartigkeit gegeben. Kausalstrukturen und Wertstrukturen sind zudem in sich interdependent, so daß die Relevanz jedes Einzelitems davon abhängt, ob andere gegeben sind bzw. angenommen werden. Dazu kommt die Interdependenz zwischen Kausalitäten und Werten. Entscheidungssituationen erweisen sich daher, wenn man sie auf die Bedingungen der Möglichkeit richtiger Entscheidungen hin analysiert, immer als überaus komplex. Diese Komplexität überfordert das Orientierungs- und Selektionsvermögen des einzelnen. Daher kann ihm Rationalität nicht ohne weiteres zugemutet werden, wenn man unter Rationalität richtiges Entscheiden versteht. Richtiges Verhalten ist für den einzelnen nur möglich, wenn ihm die Entscheidung im wesentlichen abgenommen wird.“
Niklas Luhmann

Organisierte Macht

Zusammenfassung
„Im Rahmen einer Machttheorie ist es unerläßlich, sich einige Konsequenzen für die Bildung und Eliminierung von Macht in Organisationen zu überlegen. Es versteht sich von selbst, daß der Aufbau von Organisationen das gesellschaftlich Mögliche verändert, und zwar auch und gerade in dem Bereich, der mit Macht zu tun hat. Der gesamtgesellschaftlich etablierte Machtcode verweist in verschiedenen Hinsichten auf diese Möglichkeit, über Organisation neue Machtkombinationen zu ermöglichen und zu restringieren, und er bringt sie durch Zentralisierung der Verfügung über Machtgrundlagen und durch katalytischen Einsatz von Macht bei der Organisationsbildung mit in Gang.“
Niklas Luhmann

Allgemeine Theorie organisierter Sozialsysteme

Zusammenfassung
„Systembildung durch Organisation kann begriffen werden als Rekonstruktion doppelter, relativ unabhängig variierender Kontingenzen. Der eine Kontingenzbereich liegt in den Verhaltensdispositionen der Personen, die Handlungen zum System beitragen (Mitglieder). […] Der andere Kontingenzbereich liegt in den Regeln […], nach denen Mitglieder sich verhalten sollen. Auch diese Regeln sind kontingent. Sie werden nur durch Entscheidung begründet. Sie gelten positiv. Ihre Änderbarkeit wird daher mitimpliziert und oft mitgeregelt. Organisierte Sozialsysteme konstituieren sich dadurch, daß diese beiden Kontingenzen aufeinander bezogen und miteinander verknüpft werden und sich dadurch wechselseitig in ihrem Variationsspielraum beschränken. Die Mitgliedschaft wird, mehr oder weniger strikt, zumindest aber ‚formal‘, an die Bedingung der Regelbefolgung gebunden. Nur wer die Regeln anerkennt, kann eintreten. Wer sie nicht mehr befolgen will, muß austreten.“
Niklas Luhmann

Organisation und Entscheidung

Zusammenfassung
„Entscheidungen […] sind Ereignisse, die sich selbst als kontingent thematisieren. Organisationssysteme sind soziale Systeme, die aus Entscheidungen bestehen und Entscheidungen wechselseitig miteinander verknüpfen. […] Eine soziologische Organisationstheorie muß davon ausgehen, daß Entscheidungsmengen nicht beliebig vermehrt werden, daß Organisationen nicht beliebig wachsen können. Sie muß daher versuchen, den Prozeß der Konstitution der Elemente des Systems genauer zu begreifen, das heißt zu begreifen, wie er Komplexität aufbaut und zugleich behandlungsfähig macht.“
Niklas Luhmann

Soziologische Aspekte des Entscheidungsverhaltens

Zusammenfassung
„Entscheidung wird üblicherweise aufgefaßt als eine an Präferenzen orientierte Wahl zwischen Alternativen. Von hier aus hat man wenig Verbindung zur soziologischen Forschung herstellen können. Das ließe sich ändern, wenn man Entscheidung statt dessen als ein auf Erwartungen reagierendes Verhalten definieren würde, denn auf den Begriff der Erwartung bauen die wichtigsten Strukturbegriffe der Soziologie (Norm, Rolle, Institution) auf.“
Niklas Luhmann

Paradoxien des Organisierens

Frontmatter

Organisation

Zusammenfassung
„Die folgenden Überlegungen […] gehen von der Annahme aus, daß soziale Systeme ganz allgemein und ohne Ausnahme sich als selbstreferentielle autopoietische Systeme bilden und daß dies deshalb auch für organisierte soziale Systeme gelten muß. […] Auf dieser Theoriegrundlage können organisierte Sozialsysteme begriffen werden als Systeme, die aus Entscheidungen bestehen und die Entscheidungen, aus denen sie bestehen, durch die Entscheidungen, aus denen sie bestehen, selbst anfertigen. Mit ‚Entscheidung‘ ist dabei nicht ein psychischer Vorgang gemeint, sondern eine Kommunikation; nicht ein psychisches Ereignis, eine bewußtseinsinterne Selbstfestlegung, sondern ein soziales Ereignis. Deshalb kann man auch nicht sagen, daß Entscheidungen, nachdem sie getroffen sind, noch kommuniziert werden müssen. Entscheidungen sind Kommunikationen – was natürlich nicht ausschließt, daß man über Entscheidungen kommunizieren kann.“
Niklas Luhmann

Ausdifferenzierung von Interaktion und Organisation

Zusammenfassung
„Die Großformen der gesellschaftlichen Teilsysteme schwimmen auf einem Meer ständig neu gebildeter und wieder aufgelöster Kleinsysteme. Keine gesellschaftliche Teilsystembildung, keine Form gesellschaftlicher Systemdifferenzierung kann alle Bildung sozialer Systeme so dominieren, daß sie ausschließlich innerhalb der Primärsysteme des Gesellschaftssystems stattfindet. […] Auch Kleinstbegegnungen persönlicher und unpersönlicher Art sind, sofern Kommunikation stattfindet, Vollzug von Gesellschaft. […] Wir brauchen deshalb einen Begriff, der die Kontakte unter Anwesenden beschreibt, ohne in Frage zu stellen, daß es sich um Kommunikation im Gesellschaftssystem handelt. Dies soll der Begriff des Interaktionssystems leisten. […] Zugleich kann man aber wissen, daß auf diese Weise die Gesellschaft selbst nicht zu begreifen ist. Je komplexer ihr System, desto härter die Gleichzeitigkeit und damit die Unbeeinflußbarkeit dessen, was in jedem Moment faktisch geschieht. Und desto illusorischer schließlich der Glaube, dies könne in der Form der Interaktion, durch Dialoge, durch Verständigungsversuche unter erreichbaren Partnern in eine rationale Form gebracht werden. Geht es, wenn nicht mit Interaktion, mit Organisation?“
Niklas Luhmann

Risikoverhalten in Organisationen

Zusammenfassung
„Angesichts der Unmöglichkeit perfekt rationalen (optimalen) Entscheidens und angesichts der Unmöglichkeit, vorauszusehen, was eine Entscheidung gewesen sein wird, wird jede Kommunikation zum Risiko, etwas nicht beachtet zu haben, was nachträglich als beachtenswert erscheint, oder in einer Weise entschieden zu haben, die nachträglich als verkehrt oder als sonstwie vorwerfbar erscheint. Auch Nichtkommunikation schützt vor diesem Risiko nicht, da auch sie als Unterlassung zur Entscheidung gemacht werden kann. Wesentliche Züge des kommunikativen Verhaltens in Organisationen […] erklären sich aus dieser Überlagerung des Entscheidens mit Risiken. Die Breite des Phänomens schließt die Ausdifferenzierung eines ‚Risikomanagements‘ als Sonderaufgabe bestimmter Stellen oder Abteilungen aus.“
Niklas Luhmann

Die Paradoxie des Entscheidens

Zusammenfassung
„Die klassische Vorstellung, gute Entscheidungen seien richtige Entscheidungen und richtige Entscheidungen seien durch rationale Abwägung von Zwecken und Mitteln zu erreichen, befindet sich in voller Auflösung. […] Wenn von Entscheidungen gesprochen wird, denkt man normalerweise an einen Wahlakt, dem eine gewisse Willkür eigen ist. Was bereits voll determiniert ist, kann nicht mehr entschieden werden. Zur Entscheidung gehört daher auch ein Mindestmaß an Unvorhersehbarkeit, fast könnte man sagen: an Irrationalität. […] Heinz von Foerster drückt dies mit aller wünschenswerten Klarheit aus: ‚Only those questions that are in principle undecidable, we can decide‘.“
Niklas Luhmann

Die Rolle von Organisationen in der industriellen Gesellschaft

Zusammenfassung
„Gesellschaftliche Funktionssysteme und Organisationen realisieren einen sehr unterschiedlichen Modus der Inklusion – und damit auch der Exklusion. Funktionssysteme müssen jede Kommunikation annehmen und als ihre eigene erkennen, die ihren Code und ihre Programme benutzt. […] Es gibt unter diesen Umständen keine sinnvolle Exklusion von Personen aus den Funktionssystemen. […] Das genaue Gegenteil findet man in Organisationen – und zwar auch und gerade in den Organisationen, die sich innerhalb von Funktionssystemen bilden. Hier wird in der Form von Eintritt-/Austrittentscheidungen nach Inklusion/Exklusion differenziert. […] Wir können jetzt sehen, daß die Gesellschaft auf diese Weise ein bestimmtes Paradox auflöst. Alle Inklusion ist durch Exklusionen, alle Exklusion durch lnklusionen bedingt. […] Aber die Gesellschaft kann dieses Paradox […] entfalten, indem sie verschiedene Lösungen anbietet und diese miteinander verbindet, nämlich innerhalb ihrer inklusionsoffenen Funktionssysteme Organisationen bildet, die in ihrem Mitgliederbestand geschlossen, wenngleich natürlich mobil und dynamisch sind. Wenn diese Lösung formal eingewöhnt ist, kann es innerhalb des organisierten Bereiches zu Querbeziehungen zwischen den Organisationen kommen. Die Möglichkeiten, bestimmte Positionen zu nutzen, werden der hierarchischen Kontrolle entzogen und in ein Netzwerk wechselseitiger Gefälligkeiten eingebracht. […]. Die Ausbreitung solcher Netzwerke hat die Folge, daß Organisationen nicht mehr steuerbar sind, zumal die Spitze, die ja selbst nur als Teil des Systems entscheiden kann, in den Austausch von Gunsterweisen, ohne den nichts zu bewirken ist, hineingezogen wird.“
Niklas Luhmann

Die Gesellschaft und ihre Organisationen

Zusammenfassung
„Kann man sagen, daß Organisationen ein anderer Gegenstand sind als die Gesellschaft und ihre Teilsysteme, obwohl es doch in all diesen Teilsystemen von Organisationen nur so wimmelt und organisationsfreie Interaktionen, die sich gleichwohl einem Teilsystem der Gesellschaft ausschließlich zuordnen lassen, schwer zu entdecken sind? Worin besteht eigentlich der Unterschied dieser Systemformen? Und sodann: Wieso scheinen sie aufeinander angewiesen zu sein? [...] Während Gesellschaft, wenn überhaupt kommuniziert wird, immer schon da ist, können Organisationen in der Gesellschaft gebildet und aufgelöst werden. Organisationen existieren nicht außerhalb, sondern, da auch in ihnen kommuniziert wird, nur innerhalb der Gesellschaft. Sie sind eine besondere Form, Gesellschaft durch programmatisch verdichtete Kommunikation fortzusetzen. Sie eröffnen Entscheidungsspielräume, die es anderenfalls nicht gäbe, und sie ermöglichen es dadurch, die Irritabilität des Systems zu steigern.“
Niklas Luhmann

Membership and Motives in Social Systems

Zusammenfassung
“Classical theory describes (and prescribes) organizations as systems that have the capacity of making rational decisions. They pursue objectives and are in control of their instruments. […] Control of instruments means control of motives to contribute to the organization. But how is it possible to control motives if humans are conceived as subjects, that is, as self-organizing entities? The answer is: by membership. Subjects decide to enter the system, to use their freedom to accept constraints, that is, to establish a ‘zone of indifference’ within which the organization or the ‘executive’ on its behalf can select what he wants to be done.”
Niklas Luhmann

Entscheidungen

Zusammenfassung
„Es gehört zu den Besonderheiten, die die moderne Gesellschaft auszeichnen, daß sie Strukturen durch Entscheidungen begründet und gegebenenfalls wieder außer Kraft setzt. […] Die politische Wahl entscheidet über Möglichkeiten der Regierungsbildung, die ihrerseits weitere Entscheidungen erfordert. Man entscheidet sich zu heiraten. Man entscheidet sich für eine bestimmte Ausbildung. Man entscheidet sich für oder gegen ein bestimmtes religiöses Bekenntnis. […] Das sind für uns Selbstverständlichkeiten, aber es lohnt sich, den Blick für die Ungewöhnlichkeit eines solchen Arguments wiederzugewinnen. […] Zu den auffälligsten Merkmalen einer Entscheidung gehört, daß sie ein Kontingenzschema zugrunde legt. Die Welt ist so, wie sie ist; aber die Entscheidung setzt voraus und behauptet, etwas könnte anders sein oder anders werden. […] Wie kann aber all dies vor sich gehen, wenn die Welt selbst sich ständig durch Entscheidungen erneuert?“
Niklas Luhmann

Backmatter

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